Mittwoch, 13. März 2013

Betty Dittrich - Gute Jungs, böse Mädchen

















Vom Bundesvision Song Contest zum Grand Prix Vorentscheid, von Bosse zu Betty Dittrich: Die Schwedin mit deutschen Wurzeln muss in ihrer Jugend zu viele Filme mit Conny Froboess, Peter Kraus und Peter Alexander gesehen haben, denn anders ist der schlagerhafte 60er/70er Jahre Pop mit niedlich-naiven Texten rund ums Händchenhalten und Küssen (mit Zunge!) schwerlich zu erklären.

Mit "LaLaLa" nahm Betty Dittrich am Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2013 in ihrer Heimatstadt Malmö teil, wurde von den Radiohörern auf den 3. Rang gewählt, doch leider reichte es nach der Jury-Wertung und der Stimmabgabe der Zuschauer nur für einen 8. Platz. Hier das Video zur Single, das den Retro-Charme der Songs sehr schön weiterführt:


Die in Berlin lebende Singer/Songwriterin hat für ihr Debütalbum mehr als 60 Titel in deutscher Sprache geschrieben, von denen sich nun 13 auf "Gute Jungs, böse Mädchen" wieder finden. Ideal für diejenigen, die für ein Mixtape noch ein passendes Album zu "Premiere" von Prag suchen. Überraschend ist, dass sich auf beiden Alben ein Lied namens "Sophie Marceau" befindet:
"Wir alle waren so
verliebt in Sophie Marceau
Sag nicht es war nicht so
und alle Mädchen standen auf Pierre Cosso"
(Prag)

"Ich wär' so gern wie Sophie Marceau
frag' mich nicht warum, es ist halt so
jedes Mädchen hat damals geträumt von Pierre Cosso"
(Betty Dittrich)

Skandinavische Sängerinnen mit in charmantem Akzent vorgetragenen deutschen Texten hatten in den 60er Jahren reichlich Erfolg. Kann Betty Dittrich die Reihe von Wencke Myhre (Norwegen), Siw Malmkvist (Schweden) und Gitte Haenning (Dänemark) fortsetzen?
Bei der Punktvergabe bitte nicht den Zusatzpunkt für die Nennung des Wortes "Langspielplatte" vergessen!      

Was die Single zeigte, bringt auch das Album rüber. Es ist durch und durch der Teenie-hafte 60’s Pop, der auch schon die Single prägte. Dabei spielt Betty Dittrich eben auch mit weiblichen Reizen und setzt auf eine putzige Außenwirkung, was sie gut in Herr Polizist, wenn sie davon erzählt, wie sie besagten Herrn bezirzt. Auch ein Stück wie Böser Junge findet das Konzept wieder gut seine Anwendung. Immer mit dabei ist auch eine gewisse Selbstironie, denn Betty Dittrich weiß für sich, dass sie „alles andere als perfekt“ ist. Sie hat Spaß an ihrer Musik und zeigt das auch auf den 13 Stücken von Gute Jungs, böse Mädchen deutlich.

Handwerklich und in der Umsetzung ist das Album sehr gelungen und man merkt, dass Herzblut darin steckt. Die Frage ist nur, ob sich das Konzept dauerhaft durchsetzen kann oder eben nur ein kurzes Aufflackern ist. Für den Moment macht Gute Jungs, böse Mädchen mit seinem 60’s-Charme und seiner außerordentlichen Beschwingtheit definitiv Spaß.
(alternativ musik)


Über sich selbst singt sie in ihrer lolitahaften Art, mit verrucht-verrauchter Stimme: "Vielleicht seh ich wie ein Engel aus, doch dann kommt der Teufel raus". Sie ist eben böses Mädchen und das kann wirklich überall hin, will aber am liebsten in die Vergangenheit: Denn ihr Sound ist stark von der Post-Rock'n'Roll und Pop-Ära der späten 60-er und frühen 70-er beeinflusst. Softer Schlager, knapper Audio-Minirock mit Shure-Mikroanleihen. So alt(backen) der Stil, so frisch die Mischung. Ein Stockfisch, wer beim Hören dieser Scheibe keine gute Laune bekommt. Mitklatschen ist obligatorisch, die nächste (Schlager-)Party ist gerettet. "Hipster-Scheiß in Schwarz-Weiß" verurteilt sie, Dittrich steht auf Retro und das mit Liebe zum bunten Detail.

Bei allen Songs schrieb sie mit, es gibt kaum ein Instrument auf ihrem Album, das sie nicht gespielt hat. So viel Talent ist im Pop-Biz selten geworden. Beim deutschen Vorentscheid "Eurovision Song Contest 2013 - Unser Song für Malmö" landete sie mit ihrem Hit "LaLaLa" dennoch nur auf Platz acht, obwohl sie im Vorfeld - verständlicherweise - als Favoritin gehandelt wurde. Der Heimvorteil, den die gebürtige Schwedin in Malmö nutzen wollte, war kein Argument für Jury und Zuschauer. Schade, denn Betty Dittrich hat ein wunderbares Album abgeliefert, das Spaß macht. All zu sehr hinterfragen sollte man "Gute Jungs, böse Mädchen" allerdings nicht.
(Web.de)



Betty Dittrich auf Tour:

06.04.13 Bremen, Lagerhaus
07.04.13 Hamburg, Prinzenbar
08.04.13 Duisburg, Grammatikoff
10.04.13 Köln, Werkstatt
11.04.13 Hannover, Lux
12.04.13 München, Strom
15.04.13 Dortmund, FZW
21.04.13 Berlin, Privatclub



1 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Übertrieben niedlich und teilweise schon ziemlich schlimm.

3 Punkte