Montag, 5. Mai 2014

Lykke Li - I Never Learn




















Lykke Li beschließt mit "I Never Learn" eine thematische Trilogie, die sie mit "Youth Novels" (2008) und "Wounded Rhymes" (2011) begonnen hatte. Dabei verabschiedet sie sich vom leicht elektronischen Pop ihrer Anfangstage und scheint den kommerziellen Erfolg, den der Remix von "I Follow Rivers" erzielte, unter keinen Umständen wiederholen zu wollen: neun deprimierende, melancholische und sehnsüchtige Dramen trägt uns die Schwedin mit brüchiger Stimme zu größtenteils schlichten Arrangements (Gitarre, Piano, Schlagzeug) in etwas mehr als einer halben Stunde vor. Diese tragen passende Titel wie "Never Gonna Love Again", "Love Me Like I'm Not Made Of Stone", "Heart Of Steel" oder "Sleeping Alone" und stecken in einem düsteren Cover, das Trauer und Herzschmerz treffend visualisiert.  

"I Never Learn" wurde von Björn Yttling (Peter Björn and John, Shout Out Louds, Franz Ferdinand) und Greg Kurstin (Tegan and Sara, Lily Allen, Kylie Minogue) gemeinsam mit Lykke Li produziert und ist trotz des Vertonung von Liebesummer, Einsamkeit und Depression ihr bisher stringentestes und eingängigstes Album geworden.


Einerseits weil sie das Ganze als hochtrabendes Konzeptalbum und dritten Teil einer Trilogie über das komplexe Gefühlsleben einer Frau in ihren 20ern verkauft, andererseits weil sie musikalisch ziemlich heftige Geschütze auffährt.

Abgesehen von der euphorischen Hymne „Gunshot“ ist das Material sehr düster, dramatisch und depressiv, schwelgt in Arien über verflossene Liebe, gebrochene Herzen, fiese Selbstzweifel und bittere Schlussfolgerungen („Never Gonna Love Again“) und ist gleichzeitig doch so herrlich zerrissen und inkonsequent, dass es unfreiwillig komisch wirkt.

Da macht sie sich beispielsweise einen Haufen Vorwürfe, an den falschen Typen geraten zu sein („I Never Learn“), wünscht ihn sich aber anschließend direkt zurück („Just Like A Dream“). Oder seine Liebe war nicht gut genug („Love Me Like I’m Not Made Of Stone“), und trotzdem hält sie ihm (in „Sleeping Alone“) alle Türen auf: „Someday along the line, we’ll meet again.“ Wer sich darauf einlässt, wird prächtig unterhalten. Wem das zu wirr ist, bleibe halt bei Helene Fischer.
(Musikexpress)


Auf “I Never Learn” gibt Lykke Li mehr denn je die schwedische Eisprinzessin und serviert als solche schwermütige Balladen, die in der Regel kaum zum Tanzen geeignet sind. “Gunshot” bietet hierbei eine Ausnahme, die jedoch nicht weniger traurig ausfällt als die anderen Songs – lediglich der Beat ist zumindest ansatzweise tanzbar geworden. Ansonsten befinden sich vor allem langsame Stücke auf dem Album, die teilweise fast komplett zum Stillstand kommen wie im Fall von “Love Me Like I’m Not Made Of Stone”. Mehr denn je ist es die Stimme, die hier Akzente setzen muss – eine Vorgabe, die die Sängerin ohne Probleme umsetzt. Trotz der Schwere gibt es hier jede Menge schöne Melodien zu bestaunen, und auch kleinere Details wie die Streicher im eröffnenden Titeltrack treten durch den stellenweise herrschenden Minimalismus hervorragend zu Tage. Alles in allem präsentiert sich das Album recht geschlossen, auch was die Wahl der Themen angeht.
(Testspiel)


Lykke Li in Deutschland:

06.11.14 München, Kesselhaus
09.11.14 Köln, Live Music Hall

3 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

5,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

In dubio pro Lykke Li: 7,5 Punkte

Volker hat gesagt…

7,5