Samstag, 5. September 2015

Boy - We Were here
























Gestern sprachen wir kurz über Lambert und seine Piano-Re-Works. Auch für Boy und deren "Rivers Of Oceans" fertigte er eine solche an, zu finden ist sie auf der Deluxe Version von "We Were Here", die als weiteren Bonus noch drei akustische Versionen parat hält. 

"We Were Here" besteht in seiner regulären Version aus neun Liedern und ist das zweite Album von Valeska Steiner und Sonja Glass. Das in Hamburg ansässige Duo konnte mit seinem Debütalbum "Mutual Friends" vor 4 Jahren eine goldene Schallplatte in Empfang nehmen, den Song "Little Numbers" in einem Kinofilm und Werbespot platzieren und in den japanischen Charts bis auf Platz 4 klettern. Bei Platten vor Gericht reichte es hingegen nur für 6,95 Punkte im Schnitt.

Für die Fortführung ihres eingängigen, charmanten Folkpops ließen sie sich, nachdem sie weltweit auf Tournee waren, reichlich Zeit, um an den Arrangements zu feilen und nicht nur einen Neuaufguss von "Mutual Friends" zu präsentieren. Die Arbeit hört man Stücken wie "Fear" oder "Hit My Heart" auch an. Die Fans dankten es Boy, indem sie zahlreiche Konzerte der Herbst-Tournee ausverkauften und "We Were Here" auf Platz 3 der Album- bzw. Platz 57 der Single-Charts kauften, womit der Erfolg von "Mutual Friends" noch übertroffen wurde. Die Kritiker halten sich Lob etwas zurück:


Ja, das ist klassische Hassmusik. Lieder im rehbraunen Fell, verzweiflungsfreie Einsamkeit, Dachterrassen-Landlust. Ein Klang, der Frühstückssituationen aus der Kosmetikwerbung ins Gedächtnis ruft, mitsamt Trinkschale, Pudergesicht, Staffelei mit unvollendeter Malerei, viertelgelesenem Miranda-July-Buch. Chill-out-Songs, bei denen nicht klar ist, wovon man sich eigentlich bitteschön erholt. Post-Finanzkrisen-Pop, der nur dann auf Partys laufen darf, wenn ihn vorher ein depperter Berliner DJ namens Kopetzki oder Koletzki remixt hat. (...)
Es läuft auf die Stimme hinaus, den Gesang von Valeska Steiner, dieses spezielle, leicht minzige, aber nicht minzfrische Pathos. Das unter dem ganzen Echo- und Sonnenaufgangsgedöns der Musik hindurchschlüpft wie ein schlaues, seidiges Eichhorn, am anderen Ende den Kopf rausstreckt und vorschlägt: "Let's go outside and let's pretend it's New York!"
(Spiegel)






Im Verlauf der neun neuen Lieder werden „Rivers Or Oceans“ geweint, in „New York“ vermuten sie, mit dem richtigen Menschen an der Seite könne jeder Platz zu einem Sehnsuchtsort werden. Der Song erinnert sehr an „Warning Sign“ von Coldplay, ein Lied aus einer Zeit, als Chris Martins Bilder noch nicht vor Selbstmitleid untergingen.
Im Titelstück weben Boy charmant zeitgemäßen Neo-R’n’B in ihren Singer/Songwriterpop ein, „Hit My Heart“ besitzt die Lebensfreude, die Sophie Hunger so beliebt macht. Im Song geht es um die Selfie-Versessenheit dieser Tage, das Thema wird Boy auf den kommenden Konzerten und zu Gast bei Ina Müllers Kneipenshow sicherlich viel Applaus bringen. Der schönste Song des Albums heißt „Hotel“, wieder sind die Bilder einfach: die langen Korridore, Checking-in und Checking-out, ein temporäres Heim in dieser sich schnell wandelnden Welt. Man sagt, nett sei die kleine Schwester von Scheiße. Finde ich nicht. Also: nette Platte.
(Musikexpress)




Im Vergleich zum Erstling gibt es weniger flotten Gitarrenpop, mehr Synthies und Keyboardflächen, und nicht zuletzt steht Steiners zarte Stimme noch ein Stück mehr im Mittelpunkt der Produktion. Dennoch ist es fein, wenn das Duo mit "Fear" mal ein wenig euphorischer zu Werke geht, denn auch auf der halbdunklen Tanzfläche lässt es sich prima im Beat versinken. Zudem klingt das Stück konsequenter als etwa "Hit my heart" oder "Flames", bei denen die ansonsten wohlige Stimmung schon fast zu einem Mittagsschläfchen animiert. Dass BOY aber auch ganz still richtig gut sind, zeigt das feine, beinahe komplett pur und akustisch gehaltene "Into the wild" und lenkt gleichzeitig davon ab, dass die beiden Wahl-Hamburgerinnen auf "We were here" die offensichtlichen Radio-Hits glatt vergessen haben. Macht nichts, war Absicht. 2011 ist schließlich längst vorbei.
(Plattentests)






Boy auf Tournee:
08.09. Dresden (Beatpol)
09.09. Berlin (Lido)
10.09. Hamburg (Mojo Club)
29.10. Bremen (Schlachthof)
30.10. Düsseldorf (New Fall Festival @Tonhalle)
31.10. Erlangen (E-Werk)
02.11. A-Wien (Arena)
03.11. A-Graz ( PPC)
04.11. A-Linz (Ahoi!Pop Festival @Posthof)
05.11. Ulm (Roxy)
08.11. Stuttgart (Im Wizemann)
09.11. München (Muffathalle)
10.11. CH-Bern (Bierhübeli)
12.11. CH-Luzern (Schüür)
13.11. CH-Basel (Volkshaus)
14.11. CH-Zürich (Kaufleuten)
15.11. Heidelberg (Halle 02)
17.11. Frankfurt (Gibson)
18.11. Dortmund (FWZ)
20.11. Osnabrück (Hyde Park)
22.11. Leipzig (Werk 2)
23.11. Berlin (Tempodrom)
24.11. Hannover (Capitol)
25.11. Hamburg (Große Freiheit 36)
01.12. Hamburg (Mehr! Theater)


2 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

6 Punkte

Dirk hat gesagt…

Dank der akustischen Bonus-Tracks: 6,5 Punkte