Montag, 18. Juli 2016

Jack & Amanda Palmer - You Got Me Singing























Eine generationenübergeifende Platte: Während Amanda Palmer mit ihrem mittlerweile 10 Monate altem Sohn Anthony schwanger war, nahm sie gemeinsam mit ihrem Vater Jack ein Album auf. Aus mehreren Jahrzehnten suchten sich die Palmers Lieder ihrer liebsten Singer/Songwriter aus, um diese gemeinsam in den Dreamland Studios in New York aufzunehmen. Und so stehen nun Songs von Leonard Cohen ("You Got Me Singing") oder Richard Thompson ("1952 Vincent Black Lightning") neben denen von John Grant ("Glacier") oder Sinéad O'Connor ("Black Boys On Mopeds").

Klein Anthony wird "You Got Me Singing" hören können, ohne aufgeschreckt zu werden (nur bei "Fuckers" und "Shit" im John Grant-Song muss man ihm die Ohren zu halten), denn Amanda singt sanfter als je zuvor, der kirchenchorerprobte Jack croont und lässt dabei Dank seiner tiefen Stimme an Johnny Cash denken, dazu erklingen nicht viel mehr als Piano, akustische Gitarre, Ukulele und Glockenspiel. Gelegentlich wird auch die Pedal Steel Guitar hervorgeholt und rückt das Ganze in Richtung Country. 

Amanda Palmer lässt nach dem Radiohead-auf-der-Ukulele-Album ("Amanda Palmer Performs The Popular Hits Of Radiohead On Her Magical Ukulele", 2010) und ihrem David Bowie-Tribute ("Strung Out In Heaven", 2016) ein weiteres gelungenes Album mit Fremdkompositionen folgen. "You Got Me Singing" kann hier als LP, CD oder Download (1 Dollar) käuflich erworben werden.




Nach einer Babypause kehrt die Frau von Comic-Zeichner Neil Gaiman mit einem gemeinsamen Album mit ihrem Vater Jack zurück. Zu Klavier und Gitarre singen die beiden Lieblingslieder ihrer musikalischen Sozialisation. Leonard Cohens „You Got Me Singing“ ist der perfekte Einstieg: Der junge Vater Jack sang an der Wiege der Tochter Amanda; Amanda fand ihre Stimme mit Hilfe von Daddys Plattensammlung. Das Motorraddrama „1952 Vincent Black Lightning“ vom britischen Folkie Richard Thompson ist besonders gelungen, Jack – Mitglied eines Chores in Washington – erreicht hier beinahe den stimmlichen Tiefgang von Johnny Cash. Bei Kimya Dawsons „All I Could Do“ greift Amanda zur Ukulele, mit der sie schon wunderbar Radiohead nachgespielt hat, den John-Grant-Song „Glacier“ singen die Palmers in leicht schiefer, aber absolut liebenswerter Zweisamkeit. „I love you so much“, singt Jack ganz am Ende, die Stimme brüchig, der Atem schwer. Etwas zu intim.
(musikexpress)