Montag, 18. Januar 2016

Daughter - Not To Disappear


























Dass Daughter zurzeit alle Konzertsäle ausverkaufen, haben sie sich wirklich verdient. Auch wenn ich kein Ticket mehr für ihren Kölner Auftritt erhalten habe.

Dass Daughter uns fast drei Jahre auf den Nachfolger ihres Debütalbums "If You Leave" habe warten lassen, haben wir eigentlich nicht verdient. Aber mit "Not To Disappear" werden wir für die lange Wartezeit mehr als nur gut entschädigt.

"Not To Disappear" ist wie geschaffen für eine Veröffentlichung auf dem legendären 4AD-Label: es schwelgt im verträumten Folkrock, arbeitet die shoegaze-gitarrigen Momente klarer heraus, experimentiert mit sphärischen Synthie-Klängen und elektronischen Beats, pointiert deutlich die Leerstellen im Sound und die Pausen im Song, so dass wieder Vergleiche zu The xx gezogen werden müssen, und lässt Sängerin Elena Tonra in ihren Texten deutliche Worte finden, sei es zum Thema Partnerschaft, wie in "Alone / With You" ("I hate living alone, talking to myself is boring conversation… I hate living with you, I should get a dog or something"), oder zur Erkrankung ihrer Großmutter an Alzheimer ("I'm just fearing one day soon I'll lose my mind/Then I'll lose my children, then I'll lose my love") bei der Single "Doing The Right Thing":   



Die Atmosphäre des neuen Albums driftet zwischen melancholisch und hoffnungsvoll, wiegt zwischen Ruhe und Ausbruch hin und her. Der Opener „New Ways“ entwickelt sich von einem subtilen Set-up aus hallendem Beat und einer einfachen Melodie zu einem intensiven Rausch aus krachenden Becken und flirrenden Gitarren. Auch „Doing The Right Thing“ füllt mit jedem Takt mehr Pausen, aufheulende Klänge umgarnen Tonras druckvolle Stimme mehr und mehr, am Ende gewinnt sie die Oberhand. Dass die Songs von Daughter auch perfekt mit technoiden Beats funktionieren, zeigt „Alone / With You“, das einen Remix erhoffen lässt.
Unter der Oberfläche ist seit „If You Leave“ viel passiert. Hörbar ist, dass sich Daughter mit ihrem Zweitling geöffnet haben. Für mehr Platz zum Atmen, Platz für feine Wechsel, für eine ausgeklügelte und um sich greifende Dynamik.
(byte.fm)




(...) Und das gelingt auf dem zweiten Album deutlich besser. „New Ways“ hat zum Auftakt einen wunderbaren Spannungsbogen, das Arrangement führt tief hinein in den Märchenwald des Daughter-Labels 4AD, in dem früher die Cocteau Twins, Mojave 3, Red House Painters und This Mortal Coil die Pilze sammelten. „How“ intensiviert mit seiner Laut-Leise-Architektur diese Stimmung: Daughter wenden sich weiter vom spröden Indie-Folk ab, ziehen in Richtung Dream Pop und Shoegaze. Doch Sängerin Elena Tongra ist alles andere als schläfrig: In „Alone/With You“ disst sie einen geistesabwesenden Sexpartner: „I hate sleeping with you, just a shadowy figure with a blank face.“ Bei „Doing The Right Thing“ singt sie davon, nackig raus in die Sonne zu rennen. Aber wehe, die Nacht kommt – und damit der Gedanke an die verstorbene Mutter. Die Harmonien an dieser Bruchstelle zwischen Tag und Nacht sind himmlisch. Tatsächlich: Heart skipped a beat. Wie bei „Fossa“, eine Art Verzweiflungstwist im Elfenbeinturm der Einsamkeit, in dem auch Sigur Rós beheimatet sind. Es darf jetzt auch mal krachen bei Daughter. Das hatte auf dem Debüt gefehlt. Und das macht NOT TO DISAPPEAR zu einer noch besseren Platte.
(Musikexpress)



6 Kommentare:

Volker hat gesagt…

Ich konnte dem Hype zum Vorgänger schon nicht recht folgen. Dieses hier lässt mich noch ratloser zurück.

5 Punkte

d.teil hat gesagt…

7 Punkte.

DAs Debüt fand ich persönlich komplexer und über die Jahre hinweg zeitloser.
Nichts desto Trotz ein Album mit sehr schönen Momenten.

Olly Golightly hat gesagt…

Mindestens so gut wie der Vorgänger: 9 Punkte

Ingo hat gesagt…

Stellenweise mitreißend und selten Shoegaze-langweilig. 8 Punkte

Jörg hat gesagt…

Schöner, traumerischer Pop! Die grauen November-Sonntage sind gerettet! 7,5 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

Ich muss um einen halben Punkt nach unten korrigieren: 8,5 Punkte