Freitag, 27. September 2013

The Mission - The Brightest Light

















Comebacks, auf die die Welt gewartet hat, oder? (II)

Als Jugendlicher mitten im Nirgendwo hatte man Mitte der 80er Jahre nur wenige Möglichkeiten, um sich über neue Musik und Bands zu informieren: das Radio,  in dem eifrig auf Kassetten mitgeschnitten wurde, die Video-Clip-Sendung "Formel Eins" und den Musikexpress. Auf der letzten Seite dieser Musikzeitschrift wurden immer aktuelle Hitlisten abgedruckt, darunter die Indie-Charts mit eben so unbekannten wie verlockenden Bandnamen, die zu zahlreichen "Blindkäufen" und somit zu einigen tollen und prägenden Entdeckungen (The Smiths, Phillip Boa usw.) führten. 

Eine dieser Bands waren auch die britischen Gothic-Rocker von The Mission, die gleich mit ihren ersten EPs "Serpents Kiss" und "Garden Of Delight" begeistern konnten. Diese Leidenschaft trug über ein Konzert (Bizarre Festival 1989 auf der Loreley, u.a. mit The Cure und Pixies) sowie sechs Alben und hielt bis ins Jahr 1992 - dann kamen spannendere Bands aus dem Land des Britpop.

Mindestens 5 weitere Alben haben The Mission seitdem veröffentlicht, ohne dass ich auch nur einen Titel kennen würde. Für Ende des Jahres wurden Konzerte in Deutschland angekündigt und ich überlege seitdem ernsthaft, ob ich nicht doch eins besuchen sollte. Ein neues Album, eingespielt von den Originalmitgliedern Wayne Hussey, Craig Adams und Simon Hinkler, sowie dem Schlagzeuger Mike Kelly, gibt es ebenfalls, also hörte ich zunächst in "The Brightest Light" hinein:

"Black Cat Bone" eröffnet langatmig (über 8 Minuten) das Album, und lässt zunächst an das Album "Children" (1988) denken, doch dann setzt Husseys kratzige Stimme ein und lässt einen a) fragen, wann der Mann sich sein Organ so ruiniert hat und b) denken, ob man noch ganz bei Trost sei, zu überlegen, sich das auch noch live anzuhören. Das folgende "Everything But The Squeal" macht es nicht besser und wäre vermutlich vor 30 Jahren als erträglicher Song einer Metal-Band durchgegangen. Wayne Husseys Stimme hat sich jedoch danach gefangen und man stellt fest, dass die Art zu singen wohl ein gewolltes Stilelement war. Auch wenn im weiteren Verlauf der ein oder andere Song (etwa "The Girl In A Furskin Rug") folgt, der auch auf früheren Platten wie "Children" oder "Carved In Sand" (1990) bzw. auf dem poppigen "Masque" (1992), das gemeinhin eher als ein Soloalbum von Hussey verstanden wird (das balladeske "Litany For The Faithful"), muss sich der Gothic-Liebhaber doch eingestehen, dass The Mission ein lupenreines Rock-Album vorgelegt haben. Das zunächst verhaltene "Ain't No Prayer In The Bible Can Save Me Now" richtet sich gemütlich im "Hotel California" ein, der Mundharmonika-Rocker "Just Anoster Pawn In Your Game" wohnt in der Nachbarschaft von Bruce Springsteen oder Tom Petty und "From The Oyster Comes The Pearl" muss wohl ein Untermieter von Aerosmith sein. Richtig schlimm wird es bei "Drag", der erste Song auf der Bonus-CD, der prima auf "Vision Thing" von The Sisters Of Mercy passen würde, damit man überlegen kann, ob dieser Song oder "Dr. Jeep" tumber und unorigineller ist.

Ich befürchte, ich muss zunächst die Setlisten vorheriger Konzerte von The Mission beobachten, um mich dann doch im Dezember zu einem Konzertbesuch zu entscheiden. Hier sind dennoch die Daten:

20.12.13 Frankfurt, Batschkapp
21.12.13 Berlin, Postbahnhof
22.12.13 Hamburg, Markthalle
23.12.13 Köln, Live Music Hall

Hier ist die erste Single "Sometimes The Brightest Light Comes From The Darkest Place":


Hier ist ein Statement von Wayne Hussey:
„Dies ist mein Rockalbum, meine Frau bezeichnet es als mein ‚Testosteron-Werk’. Es spannt die Muskeln an und demonstriert puren Stolz! Ich wollte den Sound, den wir live erzeugen, so gut wie möglich einfangen und ich denke, dass uns dies zum ersten Mal wirklich gelungen ist … Wir hatten bei den Aufnahmen unglaublich viel Spaß und ich denke, dass man dies spürt, wenn man die Scheibe hört. Wir sind erwachsener, reifer, weiser und kennen heute besser als jemals zuvor die wahren Stärken von The Mission. Und ich denke, dass wir uns gerade dieser Stärken sehr bewusst sind.”

Und hier ist noch eine vollkommen euphorische Kritik:
Jetzt ist es fertig, das neue Album, das Laut seinem Titel „Das hellste Licht“ verspricht. Für mich eine Neuerfindung von The Mission, wie sie nicht besser hätte sein können. Wer hier jedoch eine nahtlose Fortsetzung des bewährten und altbekannten Sounds erwartet, wird sehr überrascht sein. Die Truppe hört sich erfrischend neu und rockig an. Die neuen Stücke mit grandiosen Melodien und Texten über den Teufel, über Pathos und Herzschmerz gehören sicherlich zu den überzeugendsten, die Hussey je geschrieben hat. Zudem hat seine unverkennbare Stimme noch nie so ehrlich geklungen wie auf diesem Album. Simon Hinkler kann sich nach fast 20 Jahren außerhalb des Musikbusiness mit Fug und Recht wieder als Gitarrengott seiner Generation bezeichnen lassen. Sein Spiel auf dem neuen The Mission Album ist absolut ausdrucksstark. Zum allerersten Mal ist Simon Hinkler aus Husseys Schatten herausgetreten und hat mit seinem Gitarrenspiel seine eigene wahre Stimme gefunden, die er ausdrucksstark in Titeln wie „From The Oyster Comes The Pearl“ wiedergibt. Der Opener „Black Cat Bone“ entführt den Zuhörer aber zunächst auf ruhigen Weg ins neue Album. Eine langsam aufbauende Spannung, eine typische Hussey Stimme, voller Kraft, Hass und Schmerz. „Everything But The Squeal” ist das zweite Stück und dieses strotzt nur so vor Kraft. Das ist Rock in seiner Urform der durch seine harte Ehrlichkeit überzeugt. Singlequalitäten und Radiotauglichkeit dürfte „Sometimes The Brightest Light Com“ vermitteln. Das Stück ist so eingängig, das es direkt im Ohr hängen bleibt. Auch hier kommt die Stärke von Simon Hinklers Gitarrenspiel voll zur Geltung. Ihr wollt ein Hauch Rocky Horror Picture Show? Das war das Erste, was mir zu „Born Under A Good Sign“ einfiel. Party, Spaß und sau gute Laune vermittelt dieser Track. „Ain’t No Prayer In The Bible Can“ ist für mich eines der besten Stücke auf dem Album mit einem ungeheuren Tiefgang! „Litany For The Faithful” eine fantastisch melodische und gefühlvolle Ballade, in der das Gitarrenspiel von Slink und die Stimme von Hussey voll und ganz aufblühen.

Fazit: Nie haben sich die Legenden des Gothic Rock besser angehört. Das Album der alten Haudegen setzt neue Maßstäbe. The Mission hören sich erholt, frisch und neu an und doch sind die Grundelemente und Stärken unverkennbar. Es ist in meinen Augen ihr bisheriges Meisterwerk, was sie geschaffen haben. Ich freue mich jetzt schon auf das Konzert im Winter, endlich die Stücke Live zu erleben. Von mir gibt es hier eine ganz klare 9,5 von 10 Punkten. Die lange (Zwangs) Pause tat den Jungs gut. Das sollten einige andere Bands auch mal machen und nicht im Jahresrhythmus versuchen neue Alben auf den Markt zu schütten.
(Tombstone)

4 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Wegen der schwächeren zweiten Hälfte 6,5 Punkte.

Olly Golightly hat gesagt…

"Die wahren Stärken von The Mission" liegen nicht in einem Rock-Album: 2,5 Punkte.

Jörg hat gesagt…

Aha, The Mission gibt's also auch noch... . Aber: Wayne interessiert das noch ? Langweiliger Alt-Herrrenrock ohne Idee und Ziel. Dann die krächzende Stimme von Wayne Hussey... wie ist denn das passiert? Ne,ne,ne... das ist gar nichts ! 2 Punkte!

Dirk hat gesagt…

Ganz so schlimm, wie hier gesagt, ist das Album nicht. Aber annähernd

4,5 Punkte