Freitag, 22. Juli 2016

Mikroboy - Leicht























PvG: Volker, der 31. Mai war ein trauriger Tag für dich, oder?

Volker: Warum?

PvG: Weil Mikroboy an diesem Tag ihr letztes Konzert gespielt und die Band aufgelöst haben.

Volker: WAAAAASSSSS?

PvG: Tröstet dich "Leicht", das dritte Album der Band, über diesen schlimmen Verlust hinweg?

Volker: Jetzt nicht mehr, du hast mir den Tag versaut.

PvG: Im Promo-Zettel schreibt die Band selbst: "Man würde stimmungstechnisch eher von "bedrückend" sprechen, doch so nennt wohl kaum jemand sein Album." Ist das so?

Volker: Ich hätte die musikalische Grundstimmung der Songs eher als temporeicher als gewohnt bezeichnet, aber textlich mag das "bedrückend" hinkommen.

PvG: Du lobst ständig "Nennt es, wie ihr wollt" (2009) und "Eine Frage der Zeit" (2011) - kann "Leicht" da mithalten?

Volker: Ständig lobe ich vor allem Teles "Wovon sollen wir leben" ;-), aber im Ernst, mir gefallen alle drei Alben ausgesprochen gut, wobei ich die ersten Beiden einen kleinen Hauch vorne sehe, weil mir auf dem Neuen (s.o.) ein wenig die melancholischen Songs fehlen. Hymnen hat es aber auf jedem der Drei.

PvG: Welche drei Titel aus "Leicht" würdest du Menschen, die Mikroboy verpasst haben, vorspielen?

Volker: Da auf meine unglaublich guten Tipps zu deutschsprachiger (Indie)Pop-Musik eh niemand hört, würde ich Niemanden mehr zu überzeugen versuchen, aber meine kleine 7-Jährige singt das komplette Album mit. (von der Lautstärke, in dem sie es hört mal komplett abgesehen).




PvG: Der Titelsong wurde als Single ausgewählt, zwischen welche beiden Songs anderer Bands würdest du ihn auf ein Mixtape nehmen?

Volker: Vorher "Alle Menschen Verlieren Sachen", hinterher "Solang' Der Mut Den Zweifel Schlägt"

PvG: Das sind doch auch Lieder von Mikroboy! Das verstößt gegen die Mixtape-Regeln. Da muss wohl jemand noch einmal "High Fidelity" lesen. Also: Zwischen welche beiden Songs anderer Bands würdest du "Leicht" auf ein Mixtape nehmen?

Volker: Weil es vorm "klaren Morgenhimmel" gerne mal ein reinigendes Gewitter braucht, vorneweg "Regen" von Herrenmagazin, hinterher dann, in der Hoffnung, dass sich auch die Mikroboys Jungs sich Zeichen an die Wand gemalt haben zum irgendwann wieder Nachhausefinden, von Brückens "Immerhin (Für Die Trauer)".

PvG: Und zum Abschluss noch einmal ein aktuelles Zitat der Band mit der Bitte um eine Stellungnahme von dir: "Stellt euch mal vor, wir würden irgendwann in den nächsten Wochen noch ein Album raus hauen. Einfach so für Umme. Mit all den Demos von Songs, die zwischen den Alben passiert sind und es nie auf eines rauf geschafft haben. Quasi unsere ehrliche, unperfekte Work in Progress der letzten 5 Jahre. Das wär ganz schön verrückt, oder?"

Volker: Ich habe mein Statement eben schon auf der Facebook-Seite gegeben, "Mir wäre es lieber gewesen, man hätte sich nicht getrennt. (Das Album wäre natürlich dennoch eine schöne Sache, so als Abschiedsgeschenk)
Am meisten ärgert mich, dass ich wirklich nichts davon mitbekommen habe, ansonsten hätte ich niemals den eigentlich angedachten Konzertbesuch im Circus Maximus gecancelt. F###!


Willkommen in der Hochphase des deutschsprachigen Indie-Rock emotionaler Färbung. Genau hier setzt das dritte Mikroboy-Album an: Get Up Kids’ geschulter Midwestern-Pop-Core, der in Intonation und textlicher Ausgestaltung natürlich immer noch an Kettcars Marcus Wiebusch erinnert, aber auch deutliche Assoziationen zu der leider oft in Vergessenheit geratenen Ruhrgebiets-Combo Astra Kid hervorruft, die sich 2005 auf dem Höhepunkt der Indie-Welle aufgelöst hatte. Flächige Gitarren, nur noch angedeutete elektronische Nadelstiche, thematisch Liebe, Angst und offene Wunden verhandelnd. Pathos, du kannst mich mal. »Leicht« mag vielleicht etwas aus der Zeit gefallen wirken. Die Platte erinnert aber daran, was wir seit dem Indie-Rock Mitte der 2000er vermisst haben. Willkommen zu Hause!
(intro)

1 Kommentare:

Volker hat gesagt…

Ich höre gerade mit weinendem Auge die Demos von der Bandcamp-Seite. Das letzte offizielle Album bekommt

8 Punkte