31. Oktober 2024

The Cure - Songs Of A Lost World


10 Fakten zum neuen Album von The Cure:

1. „Three Imaginary Boys“ (1979), „Seventeen Seconds“ (1980), „Faith“ (1981), „Pornography“ (1982), „The Top“ (1984), „The Head On The Door“ (1985), „Kiss Me, Kiss Me, Kiss Me“ (1987), „Disintegration“ (1989) und „Wish“ (1992) kommen zusammen auf 101 Lieder. Dazu kommen noch 8 Singles sowie zahlreiche B-Seiten, die The Cure in den ersten 16 Jahren ihrer Karriere veröffentlichten. Genau so lang mussten Fans zwischen „4:13 Dream“ (2008) und „Songs Of A Lost World“ (2024) warten.

2. In den 16 Jahren hat sich auch das Lineup ein wenig verändert: Roger O’Donnell (Keyboards) und Perry Bamonte (Gitarre), beide 2005 ausgestiegen, zählen wieder zur Band, auch wenn Bamonte nicht auf dem Album zu hören ist. Im Gegensatz zu Reeves Gabrels (Gitarre), dessen erstes The Cure Album „Songs Of A Lost World“ ist, obwohl er seit 12 Jahren zur Band gehört. Diese wird von Robert Smith (Gesang, Gitarre), Simon Gallup (Bass) und Jason Cooper (Schlagzeug) vervollständigt.

3. „Songs Of A Lost World“ bietet 8 Lieder, die 49:13 Minuten laufen. Der längste Song der Platte, „Endsong“, dauert 10:23 Minuten und setzt sich damit an die zweite Stelle der Rangliste der längsten The Cure-Songs. So sahen die Top 5 zuvor aus: 1. „Watching Me Fall“ (11:13 Minuten; von „Bloodflowers“), 2. „The Promise“ (10:21; von „The Cure“), 3. „The Same Deep Water As You“ (9:19; „Disintegration“), 4. „Disintegration“ (9:19; „Disintegration“) und 5. „Bare“ (7:57; von „Wild Mood Swings“).

4. Das Artwork wurde von Andy Vella nach einer Idee von Robert Smith entworfen und zeigt „Bagatelle“, eine1975 entstandene Skulptur des 2021 verstorbenen, slowenischen Künstlers Janez Pirnat.

5. Als Produzenten fungierten Robert Smith und Paul Corkett (Adorable, Sleeper, Placebo, Strangelove), der auch schon in die Entstehung von „Bloodflowers“ (2000) involviert war.  Die Aufnahmen fanden in den berühmten Rockfield Studios in Rockfield, Monmouthshire, Wales statt.

6. „Songs Of A Lost World“ ist als CD, Doppel-Kassette und LP (standard black Bio Vinyl, white Bio Vinyl, limited grey marbled Vinyl) erhältlich. Die Deluxe Edition im 6-Panel-Digisleeve enthält das Album und die Instrumentalstücke auf zwei CDs sowie eine Blu-ray mit Hi-Res-Stereo und Dolby-Atmos-Mixen. Außerdem gibt es das Album als Half-Speed Master Doppel-LP auf 180g black Bio Vinyl.



7. Ich habe mich für keine dieser Varianten entschieden, sondern bei Blood Records zugeschlagen: glow-in-the-dark cut-out picture disc with heat sensitive thermochromic sleeve, limited to 6,000 units.


 


8. Die Lieder von „Songs Of A Lost World“ wurden von Robert Smith allein geschrieben, komponiert und arrangiert. Dies gab es in der Historie erst- und letztmals bei „The Head On The Door“ (1985).
Mit „Alone“ und „A Fragile Thing“ wurden vorab zwei Singles aus dem Album veröffentlicht. Besucher der Konzerte von The Cure haben aber vielleicht in den letzten drei Jahren bereits neben diesen beiden Liedern „And Nothing Is Forever“, „I Can Never Say Goodbye“ oder „Endsong“ live zu hören bekommen.


 


9. Bei Metacritic steht „Songs Of A Lost World“ aktuell bei 94/100 Punkten. Besser steht aus dem Jahrgang 2024 zurzeit nur „Brat“ von Charli xcx (95/100) dar.

The music on Songs of a Lost World feels more direct and purposeful than either of its immediate predecessors. Even the slowest tracks have a bruising impact, courtesy of the rhythm section.

Arguably the most personal album of Smith’s career. Mortality may loom, but there’s colour in the black and flowers on the grave.
(NME)

With ‘Songs Of A Lost World,’ The Cure has not only produced something worth the wait but added another classic to their already sterling catalogue. This is a late-career gem from one of the world’s most idiosyncratic acts.

10. Zur Albumveröffentlichung spielen The Cure am 1. November 2024 ein Konzert im Troxy in London, das auch live über YouTube gestreamt wird. Weitere Konzerte von The Cure sind noch nicht angekündigt, sollen aber laut Robert Smith im Herbst 2025 folgen, wenn, so sagt es Robert Smith, The Cure den nachfolger von „Songs Of A Lost World“ fertiggestellt haben.


30. Oktober 2024

Courteeners - Pink Cactus Café


Lob von Noel Gallagher, Bono Vox und Morrissey. Sechs Top Ten-Alben im Vereinigten Königreich, inklusive einem Debüt („St. Jude“; 2008), das bis auf Platz 4 kletterte, in der Neuauflage zum 10-jährigen Jubiläum Platz 5 erreichte, um dann, weitere 5 Jahre später, sogar bis auf Platz 1 zu kommen. Aber weder Platin- und Gold-Auszeichnungen noch ausverkaufte Tourneen auf den Insel bedeuten, dass man hierzulande jemals die Charts von innen gesehen hätte. 

Ob „Pink Cactus Café“ daran etwas ändern wird? Vermutlich nicht. Auch wenn die Courteeners (mal mit mal ohne The), bei denen Sänger, Gitarrist und Songwriter Liam Fray die Zügel fest in seinen Händen hält, einen deutlichen Schritt in Richtung Pop unternehmen, wie man auf „The Beginning Of The Ende“, „Solitude Of The Night Bus“ oder „Lu Lu“ gut nachhören kann. Zudem gaben sich zahlreiche Freunde der Band - die nun von Michael Campbell (Schlagzeug), Daniel "Conan" Moores (Gitarre), Joseph "Joe" Cross (Bass) und Elina Lin (Keyboards, Gesang) vervollständigt wird - die Klinke der Studiotür in die Hand: DMA’S, Brooke Combe, James und Ian Skelly  von The Coral, Pixey, Charlie Salt (Blossoms), Ola Modupe-Ojo (Bipolar Sunshine) und Theo Hutchcraft von Hurts. Mit der Nennung von Blossoms und DMA’s hätte sich auch schon meine „Für Freunde von“-Empfehlung erledigt.

„Pink Cactus Café“ ist als CD, Kassette und LP (black Vinyl, Disco Ball Picture Disc, blue and white Splatter Vinyl) erhältlich.
 

Opener ‘Sweet Surrender’ leans into a fully sun-scorched ‘Screamadelica’ groove as Fray lays down some Guy Garvey-esque portrayals of “another rottweiler in the bar” and “a cockroach in the cubicle”, painting poetry onto the streets of Manchester. Rising Scottish soul artist and regular Courteeners support act Brooke Combe, meanwhile, lays down acoustic guitar with the chugging of a runaway train.
Aussie tearaways DMA’S hop on the arena-crushing ‘The Beginning Of The End’ to form the ultimate indie disco supergroup, with English singer-songwriter Pixey lending her bittersweet tones to the state-of-the-nation address of album highlight ‘First Name Terms’, hitting back at a ruling class who “look away from you and me”, finding “another way to shake the fucking tree” as we “lie back and think of England, but when does England ever think of you?”
It only adds to the full heart, fed mind and kaleidoscopic feel of the record.
(NME)

  
 


 





29. Oktober 2024

Halsey - The Great Impersonator


10 Fakten zum neuen Album von Halsey:

1. Für ihr fünftes Studioalbum hat sich Ashley Nicolette Frangipane für ihre Verhältnisse etwa Zeit gelassen: „The Great Impersonator“ erscheint 3 Jahre, 1 Monat und 28 Tage nach „If I Can't Have Love, I Want Power“. Bisher waren 2 Jahre, 7 Monate und 15 Tage zwischen „Hopeless Fountain Kingdom“ (2017) und „Manic“ (2020) in dieser Hinsicht der Negativrekord.  

2. Diese längere Wartezeit lässt sich mit Halseys Erkrankung an Systemischem Lupus erythematodes (LSE) und einer T-Zellen lymphoproliferativen Krankheit sowie der Geburt ihres ersten Sohnes Ender Ridley erklären. Die Aufnahmen zum Album fanden zwischen 2022 und 2024 in den Electric Lady Recording Studios in New York mit zahlreichen Produzenten / Songwritern / Musikern, wie Greg Kurstin (Paul McCartney, Foo Fighters, Kylie Minogue, Adele), Michael Uzowuru (Rosalía, Frank Ocean, Vince Staples), Tyler Johnson (Miley Cyrus, Harry Styles), Stuart Price (Dua Lipa, Pet Shop Boys, The Killers) oder Alex G statt, statt.


 


3. Dafür bekommen ihre Fans auf „The Great Impersonator“ 18 neue Songs zu hören, die 66:11 Minuten laufen. Lässt man irgendwelche Bonus Tracks außen vor, lieferte noch kein Album von Halsey mehr Musik (bisheriger Rekordhalter: „Manic“ (2020) mit 47:36 Minuten). 

4. Platz 2 in den Billboard 200 sollte ein realistische Ziel für „The Great Impersonator“ sein, denn diesen Platz erreichten drei ihrer vier Studioalben. Lediglich mit „Hopeless Fountain Kingdom“ konnte Halsey Platz 1 in den USA erreichen.
In Deutschland steht übrigens erst eine Top Ten-Platzierung zu Buche: „If I Can't Have Love, I Want Power“ erreichte Platz 5.

5. Vielleicht helfen, neben den vielen Songs fürs gute Streaming-Ergebnis, die zahlreichen physischen Veröffentlichungen von „The Great Impersonator“, um die Spitze der US-Charts zu erreichen. Neben der regulären CD und Doppel-LP (black Vinyl) gibt es die limitierte Indie Version auf opaque white Vinyl.
Außerdem gibt es „The Great Impersonator“ als 70’s Vinyl (Tan Double LP. Die cut cover with reflective insert)


… und als 80’s Vinyl (Red Double LP. Die cut cover with reflective insert)…



… und  als 90’s Vinyl (Sea Glass Double LP. Die cut cover with reflective insert)



… und als Y2K Vinyl (Pink Double LP. Die cut cover with reflective insert).



6. Die ersten beiden Alben von Halsey erschienen bei Astralweeks, die folgenden zwei Platten via Capitol Records. Beide Label gehören zur Universal Music Group. „The Great Impersonator“ wird nun über Columbia Records, das zu Sony gehört, veröffentlicht.


 


7. Im Juni wurde mit „The End“ eine erste Promo-Single veröffentlicht. Danach folgten monatlich die tatsächlichen Singles aus dem Album: „Lucky“, „Lonely Is The Muse“, „Ego“ und zuletzt I Never Loved You“. 
Die Singles „So Good“ (2022) und „Die For Me“ (2023), beide noch über Capitol Records veröffentlicht, sind nicht auf dem Album enthalten

8. Bereits im Jahr 2021 teilte Halsey einen Tweet zur Unterstützung von Britney Spears, als diese gegen ihre Vormundschaft kämpfte. Auf „Lucky“ interpoliert sie deren gleichnamige Single aus dem Jahr 2000 und auch das Video von Gia Coppola nimmt deutlich Bezug zu Spears und deren Videos zu „Lucky“ und „Toxic“:


 


9. Bei Metacritic sind vier der fünf Halsey Alben gelistet und erzielten folgende Metascores: „Hopeless Fountain Kingdom“ (66/100 Punkten; 2017), „Manic“ (80/100; 2020), „If I Can't Have Love, I Want Power“ (80/100; 2021) und „The Great Impersonator“ (80/100; 2024).

10. Passend zum Albumtitel ahmte Halsey ihre Einflüsse fotografisch vor der Albumveröffentlichung nach. Hier einige Beispiele:









28. Oktober 2024

Porridge Radio - Clouds In The Sky They Will Always Be There For Me


Waterslide, Diving Board, Ladder To The Sky“ war mein Lieblingsalbum 2022 und auch schon zwei Jahre zuvor schrammten Porridge Radio mit ihrem Debütalbum „Every Bad“ nur knapp an meinen persönlichen Top Ten-Platten (#12) vorbei. Aufgrund der Befürchtung, dass meine hohen Erwartungen an „Clouds In The Sky They Will Always Be There For Me“ nicht erfüllt werden könnten, habe ich mir das Album zunächst nicht angehört, obwohl ich es schon Wochen vor der Veröffentlichung digital zur Verfügung gestellt bekommen habe.

Irgendwann war es dann aber doch so weit und die gehegten Befürchtungen waren unbegründet. Es ist alles da, was man sich von Porridge Radio erhoffen durfte: die emotionalen Ausbrüche von Sängerin/Gitarristin Dana Margolin („Lavender Raspberries“, God Of Everything Else“), die sich wieder und wieder und wieder wiederholenden Textzeilen, die sich dadurch so gut im Gehörgang festsetzen („You Will Come Home“, „Sick Of The Blues“), die leise beginnenden Songs, welche dann in einem lauten Crescendo kulminieren („God Of Everything Else“, „Anybody“), die kleinen aber feinen instrumentalen Überraschungen im Sound (Geige, Trompete) usw.

„Clouds In The Sky They Will Always Be There For Me“ ist über Secretly Canadial als CD und LP (black Vinyl, opaque white Vinyl, opaque marbled Vinyl) veröffentlicht worden, wurde von Dom Monks (Big Thief, Laura Marling, Flyte) produziert und steht aktuell bei Metacritic bei einem Metascore von 84/100 Punkten.
„Every Bad“ (86/100; 2020) und „Waterslide, Diving Board, Ladder To The Sky“ (81/100; 2022) kamen übrigens auf ähnlich hohe Wertungen - aber ich sagte ja bereits, das alles da ist, was man sich von Porridge Radio erhoffen durfte.

Porridge Radio in Deutschland:
09.12.24 Hamburg, Knust
10.12.24 Berlin, Columbia Theater
14.12.24 Schorndorf, Manufaktur
18.12.24 Wiesbaden, Schlachthof
19.12.24 Köln, Artheater


 


Noch einmal zwei Jahre später stellt Dana Margolin jetzt fest: So richtig glücklich gemacht hat all das nicht. Überall Arschlöcher. In privaten Beziehungen. Im Business. Die Erkenntnis führt zum Blues, gegen diesen singen Porridge Radio an: „Sick Of The Blues“ heißt die Vorabsingle, ein einfaches Mantra, überraschenderweise am Ende dieses Albums platziert. Als finale Katharsis. Vorher spielen sich Porridge Radio durch allerhand Leid. Klingen dabei noch weniger britisch als zuvor.


  


Margolins Gesang befindet sich in ständigem Klagemodus. Und dass sie sich darin doch sehr gefällt, nervt ein bisschen. Aber sie ist ja nicht allein. Nicht nur die Wolken am Himmel sind für sie da – ihre Mit­strei­ter:in­nen umsorgen sie mit grandiosen Aufwallungen, die in der Art der Steigerung an die ­Bright Eyes von „Lifted Or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The ­ Ground“ (auch kein kurzer Titel) erinnern. Das Crescendo der Jugend. Die Balladen schlagen dagegen mildere Saiten an. In „I Got Lost“ trötet eine Trompete so befremdlich schön, dass wir nicht wissen können, ob hier eine Hoffnung zu Grabe getragen wird oder ob sie gerade wiederaufersteht. „Pie­ces Of Hea­ven“ ist eine zu langsam treibenden Keyboardflächen ausgebreitete Reflexion. Das weibliche Pendant zu Spring­steens „Valen­tine’s Day“.





27. Oktober 2024

Pixies - The Night The Zombies Came


Jetzt ist es also passiert: die Albenanzahl zwischen Pixies 1.0 (1986 - 2013, mit Kim Deal und einer elfjährigen Pause) und Pixies 2.0 (seit 2013 und ohne Kim Deal am Bass) ist ausgeglichen.

So eine Art festes Mitglied der Pixies ist mittlerweile Tom Dalgety, der nach „Head Carrier“ (2016), „Beneath The Eyrie“ (2019) und „Doggerel“ (2022) nun auch „The Night The Zombies Came“ produzierte. Einen erneuten Wechsel gab es am Bass: nach Kim Deal, der 2019 verstorbenen Kim Shattuck und der Anfang des Jahres aus der Band ausgestiegenen Paz Lenchantin begrüßen die drei Herren mit Emma Richardson ihre vierte Bassistin (und Backroundsängerin) und erste Britin im Lineup.

Diese mag sich vielleicht bei den Aufnahmen der 13 Songs von „The Night The Zombies Came“ gewundert haben, denn so entspannt & folkig, akustisch & countryesk wie auf „Primrose“ oder „Mercy Me“ hat man die Pixies selten gehört. Einige der Songs, wie „Hypnotised“ oder „Motoroller“, lassen an den melodischen Alternative Rock denken, den die Pixies auf „Bossanova“ zelebrierten, lärmende Kracher muss man mit der Lupe suchen, finden sich aber in „You’re So Impatient“, „Ernest Evans“ oder „Oyster Beds“. 

„The Night The Zombies Came“ ist als CD und LP (black Vinyl, crystal clear with violet smoke Vinyl, crystal clear with red smoke Vinyl) erhältlich.

Pixies in Deutschland:
01.05.25 Berlin, Tempodrom
02.05.25 Köln, Palladium
03.05.25 München, Tonhalle


Fast cool ist es, dass Sänger und Gitarrist Black Francis sich nicht darum bemüht, cool zu wirken. Wer lässt sich heute schon ironiefrei von Surf-Rock inspirieren und schreibt ein surreales Lied über ein geköpftes Huhn? Ein Einkaufszentrum, Zombies, Orte des Konsums: Das Setting einiger Songs erinnert an Horrorfilm-Klassiker wie „Dawn of the Dead“. Düster wird der Sound aber nicht. (…)
Der Riff-Rock zum Schunkeln in „Hypnotised“ ist verzichtbar, während der getragene Indie-Rock „Mercy Me“ wie eine Kreuzung von Leonard Cohen und Pavement klingt – und das soll ein Kompliment sein. „Kings Of The Prairie“ ist ein okayer Hoffnungsmacher, das Finale „The Vegas Suite“ ein wirklich solides Stück mit schönem Gegniedel. Man kann schon erahnen, warum diese Gruppe entscheidende Weichen für den Alternative Rock gestellt hat. Songs wie „Jane (The Night The Zombies Came)“ wagen Pathos und majestätische Melodien, gebrochen von Black Francis‘ bisweilen gewöhnungsbedürftigem Humor.


 


 


 


 





26. Oktober 2024

10 Schallplatten, die uns gut durch den November bringen


10. Kim Deal - Nobody Loves You More (Orange Vinyl) (22.11.2024)






9. Alvvays - Alvvays (10th Anniversary Edition, Cloudy Clear Vinyl) (15.11.2024)






8. Soap & Skin - Torso (2 LPs) (22.11.2024)






7. Die drei ??? - Die drei ??? (Folge 230) Der Tag der Toten (2 LPs) (8.11.2024)






6. Blaudzun - Latter Days (LP) (1.11.2024)






5. The Charlatans - Up To Our Hips (30th Anniversary Edition, 2 LPs, Blue Vinyl) (8.11.2024)






4. Shed Seven - Change Giver (LP) (8.11.2024)






3. The Cure - Songs Of A Lost World (180g, Black Bio-Vinyl) (1.11.2024)






2. Primal Scream - Come Ahead (Limited Edition, 2 LPs, Silver Vinyl) (8.11.2024)






1. Suede - Dog Man Star (30th Anniversary Edition, 2 LPs, Halfspeed Master) (1.11.2024)







25. Oktober 2024

The Linda Lindas - No Obligation


The Linda Lindas haben sich nach dem japanischen Film „Linda Linda Linda“ (2005) benannt, der seinen Namen wiederum vom Song „Linda Linda“ (1987) der japanischen Punk Rock Band The Blue Hearst hat. Als dieser veröffentlicht wurde, war noch keine der vier Lindas geboren und auch den Film hätte bestenfalls die Oma der Band im Kino sehen können, denn Bela Salazer ist bereits stolze 20 Jahre alt. Die anderen Protagonistinnen, die sich übrigens auf der Bühne Linda Linda No. 1 (Bela Salazer), Linda Linda No. 2 (Eloise Wong), Linda Linda No. 3 (Lucia de la Garza) und Linda Linda No. 4 (Mila de la Garza) nennen, sind derzeit 16, 17 sowie 14 Jahre alt.

Die 12 Songs für das zweite Album von The Linda Lindas wurden zwischen Schule und Tourneen (u.a. im Vorprogramm von Green Day, Smashing Pumpkins oder Paramore) komponiert, aufgenommen und (wie beim Debütalbum „Growing Up“) vom Vater der beiden de la Garza-Schwestern produziert. Auf dem von Epitaph Records veröffentlichten „No Obligation“ (opaque turquoise Vinyl, frosted coke bottle Vinyl, green & white galaxy Vinyl, orange & white galaxy Vinyl, pink translucent Vinyl, eco-mix Vinyl) haut uns das weibliche Quartett in knackigen 35 Minuten Punk-Rock („No Obligation“), Garage Rock („Don't Think“), Pop-Punk („Too Many Things“), New Wave („Lose Yourself“), Power Pop („Once Upon A Time“), Indierock („All In My Head“) und Rock en español („Yo Me Estreso“) um die Ohren. Und wem das alles noch nicht verrückt und punkig genug ist, dem sei noch erklärt, dass Weird Al" Yankovic auf „Yo Me Estreso“ Akkordeon spielt.


"All in my head" ist ein Bubblegum-Überhit, den man in einer solchen Treffsicherheit selten zu Gehör bekommt und der ob der Adoleszenz seiner Urheberinnen doppelt überrascht. "I'm getting better, if that's what I'm supposed to do", erklärt sich Lucia de la Garca an den Vocals bereit – und entlarvt damit den immer noch ausbaufähigen Umgang unserer Gesellschaft mit Mental-Health-Themen. Knaller. Handelsüblicher Pop-Punk à la "Too many things" ist daneben natürlich völlig innovationsbefreit, hat aber mit Ohrwurmmelodie, knusprigen Palm-Mute-Akkorden und wohldosierten Ausbrüchen an den richtigen Stellen alles, was das Genre erfordert und das Herz begehrt. "No obligation" versammelt zwölf mehr als stabile Songs dieser Art zu einem zweiten Album, das alles genau richtig angeht.


 


 





24. Oktober 2024

Letting Up Despite Great Faults - Reveries


Katsushika Hokusai war ein japanischer Künstler des 18./19. Jahrhunderts und schuf in seinem Leben ein beachtliches Werk von etwa 3000 Farbdrucken, Illustrationen für über 200 Bücher, Hunderte von Zeichnungen und über 1000 Gemälde. Er beeinflusste viele europäische Künstler, insbesondere Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Claude Monet und Alfred Sisley. Zu seinen bekanntesten Werken zählt der Farbholzschnitt „Die große Welle vor Kanagawa“ aus dem Jahr 1831. Für das Plattencover ihres fünften Albums haben sich Letting Up Despite Great Faults das drei Jahre später entstandene und als „Kleine Blumen“ bekannte „Pfingstrosen und Kanarienvogel (Shakuyaku, kanaari)“ aus einer unbetitelten Serie von Katsushika Hokusai ausgesucht.

Ihrem Stil bleiben Letting Up Despite Great Faults auch auf den 10 neunen Songs treu: tanzbarer Indiepop trifft athmosphärischen Dreampop in einem nostalgischen 80er Jahre Retro-Trip. Da passt ein Albumtitel wie „Reveries“ perfekt. 
Freunde von New Order, The Field Mice und The Postal Service sollten sich „Dress“, „Embroidered“ oder „Collapsing“ anhören.

Letting Up Despite Great Faults wurden 2006 von Mike Lee gegründet und von Kent Zambrana, Daniel Schmidt und Annah Fisette zum Quartett komplettiert. Erstaunlich, dass die in Austin, Texas ansässige Band ihre Alben im Eigentrieb veröffentlichen muss. „Reveries“ ist als CD und LP (yellow or blue Color Mix Vinyl) erhältlich.

“Powder” is a track which features lush emotive vocals over a meditative and melancholic indie pop dream-laden sound that feels bittersweet in nature.
Then there’s “Embroidered”, a very 80’s wistful synth-based jam that has a vibrant and colorful approach that blends electronic elements into something that feels timeless, distant like a nearly forgotten memory.


 


23. Oktober 2024

Blaudzun - Latter Days


Beim niederländischen Singer/Songwriter Johannes Sigmond waren wir etwas spät dran und entdeckten ihn erst mitten in seiner „Jupiter“-Trilogie, nachdem er zuvor bereits in seiner Heimat mit goldenen Schallplatten ausgezeichnet wurde und den Sprung an die Spitze der Albumcharts geschafft hatte. Bei Platten vor Gericht stehen daher für Blaudzun bisher erst eine Top 30- („Jupiter (Part II)“; 2017) sowie eine Top 60-Platzierung („Lonely City Exit Wounds“; 2022) zu Buche.

Mit seinem Album „Latter Days“ wird Blaudzun sicherlich ein weiterer Eintrag in diese Erfolgs-Liste gelingen - auch wenn es zur falschen Jahreszeit veröffentlicht wurde: Denn es gibt größtenteils leichtfüßig-melodiösen Gitarrenpop („Better Man“, „Pin“, „Dreamers“, „Summer Song“) zu hören, bei dem man die Abdeckplane von seinem Cabrio entfernen und zu den ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Jahres eine Spritztour unter rosa Kirchblüten vor blauem Himmel unternehmen möchte. Passend dazu ist „Latter Days“ nicht nur auf black Vinyl sondern in limitierten Auflagen auch auf pink bzw. blue Vinyl erschienen. Aus dem Autoradio sollten bei dieser Fahrt Songs von Blaudzun, Gus Black, R.E.M. oder Arcade Fire erschallen. 
Die nicht ganz so offensichtlichen Hits des Albums sind jedoch „Coma“ und „Faint Of Heart“, „Shades“ und „Prophecy“ klingen nach den 80er Jahren und besonders auffallend sind die Streicherarrangements bei „Bonfire“ geraten. Im Gegensatz dazu steht die rein akustisch gehaltene Ballade „Spark Chaser“.

Blaudzun in Deutschland:
26.03.15 Hamburg, Hebebühne
27.03.25 Berlin, Privatclub
28.03.25 Köln, Artheater


 


Auf dem Album macht sich Blaudzun Gedanken um Themen wie Entfremdung, Existenz- und Zukunftsängste, Zweifel und Hindernisse, die es zu überwinden gibt. Selbst Tracks wie die vorab veröffentlichte Single „Bonfire“ - in der es immerhin darum geht, die Geister der Vergangenheit in einem Freudenfeuer zu verbrennen - kommen dann noch moll-lastig und mit einer düsteren Note daher. Allerdings findet der Musiker Blaudzun im Gegensatz zum Texter immer genau die richtige Balance Zuversicht und Verzweiflung musikalisch mit entsprechend gesetzten Akkordwechseln und Harmoniefolgen, die sich nie nur einer Gemütslage verpflichtet fühlen, auszutarieren. Und natürlich ist Blaudzun – selbst in Songs wie in dem dräuenden „Faint Of Heart“ - am Ende kein musikalischer Trauerkloß, sondern weiß den Zuhörer immer mit druckvollen Power-Chords und pulsierenden Grooves bei Laune zu halten. 




22. Oktober 2024

Kylie Minogue - Tension II


10 Fakten zum neuen Album von Kylie Minogue:

1. „Tension II“ ist das Begleitalbum zu „Tension“, das vor 1 Jahr und 26 Tagen veröffentlicht wurde. Damit reihen sich diese beide Alben aber nur auf dem 3. Platz der kürzesten Veröffentlichungsabstände ein: Zwischen „Light Years“ (2000) und „Fever“ (2001) lagen 1 Jahr und 6 Tage und zwischen „Rhythm Of Love“ (1990) und „Let’s Get To It“ (1991) nur 11 Monate und 2 Tage.

2. Sowohl in ihrer australischen Heimat als auch im Vereinigten Königreich kann Kylie Minogue eine Serie von drei Nummer Eins-Alben in Folge mit „Tension II“ ausbauen. Ohne das Weihnachtsalbum „Kylie Christmas“ (2015) wären es in Australien sogar bereits deren vier (von insgesamt sieben)

3. Hinsichtlich einer hohen Chartplatzierung könnten mehrere Tonträger-Varianten hilfreich sein: „Tension II“ ist seit dem 18. Oktober 2024 als CD, Kassette und LP (clear Vinyl, yellow Vinyl und turquoise Vinyl) erhältlich.

4. Das Album bietet zwar 13 Songs, ist aber nach nur 36:47 Minuten bereits wieder vorbei. Noch kürzer waren nur ihre ersten beiden Alben „Kylie“ (1988; 35:22 Minuten) und „Enjoy Yourself“ (1989; 32:56 Minuten) sowie „Tension“ (2023; 35:51 Minuten) geraten. Die Trackliste variiert in der Reihenfolge übrigens bei der Kassette als auch bei der Schallplatte.

5. Als erste Single aus dem Album wurde „Lights Camera Action“ am 27. September 2024 veröffentlicht und mit einem Video von der britischen Regisseurin Sophie Muller ausgestattet, die bereits mehr als 300 Musikvideos (u.a. für Eurythmics, Björk, No Doubt, Garbage, Blur, PJ Harvey, Sophie Ellis-Baxter) drehte und bereits seit 2018 mehrfach mit Kylie Minogue zusammen arbeitete (u.a. „Padam Padam“, „Dancing“, „Golden“, „Say Something“):


 


6. Zwar ist „Lights Camera Action“ die offizielle erste Single aus „Tension II“, jedoch wurde bereits am 7. Februar 2024 der Song „Dance Alone“ veröffentlicht. Auf dem Song von Sia, der auch auf ihrem im Mai erschienen Album „Reasonable Woman“ zu finden ist, singt Kylie Minogue mit. Nun wurde er auch als letzter Song auf „Tension II“ beigefügt.


 


7. Es gibt aber noch mehr Songs, die vorab in Kooperation mit anderen Künstlern veröffentlicht wurden und nun zusammen das letzte Drittel von „Tension II“ bilden. Da wären „Edge Of Saturday Night“, zusammen mit The Blessed Madonna, und „Midnight Ride“ mit Orville Peck und Diplo, bei denen Kylie Minogue auch als Co-Komponistin gelistet ist. Insgesamt sind es damit 7 Songs auf „Tension II“, bei denen Kylie Minogue mitgeschrieben hat.

8. Die Riege der zwischen Juni und August 2024 veröffentlichten Songs vervollständigt „My Oh My“. Es ist die erste Zusammenarbeit mit Bebe Rexha und, nach „Really Don’t Like U“ aus dem jahr 2019, bereits die zweite mit Tove Lo.


 


9. Bei Metacritic kann „Tension II“ nicht ganz mit „Tension“ mithalten, ist aber dennoch laut Plattenkritikern ihr zweitbestes Album (nach 2000): „Fever“ (2001; 68/100), „Body Language“ (2003; 62/100), „X“ (2007; 65/100), „Aphrodite“ (2010; 67/100), „Kiss Me Once“ (2014; 66/100), „Golden“ (2018; 63/100), „Disco“ (2020; 72/100), „Tension“ (2023; 86/100) und „Tension II“ (2024; 81/100).

The kinetic opener “Lights, Camera, Action” has the Princess of Pop wielding her own unique clubland sound. Like its lead single, much of Tension II pulls in classic and fresh references. The former approach has her take hold of a throwback Eurodisco thread, giving it a playful tug on “Taboo” and “Kiss Bang Bang.” Schooled audiophiles will detect traces of Boney M. and Madison Avenue respectively from her wide lexicon of influences. And on the latter side, Minogue’s frothy Balearic house (“Good as Gone”) and synth-pop (“Hello”) vibes thrum with a purposeful intent to pack modern discothèques wall-to-wall. (…)
The sharp craft of Tension II confirms that this is Kylie Minogue’s world, we’re just fortunate enough to live in it.

In fact, this is one of those times where the sequel occasionally outdoes the original: Tension II feels bolder, tougher and more inventive than its predecessor, while still flowing directly from the same fun and fizzy vibe. Kylie sounds like a woman a few shots into the party, totally owning her place in the middle of the dance floor, pulling a giddy guest list of producers and duet partners from their seats to whoop it up in her spotlight.

10. Kylie Minogue wird auf ihrer „Tension Tour“ auch in Deutschland gastieren. Das sind die Termine und Orte:
16.06.2025 Berlin, Uber Arena
07.07.2025 Düsseldorf, PSD Bank Dome


21. Oktober 2024

Scott Matthew - A Small Conduit Of Great Affairs


Das letzte Album des australischen Singer/Songwriters liegt bereits vier Jahre zurück. Jedoch kommt Scott Matthew nicht etwa mit neuer eigener Musik zurück, sondern wärmt sein Cover-Konzept, das 2013 zum Album „Unlearned“ führte, noch einmal auf.

Im akustischen Gewand präsentiert uns Scott Matthew auf „A Small Conduit Of Great Affairs“ wieder eine Sammlung eher ungewöhnlicher Songs, die vor allem aus dem Pop-Sektor stammen („Live It Up“ von Mental As Anything“ oder „All The Lovers“ von Kylie Minogue (morgen mehr zu ihr) oder „Only Girl In The World“ von Ellie Goulding) und häufig etwas entschleunigt dargeboten werden. Wie gut das funktionieren kann, haben uns ja vor Jahren Travis mit „One More Time“ von Britney Spears gezeigt.

Einige Songs, wie „Sam“ (Olivia Newton-John), „Fascination“ (Everything But The Girl) oder „Easy To Be Hard“ (Three Dog Night), waren mir auch zuvor komplett unbekannt, so dass das Konzept bei mir und diesen Liedern in der zweiten Hälfte des Albums leider weniger gut gelingt. 

Mein Highlight ist „Eye Of The Needle“ von The Divine Comedy. Und mit „Friends And Foes“ erinnert und Mathhew daran, dass er 2009 mit seinem Album „There Is An Ocean That Divides And With My Longing I Can Charge It With A Voltage That’s So Violent To Cross It Could Mean Death“ unter die Top Ten bei Platten vor Gericht kam.

A Small Conduit Of Great Affairs“ ist via Glitterhouse Records als CD und LP (red Vinyl) erschienen. Die dazu gehörende Tour begann mit der Albumveröffentlichung Mitte Oktober und hat (nach einem Abstecher nach Österreich) nun nur noch eine Station in Deutschland:
27.10.24 Berlin, Bar jeder Vernunft




19. Oktober 2024

Memorials - Memorial Waterslides


Jazziges Sound-Experiment, Klang-Kakophonie oder einfach nur fast vier Minuten vergeudete Lebenszeit? Glücklicherweise ist nicht alles auf „Memorial Waterslides“ so wie der Titelsong geraten. Und mit „Lamplighter“ gelingt Verity Susman und Matthew Simms, die gemeinsam als Memorials musizieren, durchaus ein erinnerungswürdiger kleiner Hit. 


 


Ähnlichkeiten zu Stereolab oder Broadcast sind bei diesem schrägen und wilden Wechsel zwischen Krautrock, Avantgarde-Folk, experimenteller Electronica und Psychedelic-Pop sicherlich beabsichtigt. 

„Memorial Waterslides“ ist das Debütalbum des Duos aus Canterbury und als CD und LP (pink Vinyl) erhältlich.

Memorials in Deutschland:
19.01.25 Berlin, Kantine am Berghain
20.01.25 Hamburg, Nachtasyl
21.01.25 Köln, Bumann & Sohn


Tracks like "Name Me" and "I Have Been Alive" are majestic and mighty, positioning Susman's tender vocals against waves of thundering drums, honking saxes, and horror movie organs; the title track is a doomy mix of avant-garde soundtrack noises and overdriven noise rock that is downright scary; and "Book Stall" creeps along slickly like Broadcast, only with an oozing dread and a sinking feeling that the tape the song was recorded on is slowly disintegrating. Even the tracks that have a little more positive energy driving them forward -- like the album-opening "Acceptable Experience," which has a nice Stereolab feel -- have darkness lurking just behind the curtains. On that song, it's made manifest by the ripping guitar solos; on others, it's the looped found sounds ("Lamplighter"), out-of-nowhere steampunk breakbeats ("Cut It Like a Diamond"), or glitchy shards of sax and vocals ("False Landing"). It's clear that the pair have immense skills as crafters of ambience and setters of mood; they are also wizard-level good at weaving kaleidoscopic strands of influences together into a brilliant, fascinating fabric. The result is the kind of record that's almost impossible to stop listening to once one begins. It flows together so perfectly, and the mood is so tense and unbroken, that it feels wrong to be diverted in any way. 


 


 




18. Oktober 2024

Orla Gartland - Everybody Needs A Hero


Vor drei Jahren stürmte die damals 26-jährige Orla Gartland mit ihrem Debütalbum „Woman On The Internet“ Dank 7,833 Punkten bis auf Platz 15 der Jahresbestenliste bei Platten vor Gericht. Auch in den Charts wusste das Album zu reüssieren: Platz 3 in der irischen Heimat von Garland, Platz 10 im Vereinigten Königreich.

Dann wendete sie sich dem Nebenprojekt Fizz zu, das sie zusammen mit Dodie, Greta Isaac und Martin Luke Brown gründete. Dessen erstes Album, „The Secret Of Life“, wurde im Oktober 2023, blieb eher ein Geheimnis und wurde dementsprechend von uns nicht wahrgenommen.

Ein weiteres Jahr später stand dann doch das zweite Album von Orla Gartland als CD, Kassette und LP (black Vinyl, red & white Split Vinyl, blue & white Splatter Vinyl) in den Plattenläden, jedoch nicht mit ähnlichen Charterfolgen wie das Debüt: „Everybody Needs A Hero“ kam auf Platz 8 in Irland und erreichte Rang 43 im UK.

Auf „Everybody Needs A Hero“ zeigt sich Orla Gartland nicht nur als folkige Singer/Songwriterin sondern öffnet sich einer opulenteren Produktion, die sie selbst übernahm, experimentiert mit Sounds sowie Stilen und nähert sich dabei deutlich dem Pop. Könnte „Late To The Party“, auf dem auch Declan McKenna zu hören ist, nicht auch von Billie Eilish stammen? „Backseat Driver“ ist ein weiteres Elektropop-Beispiel, bei dem klar wird, warum Caroline Polachek als Inspiration genannt wird. Aber wir bekommen auch rockigere Songs zu hören („Kiss Ur Face Forever“, „Sound Of Letting Go“), bei denen Parallelen zu St. Vincent gezogen werden. Auf „Mine“ thematisiert sie die traumatische Erfahrung eines sexuellen Übergriffs und verpackt diese in ein akustisches, fast Kammerpop-artiges Gewand. 

Überträgt man den Abwärtstrend in den Charts, der sich übrigens in den Plattenkritiken nicht bestätigt sieht, auf die Platzierung bei Platten vor Gericht, so müsste „Everybody Needs A Hero“ am 31. Dezember 2024 zwischen Platz 40 und 63 landen…


Elsewhere there’s Counting Crows-laced alt-rock (‘Simple’), late noughties British indie (‘Late To The Party’), Kasabian and Royal Blood-adjacent rock (‘Three Words Away’), and lovely lilting indie à la Clairo or Beabadoobee (‘Who Am I?’). The often high-octane landscape Gartland creates means more subdued cuts like the waltzing ‘Mine’ or the title track struggle to cut through, but the switch-up works for ‘The Hit’, a lush earworm of dancing acoustic guitars and gorgeous vocal melodies.
‘Everybody Needs A Hero’ lives in grey areas, not shying away from the messiness of life. The floor-shaking ‘Sound Of Letting Go’, all feral riffs and ethereal choruses of layered vocals, distils this idea. Ultimately, it concludes, you can’t control everything, the musician unveiling: “I can’t change you, can’t change me/Can’t change anything/So I guess I gotta let it go.” From where we’re standing, it doesn’t sound like Gartland needs to change a thing.
(NME)



 


 





17. Oktober 2024

My Brightest Diamond - Fight The Real Terror


Im Video zu „Fight The Real Terror“ sieht man Shara Nova in der (sehr empfehlenswerten) Biografie „Rememberings“ von Sinéad O’Connor blättern und es ist schon erstaunlich, wie nah sie in diesem Song einer wütenden Sinéad kommt. Kurz nachdem sie vom Tod der Irin am 26. Juli 2023 erfahren hatte, tauchte ein Sturm Novas Haus in Detroit in Dunkelheit und sie erinnerte sich an deren ikonischen Saturday Night Live-Auftritt im Jahr 1992, bei dem sie Bob Marleys „War“ umgedichtet hatte, um Kindesmissbrauch zu thematisieren, und die Zuschauer aufforderte, „den wahren Feind zu bekämpfen“, während sie ein Foto von Papst Johannes Paul II. zerriss. Diese Art des künstlerischen Protestes war gleichbedeutend mit einer kommerziellen Katastrophe in den katholischen USA, die Sinéad O’Connor mit ihrer öffentlichen Kirchenkritik bewusst in Kauf nahm. Der Titelsong ist nicht der einzige, bei dem Shara Nova klanglich und stimmlich an die junge Sinéad O’Connor erinnert.


 


Auch auf den weiteren Songs auf dem sechsten Album von My Brightest Diamond hören wir Shara Nova textlich einerseits emotional und verletzlich, andererseits offensiv zum Kampf für eine bessere Welt auffordernd, musikalisch einerseits höchst intim und verträumt („Even Warriors“, „There’s No Place“), andererseits höchst rauh und aggressiv („Rule Breaker“, „Rocket In My Pocket“). Letzteres ist dadurch zu erklären, dass ihr Produzent Tom Schick (Wilco, Ryan Adams, Rufus Wainwright) darauf bestand, das rohe Demomaterial als Grundlage für die Songs zu benutzen.

Fight The Real Terror“ ist als CD und LP (safety orange Vinyl) erhältlich und könnte Fans von Sinéad O’Connor, PJ Harvey oder St. Vincent gefallen.

My Brightest Diamond in Deutschland:
24.02.25 Düsseldorf, Zakk
25.02.25 Berlin, FRannz Club


  


Eine windschiefe Gitarrenspur, eine sich aufbäumende Stimme, fast purer Krach. Weitergeführt in "Rocket in my pocket", auch hier durchzogen von einer dreckigen Gitarrenspur, gleichzeitig jedoch hart groovend. Von den elektronischen Experimenten des Vorgängers weit entfernt, bislang versprüht "Fight the real terror" eher einen Post-Punk-Ansatz, der auch deswegen erhalten blieb, weil es jene Demos quasi unverändert auf den Longplayer schafften.
Der Post-Punk wird jedoch schnell ersetzt. "Even warriors" verweist auf träumerische Folk-Klänge im Sound, gibt sich ansonsten ganz dem Schönklang ihrer Stimme hin und ist ein Vorbote für Späteres. "Imaginary lover" schlägt erstmal doch den Bogen zum elektronischen Vorgänger, bleibt dabei jedoch zu sanften Beats in melancholischen Gefilden. (…)
Ein letztes, sehr großes Highlight ist dabei "I saw a glimpse" welches nahezu ohne Instrumentierung auskommt und mit einer wundervollen Melodieführung sehr eindringlich an die Person erinnert, die dafür verantwortlich ist, was hier an den Tagen, die auf den 26. Juli 2023 folgten, entstanden ist.




16. Oktober 2024

Propaganda - Propaganda


Vor zwei Jahren veröffentlichten Susanne Freytag und Claudia Brücken ihr Album „The Heart Is Strange“ unter dem Namen xPropaganda, da die Namensrechte für Propaganda weiterhin bei Ralf Dörper, der die Band 1982  in Düsseldorf gründete, und Michael Mertens liegen. Die ursprüngliche Besetzung (zusätzlich mit Andreas Thein) hielt nur bis 1987, denn kurz nach der Veröffentlichung von „A Secret Wish“ (1985) sollte es schon zu Rechtsstreitigkeiten mit ihrem Label (ZTT) kommen. Beim Nachfolger „1234“ (1990) war eigentlich nur noch Michael Mertens, der aber auch einige gemeinsame Kompositionen mit Ralf Dörper sowie die Stimme von Susanne Freytag auf zwei Songs nutzte, Teil ein neu aufgestellten Version von Propaganda.

Für Trevor Horn traten vier Fünftel des Original-Lineups 2004 noch einmal live auf, sporadische Konzerte in unterschiedlichen Konstellationen folgten. 2013 verstarb Andreas Thein. Danach gab es gemeinsame Kooperationen der beiden Damen unter den Namen Duel bzw. xPropaganda, sowie der beiden Herren, die seit 2015 Ideen austauschten und erstmals im Mai 2024 einen gemeinsamen neuen Song als Propaganda veröffentlichten. 

Als Sängerin für „Propaganda“ fand das Duo die Britin Thunder Bae, ein weiterer Mitstreiter ist der Komponist und Pianist Volker Bertelmann, der unter dem Künstlernamen Hauschka bekannt ist. Die 8 Songs des Albums bewegen sich zwischen Synthpop, der sowohl mit 80ies Touch („Purveyor Of Pleasure“) als auch modernerem Klangbild („They Call Me Nocebo“) aufwarten kann, düsteren Trip Hop („Distant“) und cineastischem Elektropop („Love:Craft“). Ein Song, das dramtische, über 7 Minuten dauernde „Dystopian Waltz“, bleibt instrumental, ein weiteres Lied ist eine Coverversion: „Wenn ich mir was wünschen dürfte“, eine Komposition von Friedrich Hollaender für den Film „Der Mann, der seinen Mörder sucht“ (1931), die von Marlene Dietrich eingesungen wurde.
  
„Propaganda“ ist über Bureau B als CD und LP (black Vinyl, yellow Vinyl, blue Vinyl) erschienen, die limitierten Auflagen als Doppel-CD und -LP bieten fünf zusätzliche Songs: „Not Good For You“, „Solace In Sin“, „World Out Of Joint“, „I Feel Mysterious“ und „The Calling“.

„The Heart Is Strange“ kam 2022 auf 7,250 Punkte. Diese wird „Propaganda“ überbieten müssen, damit Propaganda besser dasteht als xPropaganda.


 


Propagandas Grundidee, Kraftwerk und Wagner zu fusionieren, wurde mittlerweile enorm erweitert: Mertens schichtet gut abgehangene Sounds aus Klassik und Krautrock, Ambient und New Wave übereinander, mischt Orchester-Instrumente mit aufgepumpten Beats und flottiert zwischen Minimalismus und maximaler Opulenz. Es tönt düster und erhaben. Die unterschiedlichen Elemente verschmelzen zu einer klaren, fließenden Soundstruktur, deren Melodien schnell in den Gehörgängen kleben bleiben.
Sein Partner ist weniger verschmust. Eher ein klinisch kalter Diagnostiker privater und politischer Prozesse. Dörpers Großstadtpoesie kündet von Gesellschaftskritik („Tipping Point“), Nabelschau („Distant“) oder Sex und Sünde („Purveyor Of Pleasure“). Das obligatorische Gitarrensolo stammt nicht von David Gilmour, sondern vom wohl besten heimischen Saitenvirtuosen Marcus Wienstroer. Wie überhaupt alles an dieser Platte „Made in Düsseldorf“ ist: Artwork, Videos, Fotos (im Nordpark), Mastering (Kai Blankenberg) etc.
Gastsängerin Thunder Bae verpasst den betagten Herren eine gehörige Frischzellenkur. Sie ist mit einer so wandelbaren wie ausdrucksvollen Stimme gesegnet. (…)