Montag, 26. September 2016

Passenger - Young As The Morning Old As The Sea























Welche fünf Fragen kommen einem in den Sinn, wenn man an das neue Passenger Album denkt? Hier sind sie, und die Antworten werden direkt dazu geliefert.

1. Passenger, ist das nicht dieser Typ, der vor einigen Jahren mit "Let Her Go" einen überraschenden Nummer Eins Hit hatte?
Stimmt, Michael David Rosenberg, der seine Alben unter dem Namen Passenger mit wechselnden Musikern  veröffentlicht, brachte im Sommer 2012 die Single "Let Her Go" heraus, die im Verlauf der nächsten 12 Monate in fast allen Ländern unter die Top 5 und in 20 Ländern an die Spitze der Charts kam. In Deutschland ging der Song ebenfalls auf Platz 1 und konnte sich über ein Jahr (60 Wochen) in den Bestenlisten halten.

2. Kann er den Makel des One Hit Wonders mit einem Song seines neuen Albums abstreifen?
Vermutlich nicht. Von den auf "Let Her Go" folgenden Singles kam lediglich der direkte Nachfolger "Holes" in Australien und Irland in die Top 20, ansonsten sah es für die Singles eher mau aus. Aus dem neuen Album wurden bisher "Somebody's Love" und "Anywhere" ausgekoppelt, letzteres kam in Australien auf den 43. Rang. Vielleicht, wenn sich alle Birdie- und Passenger-Fans zusammentun und deren gemeinsamen Song "Beautiful Birds" bei iTunes & Co. käuflich erwerben... Aber vermutlich sind diese Fankreise auch größtenteils deckungsgleich.




3. Muss man "Young As The Morning Old As The Sea" in seinem Plattenschrank stehen haben, wenn dort bereits die beiden anderen Alben von Passenger stehen?
"Young As The Morning Old As The Sea" ist bereits das siebte Album von Passenger, denn bereits vor seinem großen Durchbruch waren seit 2009 drei Alben erschienen. Es folgten nach dem Hit die sehr erfolgreichen "All The Little Lights" (2012) und "Whispers" (2014), sowie 2015 das weniger beachtete "Whispers II", dessen Einnahmen komplett an UNICEF gingen. Man muss den unaufgeregten Folkpop von Rosenberg schon sehr schätzen, damit man sich über den Kauf von "Young As The Morning Old As The Sea" richtig freuen kann.




4. Gibt es wie bei "All The Little Lights" und "Whispers" wieder eine Deluxe Edition mit akustischen Versionen einzelner Songs?
Klar, mit dieser Tradition wird nicht gebrochen (und musikalisch auch mit keiner anderen). Diesmal werden sechs Titel des Albums noch einmal in akustischer Form dargeboten, obwohl die Unterschiede, aufgrund der bereits sehr spärlich instrumentierten Originale häufig nicht so auffällig sind, wie bei "Whispers". Das orchestrale "Home" bietet hier die deutlichste Ausnahme.

5. Wird Passenger sein neues Album auch live in Deutschland vorstellen?
Berlin (04.10.16, Tempodrom), Köln (29.10.16, Palladium) und Frankfurt (30.10.16, Jahrhunderthalle) heißen die deutschen Stationen seiner Europa-Tournee.


"If you go" sucht zwar im Namen die Nähe zu seinem großen Hit "Let her go", kommt aber sonst deutlich flotter daher und nimmt die richtige Abfahrt in Richtung Bombast. Ähnlich geht es dem Closer "Home", der zwar in der Klimax fast schon karikierend in jeder Refrainwiederholung eine Schippe aus Streichern und Soundspuren drauflegt – aber was soll's, wenn es funktioniert. Wer Subtilität sucht, war bei den Songs von Passenger schon vorher an der falschen Adresse. Am besten gerät mit Abstand der zentral positionierte Titeltrack. Ein reduzierter Beginn mit Gitarre mündet alsbald in einen flotten Rhythmus und bringt schwungvolle Abwechslung ins Spiel, die an dieser Stelle gerade recht kommt. Das Pathos bleibt, doch ausnahmsweise geht es mal nicht um Herzensangelegenheiten, sondern um die Freuden des Reisens.
Frisch getrennte Liebesbekümmerte oder Leute, die generell eine Allergie gegen schmalzige Herzlyrik haben, dürfen anhand der größtenteils zelebrierten Monothematik von der Wertung ruhigen Gewissens noch mal drei oder vier Punkte abziehen. Und selbst für romantisch Veranlagte kann die auf "Young as the morning old as the sea" verabreichte Packung Zucker dann und wann ein Quäntchen zu viel werden. Aber letzten Endes ist Passengers harmonisches Gespür nach wie vor zu präsent, zu ausgereift, als dass man das Album so schlecht finden könnte, wie man es möglicherweise sollte. Es kriegt den geneigten Hörer mit seinem Schlafzimmerblick mindestens zu dem Punkt, an dem man auch die übelsten textlichen Luftblasen und die stellenweise zu vorhersehbaren Songwendungen verzeihen kann. Denn zumindest in der Musik darf man sich auch mal auf die einfachen Antworten stützen.
(Plattentests)