Donnerstag, 15. September 2016

Wilco - Schmilco

 




















Mich wundert, dass die Band Wilco in den mehr als 20 Jahren ihres Bestehens bereits neun Longplayer veröffentlichen konnte, ohne den offensichtlich perfekten Titel "Schmilco" zu nutzen. Statt dessen wählte man für eines der bekanntesten Werke der Band "Yankee Hotel Foxtrot", beim siebten Album musste der Bandname herhalten und bei der überraschenden Veröffentlichung neuer Songs im letzten Jahr wählte man "Star Wars". Ich hoffe einige unbedarfte Soundtrack-Fans griffen daneben und erfreuten sich an der Überraschung.  

Mit "Schmilco" spielt die Band um Jeff Tweedy auf Harry Nilssons "Nilsson Schmilsson" an. Der kostete den Gag anschließend noch mit "Son of Schmilsson" und "A little touch of Smilsson in the night" aus. Ich unterstelle Wilco genug Kreativität, um ihm auf diesem Pfad nicht folgen zu müssen. Kreativität und vor allem Humor beweist Wilco auch mit einigen ihrer Plattencover. An das Kamel auf "Wilco" werden sich einige Leser erinnern und die "Star Wars"-Katze wird auch den ein oder anderen Fan gefunden haben. 

Während mich einige hochgelobte Wilco-Alben in der Vergangenheit weitgehend unberührt ließen, gefiel mir das rockige "Star Wars" ausnehmend gut. Auf "Schmilco" packen mich "Locator" und "Someone to lose" mit ihren Gitarren, aber auch "Cry all day", "Quarters" und das verschrobene "Common sense" können punkten. In meiner Wahrnehmung klingt die Band ironischer als früher und das tut ihr gut. Da kann ich auch die zusätzliche Portion Americana/Folk im Vergleich zu "Star Wars" gut ertragen. "Schmilco" klingt souverän gelassen und passt gut zum noch sommerlichen September.

Der Rolling Stone ist begeistert und greift zur Höchstwertung:
Mehr als die Hälfte der zwölf Songs sind nicht mal drei Minuten lang, und doch ist dies ein ganz anderes Tierchen als das ähnlich knapp bemessene „Star Wars“, es widmet sich nicht der kalten Mathematik des Indierock, sondern dem Sentiment des Country und der Sprödigkeit des Folk und ist dabei ungeachtet des Titels von dunklem Gemüte.

"If I ever was a child" ohne Video aber mit Cover-Ansicht:


Wilco live in Deutschland (z. T auf Festivals):
  • 29.10. Düsseldorf
  • 30.10. Stuttgart
  • 05.11. Weissenhäuser Strand
  • 07.11. Berlin

1 Kommentare:

Volker hat gesagt…

Das Album wird ja fast überall schwer gelobt oder zumindest als nicht schlecht betrachtet. Ich frage mich, ob ich was an den Ohren habe. Ich höre da zwar nicht „keine Melodien“, aber zumindest keine sonderlich lobenswerten.Vieles klingt nach Demos oder Songskizzen, etwas womit man mich ja schon mal vertreiben kann.
Nach mehrmaligem Hören gefällt mir Einiges zwar ein klein bisschen besser (das Anfangsduo und We Aren’t The World…), vor allem die kleinen Akzente, die die Sologitarre setzt, manchmal auch der Bass, aber vieles bleibt dennoch banal, bruchstückhaft, und wie man sich so etwas wie "Common Sense", "Locator" oder "Nope" schön hören kann, werde ich wohl nicht mehr rausfinden. Neben "If I Ever Was A Child" gefällt mir momentan wohl Quarters am besten, welches aber auch daran krankt, dass es, nachdem es im Hintergrund fast ein bisschen "Ashes of American Flags"-artig quietscht und knarzt und sich diese wunderschöne feine Melodieführung einschleicht, einfach aufhört, an einer Stelle, an der es meiner Meinung nach eben wieder durchstarten müsste. So klingt es dann halt auch nur wie eine Fingerübung, bei der man sich überlegt, ob man sie später zu einem „richtigen“ Song ausformuliert.
Stand heute nach dem bis dato schlechtesten wilco-Album "Star Wars" das zweite Wilco Album, auf das ich verzichten werde.
Vielleicht sollten sie sich für das nächste Album einfach mal 4-5 Jahre Zeit lassen und dafür mal wieder etwas Essentielles abliefern.

5,5