Samstag, 23. Februar 2013

Apparat - Krieg und Frieden (Music For Theatre)


















Krieg und Frieden gab es bei Platten vor Gericht auch beim letzten Album von Apparat. Während einige Richter (Oliver, Annette, Ursula und Dirk) mehr als zufrieden mit "The Devil's Walk" waren und jeweils 8,5 und mehr Punkte gaben, kämpften Volker, Ingo und Axel mit (viel zu) niedrigen Wertungen (6 Punkte und weniger) gegen eine hohe Platzierung in unseren Jahrescharts an. Letztendlich reichte es nur für den 37. Rang mit 7,556 Punkten im Schnitt.

"Krieg und Frieden (Music For Theatre)" ist der Titel des neuen Albums von Sascha Ring, ein Soundtrack zur Theateraufführung des Werks von Tolstoi in der Bühnenfassung von Regisseur Sebastian Hartmann. Von Techno ist nichts zu hören, Rings an Thom Yorke gemahnender Gesang fast ebenso verschwunden, Beats setzen erst sehr spät ein und bleiben sehr dezent, statt dessen gibt es Drone- und Ambient-artige Soundlandschaften, die auf klassisch anmutende Streicherarrangements treffen. 

Die Kritiken sind durch die Bank gut bis sehr gut (9 Punkte bei Drowned In Sound, 8 Punkte beim NME), die Meinungen dürften bei uns wohl wieder auseinander driften...      

das vielschichtige werk »krieg und frieden (music for theatre)« bewegt sich schon während der ersten beiden titel von spät-romantischer kammermusik zu brachialen noise-flächen, und kristallisiert dann immer stärker zu einer unwirtlichen landschaft von bedrohlich eindringender stille. obwohl das album nie nur atmosphärische begleitmusik ist, entfaltet es einen gewaltigen, durch den titel angeregten, assoziationsraum, in dem entfernt donnernde schlachten oder das von seinen eigenen bewohnern niedergebrannte moskau erkennbar werden können. (»pv«) eine fast feierliche melancholie, in der verzaubert starrköpfige menschen sich gemeinsam darüber hinwegtäuschen, dass das heer der verfeindeten soldaten die stadt belagert. (»k&f thema«). in »austerlitz« schließlich kehren die violinen des anfangs zurück und unterstreichen eine, auch filmmusikalisch beliebte, totale auf das geschehen, sodass die handlung panoramatisch friedlich ausklingt. 

wo das theaterstück endet, ist das album jedoch noch nicht vorbei: das letzte, schon vorab zu hören gewesene, stück »a violent sky« hatte in der aufführung keinen platz mehr gefunden und ist, als einziger popsong des albums, ein prächtiger trost, für diejenigen, die es ins theater nicht schaffen werden.
(rote raupe)


Irgendwo zwischen nervtötend, mysteriös und wunderbar rangiert das Intro dieses Titels. Als gruselig, atemlos und elektrisierend könnte man ihn im Abgang definieren. Dazwischen mischt sich Sascha Rings (a.k.a. Apparat) kratzende Stimme, die an Thom Yorke erinnert und immer ein wenig im Piano-Spiel unterzugehen droht. Die choralen Einlagen, die sich hier im mittleren Teil dazu gesellen, veredeln das Lied, das zum Epos wird. Jetzt ist dieses Pathetische im Stück gar nicht sonderlich überraschend, wenn man bedenkt, dass es ursprünglich für eine Tolstoi-Inszenierung im Rahmen der Ruhrfestspiele 2012 geschrieben und aufgeführt wurde. Die krassen Gegensätzlichkeiten,  die "Krieg und Frieden" eigen sind, schweben auch hier immer irgendwo über der Melodie mit.
(Rolling Stone)


3 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

Gefällt mir vermutlich besser als das Theaterstück. Daher zieht meine Wertung bei diesem Album den Schnitt nicht runter. 8 Punkte

Olly Golightly hat gesagt…

Irgendwas fehlt mir beim Hören - wahrscheinlich ein Schauspiel. Trotzdem 'sehr gut'e 7,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Mit mehr Gesang wäre es noch besser.

7 Punkte