Mittwoch, 6. Februar 2013

Christopher Owens - Lysandre

















Christopher, zum Ersten

Der Name Christopher Owens ist einem vermutlich zunächst nicht geläufig, die allwissende Müllhalde verrät einem jedoch recht schnell, dass er der Songschreiber und Sänger der Indierock-Kapelle Girls ist, die er zusammen mit Chet "JR" White betreibt. Gemeinsam veröffentlichten sie 2009 "Album" und 2011 "Father, Son, Holy Ghost".  

Christopher Owens erzählt auf seinem ersten Soloalbum die Geschichte einer Liebesaffäre zwischen sich und einer Französin namens Lysandre, die er während der ersten Europatour von Girls im Sommer 2008 auf einem Festival in Frankreich kennen lernte. "Lysandre" entstand in den Hobby Shop Studios, Los Angeles, zusammen mit dem Girls-Produzenten Doug Boehm und den Musikern Evan Weiss (Gitarre), Matthew Kallman (Keyboard), Vince Meghrouni (Saxofon, Flöte), David Sutton (Bass) und Seth Kasper (Schlagzeug), sowie den Backround Sängerinnen Hannah Hunt und Cally Robertson. 

Feiner Indiepop mit ganz ganz fürchterlichem Saxofon, auch auf 180 g Vinyl.


Die elf Stücke auf »Lysandre« sind auf mehreren Ebenen miteinander verknüpft, nicht zuletzt auch auf einer stilistischen. Denn die Platte beschreibt den sowieso schon so sinnlich-naiven Stil der Girls noch mal eine ganze Spur klarer und aufgeräumter. Die modischen Hall-Elemente sind vollkommen verschwunden, das Songwriting selbst übernimmt die Führung, Owens klingt hier mehr nach Randy Newman oder Van Dyke Parks als nach zeitgenössischen Acts. Vor allem aber hat er das Kunststück vollbracht, sich stilistisch freizuschwimmen – mit diesem Album fängt für ihn die Reise als erwachsener Songwriter gerade erst an.
(intro)


Und die meisten Stücke handeln ebenso von seinen Gefühlen zu eben dieser Dame - wie die Beziehung anfing und jäh endete. Ausgeschmückt wird das Szenario durch detailreiche Beschreibungen bestimmter Situationen und natürlich einer wiederkehrenden und teilweise sogar durchgängigen Melodie, die im Opener "Lysandre's theme" zum ersten Mal vorgestellt wird, ähnlich wie bei einem Film. Die zerbrechlich wirkende Ballade "A broken heart" animiert den Hörer zu einer Umarmung und in Gedanken zu einem Schulterklopfer für Owens, während "Love is in the ear of the listener", eine arg schmalzige Midtempo-Nummer, fast schon zu viel des Guten ist.

Das Problem mit "Lysandre" - und es ist wohlgemerkt das einzige Problem - ist, dass es als Gesamtwerk, als eine Geschichte mit Anfang, Mittelteil und Ende, nicht so richtig wirken will. Sicher hat ein Song wie der vor Freude, Hoffnung und Saxophon strotzende "New York City" seine Daseinsberechtigung, wirkt im Albumkontext, das ja nach einem bestimmten Grundprinzip aufgebaut ist, fehl am Platz. Auf den schunkeligen Titeltrack von "Lysandre" folgt das todtraurige "Everywhere you knew" und erzählt vom Ende der Beziehung und dem, was noch davon übrig geblieben ist. Besser funktionieren die beiden zusammengehörigen "Here we go" und "Here we go again", eben weil sie nicht direkt aufeinanderfolgen und einer immerhin ähnlichen Richtung folgen. Zum Schluss seiner Geschichte macht Owens aber alles richtig: Auf "Closing theme", eine etwas dramatische Version des Openers mit der gleichen Melodie, folgt mit "Part of me (Lysandre's epilogue)" einer der schönsten Songs, die der Mann je geschrieben hat. Mit sich im Reinen, ertönt hier die Zeile "You were a part of me / But that part of me is gone", und mit genau der richtigen Mischung aus Verzweiflung und Hoffnungsschimmer verabschiedet sich Owens nach nicht mal einer halben Stunde. Der Anfang ist gemacht, und bisher wurden bei Owens die schwierigen Geschichten immer seine besten.
(Plattentests)

Christopher Owens gibt ein Konzert in Deutschland:
05.03.13 Berlin, Comet

3 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

7 Punkte

Dirk hat gesagt…

Kurz und... okay.

5 Punkte

Volker hat gesagt…

5,5