Montag, 21. Juli 2014

The Felice Brothers - Favorite Waitress



















Mit dem letzten Album der, hier leider etwas verkannten, Felice Brothers fand so etwas wie ein Bruch im Fankreis der Band statt. Zu viele konnten und wollten den neuen Weg der Band, der sich teilweise stark von ihrem rootslastigen amerikanischen Sound entfernte, nicht mitgehen.
Umso größer war die Freude in diesem Lager, als vor Veröffentlichung des neuen Album immer wieder zu lesen war, dass man zum ursprünglichen Sound zurückkehren wolle und das letzte Album als eine Art Experiment ansähe. (Ich muss nicht erwähnen, dass ich zur Gruppe derer gehöre, die den "neuen" gerne weiter verfolgt gesehen hätten.)
Und tatsächlich, das Album beginnt mit einer dieser großen (und traurigen) Hymnen, die die Band u.a. so auszeichnet, dem Pete Seeger gewidmeten "Bird On Broken Wing":





Und auch die folgenden beiden Songs dürften ein glückliches Leuchten in die Augen derer zaubern, die endlich wieder diesen typischen Whiskey angehauchten Americana der Band hören wollten. Doch plötzlich eher unauffällig  findet eine kleine Veränderung statt und man merkt mehr und mehr, dass The Felice Brothers, Gott sei Dank, mitnichten eine komplette Kehrtwende vollzogen, und ihr letztes Werk eben nicht naserümpfend ad acta gelegt haben. Immer häufiger schleichen sich in den folgenden Tracks nämlich kleine Effekte ein, die man durchaus auch auf "Celebration, Florida" gefunden hat. Viele der Kritiker des letzten Albums vergessen nämlich gerne, dass es nicht nur eine Öffnung hin zum Westcoast-Sound, zum Pop und zu der ein oder anderen elektronischen Spielerei beinhaltete, sondern auch noch eine ganz andere Seite aufzuweisen hatte, die hauptsächlich auf einem, ich nenne es mal spooky Sound basierte, vor allem getragen durch ein wunderschönes, gespenstisch klingendes Piano, Orgel und Akkordeon. Und genau dieses findet man eben auch hier ab dem mittleren Teil des Albums, mit dem Höhepunkt, und vielleicht besten Song auf "Favorite Waitress", "Constituents":






Am Ende bleibt dann ein Album, das die Vergangenheit der Band nicht leugnet, ohne aber eben auf die zuletzt neu hinzugekommenen Einflüsse komplett zu verzichten. Und ein Album, welches erfreulicherweise nahezu keinen Ausfall zu verzeichnen hat (um genau zu sein einen einzigen kleinen mit "Woman Next Door", der mir dann doch etwas zu sehr auf die 12 Southern Rock 'n' Roll mäßig um die Ecke kommt), und sich damit ganz nah am Debüt und besten Album der Band, "Tonight At The Arizona", anzusiedeln vermag.