Dienstag, 9. Juni 2015

Of Monsters And Men - Beneath The Skin
























Bisher ist Of Monsters And Men die einzige Band in der Geschichte von Platten vor Gericht, deren Album gleich zweifach vorgeladen wurde. Das Debütalbum der Isländer erschien Ende 2011 in Island und fand sich recht schnell vor Gericht wieder, und ein halbes Jahr später landeten Of Monsters And Men mit "Little Talks" einen weltweiten Hit, so dass "My Head Is An Animal" in neuer Hülle und mit leicht veränderter Songauswahl und -reihenfolge auch außerhalb ihrer Heimat erfolgreich veröffentlicht wurde. Das Album kletterte u.a. in Australien, Neuseeland, Kanada, Irland, Deutschland, Niederlande, England und den USA in die Top Ten. 

Nanna Bryndís Hilmarsdóttir (Gesang, Gitarre), Ragnar Þórhallsson (Gesang, Gitarre), Brynjar Leifsson (Gitarre), Kristján Páll Kristjánsson (Bass) und Arnar Rósenkranz Hilmarsson (Schlagzeug) zogen daraufhin um die Welt und präsentierten live ihre Songs. Doch irgendwann hat man vielleicht oft genug die fröhlichen Folk-Pop-Songs gespielt und Hey! und Ho! gerufen, also mussten neue Lieder her und so begann die Band im Sommer 2013 mit der Arbeit am neuen Album, die sie im November 2014 gemeinsam mit dem Produzenten Rich Costey (Death Cab For Cutie, Muse) ins Studio führte. 

"Beneath The Skin" lautet nun der Titel des zweiten Albums, dass Hits wie "Little Talks" oder "Dirty Paws" missen lässt, und, der Titel suggeriert es bereits, persönlicher sowie ernsthafter sein und vermehrt unter die Haut gehen soll. Jedoch bauen Of Monsters And Men weiterhin hauptsächlich auf die Mumford & Sons-Zauberformel und bringen lediglich den Girl/Boy-Wechselgesang von Nanna und Ragnar als Alleinstellungsmerkmal mit ein. 

Die mäßigen Kritiken (53/100 bei Metacritic) dürften der Band weniger unter die Haut als ans Herz oder an die Nieren gehen. Spannend(er) wird es (hoffentlich), wenn Of Monsters And Men ihr drittes Album veröffentlichen werden, denn auch Mumford & Sons haben ihre Erfolgsformel mit diesem Album variiert, wenn auch nicht besonders gelungen.

"Beneath The Skin" steckt in einer Hülle, die der australische Designer Leif Podhajsky entworfen hat, der auch schon Cover für Tame Impala, The Horrors oder Lykke Li entworfen hat. Neben der regulären Version mit 11 Songs, können Fans über die Deluxe Edition noch an "Backyard" und "Winter Sound" sowie zwei Remixe ("Black Water", "I Of The Storm") kommen.




Die luftige Produktion vom Debüt ist zwar noch immer zugegen, die Songs selber sorgen aber dennoch für einen breiteren Sound, für größere Gesten, für Momente, die auf noch größeren Bühnen verortet sind. "We sink" platziert sich in dieser Kategorie ganz vorne. Da arbeitet von der ersten Sekunde weg alles auf einen größtmöglichen Refrain hin, der seine Hörer dann auch entsprechend ausladend umgarnt. Zuckrige Streicher inklusive. Aber das wusste man von Beginn an. Das ist deswegen noch lange nicht schlecht, man muss es aber auch nicht gut finden. Allgemein häufen sich die Zweifel, je näher man an das Ende von "Beneath the skin" gelangt.
Nicht, weil das Album gegen Ende wirklich schlecht wird. Aber weil eben der achte und neunte und zehnte und elfte Song im gleichen Tempo und im gleichen Habitus einfach jedes Mal ein kleines bisschen unspektakulärer wird. Und natürlich auch, weil der Einstieg zweifelsohne sehr gelungen ist. "Crystals" bringt die von früher bekannten Trademarks traumwandlerisch im etwas gediegeneren Gewand unter und zeigt eindrücklich, wie schön Midtempo sein könnte. Um den so oft bemühten Vergleich auszugraben: Arcade Fire hätten das vermutlich auch abgenickt. Auch die anrührende Ballade "Organs" gerät geradezu wundervoll. Weil sie exakt an der Kante zum Kitsch unterwegs ist und doch keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass sie auf der richtigen Seite steht. Doch auch wenn sich "Thousand eyes" schließlich mit seinem finsteren Songfinale an neuen Wegen versucht: Of Monsters And Men haben auf diesem Album ein bisschen zu viel milden Wind im Gepäck. Man wäre schließlich gerne ein wenig überrascht worden, von dieser Band, die einst plötzlich überall stattfand. Die macht mit dem schwierigen zweiten Album einen guten, abgeklärten Job. Und baut mit diesem Album lieber Stadien statt Baumhäuser.
(Plattentests)




Dass die Isländer jetzt noch einen eigenen Sound ausformulieren würden, hatte eh keiner mehr erwartet. Und so klingt »Beneath The Skin«, wie auch schon Mumford & Sons’ neues Album klingt: Es ist softer Indie-Rock mit nur noch einer Ahnung von Folk, dafür durchweg theatralisch aufgeblasen und mit massig Hall auf Gesängen und Gitarren. Kaum ein Song hat noch eine clevere Idee, wichtiger ist ein zäher Kleister aus Pathos, der selbst schöne Melodien übertüncht – eben wie Arcade Fire in schlecht. Die Ballade »Organs« mag noch als hübscher Ausreißer durchgehen, vielleicht auch die dramatische zweite Single »I Of The Storm«, für den Rest kann man Of Monsters And Men aber getrost in Richtung Gleichgültigkeit verabschieden. Egal, ob erfolgreich oder nicht.
(intro)




5 Kommentare:

Ole Pappert hat gesagt…

geht so. 6 Punkte

Ingo hat gesagt…

Erfreuliche 7,5 Punkte.

Dirk hat gesagt…

Irgendwie denke ich immer: "Schwacher Aufguss des ersten Albums."

6,5 Punkte

Jörg hat gesagt…

Die Messlatte wurde mit "My Head is an Animal" sehr, sehr hoch gelegt. Sie zu erreichen wurde mit dem Zweitwerk verpasst. "Beneath the Skin" bietet eine Fülle netter IndieRock Melodien, aber das Besondere, das Spannende des Debutalbums will sich nicht einstellen. Trotzdem: 7,5 Punkte (inkl. Island Bonus)

julia hat gesagt…

7 solide Punkte.