Montag, 2. April 2012

The Shins - Port Of Morrow


























The Shins sind eine seltsame Band. Oder eigentlich ist vielmehr James Mercer ein eigenwilliger Typ.
1996 gründete er The Shins, denen es bis 2004  gelang kommerziellem Erfolg auszuweichen und nur wenigen Menschen aufzufallen. Dann kam der Film Garden State in dem Andrew (Zach Braff) von Sam (Natalie Portman) eben diese, ihm unbekannte Band mit den Worten "This song will change your life" empfohlen bekommt. Das nachfolgende Album von The Shins, "Wincing The Night Away", war auf keinen Fall so gut wie die beiden Vorgänger, bringt aber plötzlich den Durchbruch und erreichte Platz 2 der US-Charts. 




Und was tut Herr Mercer? Er legt The Shins auf Eis, musiziert erst mit Modest Mouse, arbeitet dann mit Danger Mouse an "Dark Night Of The Soul" und gründet mit diesem letztendlich eine neue Band namens Broken Bells. Das Ende der Shins schien besiegelt.
Und wieder verhält sich Herr Mercer vollkommen anders, als alle Welt es von ihm erwartet. Nach einer EP wird allgemein mit dem zweiten Album der Broken Bells gerechnet, doch es erscheint eine neue Platte der Shins, die außer Mercer aber plötzlich vollkommen andere Gesichter haben.            


The Shins - "Simple Song" from DANIELS on Vimeo.


Aber auch mit den neuen Mitgliedern Joe Plummer (Schlagzeug), Yuuki Matthews (Bass), Jessica Dobson (Gitarre) und Richard Swift (Keyboards), die übrigens bis auf Plummer an der Entstehung der Platte nicht beteiligt waren,  können The Shins an die alten Erfolge anknüpfen: "Port Of Morrow" erreicht Platz 3 in den USA, Platz 7 in Kanada und den 11. Rang in Großbritannien.

Und wie ist "Port Of Morrow" gelungen? Darüber sind sich viele Kritiker uneins und im Musikexpress wird das Dilemma der Platte treffend, aber letztendlich zu wohlwollend beschrieben:
Die von Greg Kurstin (Lily Allen, Foster The People) co-produzierten Mid-Tempo-Songs auf Port Of Morrow gehören ins Formatradio und in den Trailer zur nächsten Romcom mit Anne Hathaway. Nur wenig erinnert an die Verschrobenheit früherer Shins-Platten: „September“ , Mercers getragene Liebeserklärung an seine Ehefrau Marisa, klingt wie ein entfernter Cousin des Oh, Inverted World-Hits „New Slang“. Der knapp sechsminütige Titelsong und das aufgekratzte „Bait And Switch“ wiederum wären auch auf Wincing The Night Away von 2007 nicht aus dem Rahmen gefallen. Der Rest von Port Of Morrow aber präsentiert die Shins in einem anderen Licht: „It’s Only Life“ schmeichelt sich derart gefällig in die Gehörgänge, dass der kritische Indie-Fan zunächst „Ausverkauf!“ schreien möchte. Doch dann entfalten die sanften Falsettgesänge ihre Wirkung und treiben Tränen selbst in hinter Hornbrillen versteckte Augen: „You used to be such a little lion / Before you got into all this crying“. In „ For A Fool“ gibt Mercer den ausgelieferten Liebhaber, der in einer unglücklichen Beziehung gefangen ist: „Taken for a fool / Yes, I was, because I was a fool“.
Ja, das ist unverschämt eingängige Popmusik, aber die schönste, die man seit Langem gehört hat. Wie Ron Sexsmith in seinen besten Momenten, paart Mercer melancholisch-tröstliche Lyrics mit relativ simplen Akkordfolgen, die einem sofort vertraut vorkommen. Der „ Simple Song“ formuliert das Mission-Statement der Shins: „Well, this is such a simple song / To say what you done / I told you ’b out all those fears /And away they did run.“ Dass sich die Stücke trotz ihrer Zugänglichkeit nicht abnutzen, liegt nicht zuletzt an den meisterlichen Arrangements, den Gesangsharmonien, Trompeten, Synthesizern und Glockenspielen, mit denen die Shins den Kompositionen subtile Farbtupfer verpassen. Für viele Indie-Bands bedeutet der Schritt Richtung Kommerz den ersten in die Belanglosigkeit. Nicht für die Shins: Port Of Morrow breitet seine Arme weit aus und drückt uns alle an seine Brust. Und ja, diese Musik kann immer noch Leben verändern.





5 Kommentare:

Ingo hat gesagt…

6,5 Punkte

Marcel hat gesagt…

Für mich sind TheShins eigentlich das gleiche wie TeenageFanclub. Die ganze Welt redet über sensationelle Melodien, die "dich wohlig umarmen wie eine selbsgehäkelte Patchworkdecke usw. blablabla". Hab ich nie verstanden. Auch die neue Shins hat wieder mal ne Menge B-Seiten zu bieten. Ich wollte Natalie Portman damals schon sagen dass es Bands gibt, die WIRKLICH gute Melodien schreiben. 4 Punkte.

Olly Golightly hat gesagt…

So sehr ich The Shins auch schätze, die Alben werden immer langweiliger. 5,5 Punkte

Dirk hat gesagt…

Da habe ich schon bessere Platten von The Shins gehört...

6 Punkte

Christoph hat gesagt…

6