Freitag, 29. März 2013

Team Ghost - Rituals


















Nicolas Fromageau gründete 2009 die Band Team Ghost, um atmosphärische, unterkühlte Synthie-Sounds mit noisigem Shoegaze so zu kombinieren als träfen Tangerine Dream und Brian Eno mit My Bloody Valentine zusammen. Fromageau (Gesang, Gitarre) war Gründungsmitglied von M83, beschreibt die Musik seiner neuen Band, zu der noch Christophe Guérin (Gesang, Gitarre), Benoît de Villeneuve (Gesang, Gitarre, Keyboards), Pierre Blanc (Bass) und Félix Delacroix (Schlagzeug) zählen, jedoch als düsterer und hat dabei Namen wie Joy Division und Cocteau Twins im Hinterkopf.

Team Ghost veröffentlichten 2010 zwei EPs ("You Never Did Anything Wrong To Me" und "Celebrate What You Can’t See"), die im folgenden Jahr auf dem Album "We All Shine" zusammengefasst wurden. Ihr erstes reguläres Album trägt den Titel "Rituals" und wird von der ersten Single "Dead Film Stars" begleitet:


Die selbstgewählte Genrebezeichnung Coldgaze, abgeleitet von den bekannten Schuhestarrern, passt gut. Vor allem die größtenteils instrumental aufgebauten Kompositionen wie Opener Away oder das ganz fantastische Things Are Sometimes Tragic, das von eisigen Sequencer-Klängen dominiert wird, erinnern an futuristische Hochhäuserkomplexe, kalt wie Eisgletscher, auf gewisse Art und Weise unpersönlich wie das Großstadtleben. Als hätte man Vangelis aus Griechenland in eine verregnete europäische Metropole verfrachtet.

Während man Dead Film Star bereits lange vor Veröffentlichung kannte und der Song vielleicht gerade deswegen aus dem Rahmen fällt, überzeugen die restlichen Tracks beinahe ausnahmslos. Die explizite Voyeur-Geschichte von Somebody’s Watching klingt verdorben und schmutzig, mutet aber wie der viel zitierte Autounfall an, den man nicht aus den Augen zu lassen vermag. Der Ruhepol All We Left Behind besitzt eine enorme Fragilität, gepaart mit einer ungeahnten Intensität. Gleichzeitig beeindruckend, dass Fromageau scheinbar spielerisch zwei komplett gegensätzliche Pole zu beherrschen versteht, überzeugen das laute und disharmonische Curtains oder das lebhaftere, dennoch passend betitelte Pleasure That Hurts genauso, wie der zurückgenommene Mittelteil.

Die frenetischen Jubelrufe, die es für M83 gab, gebühren eigentlich auch zum Teil Team Ghost und Rituals. Zumindest verdient Fromageaus neue Band mindestens ebenso viel Anerkennung wie sein ehemaliger Partner Anthony Gonzales, vor allem, weil er viel bestrebter und beherzter an seine Musik herangeht, die traumartigen Synthieschwaden durch handfeste Shoegazing-Gitarren ersetzt und mit erstklassigem Songwriting aufwartet. Hin und wieder wünscht man sich zwar ein etwas behutsameres Mastering, zeichnet sich nicht zuletzt die CD-Version des Albums durch leicht penetrante Lautstärke aus, dies trübt die Möglichkeit sich an der Qualität des Materials zu ergötzen, praktisch gar nicht. Stark!
(alternativmusik)




2 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

8 Punkte

Dirk hat gesagt…

Die Single ist schon das beste Lied...

6 Punkte