Montag, 19. September 2016

Beach Baby - No Mind No Money























Die Referenzmaschine funktioniert so ähnlich wie ein einarmiger Bandit. Der Hebel, der zum Start betätigt werden muss ist selbstverständlich der Arm des Plattenspielers. Anstatt der sich drehenden Walzen, die Symbole wie Kirschen, Herz oder Glocke anzeigen, zeigen diese Bilder von Bands und stoppen automatisch, wenn musikalische Ähnlichkeiten vorliegen. Wenn man viel Glück hat, führt dies zu einem Hauptgewinn, wenn die langsam austrudelnde Referenzmaschine bei drei besonders geschätzten Künstlern stehen bleibt. Selbstverständlich ist dies immer ein sehr subjektiver Vorgang und abhängig von dem, der die Maschine in Bewegung setzte.

Im Falle des britischen Quartetts Beach Baby ging der Pressetext mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass der Hörer am Ende Ariel Pink, Parquet Courts und Mac DeMarco angezeigt bekommen würde. Aber die Referenzmaschine reagiert eben individuell und da der Slacker-Rock mit New Wave und Post-Punk kombiniert wird, standen bei mir am Ende von "No Mind No Money" The Vaccines ("U R"), Super Furry Animals ("Sleeperhead", "Bug Eyed And Blonde") und Duran Duran ("Powderbaby").




Die Band möchte sich gerne als Indie-Band der Stunde positionieren, die Chancen stehen gar nicht schlecht, denn so viel starke Konkurrenz gibt es in England derzeit nicht. Die Hoffnungen liegen auf den zwei Singles „Limousine“ und „Lost Soul“, die bei den britischen Radiostationen bereits häufig gespielt werden.
Der Preis dafür ist ein toter Sound zwischen Kings Of Leon und Franz Ferdinand. Dass Beach Baby mehr können, zeigen die Songs hinter den Hits. Fast alle beginnen sie mit besagter Eiergitarre, was jederzeit ein Lächeln herbeizaubert. Danach driften sie in verschiedene Richtungen: „Sleeperhead“ ist Indie-Rock, „Hot Weather“ sommerlicher Power-Pop, „UR“ besitzt einen fröhlichen Wave-Twang.
Textlich geht es zwischen „Powderbabys“, „Smoke Won’t Get Me High“ und blonden Mädchen mit Käferaugen banal zu. Doch immer wieder überraschen Beach Baby mit smarten Refrains, selbst der finale Schwof „How Lucky You Are“ kriegt auf diese Art die Kurve. Als „gleichermaßen aufrichtig und verspielt“, will die Band ihre Musik verstanden wissen. Einverstanden und verstanden!
(musikexpress)




Aber wer schon auf Beach Babys vorab veröffentlichte Singles »Ladybird« und »No Mind No Money« gestoßen ist, wird sicher gespannt sein: Zwei hochwertige, kurzweilige Popsongs mit leichtem Retro-Touch, 1980er-Chorusgitarren und zuckrigen Keyboard-Melodien, die von einem soliden Rhythmusgerüst und zwei charismatischen Sängern eingerahmt werden. Nun bekommen sie adäquaten Nachschub.  
Denn dieses Debütalbum knüpft ziemlich nahtlos an die bereits bekannten Stücke an: elf Songs (natürlich inklusive der Singles), die keine Technikexkurse, intellektuellen Schlenker oder sonstigen Ballast mit sich rumschleppen, sondern melancholisch und im Sinne des ewigen Partystudenten dem perfekten Refrain hinterherjagen. Indie-Tanzmusik im Slipstream von Ariel Pink, TV On The Radio und Belle & Sebastian mit deutlich mehr Motoröl, der man sich nur mühsam entziehen kann.
(intro)




Beach Baby in Deutschland:

30.10.16 Köln, MTC
31.10.16 Berlin, Badehaus Szimpla
03.11.16 München, Unter Deck