Mittwoch, 25. Juli 2012

Feeder - Generation Freakshow


























Platten vor Gericht fragt - du antwortest (IV)

Heute mit: Ingo


PVG: Vor 10 Jahren wurden die Plattenverkäufe von Feeder im Vereinigten Königreich noch in Hunderttausendern gezählt. "Generartion Freakshow" verkaufte dort weniger als 10.000 Einheiten - berechtigt?

Ingo: Vor zehn Jahren erschien „Comfort in sound“. Das war das erste Album nach dem kommerziellen Durchbruch der Band mit „Echo park“ und nach dem Selbstmord des Drummers Jon Lee. Das waren gleich zwei extreme Situationen die sich sicherlich auf die Band und auf der Interesse der Öffentlichkeit ausgewirkt haben. Seit dem 2005er Album „Pushing the senses“ dreht sich Feeder mehr oder weniger im Kreis. Feeder macht Poprock- und Indierock-Songs und streut getragene Titel ein. Die Alben unterscheidet im Kern nur noch das Verhältnis dieser Stile zueinander. Vielleicht wird Anhängern der Band mit der Zeit zu berechnenbar. Daher ist die Entwicklung der Verkaufszahlen bedauerlich aber nachvollziehbar. Aber selbst für ein mediokres Feeder-Album ist immer für ein paar hörenswerte Songs gut.


Wie würdest du "Generation Freakshow" im Vergleich zu seinem Vorgänger "Renegades" einordnen? 

Während „Renegades“ ein außergewöhnlich rockiges Album war (ich möchte es das Feeder Konzeptalbum zum Thema „Rock“ nennen) ist „Generation Freakshow“ wieder eine Mischung der drei eben genannten Komponenten. Ich mag „Renegades“ sehr gern, weil es ein Ausbruch aus dieser „Komfortzone“ war. Trotzdem mag ich auch „Generation Freakshow“, weil es die Facetten der Band zeigt.


Seit 13 Jahren suche ich auf Feeder-Platten nach einem so schönen Song wie "Yesterday Went Too Soon" - werde ich diesmal fündig?

Mit „Quiet“ und „Sunrise“ liefert die Band gleich zwei Titel, die vielleicht nicht ganz an die von Dir gesetzte Messlatte heranreichen aber definitiv in die gleiche Kerbe schlagen. „Idaho“ erinnert in angenehmer Weise an starke Feeder-Songs anderer Bauart.


Welche 3 Songs von Feeder sollten in einer gerechten Welt im Radio auf Dauerrotation laufen?

So sehr ich bedauere, ich muss auf ältere Songs zurückgreifen. „Yesterday went too soon“ hast Du schon erwähnt, daher empfehle ich allen Programmgestaltern sich mal das wundervolle "Piece by piece" vom Album "Echo park", "Polythene girl" von "Polythene" als Beispiel eines rockigeren Songs (mein erster Lieblingssong der Band) und „Feeling the moment“ als Beispiel für die vor schmalztriefende Seite Feeders anzuhören und dann ins Programm aufzunehmen.


Falls es mit den Plattenverkäufen für die Band weiter in den Keller geht, was bleibt den Musikern?

Also auf jeden Fall haben sie der Welt einige tolle Songs geliefert und damit einen Eindruck in der Musikgeschichte und in meiner Sammlung hinterlassen. Der Drummer Karl Brazil ist ja noch nicht so lange dabei und gut genug um von einer anderen Band engagiert zu werden. Der Sänger und Gitarrist Grant Nicholas sollte es mal solo versuchen. Vielleicht kommen ihm so ganz neue Ideen, was er mit seinem Händchen für Melodien anstellen kann. Die Website des Bassisten Taka Hirose mit Rezepten ist aktuell im Umbau, aber vielleicht kann er mit diesem Hobby die Zeit überbrücken, in der sich Grant Nicholas austobt und Kraft sammeln für das anschließende Feeder-Comeback.


Feeder-Borders from Eng198 on Vimeo.


Da wären als beste Beispiele die beiden Tracks „Idaho“ und „Sunrise“ zu nennen, die man förmlich nur einmal hören muss, um dass sie sich tief im Gehörgang verankern. Ein Wenig ruppiger geht es beim Titelsong „Generation Freakshow“ zur Sache: Hier betonen die drei Briten, dass sie noch immer eine Rockband sind. Und ja: Mit Tracks wie diesem können sie sogar ganze Stadien locker zur Ektase bringen. Stilistisch bewegen sich Feeder mittlerweile primär wieder in der Rock-Pop-Sparte, schweifen aber gekonnt auch mal in Richtung Punk, Grunge und Alternative-Rock über, ohne dabei in einem Abenteuer zu versinken. Diese Mixtur bereitet beim Zuhören großen Spaß und stellt sicher, dass Feeder nach dem letzten Ausrutscher wieder festen Boden unter ihren Füßen gefunden haben.  Besonders hervorheben sollte man noch die hymnischen Balladen „Quiet“ und „Children Of The Sun“, welche belegen, dass die Band auch in dieser Sparte wahre Qualitäten aufweist.
(Hurricanebar)

Feeder - Children of the Sun from cosmocanario on Vimeo.


2 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

8 Punkte

Dirk hat gesagt…

Nicht so rockig & hart wie der Vorgänger, aber in ähnlichen Punkteregionen:

6,5 Punkte