Mittwoch, 13. April 2011

Architecture In Helsinki – Moment Bends




















Drei Viertel aller finnischen Gebäude wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut. Daher sind nicht häufig Bauten im Stil des Funktionalismus, dessen bedeutendster Repräsentant Alvar Aaltos war, und des Modernismus anzutreffen.
Eindrucksvolle Beispiele sind das Hauptgebäude der Technischen Universität und die Finlandia-Halle in Helsinki. Im Jahre 1987 entstand dort auch das Einkaufszentrum Itäkeskus, das den gleichen Charme ausstrahlt wie zeitgleich entstandene Gegenstücke in deutschen Großstädten.
Das führt uns auch zu „Moment Bends“, das seine Geburtsstunde ebenfalls Mitte der 80er Jahre haben könnte und im Vergleich zu den anderen, eindrucksvollen Platten von Architecture In Helsinki nur bedingt zu glänzen und zu überzeugen weiß.

Verabschiedet hat man sich vom Twee Pop früherer Tage, weggeschlossen wurden die zahlreichen Saiten-, Blas- und Schlaginstrumente, dafür wurden Synthies und Keyboards eingestöpselt. Quietschfidel ist der Sound der Australier immer noch, auch die ein oder andere wiedererkennbare Melodie ist ihnen gelungen, aber mit dem 80er Jahre Retro-Sound, der sich in den schlimmsten Momenten an R&B anbiedert, und der allzu glatten Produktion ging leider auch das Besondere von Architecture In Helsinki verloren.



Moment Bends ist glatt und euphorisch, ideenreich, aber subtil, damit der Einfallsreichtum nicht gleich so auffällt – ein PS-starkes Popalbum, das sich auf Dauer als Grower erweist. Die Songs, bei denen Bandchef Cameron Bird das Mikrofon an Kellie Sutherland abtritt, also die erste Single That Beep oder W.O.W., gehen ohne Anlauf in die Vollen: wie Saint Etienne im Autoscooter. Ein bisschen World Music hier, knackkalte Elektronik dort – Architecture In Helsinki machen Musik für moderne Menschen.
(intro.de)



Entspannte Stücke wechseln sich mit schwungvollen Liedern ab, immer unterlegt von einem markanten Beat, der mal locker-peitschend, mal getragen-entspannt daherkommt und von einem fröhlichen, oftmals hüpfenden Bass vervollständigt wird. Garniert wird dieses Gerüst mit stets erfrischend-spritzigen Synthesizer-Tönen, die das Hoch und Tief einer solchen Synthie-Klaviatur komplett abdecken. Ihre Instrumente spielt die Band jedenfalls sehr lebhaft und mit großem Spaß.

Warum nur bleibt kaum etwas von alledem im aufmerksam zuhörenden Ohr hängen? Die Rede ist nicht von klebrigen Ohrwürmern – die gibt es schließlich zuhauf. Vielmehr sind interessant und lohnenswert anzuhörende Stücke, die durch ihre Spannung glänzen, gemeint. Wahrscheinlich, weil “Moment Bends” ein glattes und geschmiertes, aber astreines Popalbum ohne Kanten ist, das einfach so durchläuft, auf die für Nachhaltigkeit nötigen Widerhaken jedoch verzichtet. Live ist das bestimmt ein großer Spaß, will man die Musik aber zu Hause hören, findet sich im Backkatalog von Architecture in Helsinki spannenderes und faszinierenderes wie das Vorgängeralbum “Places Like This”, das es sich eher zu Hören lohnt. Andererseits – so extrem kurzweilig wie auf “Moment Bends” gestalten sich die dreieinhalb Popminuten eines Liedes gar nicht so häufig.
(byte.fm)


Architecture In Helsinki kommen, um die Architektur in Köln und Berlin zu betrachten:

18.04.11 Köln, Gebäude 9
20.04.11 Berlin, Maria

5 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Das ging ja ganz schön daneben!

3 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

4,5 Punkte, ...aber ein Song schafft's trotzdem auf mein Jahrestape.

Dirk hat gesagt…

Welcher???

Olly Golightly hat gesagt…

Lass Dich überraschen :)

Volker hat gesagt…

Der erste Eindruck war so gut, aber irgendwie hat er wohl getäuscht

5,5