Donnerstag, 16. April 2015

East Cameron Folkcore - Kingdom Of Fear
























Maifeld Derby 2015 (II)

Unser alljährlicher Ausflug zum Maifeld Derby in Mannheim ist mittlerweile fest in unserem Terminkalender vermerkt und Karten werden frühzeitig als Scheuklappentickets bestellt, zu einem Zeitpunkt, an dem noch keine Band bestätigt ist. Bisher haben die Festivalmacher nicht enttäuscht und so wurden dieses Jahr auch Bands wie Mogwai, Fink, Foxygen oder Musée Mécanique verpflichtet, die in den letzten Jahren mit ihren Alben überzeugen konnten.

Auch East Cameron Folkcore werden dieses Jahr in Mannheim auftreten und dort ihr neues Album "Kingdom Of Fear" vorstellen, das als kritische Bestandsaufnahme unserer Welt verstanden werden soll und sich an Themenfeldern wie Überwachungsstatt, Kapitalismus, Fracking oder Korruption in Wirtschaft und Politik abarbeitet. Kein Wunder also, dass Jesse Moore, der Anführer dieses wilden Folk-Punk-Country-Rock-Orchesters, seine Texte inbrünstig herausschreit. "Kingdom Of Fear" ist ein Moloch von einem Album, der einen mit seiner Opulenz und Wucht, seinem kruden Stilmix und dem eigenen Anspruch sowie der überbordenden Länge von 1 Stunde (bei vierzehn, ineinander übergehenden Titeln) geradezu erschlägt. 


Auch „Kingdom of Fear“ sollte man dabei als „großes Ganzes“ sehen. Im Vordergrund stehen nicht die einzelnen Songs, die nicht selten nahtlos ineinander übergehen, sondern die wesentliche Aussage, die hinter den 14 Tracks steht. Entsprechend funktioniert das Intro „What The Thunder Said“ als eine Art Ausblick auf das, was in den Hörer in der kommenden Stunde erwarten soll. Dabei sind die Lieder in vier Kapitel gegliedert, was besonders in der Doppel-Vinyl-Version seine volle Wirkung entfaltet. Den Anfang macht der „The Grand Illusion“-Part mit der eröffnenden Titel-Nummer „Kingdom of Fear“, die als heimeliger Folksong startet, zum rotzigen Gitarren-Rocker wird, um schließlich sphärisch-besinnlich zu enden. „The Joke“ übernimmt mit warmen, fast souligen Gesangsharmonien, die immer mehr Richtung Punk-Attitüde changieren, bevor das positiv-stimmungsvolle „969“ mit viel Drive in die Vollen geht. Der Blick „Through The Looking Glass“ wird vom aufrüttelnden „The Greater Fool“ eingeläutet, bevor sich das temporeiche „Fracking Boomtown“ mit der höchst umstrittenen Fördermethode beschäftigt, mit der man Erdgas aus tiefen Erdschichten gewinnt. In Texas ist das Fracking bereits allgegenwärtig. Es gibt Erschütterungen und Erdbeben, das Grundwasser wird durch Chemikalien verseucht und Wasserknappheit entsteht, die sich zu extremen Dürren ausweitet. Der „Modern Man“ schließt sich dem mit reduzierten Melodien an, die es bei aller Bescheidenheit jedoch nicht am nötigen Tiefgang fehlen lassen, ehe „When We Get Home“ den musikalischen roten Faden mit hymnischen Melodiefolgen fortführt. Kommen wir zum dritten Kapitel „The People Speak“, mit dem das Volk seine Stimme erhebt: „Protest Hero“ tut dies mit dezenten Frickeleien in einer folkigen Gemengelage, bevor „Our City“ unvermittelt und mit zunächst leisen Klängen an die Reihe kommt. Keine Frage, dass es bei dieser akustischen Bescheidenheit nicht bleibt und so erheben EAST CAMERON FOLKCORE auch an dieser Stelle ihre streitbaren Stimmen, die bei „Blackheart For A Beating Drum“ von jaulenden Sirenen begleitet werden. „Newspeak“ verlegt sich am Ende tatsächlich noch einmal auf vergleichsweise versöhnliche Töne, während das letzte Kapitel „Ship of Fools“ „Into Hells Sea“ ablegt. Einige Untiefen gilt es noch zu umschiffen, bis es schließlich „Goodbye To Fear“ heißt.
(Terrorverlag)




Trompete, Mundharmonika, Banjo, Cello, Schellenkranz... Fast jedes in der modernen westlichen Musik gebräuchliche Instrument taucht zumindest einmal in irgendeinem Song auf. Entsprechend vielseitig ist auch der sich daraus ergebende Genre-Mix. Das titelgebende 'Kingdom Of Fear' könnte locker auch in einem Irish Pub aufgelegt werden. 'The Greater Fool' wiederum hat aufgrund der durchgehenden Präsenz der Blechbläser eine südstaatliche Bluesatmosphäre und 'Blackheart For A Beating Drum' verströmt einen Hauch von Achtziger-Jahre-Rock.
Alles in allem ein vielversprechendes Konzept, wenn das große 'Aber' nicht wäre. 'Kingdom Of Fear' kommt mit ganzen vierzehn Songs daher, einem Dutzend verschiedenen Instrumenten, mehrstimmigem Gesang und ganz viel Anspruch. Am Ende wird dem Album aber genau das zum Verhängnis. Viele Köche verderben den Brei und East Cameron Folkcore scheitern hier an ihren eigenen Ambitionen. Durch die schiere Masse unterschiedlicher Töne steigert sich die Band in ein regelrechtes Klangchaos hinein. Zuweilen entsteht der Eindruck, dass mehrere Tonspuren parallel nebeneinander laufen, was stellenweise zu Dissonanzen führt. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen, zumal die Idee des Stilmix, einhergehend mit den aufwühlenden Texten durchaus eine gute ist. Wer offen für musikalische Experimente ist und ehrlichen, leidenschaftlichen Gesang mag, sollte trotzdem einmal reinhören.
(whiskey-soda)


East Cameron Folkcore in Deutschland:
24.05. Mannheim - Maifeld Derby
26.05. Saarbrücken - Garage
27.05. Bielefeld - Forum
28.05. Hamburg - Hafenklang
29.05. Husum - Speicher
30.05. Berlin - Magnet Club
01.06. Jena - Rosenkeller
02.06. Dresden - Groove Station
03.06. Leipzig - Werk 2
04.06. Erlangen - E-Werk
07.06. München - Ampere
16.06. Köln - Underground
17.06. Trier - Ex-Haus
18.06. Wiesbaden - Schlachthof

2 Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

4,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Schon ziemlich fürchterlich. 3,5 Punkte