Montag, 16. Juli 2012

Wintersleep - Hello Hum


























Da nennt sich das kanadische Quintett schon Wintersleep, doch von einem schlafähnlichen Zustand während der kalten Jahreszeit kann keine Rede sein. Also keine Hibernation bei Wintersleep, die direkt nach der Veröffentlichung von "New Inheritors" auf Tour gingen und währenddessen bereits mit den Arbeiten am Nachfolgealbum begannen. "Hello Hum" wurde dann bereits im letzten Sommer in den Tarbox Road Studios in New York mit Tony Doogan (Belle & Sebastian, Teenage Fanclub, Mogwai) und Dave Fridmann (The Flaming Lips, Mercury Rev, MGMT), die auch schon in die Entstehung von  "New Inheritors" bzw. "Welcome To The Night Sky" involviert waren, aufgenommen.

Ungewöhnlich und experimentierfreudig wird die Platte von "Hum" mit verhalltem Schlagzeug / Gesang eröffnet, ein Song, den man eher auf einem Flaming Lips Album vermuten würde. Die folgende Single "In Came The Flood" überrascht mit Synthie-Klängen und tanzbaren Beats. Erst danach finden wir uns auf gewohntem Terrain wieder, dass eigentlich alle Fans von R.E.M., The National oder Interpol für Wintersleep gewinnen müsste. Und ebenso wie diese Bands wissen die Kanadier, dass man bei einem guten Indierock-Album auch einmal den Fuß vom Gaspedal nehmen muss, und so streuen sie zwischen Up-Tempo-Songs wie "Resuscitate" oder "Unzipper" auch immer wieder melancholische, ruhige Titel wie das von Piano und interessanten Drumsounds geprägte "Saving Song" oder das Keyboard-lastige, an die Beach Boys erinnernde "Someone, Somewhere" ein. 
Ein gelungenes Album, auch ohne Winterschlaf.     


Wintersleep - In Came The Flood from Wintersleep on Vimeo.


Klar werden sich an einem Song wie „Someone, Somewhere“ die Geister scheiden, da erinnert man sich doch unvermeidlich an frühen 90er-Pop. „Beth/Rest“ von Bon Iver erging es letztes Jahr wohl ähnlich. Gewagt ist es so oder so – und das ist in jedem Fall sympathisch, selbst wenn der Song nur dann hinhaut, wenn man ziemlich offen für Kitsch ist. Was das Herz begehrt, das liefern Wintersleep: „In Came the Flood“, „Hum“ oder „Rapture“. Natürlich täuschen diese Songs nicht darüber hinweg, dass „Hello Hum“ mit dem faden „Saving Song“ einen Bruch hinnehmen muss und die zweite Hälfte nicht immer mit der ersten mithalten kann. Da der Zug punkto Durchbruch aber eh schon abgefahren scheint, wird das diejenigen Hörer nur wenig stören, die Wintersleep längst in ihr Herz geschlossen haben. Das muss halt nur noch in den Kopf, dass die eigentlich so gross sind wie die ganz Grossen. Und auch wenn es Indiequatsch sein mag, solche Bands gerne für sich alleine pachten zu wollen: Die vertraute Stimmung, die Wintersleep entstehen lassen, funktioniert gerade im eigenen Wohnzimmer am besten.
(exit.music)

WINTERSLEEP - Smoke from Mitch Fillion (southernsouls.ca) on Vimeo.


Fridmann wastes no time splashing a thick dose of himself on the album. The opening cut, ‘Hum,’ unfolds with a channel-jumping synthetic, well, hum behind a clatter of echoed, multi-tracked percussion and all manners of synthetic chirps and crumples. That’s not to say that this album is ‘Hello Hum’ by Dave Fridmann (feat. Wintersleep). At its higher and best written points, the band’s jittery ebullience shines through the heavy-coated production. Lead single ‘In Came the Flood’ offers a constant, choral melody line while driving like a three-way collaboration between Interpol, New Order and anti-anxiety medication.
No doubt, ‘In Came the Flood’ is this album’s best example of a band playing to its strong suits. Unfortunately, a band — especially an award-winning one trying to prove its longevity — can’t very well drive home a solid album by staying in its top gear: It’s necessary to have a little fluctuation in tone, mood and rhythm. And Wintersleep knows it, hence tracks like the melancholic, bare ‘Saving Song’ and ‘Someone, Somewhere,’ with its mood admirably picked out of Brian Wilson‘s bathrobe lint circa 1971.
It’s a catch-22 in the rock and roll handbook: Stick to your best sound and find yourself with a repetitive album, or try to diversify your album and end up with an uneven one. Bands much better than Wintersleep have certainly fallen trap to it. Then again, bands much better than this have also taken much longer than five albums to find their steadiest footing. Until Wintersleep create the 100 percent solid album they’re aiming for, consider ‘Hello Hum’ another installment from a band who sounds like they may just have one in them, somewhere.
(diffuser.fm)


7 Kommentare:

Dirk hat gesagt…

Gut, nicht in den Sommerurlaub gefahren zu sein, denn im Herbst kommen (siehe "Neue Gerichtstermine") viele neue, teure Platten:
Mumford & Sons, The Killers, Muse, Efterklang, Tim Burgess, Archive, Tame Impala, Amanda Palmer, Two Door Cinema Club und The Vaccines.

Dirk hat gesagt…

Und Volker muss auch noch die neuen Alben von Nik Kershaw und Deacon Blue kaufen.
;-)

Und natürlich in der Rubrik "Comebacks, auf die die Welt gewartet hat, oder?" vorstellen!!

Volker hat gesagt…

Auf die beiden freue ich mich dann tatsächlich mehr, als auf den Rest der von die Genannten ;-), wobei ich die neue Vaccines Single toll finde (damit bis dato aber sehr allein stehe)

Dirk hat gesagt…

Ich wusste doch, dass du dich auf diese beiden Alben und deren Vorstellung freuen würdest!

Christoph W. hat gesagt…

Hmmm, irgendwie werde ich mit dem Album nicht recht warm. Die erste Hälfte ist mir zu synthesizerlastig, bei der zweiten fehlen mir manchmal die zündenden Ideen. Insgesamt wirkt die Platte auch seltsam "zerrissen".

5,5 Punkte

Ingo hat gesagt…

... oder "abwechslungsreich". ;-)
7,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Wintersleep erreichen bei mir

7 Punkte