Montag, 13. April 2015

Blur - The Magic Whip
























10 Fakten zum neuen Album von Blur:

1. Was zuvor geschah: 05. Mai 2003: "Think Tank" wird veröffentlicht, Graham Coxon ist bereits nur noch auf dem Song "Battery In Your Leg" zu hören. 09. November 2003: das "letzte" Konzert von Blur in Brasilien. 13. Juni 2009: das "erste" Konzert von Blur, wieder als Quartett, im East Anglian Railway Museum in Chappel. Zahlreiche weitere Konzerte folgen. 24. April 2015: "The Magic Whip" wird veröffentlicht.

2. Mit "Fool's Day" (2010) und "Under The Westway" / "The Puritan" (2012) erschienen in den letzten Jahren bereits zwei Singles, die Blur in der Besetzung Damon Albarn, Graham Coxon, Alex James und Dave Rowntree aufnahmen. Die 3 Songs sind auf "The Magic Whip" nicht enthalten. Leider.

3. Im Mai 2013 waren Blur für das Tokyo Rocks Music Festival gebucht, dass ohne Bekanntgabe von Gründen abgesagt wurde. Blur strandeten in Hong Kong und nahmen in den dortigen Avon Studios in 5 Tagen neue Songs auf. In Interviews zeigte sich Albarn noch unsicher, ob die Aufnahmen veröffentlicht werden würden.




4. Während Damon Albarn mit seinem ersten Soloalbum "Everyday Robots" tourte, arbeitet Graham Coxon gemeinsam mit dem Produzenten Stepen Street an den Songs.


Tatsächlich beginnt das neue Album geschichtsbewusst: Das Eröffnungsstück „Lonesome Street“ knüpft hörbar an die psychedelische Frühphase der Band rund um „She’s so High“ an, es quäkt ein froschartiger Synthesizer dazu. „If you have nobody left to love/I’ll hold you in my arms“, verspricht Albarn. Das ist doch schon mal etwas. Der dreckige Slow-Rock von „Go Out“ erinnert dagegen eher an das Spätwerk David Bowies, es donnert der Krach. Natürlich wird man von Blur auch wieder erwarten, dass sie den Phon-Orkan ihrer Hitsingle „Song 2“ neu entfachen, das allerdings ist wohl unmöglich. Mit Stücken wie „Ghost Ship“ und „New World Towers“ wird dann klar, dass es bei Blur 2015 nicht mehr nur um Gitarre, Bass und Schlagzeug gehen kann, sondern auch Hiphop- und Soul-Einflüsse aus Albarns Solowerk hier zu ihrem Recht kommen.
Die Band hat wohl auch begriffen, dass der Albumsound von „Think Tank“ mit all seinen verrückten Geräuschsamples bis heute etwas Besonderes ist, genau daran hatte ja auch Albarn mit Piep-und Funksignalen auf seinem letzten Solowerk weitergestrickt. Durch alle Lieder spuken hier Geräusche, vom pfeifenden Teekesselchen bis zum Spielomat beim ulkigen „Ice Cream Man“. Klanglich ist das Werk oft so nah bei „Everyday Robots“, dass man es auch für eine weitere Soloplatte Albarns halten könnte.
Man könnte daraus jetzt wieder ableiten, dass Albarn die Gruppe gar nicht mehr braucht. Oder aber man sagt, dass sein melancholischer Gesang, stimmlich wie inhaltlich, im Grunde immer von Blur geprägt war und deshalb auch in dieser Band am besten aufgehoben ist. Genau zu dieser Überzeugung kommt man bei „There Are too Many of Us“. Es ist wieder so eine apokalyptische Ballade, in der die Menschheit schon zur Marschtrommel in den Abgrund steuert. Aber gleichzeitig vermittelt sie das Gefühl, dass die Band, die sie spielt, noch nicht am Ende ist. Eine große Herausforderung hat sie allemal noch zu meistern: Nach den wirklich perfekt arrangierten Soloauftritten Albarns mit Streichern und Chorsängern jüngst müssen die außer Form geratenen Blur-Mitglieder jetzt schon einmal hart trainieren, um nicht nur die Energie, sondern auch die Qualität der neuen Songs im Konzert zu Gehör zu bringen.
(FAZ)


5. Stephen Street arbeitete zuvor mit Coxon an drei seiner Soloalben ("Happiness In Magazines", 2004, "Love Travels At Illegal Speeds", 2006, "The Spinning Top", 2009) und mit Blur in ihrer Britpop-Hochphase ("Modern Life Is Rubbish", "Parklife", "The Great Escape" und "Blur") zusammen.

6. Albarn stoppte auf seiner Tournee erneut in Hong Konk und komplettierte bis Januar 2015 die Texte, so dass die fertigen Tracks bis Ende Februar gemastert werden konnten. "The Magic Whip" enthält 12 Songs und läuft 52 Minuten. Die japanische Version enthält zusätzlich den Song "Y'all Doomed".




7. Zusammen mit Tony Hung gestaltete Albarn das Artwork für "The Magic Whip". "The album title The Magic Whip he explained was multifaceted," sagt Hung. "An ice cream in the UK, a firework in China and a 'whip' in a political sense. These extremes would reflect the different textures, breadth and depth of the album." Das Cover zieren die Chinesischen Schriftzeichen (Hanyu Pinyin) 模糊 魔鞭, die "Blur" und "Magic-whip" bedeuten.




8. Als erste Single wurde im Februar "Go Out" ausgewählt und nur digital veröffentlicht. So ist auch Platz 182 in den englischen Charts zu erklären. Abgesehen von "Don't Bomb When You're The Bomb" (2002) und "Fool's Day" (2010), die nur als stark limitierte Vinyl 7'' veröffentlicht wurden und die Charts vollkommen verfehlten, ist dies Blur zuvor noch nie passiert.
Nach "Go Out" folgten im März kurz aufeinander "There Are Too Many Of Us" und "Lonesome Street". Beide wurden ebenfalls mit einem Video versehen und nur digital veröffentlicht.

9. Metacritic weist aktuell einen Score von 86/100 Punkten bei 5 berücksichtigten Kritiken aus:

The Magic Whip turns out to be a triumphant comeback that retains the band's core identity while allowing ideas they'd fermented separately over the past decade to infuse their sound with mature and peculiar new flavour combinations.
Produced by Stephen Street – the man who stood behind the glass for them in their mid-nineties pomp – these songs inhale Albarn's experiences with world music and opera and Coxon's with psychedelic folk, count to 10, then exhale them with the band's unique and dynamic four-way chemistry.
Some of the songs come straight from the vintage Blur playbook that has always offered party pogoers and hangover weepers. Opener Lonesome Street builds on a classic, scratch'n'spring of a Coxon riff while Albarn spends his verses sneering at the mundanity of global consumer culture and the "5:14 from East Grinstead" before launching his heart into a weightless romantic chorus: "And if you have nobody left to rely on/ I'll hold you in my arms and let you drift." It's lifted by some old school "woo-woo"s, while the sing-song grunge of Go Out rocks on the rubber soles of James's bass notes and shudders with Albarn's "uh-uh-ohs".
Albarn's voice has weathered warmer and wearier over the band's career. The elegant melancholy honed in his solo work is evident on the beautiful Terracotta Heart (which you can read as being about the band's fraught, fraternal relationships) and New World Towers which finds the singer in alienated orbit around a love as distant as the neon green signs of Hong Kong.
Pyongyang – about North Korea's "silver rockets and cherry trees" – features a liquid bass and subaqueous vocal samples that could have slipped off an Eighties Kate Bush album.
Elsewhere, they take electronica from quirky to murky on Ice Cream Man and deliver a smooth, brass-flecked, reggae-soul groove on Ghost Ship.
Things get weirder and proggier with the sci-fi march of There are Too Many of Us and the thready pulse and oriental xylophone of Thought I was a Spaceman throughout which Albarn sings of his struggle to "dig out" his heart, only to find it buried in Hyde Park, where we'll be seeing Blur again this June. Welcome back and see you soon, guys.
(The Telegraph)


10. Wer Songs von "The Magic Whip" live erleben möchte, muss nach aktuellem Stand verreisen:
      13.06.15 Isle Of Wight Festival, Isle Of Wight
      15.06.15 Zenith, Paris
      20.06.15 Hyde Park, London
      16.-19.07.15 Benicassim, Barcelona

6 Kommentare:

Volker hat gesagt…

Ich war ja seit je her eher Team Oasis, dennoch konnten mich auch Blur immer mal wieder begeistern. Das endete spätestens nach (nicht mit) "Tender". Ab da wurde es für mich unhörbar. Das ändert sich auch nicht mit dem neuen Album, das einen wilden Mix aus Albarns Schaffen bietet, nur leider nicht viel Gutes.

4 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

Ich höre ein sehr gutes Blur Album. 7,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Welches denn? "Parklife"?
;-)

Dirk hat gesagt…

Toll, dass Blur wieder da sind. Schade, dass sie vergessen haben, uns gute Songs mitzubringen.

6 Punkte

Jörg hat gesagt…

Von Blur habe ich rein gar nichts erwartet, zu lange sind sie schon aus meinem Blickfeld raus. Die Platte entspricht den Erwartungen: 3 Punkte.

Ingo hat gesagt…

7,5 Punkte