Montag, 13. Februar 2012

Air - Le Voyage Dans La Lune
























Schwarz-weiß Stummfilme scheinen derzeit in Mode zu sein. Es begann bereits vor einigen Jahren mit der restaurierten, ungekürzten Fassung von Sergei Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin", den die Pet Shop Boys 2004 neu vertonten.

Seit mehr als 50 Jahren wurde versucht, das Original von Fritz Langs Stummfilmklassiker "Metropolis" wieder zusammen zu tragen. Doch erst eine 2008 in Buenos Aires aufgefundene Kopie ermöglichte es, die größten Lücken (bis auf 8 Minuten ) wieder zu füllen. Anfang 2010 folgte die live im Fernsehen ausgestrahlten Premiere der restaurierten Fassung von "Metropolis", die 2011 auch wieder in den Kinos zu sehen war. In den 80er Jahren sorgte eine kolorierte Version mit einem Pop-Soundtrack von Giorgio Moroder (mit Queen, Bonnie Tyler u.a.) für Aufsehen.

Momentan ist "The Artist", ein Film des französischen Regisseurs Michel Hazanavicius, der in der Übergangsphase zwischen Stumm- und Tonfilm angesiedelt ist und nur Schwarzweiß-Bilder, Zwischentitel und so gut wie kein gesprochenes Wort verwendet, für zehn Oscars nominiert. Drei Golden Globe Awards gab es bereits.

Und da wäre noch "Die Reise zum Mond" ("Le Voyage dans la Lune"), ein französischer Stummfilm- und Science-Fiction-Klassiker von George Méliès, der bereits 1902 entstand, nur 16 Minuten dauert, erstmals "Special Effects" einsetzte und derzeit in einer restaurierten und kolorierten Fassung wieder auf zahlreichen Filmfestivals zu sehen ist.
- An dieser Stelle muss dann auch der Film "Huga Cabret" empfohlen werden, der sich dieser Geschichte widmet. -
Bekannter dürfte vielen das an den Méliès-Film angelehnte Video der Smashing Pumpkins zu "Tonight, Tonight" sein:



Nicolas Godin und Jean-Benoit Dunckel haben mit "Le Voyage Dans La Lune" dazu ihren ganz persönlichen Soundtrack (der doppelt so lang läuft wie der Film) beigetragen. Beim Kauf sollte man 2 Euro mehr in die limitierte Version investieren, da dieser der Film als DVD beiliegt.
Unterstützt wurden Air gesanglich von Victoria Legrand von Beach House ("Seven Stars") und Erika, Annie und Heather von Au Revoir Simone ("Who Am I Now?"). Das Ergebnis hört sich dann folgendermaßen an:



Alles, so Godin, wurde diesmal live eingespielt. Pauken, ein geradliniger Rock-Beat, spärlich gesetzte triolische Fills und ein Shaker etablieren zu Beginn den entspannten Groove des "Astronomic Club", den Bläserhits oder ein Gitarrenlick anreichern. Im letzten Drittel des Tracks bauen Cello, gezupfte Gitarre und weitere Synthiesounds einen melodisch verheißungsvollen Schönklang auf.
Der mündet in "Seven Stars", das mit bassiger Percussion und tiefen Klavierakkorden die Schlagzahl erhöht. In der Mitte holt der Song kurz Luft, um nach dem Startcountdown mit Victoria Legrands Vocals und einer Daft Punk-Gitarre abzuheben.
Rhythmisch ebenfalls bassig marschiert "Parade" - die Nummer könnte sich, ähnlich wie "Sonic Armada", auf einem der "Ocean"-Soundtracks befinden. "Moon Fever" klingt im Anschluss exakt so, wie es der Titel verspricht: sanft und meditativ instrumentiert. Au Revoir Simone haucht noch geheimnisvoll "Who Am I Now?", bevor als drittes Lied mit Lyrics der "Cosmic Trip" dahin pluckert.
Der Stummfilm, für den Air letztlich doppelt so lange Musik produzierten, wie er dauert, liegt der Special Edition bei. "Le Voyage Dans La Lune" tönt durchweg schön analog und ist einer guten Filmstory gleich spannungsreich arrangiert, mal mit überraschenden, ruhigen oder auch gefährlichen Hörmomenten.
In Cannes feierte die restaurierte Fassung samt neuem Soundtrack 2011 Premiere - Méliès wäre 150 Jahre alt geworden. Aber auch ohne bewegte Bilder vor der Nase lässt sich mit der Platte das Kopfkino einschalten.



2 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Sowohl Air als auch Soundtracks können eine sehr langweilige Sache sein. Erstaunlich, dass mir die Kombination in diesem Fall aber gefällt. Vor allem die Deep Purple-Einlage in "Sonic armada". 7 Punkte

Dirk hat gesagt…

Eine Reise, die ich nicht allzu oft antreten werde.

5,5 Punkte