Ladytron - Paradises


Alben können ja auch zu lang dauern. Nicht wahr, Ladytron? War vielleicht Reuben Wu, der die Band 2023 nach 24 Jahren und kurz nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums verlassen hat, für die Begrenzung der Spielzeit zuständig? Oder hat sich vielleicht jemand bei „Time’s Arrow“ über die 41:16 Minuten Musik beschwert, die Ladytrons Negativrekord von 47:47 Minuten („Gravity The Seducer“) deutlich unterboten? Ich weiß es nicht, aber „Paradises“ sprengt alle Grenzen und übertrumpft dabei „Light & Magic“ (62:45 Minuten) aus dem Jahre 2002 deutlich: Das achte Studioalbum von Ladytron bietet nämlich 16 Songs in stolzen 71:31 Minuten.
Klar, so viel Musik passt noch auf eine CD, aber Vinyl-Fans müssen den Preis für gleich zwei Schallplatten berappen (black Vinyl oder multi-colour Vinyl oder green Vinyl).

Es ist also das erste Album in der Historie der Band, das als Trio (Helen Marnie, Daniel Hunt und Mira Aroyo) entstand, wobei Daniel Hunt das kreative Zepter fest in seinen Händen hielt: 12 Songs komponierte er allein, zwei zusammen mit Mira Aroyo („Secret Dreams Of Thieves“ und „Solid Light“) und nur „Sing“ und „Ordinary Love“ stammen aus der Feder von Helen Marnie. Klar, dass die sechs vorab veröffentlichten Singles von ihm geschrieben wurden, denn er produzierte das Album auch im Alleingang und führte Regie bei den meisten Videos. Den finalen Mix unternahm er zusammen mit Jim Abbiss (Editors, Arctic Monkeys, Kasabian), der auch schon bei „Witching Hour“ und „Ladytron“ für die Band arbeitete.  
Über TikTok („Seventeen“) oder als Bestandteil („Destroy Everything You Want“) des Soundtracks zum Grammy nominierten Film „Saltburn“ haben Ladytron jüngst auch neue Zielgruppen für ihren tanzbaren, unterkühlten Retro-Elektropop gewinnen können und geben diesen nun reichlich Futter. 


Verständlich aber auch, dass sie sich jetzt mit PARADISES wieder mehr Hokuspokus gönnen. In den Texten von Songs von „In Blood“ oder „Death In London“ sind die Stammthemen wie Blut, Tod und die dunkle Seite der Liebe angelegt.
Die Musik dagegen entzieht sich im Verlauf des sehr langen Albums den Klischees. Die Bands selbst spricht von „Balearic Noir“, und das trifft es sehr gut: Es gab früher auf den beliebten CAFE-DEL-MAR-Compilations mit Chill-Out-Musik für Tanzschuppen am Mittelmeer mindestens einen Track, der davon handelte, dass die Entspannungszeit nach der Dance-Nacht auch für Begegnungen mit Dämonen taugt. PARADISES ist voll von solchen Tracks.


 


 


 


 


 





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