Mittwoch, 14. März 2012

Tom Liwa - Goldrausch

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Es ist für mich immer dann am Schwierigsten über Musik zu schreiben, wenn es um alte Helden geht, die einen schon über Jahre/Jahrzehnte begleiten. Tom Liwa ist so einer. Meine erste Berührung mit seiner Musik hatte ich in den frühen 90ern mit dem Flowerpornoes Album "Mamas Pfirsiche (für schlechtere Zeiten)" und quasi von heute auf morgen war deutschsprachige Musik bei mir auf einem anderen Level angekommen. Dies sollte sich auch in den kommenden Jahren, sei es im Band-Kosmos oder später solo, nicht ändern. Fast immer wussten mich seine Texte, seine Songs und vor allem sein Vortrag zu überzeugen. Selbst wenn es ab und an mal einen Hauch zu "esoterisch" oder experimentell wurde bin ich den Weg gerne mit gegangen. So sind denn auch die Erwartungen bei jeder neuen Veröffentlichung immens und so etwas kann ja gerne auch mal nach hinten losgehen.

Ein wenig, nicht gleich abgeschreckt, aber doch alarmiert, war ich dann schon als es im Vorfeld hieß dieses Mal würden alle Lieder nur auf der Ukulele begleitet. Eddie Vedder hat vor nicht allzu langer Zeit gezeigt (zumindest mir), dass es schwierig ist mit so einem Konzept die Spannung über ein ganzes Album zu halten. Nun ist Tom Liwa Gott sei Dank nicht Eddie Vedder und man kann relativ sicher sein, dass schon seine Texte da vieles rauszureißen vermögen.

Die Zweifel werden auch schnell zerstreut kommen doch schon beim Opener "Dein Wille geschehe" sehr schnell sanftes Schlagzeug und Cello als Unterstützung der Ukulele dazu. Schon bei diesem Song wird klar, dass Tom Liwa mal wieder einen Schritt zum Solofrühwerk gemacht hat, was per se für Fans von "St. Amour" ja schon mal nicht das Schlechteste ist. Am liebsten ist er mir schon seit jeher gewesen, wenn er (gefühlt) einen großen Schwung Autobiographie mit in die Texte packt und so ist einer der Höhepunkte dieses Albums sicher "Fliegende Teppiche", das sich wunderbar in eine Reihe mit "Nicht müde genug", "Das Tal der Nackten Männer" und vor allem "Halbtot und Häßlich" einfügt, aber leider nicht das Epische der beiden erst genannten Tracks vorweist, sondern schon nach knapp 3 Minuten vorbei ist.
Auch der Rest des Albums ist logischerweise, da dem Konzept geschuldet, sehr reduziert, manchmal nahezu spartanisch und ich gebe zu nicht jeder Song weiß mich auf Anhieb zu packen. Aber das sind wirklich nur kleine Abstriche und die Vergangenheit hat eigentlich bewiesen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch der letzte Track zündet. In diesem Blog bin ich ja so ziemlich der einzige Liwa-Fackel-Träger und leider konnte der Funken der Begeisterung bisher nur wenig überspringen. Dennoch lege ich, wie quasi jedes Mal, auch diese Veröffentlichung wieder jedem nahe, der auch nur ansatzweise etwas mit deutschsprachiger Musik (Liedermacher klingt immer so angegraut) anfangen kann, auch wenn ich weiß, dass gerade bei Liwa der Zugang meist mit dem Mögen oder Nichtmögen der Stimme steht und fällt. Verdient hätten seine Lieder den Erfolg schon seit 20 Jahren, leider ist er zu Beginn der 90er im Vormarsch der Hamburger Schule und Blumfeld etwas hinten runter gefallen und hat es sich mittlerweile, so scheint es, in seiner Nische ganz gemütlich gemacht. Für mich der beste deutsche Songwriter. Bekannter und Unbekannterweise.

Ach ja, dieses Mal gibt es sogar mal wieder ein Video

Dein Wille geschehe from ruth bamberg on Vimeo.

3 Kommentare:

Marcel hat gesagt…

Auch wenns nie mehr so schön wird wie bei 'Nicht müde genug', dem vielleicht besten Liebeslied aller Zeiten (von der Ich&Ich), wird Tom Liwa für mich immer einer der Größten sein. Alleine für Yoyo und sowieso: 8 Punkte!

Volker hat gesagt…

8 Punkte

aXel hat gesagt…

6 Punkte