Sonntag, 31. August 2014

Merchandise - After The End




















Die erste Vorladung (XII)

Personalien:
Zur 2008 in Tampa, Florida, als Trio gegründeten Band gehören mittlerweile Carson Cox, Dave Vassalotti, Patrick Brady, Elsner Nino und Chris Horn.

Tathergang:
In der Punk- und Postpunk-Szene machten sich Merchandise mit ihren ersten Platten und Tapes, die bei kleinen unabhängigen Labeln erschienen waren, bereits einen Namen. 2012 sprangen zur Veröffentlichung von "Children Of Desire" auch Pitchfork, NME & Co. auf die Band an. 
Mittlerweile stehen Merchandise bei 4AD unter Vertrag und veröffentlichen mit "After The End" ihr viertes, von Gareth Jones (Depeche Mode, Interpol, Nick Cave and the Bad Seeds) abgemischtes Album. Diesem gingen die Singles "Little Killer", "Enemy" und "Green Lady" voraus.  

Plädoyer:
"After The End" ist als Titel passend gewählt, denn Merchandise verabschieden sich vom Postpunk und wandeln sich zur Pop-Band. Zur Pop-Band im Sinne von The Cure, R.E.M. oder Echo & The Bunnymen (man kann aber im Titelsong oder "Green Lady" auch Simple Minds und Tears For Fears heraus hören). Genannt werden müssen auch The Smiths, denn mit Morrissey wird der Gesang von Carson Cox gern und oft verglichen.
"After The End" hätte vermutlich genau so auch 1989 erscheinen können und dürfte Freunden des damaligen New Wave / Alternative Rock / Indiepop gut gefallen.

Zeugen:
The lead guitarist wrote four songs for ‘After The End’. He twangs patiently around Cox’s vocals on the undulating ‘True Monument’. ‘Life Outside The Mirror’ is even slower, Vassalotti’s structure and Cox’s broken vocals (“Are you ready to give it all away?”) trapping you inside it. This time, the solo is acoustic. It’s surprising, and just as awesome as when his foot’s jammed on the cosmic pedal.

The B-side delivers the two biggest shocks. Punks will hate ‘Telephone’ and ‘Little Killer’. The former bounces around Brady's bassline like one long radio-ready chorus. ‘Little Killer’’s melody is indelible, boasting a Cure-like timelessness. Their peers and touring buddies Parquet Courts and Milk Music wouldn’t dream of attempting anything like it.

With a funereal organ, ‘Looking Glass Waltz’ starts a comedown that lasts until they channel The La’s on wispy finale ‘Exile And Ego’. In between, the title track drags desperate bleakness out for seven minutes. Following the earlier hooks with three wallowing ballads is a masterstroke. 'After The End' is full of them. Merchandise's 4AD debut is an extrovert, indie-pop album from a punk band that can't sit still. It's clever, brave and seamless enough to become a classic.
(NME)

Die Single “Enemy” klingt allerdings nicht nach Aufbruch sondern eher nach Resignation: “All your points and blame, it just makes me feel the same.” Die halligen Akustikgitarre verschwimmen mit Cox’ Phrasierungen, die wohl der Grund dafür sind, weshalb man sich den Frontmann unweigerlich als Vegetarier mit kantigem Gesicht und Haartolle vorstellt. .

Insgesamt klingen Merchandise wie aus einer anderen Zeit und wohlvertraut, wobei die Smiths/80er/New-Wave Schublade auch nicht ganz zu passen scheint. Da ist auch noch “True Monument”, die Hymne in allerfeinster Stone-Roses-Romantik oder “Little Killer”, der Hit der Platte. Hier macht sich der neu angeheuerte Drummer bezahlt, während Cox zwischen einprägsamer Hook und schwummerig abgemischten Zwischenparts hin und her springt. Hymne, Hit, fehlt jetzt noch der gelöste Lovesong. Den liefern Merchandise mit “Telephone” und dieser steht Carly Rae Jepsens “Call Me Maybe” in Ohrwurmqualitäten sowie textlich in nichts nach. Auch wenn sich die anfangs erfrischende Basslinie irgendwann totspielt, das verzeiht man dank Carson Cox’ Charme komplett. Doch trotz dieser kleinen Pop-Ausbrüche dominieren doch Schwermut, Nachdenklichkeit und romantisches “Wir gegen den Rest der Welt” die Platte, was in “Looking Glass Waltz” auf den Punkt gebracht wird: “Choose to be nothing at all and I’ll be nothing with you.” Wer bei diesen Zeilen zum schwerfälligen Walzer nicht ins schwelgen gerät, der hat sich wohl noch nie abends alleine in Melancholie gesuhlt.

“Nostalgia is just a looking glass / its for us to distord and mold” heißt es dann weiter, was mehr als ironisch anmutet in Anbetracht der Tatsache, dass Merchandise so offensichtlich von den Smiths, The Cure und anderen alten Helden zehren. Das neue Leben nach dem abgeschlossenen Kapitel ist in erster Line textlich zu finden. Vielleicht ist es aber gerade diese Nostalgie, die der Platte ihre zeitlose Schönheit verleiht.
(Radio Q)

Indizien und Beweismittel:



Ortstermine:
29.11.14 Frankfurt, Nachtleben
30.11.14 München, Feierwerk
01.12.14 Stuttgart, Zwölfzehn
02.12.14 Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld
03.12.14 Hamburg, Hafenklang

Urteile: 
Nun sind die werten Richter gefragt...


3 Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

Ein Tick zu brav, finde ich. Sie wächst aber und darum gibt's 7 Punkte.

Dirk hat gesagt…

Wenn ich auf schönes grünes Vinyl Bonus-Punkte vergeben würde, käme ich auf mehr als 7 Punkte.

Volker hat gesagt…

Da schließe ich mich an

7