Dienstag, 19. Juli 2016

Mick Harvey - Delirium tremens























"Oh, ein Solo-Album von Mick Harvey. Wenn der Nick Cave- und PJ Harvey-Kollaborateur solo musiziert, kann das ja eigentlich nur gut sein."... dachte ich mir bei Sichtung der Neuveröffentlichungen. Dirk ließ mich ins offene Messer laufen. Kurz danach wurde mir klar, dass es sich bei "Delirium tremens" nicht nur um Harveys siebtes Solo-Werk sondern auch um sein drittes mit Songs von Serge Gainsbourg handelt. Bereits vor 20 Jahren sah es Harvey als seine Bestimmung, auch die englischsprachige Welt mit Gainsbourgs Werk vertraut zu machen. Damals veröffentlichte er mit "Intoxicated man" (1995) und "Pink elephants" (1997) bereits zwei Alben, die auf den Hits oder bekannteren Titeln des Franzosen basierten. Kürzlich wurden diese wiederveröffentlicht. Und nun legt der Australier Harvey nach und dabei kümmert er sich verstärkt um Gainsbourgs Spätewerk bzw. unbekanntere Titel. 

Mit meiner Skepsis und Erwartung einer Zigarettenrauch-geschwängerten oder gar schwülstigen Atmosphäre lag ich weitgehend daneben. Musikalisch angeblich so gar nicht weit weg von den Originalen demonstriert Harvey die Vielseitigkeit von Gainsbourgs Output. Die auf "Delirium tremens" erklingenden Musikgenres lassen sich kaum aufzählen. 

Zu behaupten, nun interessiere mich auch das Gesamtwerk Gainsbourgs ginge zu weit. Aber zumindest hat sich mein Bild des Franzosen durch "Delirium tremens" doch merklich gewandelt. Wahrscheinlich ist er doch mehr als nur "Je t'aime... moi non plus".

"Deadly tedium", "The convict's song", "I envisage", "A day like any other" und "Boomerang" sind meine Favoriten auf "Delirium tremens". Und "SS C'est bon" macht mich nicht nur wegen der Nutzung des Deutschlandlieds im Hintergrund tatsächlich neugierig auf das Original. 

Im Herbst soll übrigens ein weiteres Album erscheinen. Mit diesem wird Harvey sich verstärkt den Duetten des Franzosen widmen.

Pitchfork.com:
Harvey remains mostly reverential to his sacrilegious source, but Delirium Tremens is much more than just Gainsbourg fed through Google Translate. Rather, it amplifies the unsettling undercurrents that always stewed beneath Gainsbourg’s impeccable arrangements: The jazzy swing of late ’50s serenade “Deadly Tedium” (“Ce Mortel Ennui”) becomes a queasy cabaret of wobbly vibraphones; the busker-folk shuffle of “The Convict Song” (“Chanson de Forçat”) is horsewhipped into a cowpunk charge that proves, while Harvey is no longer a Bad Seed, he still has a firm grasp of their reins.

Das Video zu "Don't say a thing":