Donnerstag, 3. November 2016

The Hidden Cameras - Home On Native Land






















Joel Gibb hat sich aus Berlin und vom düsteren Synthpop verabschiedet und scheint nun, zurück in seiner kanadischen Heimat, durch die Wälder zu streifen und, am Lagerfeuer sitzend, zu Banjo oder Steel Guitar zu greifen. Häufiger konnte man in der Vergangenheit  bereits lesen, dass der Kopf der Hidden Cameras an einem ungewöhnlichen Album arbeiten würde und nun ist es offensichtlich fertig. Der Albumtitel spielt auf die kanadische Nationalhymne an ("home and native land") und die darin steckende Platte pendelt zwischen Folkpop und Country. 

Einerseits schimmert der typische „Gay Church Folk“ der Hidden Cameras immer wieder durch, so dass es eine helle Freude ist („Day I Left Home“, „He Is The Boss Of Me“, „Big Blue“), andererseits sind einige Songs nur schwer zu ertragen („You And Me Again“, „Don't Make Promises“, „Twilight Of The Season“) und lassen an das Ende von „Mars Attacks“ denken, als die außerirdischen Invasoren mit Hilfe schrecklicher Country-Musik, die deren Gehirne zerspringen ließ, besiegt werden konnten. 

Gemeinsam mit prominenten Künstlern wie Neil Tennant, Feist oder Rufus Wainwright präsentiert Gibb auf „Home On Native Land“ 14 Songs, die nicht nur aus seiner eigenen Feder stammen. So schunkelt er sich durch kanadische Folklore („Log Driver’s Waltz“), covert Tim Hardin („Don’t Make Promises“) und lässt uns mit der Gewissheit zurück, dass wir Aliens etwas entgegen zu setzen haben.




Der Opening Track „Day I Left Home“ beginnt mit dem Satz „I burned everything I own and left it in a pile smoldering“. Das Lied macht einen wahnsinnig, weil es von seiner Melodieführung total an „Hotel California“ erinnert. Das hier ist aber ein Hotel Canada, denn um besagte Back-To-The-Roots-Scheibe zu vollenden (die Songs entstanden im Zeitraum von zehn Jahren in verschiedenen Ländern), zog Joel Gibb von Berlin zurück nach Kanada.
Dementsprechend bedient sich das Album nun mit fünf Fingern am kanadischen Country-Songbook und glänzt mit einer vitalen Aneignung von Soul-Standards wie „Dark End Of The Street“ (im Original von Tim Hardin) oder dem berühmtesten kanadischen Country-Song überhaupt: John Weldons „Log Driver’s Waltz“. In „He’s The Boss Of Me“ covert Gibb sich gleich selbst. Dazu gibt’s neue Songs, die sich nahtlos in die Tradition der Traditionals einfügen. Es macht Spaß, diese Platte zu hören: Überall Geigen, Klaviere, Händeklatschen, Chöre und Mitsingrefrains. Selbst die minimalistisch instrumentierten Stellen sind durch und durch soundverliebt. Joel Gibb macht das alles, um zu sich selbst, seinen Motiven, Abgründen, Glücksmomenten und Statements (z.B. gegen die homophoben USA) näher zu kommen. Sehr tief- und dabei wunderbar eingängig also. Ein bisschen anachronistisch zwar auch – in seiner Wahrhaftigkeit aber sehr da und gegenwärtig. Toll!
(Spex)




The Hidden Cameras in Deutschland:

16.11.16 Oberhausen
22.11.16 Hamburg
23.11.16 Wetzlar
25.11.16 Leipzig
07.12.16 Berlin
08.12.16 Augsburg
10.12.16 Schorndorf
14.12.16 Frankfurt
15.12.16 Köln
17.12.16 München

1 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Ich bin enttäuscht. 6 Punkte