Freitag, 22. Mai 2015

Leslie Clio - Eureka
























Deutsches Pop-Fräuleinwunder (II)

Mit "modern Soul-Pop with a touch of retro", so die Selbsteinschätzung der Künstlerin, landete Leslie Clio vor zwei Jahren zwei Single-Hits und knapp vor den Top Ten der Albumcharts ("Gladys" kam auf Rang 11).

Mit modernem, Gutelaune-Pop zum Mitklatschen, -trällern und -tanzen und einem Touch von Soul, so die Einschätzung des Plattenrichters, feiert Leslie Clio nun ähnliche Erfolge: "Eureka" kam auf Platz 14 der Charts und die dazugehörige Single "My Heart Ain't That Broken" dudelt eben so oft aus dem Radio wie zuvor "Told You So" und "I Couldn't Care Less". Und würde sich dort "Be With You" nicht gut hinter "Shake It Off" von Taylor Swift oder "Girls Chase Boys" von Ingrid Michaelson machen? Und klingt "Damage Done" nicht wie eine Single von Sia (also eine, die nicht "Chandelier" ist)? Eben.
Für die internationale Feinpolitur auf "Eureka" sorgten als Produzenten Dimitri Tikovoi (Placebo, Goldfrapp, Sophie Ellis-Bextor) und Lasse Mårtén (Lykke Li, Johnossi, Franz Ferdinand).




Die Berlinerin, die mit ihrem Debüt GLADYS vor zwei Jahren auf der Retro-Soul-Welle mitschwamm, hat nun keine markante Wende hingelegt, aber konzentriert sich diesmal auf die Idee, mit der Motown einst das Musikgeschäft revolutionierte: den Soul weichzuspülen für ein weißes Publikum und damit in Mainstream-Pop zu verwandeln. Das gelingt Clio mit EUREKA tatsächlich, nur dass dieser Pop sich eben nicht an den aktuellen, im Computer gesetzten Hit-Standards orientiert, sondern eine ziemlich geschickte Simulation von handgemachter Musik aufführt. Dabei sind ein paar sehr flotte, aber auch nicht so wahnsinnig aufregende Songs entstanden.
(Musikexpress)


Clios Stimme hat immer noch Soul und paart sich weiterhin mit unkomplizierten Melodien. Doch könnte es sein, dass alles irgendwie poppiger geworden ist? Oder setzt die Blondine noch stärker auf ihren Retrosound? Es mag so oder anders sein – Hauptsache, die Füße bewegen sich. Im Video zur Vorabsingle "My heart ain't that broken" macht Clio es vor, in Leggings und rotem Pullover schüttelt sie ihren Liebeskummer so zauberhaft wie keine Zweite einfach ab und schließt musikalisch mit sanft geklimperten Klavier und Ohrwurmpotenzial da an, wo sie vor zwei Jahren aufgehört hat. Die Zeile "Love can be like magic, what we had was tragic" kommt ihr dabei so leicht von den Lippen, als würde sie von Katzenbabys erzählen.
Der Titelsong schlägt in die gleiche Kerbe. Zurückhaltende Beats und ein Saxophon dienen als Rahmen für Clio, die es sich offenbar zur Aufgabe gemacht hat, überall gute Laune zu versprühen und die Welt mit Konfetti zu schmücken. Doch der Rausch der ersten Minuten ist spätestens mit "Damage done" erloschen. "We used to be so in love, now you're just pissin' me off", dichtet die Hamburgerin sich mühsam zusammen und gibt dem Sprechgesang eine Chance. "Fuck what they told ya" kann noch ein letztes Mal mit Trompeten und sorgloser Clio punkten, danach heißt es: Popballaden über Popballaden. Jazzig verpackte Klänge bei "Falling to pieces", fehlplatzierte Geigen bei "Only a fool". Hätte das wirklich sein müssen? Oder ist es schier unmöglich, Herzschmerz ausschließlich in perfekt choreografierte Tänzeleien zu verpacken? Um das Gleichgewicht wieder herzustellen, muss man zum Glück nur zurück zum Anfang von "Eureka" – dass es dort mehr Spaß macht, steht außer Frage. In Zukunft bitte mehr davon.
(Plattentests)




Leslie Clio unterwegs:
25.05.15 Essen, Pfingst Open Air
26.05.15 Stuttgart, ClubCann
28.05.15 Berlin, Postbahnhof am Ostbahnhof
29.05.15 Hamburg, Mojo Club
30.05.15 Köln, Gebäude 9
31.05.15 Frankfurt, Zoom
02.06.15 München, Strom
04.06.15 Würzburg, Posthallen


2 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

5,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Für Leslie Clio sind leider nur 5 Punkte drin.