Sonntag, 9. August 2015

The Wooden Sky - Let's Be Ready

























Mit ihren ersten drei Alben haben sich The Wooden Sky im Freundeskreis zwischen The War On Drugs, Ryan Adams, My Morning Jacket und The Decemberists sicherlich den ein oder anderen Fan erspielt. Bis zum Erscheinen ihres neuen Albums "Let's Be Ready" in Deutschland mussten diese jedoch sehr lange in der Warteposition verharren, denn nachdem der Startschuss für die Veröffentlichung in Kanada bereits im September letzten Jahres erfolgte, ist die Platte erst im Sommer 2015 hierzulande käuflich zu erwerben.

Die kanadische Band entführt den gewillten Hörer auf einen Trip, bei dem sie diesmal nicht nur den spärlich instrumentierten, balladesken Songs zwischen Folk, Country und Americana im Gepäck haben ("Write Them Down", "Let's Be Ready", "Don't You Worry About A Thing"), sondern auch häufiger auch das Gaspedal kräftig durchtreten und rumpelnden, rauen, erdigen Rock aus den Autolautsprechern scheppern lassen ("Maybe It's Not A Secret", "Saturday Night", "When The Day Is Fresh And The Light Is New").
Man darf gespannt sein, ob bei den Plattenrichtern die Ampel auf Grün umspringen wird, oder ob 70er Jahre Softrock wie "Baby, Hold On" diese - wie auf dem Plattencover - auf Rot verharren lässt und somit ein Durchstarten in den Jahrescharts verhindern wird...   




Die röhrende Hammond-Orgel legt im Opener „Saturday Night“ den Grundton für Songs, die erst sehr reserviert und kontrolliert präsentiert werden, um mit dem nächsten Feedback der Gitarren eine unerwartete und spannende Nuance hinzuzufügen – sei es der Singalong-Chor in „Our Hearts Were Young“ oder der treibende Basslauf in „Shake for Me“.
Ihren Stempel und das Alleinstellungsmerkmal bekommen die Songs vom prägenden Gesang Garviners, der mal schmachtend und mal mit aller Kraft seine Geschichten intoniert. Diese Ausdrucksstärke in der Stimme und die Euphorie an den Instrumenten machen es einem sehr einfach, diese Aufnahme für lange Zeit im Player rotieren zu lassen.
(éclat)


Rockige Songs wie der Earcatcher und Opener „Saturday Night“ nehmen mich sofort mit in den leicht countryesken Folkrock der Kanadier. Die klingen eher nach Südstaaten-Rock und so gar nicht unterkühlt.
Das schaffen die vier aus Toronto vor allem mit ihrem exzellenten Songwriting und ausgeprägtem Gehör für feine und stimmige Melodien. Vorgetragen von Gavin Gardiners markanter Stimme mit ihrem leicht brüchigen Zittern, die den noch so hellen Songs einen leichten Schubs Traurigkeit mitgibt. Wenn schon beim Schaukeln, dann pendeln innerhalb dieser zehn Songs die Gefühle hin und her. Bittersüß beispielsweise in „Our Hearts Were Young“ mit seinem Harmonie-Refrain und der leichten E-Leadgitarre.
Das Schlagzeug ist dabei immer präsent und leitet durch die unterschiedlichen Tempi. So auch beim Anspieltipp „When The Day Is Fresh And The Light Is New“. 
(about songs)


Eher bittersüß geraten ist "Our hearts were young", einer der gelungensten Tracks des Albums. Gardiners Stimme erinnert hier frappierend an The Tallest Man On Earth, während die Songzeilen vor lauter Silben schier überschwappen. Er hat aber auch viel zu erzählen, von Greyhound-Bussen und der großen Liebe, von Kindheitserinnerungen und Einsamkeit, und man will unweigerlich das Fenster aufreißen und die ganze Welt teilhaben lassen an diesem wunderschönen, musikgewordenen Sehnsuchtsexzess. Mit "Don't you worry about a thing" verabschieden sich The Wooden Sky schließlich mit einem etwas lässigeren Tom Petty-Tenor.
Leider dauert kein Roadtrip ewig, und so muss man auch nach "Let's be ready" wieder Halt machen in der jetzt noch etwas fader wirkenden Realität. Zum Glück gibt es aber die Repeat-Taste, und so kann man jederzeit wieder einsteigen, die Nase in den Wind halten und noch ein Stückchen weiterfahren, oder wie Kerouac es so schön ausdrückte: "We lean forward to the next crazy venture beneath the skies." Und manchmal sind diese Himmel eben aus Holz.
(Plattentests)


The Wooden Sky in Deutschland:
20.11.15 Köln, Blue Shell
22.11.15 Hamburg, Prinzenbar
23.11.15 Berlin, Privatclub
24.11.15 Leipzig, Täubchenthal
25.11.15 Dresden, Beatpol


1 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Höre ich im Auto, wenn ich einmal durch die USA reise. Sonst eher nicht.

5,5 Punkte