Dienstag, 1. April 2014

Pixies - Indie Cindy



















Kein Aprilscherz! Diesen Monat erscheint 23 Jahre nach "Trompe Le Monde" mit "Indie Cindy" ein neues Album der Pixies, das standesgemäß von Gil Norton produziert wurde und dessen Artwork natürlich wieder von Vaughan Oliver stammt. 

Doch aufmerksame Chronisten, Fans und Sammler werden jetzt anmerken, dass sich unter den 12 Titel der Platte keiner befindet, den sie in den letzten Monaten nicht bereits gehört hätten. Richtig, denn "Indie Cindy" trägt  lediglich die Songs der drei EPs, die im letzten September, Januar bzw. März veröffentlicht wurden, zusammen und variiert dabei deren Reihenfolge. 

Unterm Strich bleiben einige für die Pixies sehr typische (und damit sehr gute) Songs ("Indie Cindy", "Greens And Blues", "Snakes"), die man eher der Frühphase der Band zuordnen würde, denn es werden weder die Heavy-Phase der letzten Pixies-Platte noch die seltsamen Ausflüge, die Black Francis als Frank Black in Richtung Country und Americana unternahm, fortgeführt. 

"Indie Cindy" bringt jedoch auch die Erkenntnis, dass einige Songs einfach zu lange ausgewalzt werden (beim stupiden Rocker "Blue Eyed Hexe" ist eigentlich bereits nach 50 Sekunden alles gesagt), dass es den ein oder anderen Lückenfüller gibt, mit dem man eine EP passabel erweitern, aber den man nicht unbedingt auf ein Album nehmen sollte ("Silver Snail", "Andro Queen") und dass  dass man sich Kim Deals himmlischen Gesang sehnlichst zurückwünscht ("What Goes Boom", "Greens And Blues", "Magdalena 318").   

"Indie Cindy" erscheint am 25. April als digitaler Download, CD und 2LP. Zudem wird es eine limitierte Deluxe Edition (plus Live-CD und 40-Seiten-Buch) geben. Eine Vorab-Veröffentlichung wird es bereits am Record Store Day geben:


On April 19, a week before the official release date and exclusively for Record Store Day - www.recordstoreday.com Pixies will make Indie Cindy available as a special RSD limited edition, two-disc, deluxe gatefold, 180-gram vinyl set, only from independent record stores participating in RSD around the world. When these are gone, they’re gone.



Es ist erstaunlich, wie offen der heute 49-Jährige Black Francis mit seinen Quellen umgeht. Den besten Song der Platte, „Greens and Blues“, identifizierte er in Statements selbst als Nachfolger der Pixies-Melodiebombe „Gigantic“. Ein anderer halbwegs guter, „Blue Eyed Hexe“, bedient sich im Refrain ausgiebig an ihrem sehr alten und einzigen Song, der im Netz kursiert, aber nie offiziell erschien: „Boom Chick-A Boom“.

Pixies-Verehrer David Bowie bezeichnete die Leadgitarre Joey Santiagos einst als eine der drei wichtigsten Säulen für die einzigartigen Kompositionen des Quartetts: die abrupten Wechsel von brutal zu so engelsgleich, als hätte Santiago noch nie zuvor jemandem weh getan. In dieser neuen Pixies-Phase, der Ära des Diktators Black Francis, hört man sein Instrument manchmal gar nicht mehr heraus. Er erhält keine längeren Passagen mehr für sich, bildet keine Gegenentwürfe mehr zur Rhythmusgitarre des Sängers. (...)

Ein weiteres Problem der zwölf neuen Songs ist deren Länge. Sie sind zu lang. Früher dauerten die Stücke meist zweieinhalb Minuten. Da entstand viel in kurzer Zeit. Man muss ein selbstbewusster Komponist sein, einem Zwei-Minuten-Stück wie "I Bleed" eine Geschichte anzuvertrauen, für die andere Bands sich doppelt so viel Zeit nehmen. Das Stück hatte doch gerade erst begonnen! Wie führt man diese Power eigentlich ab? Im günstigsten Fall nicht wie im neuen Lied „What Goes Boom“, das sich über Minuten wiederholt und dann auspendelt. So bleibt doch keine Aggression hängen, man verlässt das Lied ohne Aufputsch.

Einst beschrieb Black Francis, was seine Landsleute antreibt. Es waren amerikanische Stoffe. Der Glaube und der Zweifel daran. Das Surfen. UFOs, Außerirdische. Die Angst vor Invasion des Heimatkontinents – den sie einst selbst als Eroberer betraten. Jetzt kommen einem die Pixies so spießig vor wie die Drei von der Tankstelle. Ein Leben ohne Themen.

Eine Platte mit dem Wort „Indie“ zu betiteln zeigt jedenfalls, dass die Band nicht hinter ihrer Bedeutsamkeit für die Musikrichtung zurückstehen will. Man beruft sich auf Historie, nimmt den Titel an. Aber nun gilt auch: Für den zweiten Abschnitt ihrer Karriere können sich Pixies, die seit ihrer Reunion 2004 neun Jahre lang nur mit altem Material tourten, nicht mehr hinter früherem Ruhm verstecken.
(Rolling Stone)

4 Kommentare:

Olly Golightly hat gesagt…

8 Punkte

Dirk hat gesagt…

Besser "Indie Cindy" als gar nichts Neues von den Pixies!

7,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

Meine erste Wertung für ein Album der Pixies: 7 Punkte.

Volker hat gesagt…

Viel besser als es überall gemacht wird

7,5