Mittwoch, 27. Juli 2016

Kent - Då Som Nu För Alltid























Es führt kein Weg dran vorbei, weder verschweigen noch ignorieren funktioniert, also müssen wir uns der Tatsache stellen: „Då Som Nu För Alltid“ ist das zwölfte und letzte Album von Kent.

Wenn ich dieser traurigen Tatsache schon ins Auge sehen muss, dann ist heute ein guter Tag dafür, denn ich steige in einen Flieger in die schwedische Heimat der Band. Eigentlich bin ich dann einige Monate zu früh in Stockholm, denn die Abschiedstournee von Kent findet erst in den letzten Monaten des Jahres statt - leider nur in Skandinavien und die Tickets waren schneller ausverkauft, als dass ich einen winterlichen Konzertreise-Entschluss fassen konnte.
Warum nur Skandinavien? Ein Blick auf die Chart-Platzierungen von „Då Som Nu För Alltid“ gibt die Erklärung: Dänemark #13, Finnland #3, Norwegen # 5 und Schweden #1.

Also bleibt mir nichts anderes übrig, als in der nächsten Woche die neu aufgelegten Schallplatten von Kent in Stockholm zu kaufen und Konzerte von Sigur Rós, Kraftwerk, Mogwai, Patrick Wolf, Loney, Dear und einigen anderen zu besuchen. Jammern auf hohem Niveau.

Das könnte jetzt eine gute Überleitung zu „Då Som Nu För Alltid“ sein, aber seien wir ehrlich, denn ganz großen Glanz haben die letzten Alben von Kent nicht mehr ausgestrahlt, denn synthetischer Dance-Pop hat zunehmend (oder konkreter: seit „En Plats I Solen“, 2010) die Oberhand gewonnen und gitarrige Klänge weit in den Hintergrund geschoben.

Eine melancholische Stimmung und düstere Songs die zum morbiden Plattencover, dem Albumtitel (zu deutsch: „Damals wie heute für immer“) und dem Abschied von Kent passen würden, sucht man leider vergebens. Zum Schluss finden Kent, die ihre im März veröffentlichte Single „Egoist“ hier außen vor lassen, mit „Den sista sången“ („Das letzte Lied“) einen passenden Abschluss, wenn wir Joakim Berg gemeinsam mit seinen Kindern singen hören. Der Kinderchor bildet auch für das gesamte Album einen schönen Rahmen, denn auch beim Opener „Andromeda“ ist dieser bereits zu hören.

In einer schwedischen Plattenkritik konnte ich lesen, dass „Då Som Nu För Alltid“ das achtbeste Album von Kent sei. Dem kann man, ohne groß nach zu rechen und zu vergleichen, vermutlich zustimmen.




Geteiltes Leid ist halbes Leid, daher der Text von Sandra von Mittsommernachtsspitzen zum letzten Album von Kent. An einer Track-by-Track-Review arbeitet sie noch...

Ich habe diesen Tag stets gefürchtet. Den Tag, an dem ich beginnen muss, Abschied zu nehmen. Den Tag, an dem das Ende einer Ära eingeläutet wird. An dem sich der müde, weiße Tiger ins Dunkle zurückzieht – sich schlafen legt – für immer.

Nach 26 Jahren verlassen Kent die große Arena des schwedischen Popbusiness. Bereits im Trailer zum neuen Album und zu Kents Abschiedstournee trommelt das totenkopfgeschminkte Mädchen alle zum großen Begräbnis zusammen. Zur letzten andächtigen Feier. Auf dem Weg zur letzten Ruhestätte, vergegenwärtigt sich ein ganzes musikalisches Leben. Finden Kent im Marsch zurück zu ihren Anfängen, zu einer lange verschollenen Sensibilität und Kreativität. Schinden das letzte mal Eindruck – einen bleibenden – „Då som nu för alltid“ (Damals wie heute für immer).

Seit der Veröffentlichung am 20. Mai, habe ich dieses Album bereits sehr oft gehört. Es hat mich paralysiert, meine Tränen fließen lassen, mein Herz brennen lassen und meine Füße beim Tanzen im Wohnzimmer. Ich gab ihm Zeit, sodass es wachsen konnte. Lasse auch Milde walten, ist es doch der letzte Gruß. Für mich hat das Schreiben über Kents letztes Werk eine große Wichtigkeit. „It’s the story of my life…“ Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, die Rezension des Albums nicht in einem einzigen, großen Text zu veröffentlichen, sondern Lied für Lied in chronologischer Reihenfolge. Für mich und alle anderen Kent-Fans endet mit den letzten Konzerten im Dezember ein wichtiger Lebensabschnitt und ein neuer beginnt. Doch erst werden wir es geniessen – unser letztes Album – unser letztes Jahr mit Kent.





2 Kommentare:

Hundertstelsekunde hat gesagt…

Ich finde die Rezension oberflächlich - aus zwei Gründen: Nur weil Kent angeblich Dance-Pop zelebrieren anstatt des früheren Indiesounds, ist das Album schon mal nicht grundsätzlich schwach. Es ist einfach Geschmackssache, ob man eher Rock oder eher Pop mag. Ich mag es aber, wenn Rezensenten ungeachtet aller Genres genau hinhören. Der zweite Grund: Warum wird von Kent immer ein düsteres Album erwartet und ein anders gestimmtes von vornherein als Fehlversuch abgetan? Kent haben auf grandiosen Alben wie "Hagnesta Hill" bereits viel Süßeres abgeliefert und wurden damals bejubelt. Aus meiner Sicht stößt das aktuelle Album in die Top 3 vor. Hört einfach hin!

Volker hat gesagt…

Schöner Abgesang, und mit Pop jedweder Couleur kriegt man mich ja eh.

7,5 mit Luft nach oben