Sufjan Stevens, Bryce Dessner, Nico Muhly & James McAlister - Planetarium


















Trafen sich ein Singer/Songwriter, ein Schlagzeuger, ein klassischer Komponist und Arrangeur sowie der Gitarrist einer amerikanischen Indierock-Band nachts in einer Kneipe. Sagt der Schlagzeuger: „Wollen wir nicht zusammen ein Album aufnehmen?“ Antwortet der Gitarrist: „Ich könnte mein Label 4AD fragen, ob sie es herausbringen wollen.“ „Gute Idee, fehlt nur noch ein roter Faden…“, ergänzt der Komponist. „Wir könnten zu jedem US-Bundesstaat…“, setzt der konzeptbesessene Singer/Songwriter an, wird von den drei anderen aber jäh unterbrochen. „Geht’s auch eine Nummer kleiner?“ will der Schlagzeuger wissen, der beginnt, seinen Einfall für eine Schnapsidee zu halten. „Schwierig,“ antwortet der Singer/Songwriter, wirft verzweifelt seinen Kopf in den Nacken, schaut in den Sternenhimmel und ergänzt: „… unser Sonnensystem, Kuipergürtel, schwarze Löcher, der Halleysche Komet…“ „Heureka!“ ruft der Gitarrist. „Planetarium!“ ergänzt der Komponist, der an Gustav Holst Orchestersuite „The Planets“ denkt. „Ich brauche mehr Schnaps,“ murmelt der Schlagzeuger.

Sufjan Stevens, Bryce Dessner, Nico Muhly und James McAlister begeben sich gemeinsam auf einen 76-minütigen Trip der sie zu den acht Planeten ihres eigenen Musiksystems führt: New Age, Avantgarde, Neo-Klassik, Electronica, Ambient, Filmmusik, Space-Rock und Folkpop. Die 17 Titel dauern zwischen 31 Sekunden und 15 Minuten, liefern säuselnde Streicher, Elektrogeplucker, Sufjan Stevens Stimme auf Autotune, rumpelnde Beats und Synthiedrones, lassen einen an „Carrie & Lowell“, aber auch an „The Age Of Adz“ denken, häufig die Skip-Taste drücken und am Ende nicht nur einen Schnaps herbei wünschen.




Die Ambition war ein ständiger Begleiter bei diesem Projekt, gleich zum Auftakt bei „Neptune“ geht die Sache wunderbar auf, Erinnerungen an ANDROMEDA HEIGHTS von Prefab Sprout kommen auf, eine gleichermaßen verkitschte und erhabene Musik. Auf dem „Jupiter“, für Stevens der Einsamste unter den Planeten, wird’s komplizierter. McAlisters Rhythmen marschieren, elektronische Störgeräusche, ähm, stören, der Vocoder klingt nach Captain Future.Viele Tracks sind weniger Songs als Suiten: Recht plötzlich ertönen von Muhly komponierte Bläserparts oder intergalaktische Zwischenspiele, einige kappen komplett die Verbindung zum Song, um den sich Sufjan Stevens zuvor bemüht hat. Vieles klingt ziellos; nur konsequent, dass „Earth“ die größten Bauchschmerzen bereitet. Mit „Mercury“ endet das Album reduziert: Zu Dessners zirkulierender Gitarre flieht die Stimme von Sufjan Stevens bis hoch in den Sopran. Es hätte so schön sein können.(musikexpress)




Musikalisch ionisiert man erwartbar virtuos zwischen Indie, Prog-Rock, Folk und Filmmusik umher, aber nicht ohne Überraschungen: Bei »Jupiter« kracht auf einmal etwas Skrillex’haftes durch, um sich dann mit archetypischen Sufjan-Stevens-Bläsern zu vermengen. Die Single »Saturn« hat mit ihrem House-Beat so etwas wie Hit-Potenzial, wirklich relevant sind derlei Kategorien aber selbstredend nicht. Im Zentrum all dessen steht Stevens’ Stimme, die trotz häufigen Auto-Tune-Einsatzes ein steter Ruhepol ist. Textlich synchron wird das innere, menschliche und moralische All thematisiert, »What’s right and what’s wrong« sind die ersten Zeilen des Albums. Das viertelstündige »Earth« gegen Ende ist der erlösende Höhepunkt. Benediction, Hallelujah!(intro)





Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Ein starker Anfang und dann viel viel Leerlauf. Höre ich mir das nächste Mal an, wenn ich in einem Observatorium sitze. 6,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

Mehr Songs und weniger Fragmente wären gut gewesen. 6 Punkte

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