Donnerstag, 1. November 2012

Sea + Air - My Heart's Sick Chord



























Wir waren ja gestern beim Musikkasettenlabel romani ite dumum und da  drängt sich die Vorstellung von Sea + Air geradezu auf, da auch "My Heart's Sick Chord" als Kassette (für 6€ inkl. Downloadcode und Bonustrack "Wild Flowers") erschienen ist.

Sie ist Eleni (Gesang, Cembalo, Bass, Schlagzeug). Er ist ihr Ehemann Daniel Benjamin (Gesang, Gitarre, Schlagzeug, Glocken). Das in Stuttgart lebende Paar beweist nicht nur im Bandnamen Sea + Air Wortwitz (sie + er), sondern auch im Plattentitel: Denn in "My Heart's Sick Chord" verbirgt sich das Wörtchen Harpsichord, also Cembalo, und damit das Instrument, auf dem die Songs für das Debütalbum geschrieben wurden.  

Die Songs wecken Erinnerungen an tschechische Märchenverfilmungen, spiegeln die barocke Pracht eines J. S. Bach wider, lassen griechische Folklore mit einfließen, durchwandern den Freakfolk-Garten und stolpern plötzlich über 70er Jahre-Rock. Und dann gibt es auch noch eine ganz wundervolle Interpretation meines liebsten Peter Gabriel-Liedes ("Mercy Street")! 

Live spielt jeder der beiden auf manchmal sogar artistische Weise bis zu fünf Instrumente gleichzeitig. Und mit den Instrumenten verändern sich zwangsläufig auch die Stile der Songs. Zwischen Klassik, Folklore, Indie, Pop und Rock bauen Daniel und Eleni ihr eigenes Klanggerüst. Sie lassen die Menschen an Geschichten über die Liebe, Trauer, Schmerz und Hoffnung teilhaben und unterlegen diese mit einem musikalischen Klangteppich. Sie zaubern ein Lächeln in das Gesicht des Hörers, um ihn im nächsten Moment in eine Art Traumwelt zu entführen. Da ist der Popsong ‘The Heart Of The Rainbow‘, der bei TV Noir als der Sommerhit 2017 angekündigt wurde. Ein blinkendes Cembalo, der einsetzende Beat und der augenzwinkernde und eingängige Refrain erzeugen einen enormen Suchtfaktor, dem man sich nur schwer entziehen kann. Gerne würde man dem charmanten Pop-Song immer wieder lauschen, doch My Heart‘s Sick Chord hat mehr zu bieten. Der Anfang von ‘The Sea After A Storm‘ klingt nach barockem 17. Jahrhundert, während in ‘Take Me For A Ride‘ die Griechin Eleni die Musik mit mediterranen Melodien anreichert. Im abschließenden ‘My Heart’s Sickest Chord‘ wird eine clevere Reprise sämtlicher bisher gespielten musikalischen Themen zelebriert und mit ‘Mercy Street‘ gibt es sogar ein Peter Gabriel Cover zu bestaunen. Im nächsten Moment kommt ‘Yeah I Know‘ um die Ecke und erinnert wiederum an den Gitarren-Rock einer mehrköpfigen Band aus den 70ern. Schnell merkt man: My Heart‘s Sick Chord ist eine wilde Mischung, für Abwechslung ist gesorgt.
Was das Album zusammenhält, ist der Indie-Pop Appeal, der bei allen musikalischen Anleihen und Ausschweifungen immer in den Adern der beiden pulsiert. Ein weiter Anker ist das Cembalo. Auf diesem klassischen Instrument, das ungenutzt im Wohnzimmer von Daniels Vater stand, haben Eleni und Daniel die Songs für ihr Debütalbum komponiert. My Heart‘s Sick Chord ist ein zauberhafter Erstling geworden, doch die volle Magie entfachen Sea + Air nur auf der Bühne. Da verwundert es auch nicht mehr, dass sich die beiden so lange Zeit gelassen haben.
(Bedroomdisco)


und tatsächlich findet sich auf »my heart's sick chord« nicht nur barocke schwülstigkeit, sondern auch hard rock-, disco- und plastik-pop-referenzen. 
dass diese melange grosses action-kino ist, überrascht weniger als die tatsache, dass all diese zutaten hervorragend zueinander passen. eine unsichtbare klammer hält das album zusammen - sei es das gespür für großartige melodien, der teils akrobatische gesang, der daniel benjamin als freddy mercury des indie-kosmos ausweist, oder die immer eleganten und unverschämt ideenreichen arrangements. so klingt »my heart's sick chord« bei aller vielfalt von pluckerndem, tanzbarem pop, uptempo-indie und klassicher grandezza immer wie aus einem guss.
um es in aller kürze und deutlichkeit zu sagen: »my heart's sick chord« könnte sich als eines der eigenartigsten und zugleich besten (indie-)pop-alben erweisen, das in den letzten jahren aus deutschland gekommen ist. aber wen interessiert schon der entstehungsort bei einem solchen jeder festlegung trotzdendem geniestreich?
(Rote Raupe)



Hier gibt es die übrigen Titel des Auftritts von Sea + Air bei TV Noir.

7 Kommentare:

Gudrun hat gesagt…

Von mir 10 blankgeputzte Punkte und ein glückseliges Lächeln.

Christoph W. hat gesagt…

"Do Animals Cry!", "You Don´t Care About Me" und "The Heart Of The Rainbow" sind echte Hits, die anderen Songs kommen da nicht ganz ran.

7,5 Punkte

Volker hat gesagt…

Ich hatte damals das Debütalbum von Daniel Benjamin auf Platte und war nur bedingt angetan. Aber das hier ist im Großen und Ganzen wirklich schön.

7 Punkte

noplace hat gesagt…

'do animals cry' geht mir irgendwie auf den sack.

5,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

7,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Ganz feine Platte.

7,5 Punkte

Christoph hat gesagt…

8