Sonntag, 9. Oktober 2011

Björk - Biophilia




















Nordic By Nature (V)

Island fehlte noch bei diesem nordischen Rundumschlag, also sprechen wir über das neue Björk Album, aber nicht über die Zusammenarbeit mit Apple für das erste "App Album", die daraus resultierende (mögliche) Revolution des Musikmarktes, die Installationen, Live-Shows oder wie auch immer man das nennen darf, was in nur wenigen Städten, dafür aber an besonderen Orten und über einen längeren Zeitraum hinweg, gezeigt werden soll. Sprechen wir nicht über die speziell angefertigten Instrumente, wie etwa "The Tesla Coil" oder "Gameleste", Björks rote Afro-Perücke, die seltsamen Untertitel, die jeder Song trägt und die auf ein naturwissenschaftliches Phänomen verweisen, denen sich die Songs widmen, und verlieren kein einziges Wort über die Ultimate Edition, die stolze 500 € gekostet hätte.



Konzentrieren wir uns auf das, was eigentlich seit 2001 ("Homogenic") als enttäuschend bezeichnet werden darf, nämlich Björks Musik (man höre noch einmal "Medúlla", "Drawing Restraint 9" oder - mit Abstrichen - "Volta").



"Moon" eröffnet das Album zu zarten Harfenklängen (vermutlich noch so ein spezielles Instrument mit coolem Namen), dazu dezente elektronische Beats und erste Erinnerungen an "Vespertine" sind geweckt. Matmos waren jedoch nicht in die Aufnahmen zu "Biophila" involviert, jedoch greift Björk - zumindest für die Live-Umsetzung - erneut auf den aus Grönland stammenden, vielköpfigen Damenchor zurück, was sich gerade bei der Umsetzung des Openers und des folgenden "Thunderbolt" mit seinem Chorgesang anbietet. Den Moment, an dem in diesem Song das "Tesla Coil" erklingt und ich bewundert "Wow!" ausrufen muss, verpasse ich leider. Oder sind das vielleicht die knarzenden Geräusche am Ende des Stücks?
"Crystalline" setzt die Reihe der ruhigen Stücke fort, ein richtiger, wiederkehrender, eingängiger Refrain ist zu vernehmen (und das passiert nicht allzu oft auf "Biophilia"). Und Glöcken! Plötzlich bricht ein Breakbeat-Gewitter los und ist ebenso schnell wieder verschwunden. "Cosmogony" löst "The Dull Flame Of Desre" als Björks schönstes Lied der letzten 10 Jahre ab und beschließt orchestral mit Bläsern und himmlischen Chören zu einem tröpfelnden Beat balladesk einen fulminanten Auftakt. "Dark Matter" ist düster, verstörend und so experimentell, dass es sich mir nicht erschließt und auch gut auf dem Soundtrack zu "Drawing Restraint 9" gepasst hätte.

Für die zweite Hälfte lasse ich den Guardian zu Wort kommen:
Perhaps it's better to just listen. Though it's exquisitely controlled and filled with space where its predecessor Volta was packed to bursting with sound, Biophilia still teems with invention. There's something audacious and impressive about the way Hollow attempts to strike a weird balance between menace and calm, the vocals as lulling as the staccato backing is unsettling. Or Mutual Core's repeated shifts from a wheezing keyboardit was doubtless built in a laboratory by the provost of the Massachusetts Institute of Technology and professor Brian Cox, but it sounds like a 13th-century portative organto electronic bombardment. For an album that presents itself as an academic exercise, it's big on moments of pure, indulgent pleasure: though you're some considerable distance from the comforts of standard verse-chorus structure, the melodies of Virus and the closing Solstice are so beautiful they carry you along regardless. It's certainly restless and innovative, but Biophilia never feels like hard work, however much the accompanying bumf tries to convince you it is.

Whether the app album becomes the industry standard or whether it's even a good idea for it to become an industry standard is up for debate: it's hard not to feel your buttocks involuntarily clench a little at the thought of, say, Kings of Leon having a go. Far less questionable is the quality of the music on Biophilia, which would underline how far apart from the rest of rock and pop Björk is, regardless of how it was delivered.


3 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Mit dem Gesamtkunstwerk "Biophilia" habe ich mich noch nicht befasst. Aber für das Album gibt es 7 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

6,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Erste Plattenseite deutlich besser als die zweite. Daher:

7,5 Punkte