Mittwoch, 8. Januar 2014

Farewell Dear Ghost - We Colour The Night


















Bereits im letzten Sommer wurden wir per Email auf die Single „Cold Blood“ von Farewell Dear Ghost aufmerksam gemacht. Da aber noch kein Album vorlag, blieb der Grazer Philipp Szalay zunächst von einer Vorladung vor Gericht verschont. Ende des Jahres wurden wir dann über Facebook auf dessen Debütalbum „We Colour The Night“ hingewiesen – doch da noch zahlreiche Urteile zu fällen waren, blieb eine Verhandlung zunächst außen vor.

„We Colour The Night“ beinhaltet 10 feine Indierock-Songs, die uns vergessen lassen, dass der letzte hoffnungsvolle österreichische Beitrag, der in eine ähnliche Richtung zielte – nämlich „Cache“ von Francis International Airport – doch ziemlich ernüchternd und enttäuschend war. Farewell Dear Ghost macht jedoch im Vergleich zu seinen Landsleuten vieles besser und hat vor allem die prägnanteren Songs und eine abwechslungsreichere Produktion zu bieten, exemplarisch seien hier die Videos zu den Singles „Cold Blood“ und „Fire“ gezeigt, sowie einige wohlwollende Stimmen zusammengetragen.
Manchmal muss man eben mehrmals auf eine feine Platte hingewiesen werden. Vielen Dank dafür!


Das Album erzählt keine Geschichten, sondern Momente, die das Herz jedes Pessimisten mit einem Funken Hoffnung füllen. Im Spannungsbogen zwischen dem Intro Demons I und dem Schlusssong Demons II  finden acht wunderschöne Nummern Platz, alle ausgezeichnet durch schwebende Gitarren, Ohrwurmmelodien und Zitate, die man mit Edding an die Wände schreiben möchte. Und über diesem Grundgerüst thronend: die Stimme von Phillip.
Words heißt der zweite Song auf der Platte, der seinem Titel absolut gerecht wird. Die vielen Passagen, in denen man nur auf den Text hören möchte, werden untermalt von einem nie enden wollenden Delay-Soundteppich. Bevor die Töne aber vollständig verstummen, setzt wieder das trockene Schlagzeug ein, das uns weiterträgt: in die nächste Strophe, den nächsten Refrain.
Der Anfang des gesamten Hypes um Farewell Dear Ghost erwartet uns als Nächstes: ein Song mit dem Titel Cool Blood. Eine Hymne, mit einem Refrain, der nach nur einem Hördurchgang nicht mehr aus dem Kopf gehen will. (...) Es ist zwar kein fröhliches Album, aber ein hoffnungsvolles. Der Soundtrack, der die graue Stadt einfach neu anmalt und uns die fehlende Wärme zurückgibt.
Für jede Situation findet man das richtige Lied – das ruhig-treibende Fade Out, das reflexiv-explosive Fire (übrigens die zweite Single, die derzeit auf FM4 zu hören ist) oder das textlich-herausragende City Nights. Zusammen mit der poppigen Nummer Wake Up entsteht so ein vielseitiges Album, das aber nie die Kohärenz verliert. Jeder Song ist ein sich abgeschlossenes Meisterwerk, das sich mit den anderen Nummern nahtlos ineinanderfügt.
Mit Demons II schließt sich der Spannungsbogen wieder, aber die Wörter und die Musik bleiben noch lange im Ohr. Man findet sich in einer Welt wieder, die auf einmal ganz anders aussieht und wenn dieses Gefühl nicht mehr auszuhalten ist, wandert der Finger wieder Richtung Play-Taste um ein weiteres Mal in den Kosmos von Farewell Dear Ghost einzutauchen.
(Enemy)


Wie ein Geist taucht aus dem Nichts ein Hoffnungsschimmer auf, der all die schmerzlichen Erfahrungen, persönlichen Krisen und ausweglos erscheinenden Situationen in ein tröstendes Licht taucht. Laut Philipp tauchen auf "We Colour The Night" thematisch gerade deshalb meist die schwierigen, harten Zeiten auf, da man sich durch Analyse und Problemlösungsversuche viel mehr mit ihnen beschäftigt, als mit jenen Momenten, in denen wir glücklich sind.
Trotz der "dunklen Aura", wie sie der Farewell Dear Ghost Mastermind selbst bezeichnet, zieht sich auch ein anderer Charakterzug des steirischen Musikers durch alle Songs. Nämlich der des "melancholischen Optimisten", wie er es selbst nennt. Dabei vermittelt die Mischung aus Hoffnung und einer kleinen Portion Naivität eine magische Perspektive, die uns ermöglicht, selbst die dunkelsten unserer Nächte mit Farben auszumalen und ihnen etwas Positives abzugewinnen. Insofern ist "We Colour The Night" wie eine herzerwärmende Umarmung in Zeiten seelischer Kälte. Denn selbst wenn wir uns wie bei "Wake Up", einem der absoluten Highlights der Platte, in einem nicht enden wollenden Alptraum befinden, so schafft es Philipp Szalay mit zuversichtlicher Stimme, uns davon zu überzeugen, dass wir aufwachen werden und der Spuk sein Ende haben wird.
(FM4)

Farewell Dear Ghost im Vorprogramm von Caged Animals:
21.01.14 Berlin, Comet Club
22.01.14 München, Milla Club

3 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Am 11.04. erfährt das Album wohl eine reguläre Veröffentlichung in Deutschland. Gut so.

Und dann spielen sie auch noch im Vorprogramm von The Jezabels:

14.03.14 Hamburg, Übel & Gefährlich
15.03.14 Berlin, Astra
16.03.14 Frankfurt, Sankt Peter
18.03.14 München, Freiheiz
20.03.14 Köln, Gebäude 9

Dirk hat gesagt…

Sehr schöne Überraschung aus Österreich...

7 Punkte

Ingo hat gesagt…

7 Punkte