Montag, 14. November 2016

Jimmy Eat World - Integrity Blues























Diese Woche gastieren Jimmy Eat World für drei Konzerte in Deutschland (15.11.16 in Hamburg, 16.11.16 in Münster und am 17.11.16 in Wiesbaden), also wird es dringend Zeit auf das neunte Album der Band hinzuweisen.

Jimmy Eat World bleiben ihrem seit Jahren ritualisierten Zeitplan treu und veröffentlichten vor ein paar Wochen „Integrity Blues“, drei Jahre nach „Damage“, welches drei Jahre nach „Invented“ erschienen war, das... 

Die Plattenkritiken loben das Album und stellen es als beste Veröffentlichung der Band seit 10 Jahren dar, ohne natürlich an „Clarity“ (1999) oder „Bleed American“ (2001) heran reichen zu können. Einerseits werden die Experimente mit Elektro- und Synthie-Sounds („Pass The Baby“), denen bewusst härtere Gitarren-Riffs entgegen gesetzt werden („Get Right“, „Through“), sowie eine Reihe von extrem eingängigen Songs („Sure And Certain“, „Pol Roger“) gelobt, andererseits wird häufig betont, dass nicht alle Songs das hohe Niveau halten können. Vielleicht sollten Jimmy Eat World einmal ihren Drei-Jahres-Plan überdenken...




Die passend betitelte Standortbestimmung "You with me" begrüßt zum Auftakt mit schöner Melodie, bewahrt Seele und baut Tiefgang auf, der ein wenig an "Futures"-Zeiten erinnert – und Vertrautheit zu einer rein positiven Erscheinung macht, mit der auch das feinfühlige "It matters" punkten kann. Tatsächlich ertappt man sich spätestens beim zweiten Durchgang dabei, "Sure and certain" mit all seiner Catchyness den Ohrwurmstatus vollends zu gönnen, und mit den rauen, dunklen Gitarren, die Produzent Justin Meldal-Johnsen (M83, Paramore) dem Popsong gekonnt in den Nacken mischt, schwinden die Schatten der letzten Jahre. Neues Selbstbewusstsein versprüht auch das nachdenkliche "Pretty grids", dem die Zurückhaltung erstaunlich gut steht.
Offensiv versuchen Jimmy Eat World, die Lockerheit früherer Tage am Hemdzipfel zu greifen. "Through" hat dabei zwar nicht die Klasse eines "If you don't, don't", bestätigt allerdings die Hoffnung, dass die Truppe nach wie vor zu besseren Collegerock-Nummern in der Lage ist als zuletzt. Und während sie mit dem feinen "You are free" ihr Talent zu melancholischen Popsongs spielend untermauert, schleicht sich mit "Pass the baby" ein echtes Experiment ein, das in kühler Electroncia- und Synthie-Atmosphäre startet und mit einem ungewohnt wilden Riff-Finale auskehrt. Und beim leicht verstörenden, von Streichern getragenen und gebetsartig dargebotenen Titelstück schwingt eine romantische Traurigkeit mit.
(Plattentests)




Nun legen Jimmy Eat World mit „Integrity Blues“ ein neues Album vor. Und auch hier überwiegt der Zwiespalt. Die Band um Sänger Jim Adkins ist auf jeden Fall wieder in der Spur. Songs wie „Sure And Certain“ oder „Pol Roger“ erinnern an die Hochzeiten der Band. Verlernt haben sie also nichts. Dazu kommt mit „Through“ ein formidabler Hit, der für mich den besten Jimmy Eat World-Song seit mehr als zehn Jahren darstellt. Endlich wieder eine richtig coole Hymne.
Allerdings sind ein knappes Drittel der Songs auch recht gesichtslose Indie-Rock-Songs, die nicht zu überzeugen wissen. Das ist deshalb etwas ärgerlich, weil der Rest des Albums zeigt, dass die Jungs es doch eigentlich immer noch drauf haben.
(Crazewire)




»Integrity Blues« hat einen selbstbewussten Sound, der nicht stur am Stil der frühen Erfolge festklebt, sondern sich weiterentwickelt hat. Ganz besonders hört man das bei »Pass The Baby«, das mit minimalistischer Instrumentierung und Electro-Sounds eine Stimmung aufbaut und sie im Finale mit Schrammel-Gitarren genüsslich zu Klump haut. »Through« zeigt, wie ein Coming-Of-Age-Song von 40-jährigen klingen kann, ohne anbiedernd zu sein, und »Pol Rogers« hat die aufs Gramm passende Dosis Pathos, die man vom Finale einer Jimmy-Eat-World-Platte erwartet.
(intro)