Montag, 21. Mai 2012

Chromatics - Kill For Love




























Die aus Portland stammenden Chromatics können bereits auf drei Alben und zahlreiche Wechsel im Lineup zurückblicken. Gitarrist Adam Miller ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied, hinzu gesellen sich Sängerin Ruth Radelet, Schlagzeuger Nat Walker sowie Produzent und Multi-Instrumentalist Johnny Jewel.

Mit "Kill For Love" erschien über Italians Do It Better am 26. März das vierte Chromatics-Album, das ab dem 25. Mai auch in unseren Läden stehen wird. Das Cover sieht zwar wie eine Reminiszens an My Bloody Valentines "Loveless" aus, doch Gitarren dominieren hier selten. Am deutlichsten noch in "Kill For Love", das so klingt, als nähmen New Order und M83 Springsteens "Dancing In The Dark" einmal gehörig in die Mangel.
Ansonsten hören wir hier eine Mixtur aus langatmigem Dreampop ("Birds Of Paradise", "The River"), atmosphärischem Soundtrack zwischen SciFi und Lo-Fi ("Broken Mirrors") und flottem bis tanzbarem Synthie-Pop ("Lady") inklusive Stimmverzerrer-Experimente und Italo-Disco-Anleihen ("These Streets Will Never Look The Same"). 
Klar, 17 Titel in 90 Minuten sind eindeutig zu viel des Guten, aber zwischen dem Opener "Into The Black", einem entspannten Cover von Neil Youngs "Hey Hey My My", und der abschließenden, 14minütigen Fingerübung in Ambient-Sound "No Escape", kann sicherlich jeder fündig werden.   



Das Album ist in der Tat bestens dafür geeignet, Autofahrten bei Nacht zu unterlegen. Der kühlen, elektrischen Instrumentierung mit 80er Jahre Synthies, Frauenstimme und auch mal härteren Beats, gelingt es, tagtäglichem eine filmische, herausragende Atmosphäre zu verleihen. Da wird die Fahrt auf die Alb zum ultracoolen Ereignis - kein Witz. Trotz der horrenden Spritpreise bin ich zum Soundtrack dieses Albums die letzen Nächte einfach durch die Gegend gefahren, tatsächlich ein Erlebnis. Bereits der Opener, ein Neil Young Cover, zieht einen förmlich in eine eigene Welt. Die im wahrsten Sinne des Wortes bezaubernde Stimme von Sängerin Ruth Radelet packt einen mit dem ersten Wort und läßt einen nicht mehr los. Es entfaltet sich eine sehr packende Retro Stimmung, die nie nervig oder aufgesetzt wirkt - man betrachtet diese nicht ironisch von außen, sondern wird Teil davon - das Leben wird zum Film unter diesem fantastischen Soundtrack. Und dieser wird immer besser - wie viele große Alben, ist auch "Kill For Love" ein Grower, sprich es wächst mit jedem Hören. 1,5 Stunden Musik will so ein Hirn ja auch erst mal verarbeiten. Dann wächst es aber - für mich zu einem heissen Anwärter auf das Album des Jahres - schon jetzt! Für die 100% reichts nur nicht wegen zweifachem Einsatz von Autotune.
(Cigarettes In Hell)


Nachdem schon Kate Bush und Bruce Springsteen auf früheren Veröffentlichungen eindrucksvoll gehuldigt wurde, beginnt dieses Album mit einem Cover von Neil Youngs melancholischer Punk-Hymne „Hey Hey My My“. Eine interessante Wahl für eine Band, die durch einige Inkarnationen den langen Weg vom Low Fi-Punk zur Italo Disco zurücklegte. Johnny Jewel, Kopf des portländischen Italo Disco-Imperiums, war es, der der Band den ultimativen Schubs in diese Richtung verpasste.
Neben seinen Aktivitäten in den Bands Glass Candy und Desire legte er unter dem Namen Symmetry im vergangenen Jahr auch noch einen zweistündigen Alternativ-Soundtrack für everybody’s Lieblingsfilm „Drive“ vor. Ausgedehnte Synthiereisen als Soundtracks für imaginäre Filme – oder imaginäre Soundtracks für reale Filme – zu entwerfen ist nun mal die Mission des vielbeschäftigten Mannes. „Kill For Love“ birgt in dieser Hinsicht keine Überraschungen. Wie beim Vorgänger „Night Drive“ reihen sich tanzbare Pop Songs an elegischen Analog-Ambient, um dabei in einem 90-minütigen Guss zu verschmelzen, der die perfekte Hintergrundmusik darstellt, ohne beliebig zu sein. Als einzige Neuerung findet sich vereinzelt eine männliche Stimme, die gut auf den Vocoder hätte verzichten können.
(Stylemag)



Hier gibt es eine auf 11 Songs geschrumpfte "Drumless Version" des Albums als legaler Download. Dazu Johnny Jewel:
“I was really liking the way the vocal mixes sounded with no drums and I think that the drums on the album are so heavy, that it’s interesting to hear the record as this almost-empty, almost-a cappella kind of thing.”


5 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Wahrlich ein Monster. Für eine umfassende Bewertung müsste ich mir einen Monat Zeit nehmen. So bleibt es erst einmal bei 6 Punkte.

Olly Golightly hat gesagt…

8 Punkte

Volker hat gesagt…

Für mich kommt zwar nichts an "Tick Of The Clock" aus dem Drive-Soundtrack ran (Kill For Love fast). Trotzdem ein tolles Ding

8 Punkte

Dirk hat gesagt…

17 Lieder und 90 Minuten sind einfach zu viel des Guten, da ergeben sich (überflüssige) Längen zwangsläufig.

7 Punkte

Julia hat gesagt…

7 Punkte