The Drums - Abysmal Thoughts



















Ein äußerst interessantes Konzept der Selbstauflösung betreiben The Drums: Bei ihrem Debütalbum „The Drums“ (2010) starteten sie noch als Quartett und verloren nach und nach ein Mitglied. Bei „Portamento“ (2011) waren The Drums noch ein Trio, bei „Encyclopedia“ (2014) ein Duo und - man erahnt es schon - das aktuelle Album „Abysmal Thoughts“ entstand in Eigenregie von Jonathan Pierce, der im Verlauf der Jahre den Abgang von Adam Kessler, Connor Hanwick und Jacob Graham (in chronologischer Reihenfolge) erlebt hatte. 

Stilistisch sind im Vergleich zu den Vorgängeralben nur minimale Veränderungen hörbar: zwar bestimmt weiterhin sommerlicher Surf- und Twang-Pop das Geschehen, jedoch hat sich die Dosis New Wave ein wenig erhöht, so dass man mehrfach an The Cure und (auch Dank der wehmütigen, melancholischen Texte) an The Smiths denken darf. So steht „Abysmal Thoughts“ bei den Kritikern auch wieder höher im Kurs als die beiden letzten Alben - Metacritic verdeutlicht dies mit 79/100 Punkten im Vergleich zu 61 bzw. 64. 

Obwohl das Plattencover nicht gerade zum Zugreifen verleitet, sollte man das schief gegangene Experiment „Your Tenderness“ nicht weiter beachten und „Abysmal Thoughts“ eine Chance geben, bevor sich, sollte es mit dem Mitgliederschwund kontinuierlich so weitergehen, die Band verflüchtigt hat.




Pierce findet in den zwölf neuen Songs und trotz Alleingang zurück zu alter Form: "Abysmal thoughts" küsst die Sonne, tanzt durch den Regen, umarmt die Melancholie und sucht stets die Hoffnung. (…)
Das weckt rein musikalisch Erinnerungen an damals, als "The Drums" 2010 das Licht der Welt erblickte, ist thematisch aber viel jünger. Vom Damals-noch-nicht-Ex-Freund, der den Sänger bei der Art-Basel-Veranstaltung in Miami wie einen König behandelte, nur um kurz darauf in alte Muster zu verfallen, geht es weiter zum rasanteren "Shoot the sun down", das den Sommer in einem tosenden Gewitter enden lässt. Überhaupt ist "Abysmal thoughts" von Sturm und Drang geprägt: "Your tenderness" wankt zwischen ordentlich Druck und dampfablassenden Bläsern und ist nicht nur dank dieser Mischung einer der besten The-Drums-Songs überhaupt.(Plattentests)

Doch auch wenn Pierce das Klangsetting für Sequenzen vom Strand in die New-Wave-Disco verlegt, durchdringt das Album immer noch keine echte Dunkelheit, sondern die Melancholie eines blasierten Romantikers. Und die vertont Pierce – wie im von Streichern überzuckerten „Blood Under My Belt“ – besonders gut, wenn er sich traut, mehr Pop als Indie zu sein. Oder den in der Zunft verbreiteten, ewig zackigen Rhythmus entschleunigt. (musikexpress)


The Drums in Deutschland:
21.-23.09.17 Hamburg, Reeperbahn Festival
28.09.17 Berlin, Lido



Kommentare:

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

6,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Auch ohne Plattencover-Malus: 6 Punkte

Jörg hat gesagt…

6,5 Punkte

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