Sonntag, 22. Juli 2012

Best Coast - The Only Place

























Platten vor Gericht fragt - du antwortest (I)

Heute mit: Christoph


PVG: Es wäre eine Schande, wenn jemand vom Konzerttagebuch nicht zuerst nach den Live-Qualitäten und-Erlebnissen von Best Coast gefragt würde...

Christoph: Leider habe ich Best Coast nur einmal gesehen, beim Bowlie in Minehead. Allerdings war das am anstrengenden Anreisetag und meine Aufnahmefähigkeit nicht mehr so hoch. Das Best Coast, die zu diesem Zeitpunkt zu meinen absoluten Lieblingen zählten, damals nur gut aber nicht brillant waren, schiebe ich daher auf meine angeschlagene Verfassung. Im August kann ich mehr sagen, da werde ich sie mir vermutlich in Brüssel ansehen. 


Kommen wir zur aktuellen Platte: Wie würdest du "The Only Place" im Vergleich zu seinem Vorgänger "Crazy For You" bewerten? 

The Only Place klingt eine Ecke glatter produziert als Crazy For You. Das Rohe beim Debüt mag ich eine Ecke besser. Durch die andere Produktion rutscht Best Coast jetzt mehr in die Musikecke, in der sich aktuell Band wie Allo Darlin' oder Veronica Falls tummeln - und gegen die haben es Best Coast schwer. Ich hatte riesige Vorfreude auf Crazy For You, weil ich mich in The Only Place bei deren Erscheinen sehr verliebt hatte. Diese hohe Erwartung hat die Platte wegen der überragenden Konkurrenzprodukte nicht rechtfertigen können. Sprich: The Only Place ist alles andere als schlecht - aber leider auch nicht so großartig wie der Vorgänger.


Welche 3 Songs von Best Coast sollten in einer gerechten Welt im Radio auf Dauerrotation laufen?

Boyfriend, When the sun don't shine und When I'm with you.


Welche Küste wäre denn für dich "the only place to be"?

Das Rheinufer! Gilt nicht als Küste? Na toll. Meeresküsten sind grundsätzlich die besten Plätze, an denen ich bisher war (abgesehen vom Rheinland). Eine Lieblingsküste wäre gerade vermutlich die südenglische mit Blick auf Wales, die ich mit dem Bowliefestival verbinde, auf dem ich Best Coast gesehen habe. Mein zweitliebster Meereszugang (der aber ein unechter ist) ist das Wasser rund um Stockholm, der schönsten Stadt der Welt.


Best Coast "The Only Place" from Doomsday Entertainment on Vimeo.


In Kalifornien wird immer noch vehement geträumt. Es gibt kaum einen Ort in der mythologischen Map Of America (von New York abgesehen), der so konsequent von einem Set von Bildern beherrscht wird wie der Golden State an der US-Westküste. Die Beach Boys mögen in ihrer Surf-Phase den Grundstein für den California-Kult gelegt haben, Brian Wilson und Van Dyke Parks setzten California mit dem Album Orange Crate Art in den 90er-Jahren ein Denkmal, Heerscharen von Bands zwischen Los Angeles und San Francisco proben in UV-intensiven Popsongs ein Stück Heimatpflege unter besonderer Berücksichtigung von Drogen, Glamour und den geografisch-klimatischen Besonderheiten Kaliforniens. Auf Crazy For You, dem 2010er-Vorgänger-Album des Duos Best Coast aus Los Angeles, konnten wir in den „Summer Mood“ switchen, um uns dann von der becircenden Beth Cosentino erzählen zu lassen, wie es sich so anfühlt, „When The Sun Don’t Shine“. Dem stark nostalgischen Trip in die eigene Teenagerzeit folgt mit The Only Place ein durchaus erwachsenes Album, angeführt von einer weiteren Liebeserklärung an ihren Home State. Was nicht heißen soll, dass Beth Cosentino und Partner Bobb Bruno die Girl-Group-Referenzen von ihrer Agenda genommen hätten, aber ihr California Dreamin’ im Jahr 2012 findet im Schwurbel- und Schraddel-Style mit nicht ganz so strom­linienförmigen Gitarren statt. Dream Pop für ein gewöhnlich gut informiertes Indie-Publikum, das zum Sonnenunter gang am Venice Beach die nächste Umweltkatastrophe schon mitdenkt. Am Ende aber werfen Best Coast wieder einen ungebrochenen Blick in die Nacht, untermalt von Streichern und viel Shoobidoo & Lalala. Key Tracks: „Up All Night“, „No One Like You“, „How They Want Me To Be“
(Musikexpress)

4 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Etwas weniger belanglos als das Vorgängeralbum. Leider fehlt der "Hit". 6,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Sorry, es werden bei mir auch nicht mehr als

6,5 Punkte

Oliver Peel hat gesagt…

Sind wir auch wieder nicht weit auseinander. Live liegen sie auch so in dem Bereich.

6 Punkte

Christoph hat gesagt…

Vor einem halben Jahr wäre ich auch bei 6,5 gelandet. Mittlerweile habe ich die Platte oft gehört, und sie gewinnt immer mehr! Sie ist jetzt bei 8.