30. Juni 2025

Lorde - Virgin


10 Fakten zum neuen Album von Lorde:

1. Ella Marija Lani Yelich-O’Connor behält ihren Vierjahresrhythmus bei: „Pure Heroine“, das Debütalbum von Lorde, erschien 2013, 2017 und 2021 folgten „Melodrama“ und „Solar Power“, und seit dem 27. Juni 2025 steht „Virgin“ in den Plattenläden.

2. Beim Vorgänger „Solar Power“ gab es einen ziemlichen Aufschrei, da die CD-Box ohne CD geliefert wurde, und zwar für knapp 20 €. Diesmal gibt es für den gleichen Betrag sogar den Silberling!
Freunde der Schallplatte haben die Wahl zwischen black Vinyl, clear Vinyl, Blood red Vinyl, Bathwater Vinyl und zwei unterschiedlichen Picture Discs

3. Auf der CD befinden sich 11 neue Lieder, die 34:51 Minuten laufen, wodurch die kürzeste Spielzeit in ihrer Karriere - bisher „Pure Heroine“ mit 37:07 Minuten - unterboten wird.


Throughout, Lorde seems less like an artist cravenly rehashing former glories than one who began her career speaking directly to her fellow teens about stuff that mattered to them – and paving the way for Billie Eilish, Olivia Rodrigo et al in the process – continuing to grow up alongside her fans. That’s always a tough job, but one Lorde seems more than capable of thanks to writing that remains as skilful and incisive as it did when she was precociously skewering pop’s obsession with unattainable lifestyles from an Auckland suburb in 2013. Powerful, moving, personal but universal – and packed with bangers – Virgin is the proof.


4. Schauen wir einmal nach, wie die vier Alben von Lorde bei den Kritikern wegkommen. Dabei hilft uns natürlich der Metascore von Metacritic: „Pure Heroine“ (79/100), „Melodrama“ (91/100), „Solar Power“ (69/100) und „Virgin“ (79/100). 


The tingly pulse of anticipation drives the opener “Hammer”. A twitchy synth throb lies low in the mix as Lorde rap-sings her acceptance of ambivalence.  (…)
The album picks up pace with the single “What Was That” (which features the catchiest melody on the record) and soft-firework-explodes into rave beats toward the end. Things grow murkier over the glitchy trap beats of “Shapeshifter”, slyly accessorised with low-sawed strings and moody piano (…).
The sense of living, suspended on the brink of the kind of wild thrills she expressed on her triumphant second album, Melodrama, is gracefully captured on the lo-fi, bass’n’vocal of “Man of the Year” and the spaciously vocodered chant of “Clearblue”, on which she describes the moment “after the ecstasy, testing for pregnancy”. As through much of the record, the singer’s confiding voice is in the front of the mix, low, a little growly and raw, as though her lips are grazing your earlobes. (…)
Virgin doesn’t find Lorde back in her finest, most exhilarating form. But it’s a record that sees her heading in that direction.


5. Anders als bei ihren beiden vorherigen Alben, hat Jack Antonoff (Taylor Swift, Lana Del Rey, St. Vincent) diesmal seine Finger nicht mit im Spiel: Lorde co-produzierte das Album zusammen mit Jim-E Stack, mit zusätzlichen Beiträgen von Dev Hynes, Dan Nigro, Fabiana Palladino, Andrew Aged und Buddy Ross. Spike Stent und Tom Elmhirst wurden für das Abmischen des Albums engagiert, während das Mastering von Chris Gehringer übernommen wurde.

6. Jim-E Stack, ein Produzent, Musiker und Songwriter aus San Francisco, der mit bürgerlichem Namen James Harmon Stack heißt, scheint Lordes neuer Jack Antonoff zu sein, denn nahezu im Alleingang komponierten sie zusammen das komplette Album. Aufgrund zweier Samples fallen „Current Affairs“ und „If She Could See Me Now“ ein wenig aus dem Rahmen, da hier auch die Komponisten von „Morning Love“ (von Dexta Daps) bzw. „Suga Suga“ (von Baby Bash und Frankie J.) aufgelistet wurden.
 

 


7. Als erste Single wurden „What Was That“ ausgekoppelt und zu ihrer vierten Nummer-Eins in ihrer neuseeländischen Heimat. In Deutschland erreichte sie Platz 33, was nur von „Royals“ (#8) und „Team“ (#20) übertroffen wurde. Es folgten, mit geringerem Erfolg, noch „Man Of The Year“ und „Hammer“, deren Videos mehr nackte haut zeigen als das Plattencover von „Solar Power“.
 

 


8. Berühmte Gastmusiker auf „Virgin“ sind: Devonté Hynes (auf „Man Of The Year“ und „Favourite Daughter“), Rob Moose auf („Shapeshifter“) und Justin Vernon („David“).

9. Das Plattencover, das von Heji Shin, einer deutschen Fotografin, die für ihre provokanten, oft offen sexuellen Kunst- und Modeporträts von Menschen und Tieren bekannt ist, stammt, zeigt ein Röntgenbild eines Beckens mit einer Gürtelschnalle, einem Hosenreißverschluss und einer Spirale und sorgte für reichlich Diskussionen im Internet. 

10. Im September startet Lorde ihre „Ultrasound World Tour“, die sie Ende des Jahres auch für drei Termine nach Deutschland führen wird:
01.12.25 München, Zenith
03.12.25 Köln, Palladium
05.12.25 Berlin, Max-Schmeling-Halle




27. Juni 2025

Steve Queralt - Swallow


Klar, der Gitarrist und Sänger von Ride, Andy Bell, hat auch neben seiner Shoegaze-Band zahlreiche Platten als Mitglied von Hurricane #1, Oasis und Beady Eye sowie mehrere Soloalben veröffentlicht und auch der andere Ride-Gitarrist und Sänger, Mark Gardener, ist als Solokünstler und Produzent aktiv. Gemeinsam mit dem Ride-Schlagzeuger Loz Colbert, der auch schon für The Jesus & Mary Chain, Supergrass und Gaz Coombes trommelte, war er auch in der kurzlebigen band The Animalhouse. Aber was ist mit ihrem Bassisten Steve Queralt? Der hat als einziges Mitglied des Quartetts noch nicht einmal einen eigenen Wikipedia-Eintrag!

Dafür aber jetzt ein Soloalbum! Neun Songs, 46:41 Minuten, alle Instrumente selbst eingespielt auf aufgenommen von Queralt, als CD, Kassette und LP (yellow Vinyl) erhältlich, das sind die Daten rund um „Swallow“. Auf drei Songs bekommen wir Gesang zu hören, aber nicht den von Steve Queralt, der auch bei Konzerten von Ride kein Mikrofon hingestellt bekommt: Für „Messengers“ konnte er Verity Susman von Electrelane gewinnen, und gleich auf zwei Songs hören wir die Stimme von Emma Anderson. Dadurch klingen sowohl „Lonely Town“ als auch „Swiss Air“ deutlich nach Lush, sind aber eher auf der shoegazigen Seite des Lush-Spektrums zu verorten und würden vielleicht am besten zu deren „Split“ Album passen.

Ansonsten tobt sich Steve Queralt instrumental zwischen Drone, Electronica, Ambient, Shoegaze und Post-Rock aus und lässt dabei mehrmals, beispielsweise bei „High Teens“, an Mogwai denken. Auch hinsichtlich der Songtitel ist er ganz nah bei den schottischen Post-Rockern, wie „A Porsche Shaped Hole“ belegt, und auf „I Don't Know How To Sing“ gibt es kurz deren verzerrten Nicht-Gesang zu hören. 

Swallow“ sollte jetzt aber wirklich zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag für Steve Queralt führen.

Bei Metacritic sind 82/100 Punkten für das Album registriert und auch Frau Dr. shg. drp. Kerstin Kratochwill findet lobende Worte: 

Die Atmosphäre ist eine düstere, aber von irgendwo scheint dennoch immer ein Licht zu leuchten. Queralt ist mit "Swallow" eine Art "Bladerunner" des Shoegaze gelungen, noir und nachdenklich den Zustand unserer Welt musikalisch umschreibend. Zwischen diesem dicht gewebten instrumentalen Teppich erstrahlen dann immer wieder auch die bekannten Shoegaze-Stimmen der Gaststars, bewusst eingesetzt von Queralt, der einen Track auf dem Album "I Don't Know How To Sing" nennt.
Er weiß aber genau, wie man zeitlose starke Songs schreibt, und sein Solo-Erstling brauchte Zeit: "Swallow" wurde in den letzten fünf Jahren langsam aber beständig zwischen Ride-Alben und Tourneen zusammengebaut und entfaltet vielleicht auch deshalb ein derart intensives Gefühl beim Hören dieser dystopischen wie dichten Songs. Und wenn Emma Anderson in dem zittrigen wie zartbitteren Noise-Stück "Swiss Air" singt, wird sogar ein Shoegaze-Traum wahr, denn der Song klingt wie eine lang erhoffte Kollaboration von Lush und Ride.


 





26. Juni 2025

10 Schallplatten, die uns gut durch den Juli bringen


10. We Are Scientists - Qualifying Miles (Bathroom Graffiti colored vinyl) 18.7.2025






9. Kae Tempest - Self Titled (Black Dust Vinyl) 4.7.2025






8. Sally Shapiro - Ready To Live A Lie (Baby Pink Vinyl, 2 LPs) 4.7.2025






7. Die drei ??? - Die drei ??? (Folge 234) - und der lebende Tresor (2 LPs) 25.7.2025






6. Kaiser Chiefs - Employment 20 (China Anniversary Edition) (Limited Edition, 2 LPs) 18.7.2025






5. The Beta Band - The Three EPs (180g, 2 LPs) 11.7.2025






4. Wet Leg - Moisturizer (Limited Edition) (Neon Yellow Vinyl) 11.7.2025






3. Fontaines D.C. -  Romance (Limited Colored Bonus Edition incl. 7") (Turquoise Vinyl) 18.07.2025






2. Allo Darlin' - Bright Nights (Limited Indie Edition) (Blue Purple Marble Vinyl) 11.7.2025






1. The Reds, Pinks & Purples - The Past Is A Garden I Never Fed (Neon Pink Vinyl) 04.07.22025







25. Juni 2025

Finn Wolfhard - Happy Birthday


Stranger Things 2

Nach Maya Hawke / Robin Buckley, die letztes Jahr mit „Chaos Angel“ 6,250 Punkten einen mittelprächtigen 231. Rang bei Platten vor Gericht erzielte, versucht es dieses Jahr Finn Wolfhard / Mike Wheeler mit seinem Debütalbum.

Seinen 23. Geburtstag feiert der kanadische Schauspieler  und Musiker am 23. Dezember 2025, dennoch heißt sein Album, das am 6. Juni erschienen ist, „Happy Birthday“. Ein Grund zum Feiern für alle, die sich am LoFi-Sound der 90er zwischen Janglepop („Choose The Latter“), Indierock („Objection!“, „Trailers After Dark“) und Garage Rock („Eat“, „Crown“) erfreuen können.

Finn Wolfhard setzte sich das Ziel, bis Ende 2022 50 Songs zu schreiben, für „Happy Birthday“, das von Kai Slater und ihm selbst produziert wurde, wählte er davon lediglich 9 Lieder aus, wodurch die Laufzeit bei unter 25 Minuten liegt. „Happy Birthday“ ist als CD und LP (black Vinyl, Coke Bottle clear Vinyl, black & green Splatter Vinyl) erhältlich. 

Bei Metacritic ist das Album aktuell mit 74/100 Punkten gelistet:

It could slot into the soundtrack of anyone’s life, it has that sort of everyman, indie movie quality. But it’s for him first, and it’s an incredibly pure distillation of who Finn is when he’s not on camera.

The only thing holding Happy Birthday back from being classic is its brevity and maybe lack of ambition; other than that, the quality of the songs, the impact of the vocals, the excellent production, and his ability to reference the past without aping it combine to make it a superb start for a promising solo career.

Happy Birthday is a sentimental album, and a remarkable demonstration of Finn Wolfhard’s laid-back, instinctive approach to songwriting.
 

 


 





24. Juni 2025

Herman Düne - Odysseús


Die Irrfahrten des David Ivar Herman Dune, die den Anstoss zum Album „Odysseús“ gaben, ereigneten sich, nachdem er während des pandemischen Einreiseverbots aufgrund eines Notfalls gezwungen war nach Europa zu reisen und auf der Heimfahrt nach Los Angeles in Montréal strandete. Er berichtet, dass er der einzige Bewohner eines leeren und geschlossenen Hotels im jüdisch-italienischen Viertel Mile End war und jeden Tag das Grab von Leonard Cohen auf dem Mont Royal besuchte, um einen Stein oder eine Blume zu hinterlassen und um eine baldige Heimkehr zu seiner Frau und zu seinen drei Katzen zu beten.
Ob in seinem kalifornisches Haus zwischenzeitlich zahlreiche Freiern, die ihn aufgrund seiner langen Abwesenheit für tot hielten, seine treue Gattin sowie seine Katzen belagerten und sein Gut verprassten, weiß ich nicht zu berichten. 

Das tiefe Gefühl der Sehnsucht war der Funke, der „Odysseús“ entfachte, eine Reise, die Jahre dauerte, um das Album zu schreiben. Und auch die Aufnahmesituation unterschied sich von den zahlreichen Herman Düne Album zuvor: Denn Düne wurde mitten in einem kreativen Prozess in einem Café in San Pedro vom Produzenten und Musiker David Garza (Fiona Apple, Iron & Wine) angesprochen. Beide verstanden sich sofort, entschieden, zusammen zu arbeiten und trafen sich zu abendlichen Sessions. Letztendlich luden sie zahlreiche Gastmusiker, die der gut vernetzte Garza kannte, in das Haus von David Ivar Herman Dune ein, um in Live-Sessions und ohne großen technischen Schnickschnack über drei Tage hinweg die zuvor einstudierten neuen Songs aufzunehmen. 

Odysseús“ gehört ins obere Drittel von den mittlerweile 15 Alben von Herman Düne, bietet insgesamt 12 zwischen Folk und Americana angesiedelte Songs zu den Klängen von akustischer Gitarre, Geige, Mandoline, Bass, Percussion, Zither, Piano und den Backing Vocals von Dünes Frau Mayon. Das Album ist als CD und LP (black Vinyl) erhältlich und Herman Düne wird es live in Deutschland präsentieren:
27.10. Berlin, Berghain Kantine
28.10. Hamburg, Hebebühne
29.10. Köln, Die Wohngemeinschaft
30.10. Köln, Die Wohngemeinschaft
31.10. Schorndorf, Manufaktur
 

 


Das melancholischer gestimmte „Tune Out“ und das countryesk-poppige, fröhliche „Sneakers On The Telephone Line“ erhalten das Hörvergnügen. Das sympathische Storytelling zeichnet den Franzosen ebenso aus, wie der ironische Blick auf Lebensumstände.
So wundert es nicht, dass auch die Folk-Chanson-Ballade „Buffoon Of Love“ mit einem Augenzwinkern von der Sängerin Mayon und David-Ivar gemeinsam präsentiert wird. (…)
So hat „Odysseús“ zwar wenig Abenteuerliches an sich, aber auch David-Ivar hat allerhand Geschichten aus dem Leben parat. Zwar musste er keine Zyklopen austricksen oder Sirenen widerstehen, doch weiß auch er von Herzschmerz und den dunkleren Momenten im Dasein zu berichten.
Was bleibt ist stets die Heiterkeit, die seiner Stimme innewohnt und die den 12 Titeln eine prägende Leichtigkeit verleiht.


 


Es gibt dann also den gewohnten Mix aus Müsli-Folk, Waldschrat-Americana, schnürsenkeliger Rhythmusarbeit und Porch-Song-Ästhetik – inklusive folkloristischer Fiedeln, Schukarton-Perkussion, Maultrommeln und anderen Hillybilly-Elementen. Die Songs wurden – und das ist nicht überraschend – live in einem (wie Dune sagt) chaotischen, schönen Prozess in seinem Haus eingespielt, was dann auch den bereits angesprochenen Porch-Song-Charakter erklärt.
Obwohl Dune hier gar nicht erst versucht, seinem ja gewiss erprobten Weird-Folkie-Stil grundsätzlich Neues hinzuzufügen, gelingen ihm doch einige veritable „potentielle Hits“ wie der Titeltrack, der Mitsing-Klassiker „Sneakers On The Telephone Line“ (der die unsterbliche Textzeile „Selling my shoes when I get the Blues“ enthält) oder die beiden Songs „Buffoon Of Love“ und „Head Agains The Wall“ – zwei Duette mit den Sängerinnen Mayon bzw. Odessa, die auch auf einigen anderen Tracks Harmonie-Vocals beisteuern. Obwohl es zuweilen auch mal nachdenklich zu geht, ist es vor allen Dingen der Humor des Songwriters und die gelöste Stimmung bei den Aufnahmen, die dieses Album zu den insgesamt lebenslustigsten und fröhlichsten Herman Dune-Werken überhaupt machten.




22. Juni 2025

Kochkraft durch KMA - Hardcore Never Dies


Nach mindestens einem Dutzend Auftritten darf man auf einem Festival auch einmal ein wenig schwächeln, was auch ganz passend zum Lineup des dritten Tages des Traumzeit Festivals passt. Für uns stehen Tramhaus, Friedberg sowie Big Special, die sich leider mit The Molotovs überschneiden, und eine frühe Rückreise auf dem Programm, da wie u.a. Von Wegen Lisbeth sausen lassen.

Die kürzeste An- und Abreise dürfte die Band Kochkraft durch KMA aus Duisburg-Marxloh haben, die eine energetische Mischung aus Rave-Punk und New Wave oder Post-Punk und Neue Deutsche Welle präsentiert. Ein Geheimtipp sind Lana Giese (Gesang), Matze Yildirim (Gitarre), Beray Habip (Schlagzeug) und Nicki Louder (Keyboards, Synthesizer) nicht mehr, denn ihr drittes Album „Hardcore Never Dies“ wurde über Grand Hotel van Cleef veröffentlicht und erreichte Platz 38 der deutschen Charts.

16.10.25 Karlsruhe, Substage

17.10.25 Stuttgart, Club Cann

18.10.25 Dortmund, FZW

19.10.25 Langenberg, KGB

21.10.25 Wiesbaden, Schlachthof

22.10.25 Saarbrücken, Garage

24.10.25 Konstanz, Kulturladen

25.10.25 Aarau (CH), Kiff

26.10.25 Luzern (CH), Sedel

28.10.25 Augsburg, Soho Stage

29.10.25 Erlangen, E-Wer

30.10.25 München, Ampere
01.11.25 Graz (A), Music House

03.11.25 Wien (A), B72

05.11.25 Leipzig, Naumanns

06.11.25 Wolfsburg, Hallenbad

07.11.25 Erfurt, VEB

08.11.25 Köln, Club Volta

12.11.25 Osnabrück, Kleine Freiheit

13.11.25 Bremen, Lagerhaus

14.11.25 Hamburg, Molotow

15.11.25 Berlin, Badehaus


 


Die Duisburger*innen kredenzen pumpende Rave-Rocker wie "Gutes Arbeitsklima, trotzdem kalt" oder "Tag des Pferdes", wobei in der rückblickenden Analyse vor allem die Ordnungshüter kein gutes Zeugnis ausgestellt bekommen. Dazu liefern Kochkraft Durch KMA feine Ravepunk-Hits wie "Wer soll ich heute für Dich sein?", die die Ohrmuschel für einige Tage belagern, gefolgt von kleinen, fiesen Beat-Monstern wie "HP2071F" oder "Freefalltower", die sofort in Mark und Beine gehen und diese ohne Umweg in den Moshpit befördern. Dabei ist die Party, die Kochkraft Durch KMA anzünden, niemals nervtötend.




21. Juni 2025

CATT - A Different Life


Unser zweiter Tag beim Traumzeit Festival ist der anstrengendste, denn zwischen 16:30 und 01:05 Uhr stehen Personal Trainer, Christin Nichols, CATT, Efterklang, Kochkraft durch KMA, Inhaler, Die Nerven und The Notwist auf unserer To-Watch-Liste. 

Da ist es doch ganz gut, dass uns Catharina Schorling zwischendurch mit ihrem ruhigen, verträumten, leichten Folkpop, der sich an den 60er und 70er Jahren orientiert und von einer Reise durch Kalifornien inspiriert wurde, ein wenig Zeit zum Entspannen lässt. Für ihr drittes Album hat CATT mit Wild Heart Music ein eigenes Label gegründet, über das „A Different Life“ als CD und Doppel-LP Ende Mai veröffentlicht wurde. Die Arrangements sind teilweise recht intim gehalten, wenn sie sich auf Gesang und Piano fokussieren („You Came Through A Star“, „In The Garden Of My Mind“), bauen dann aber neben Gitarre, Bass und Schlagzeug auch Bläser und Streicher („Nothing Changes“) ein. „A Different Life“ bietet weniger Pop als der Vorgänger „Change“ und darf auch als ein Band-Album gesehen werden, das größtenteils live im Studio aufgenommen wurde und bei dem der Gitarrist Birk Butchereyt auch als Mit-Komponist und -Produzent fungiert.  


  


Popsongs gibt es dennoch so einige. „Jungle Of Abundance“, „Mirror“ und „Open The Door“ überraschen sogar mit einer bislang eher ungewohnten Lebendigkeit und ungezwungenen Spielfreude. Dabei hat CATT als Songwriterin und Performerin inzwischen eine ganz eigene und eigenwillige Art der Harmonie- und Melodie-Führung mit hohem Wiedererkennungswert entwickelt, die aufgrund ihrer ungewöhnlichen und unberechenbaren Haken, Schlenker und Richtungswechsel zwar ihre Musiker zuweilen vor gewisse Herausforderungen stellt, wenn sie ihrer Chefin folgen wollen, aber andererseits beim Hörer immer wieder für Aha-Momente sorgt und CATTs Musik letztlich immens variantenreich und spannend machen.


 


20. Juni 2025

Somebody’s Child - When Youth Fades Away


Wir besuchen gerade das Traumzeit Festival im Duisburger Landschaftspark-Nord. Vor der Kulisse des stillgelegten Hüttenwerks Duisburg-Meiderich/Beeck bieten drei Bühnen eine Vielzahl ungewöhnlicher Kulissen, die bei Dunkelheit durch die Lichtinstallationen des englischen Künstlers Jonathan Park illuminiert werden. Heute stehen Schrottgrenze, Somebody’s Child, Sarah Julia, Lambert, Jimmy Eat World und Kat Frankie’s B O D I E S auf unserem Programm. 

Der aus Dublin stammende Cian Godfrey macht mit seinem Projekt Somebody’s Child Fans von Sam Fender, Gang Of Youths und The Killers glücklich. Dies gelang ihm vor zwei Jahren mit seinem Debütalbum „Somebody’s Child“, das auf Platz 43 bei Platten vor Gericht landen konnte, und wird auch dieses Jahr mit „When Youth Fades Away“ gelingen. Wenn man sich gelegentlich, beispielsweise bei „Wall Street“, auch an The National erinnert fühlt, mag das auch am Produzenten Peter Katis (Interpol, Death Cab For Cuties) liegen, der an acht Alben von Matt Berninger & Co. mitwirkte. Energetischer, emotionaler Indierock mit 80er Jahre Touch durch Synthesizer, der als CD und LP (white Vinyl, transparent with orange Splatter Vinyl) erhältlich ist, und immer noch auf seinen ganz großen Durchbruch wartet.

Somebody’s Child in Deutschland:
08.11.25 Berlin, Gretchen
13.11.25 München, Strom
16.11.25 Bremen, Tower
17.11.25 Düsseldorf, Zakk
18.11.25 Leipzig, Naumanns


Opening with ‘The Kid’, a track brimming with ambition and energy, the record immediately establishes its intent—big choruses, anthemic sounds, and a sense of self-belief that recalls the grandeur of acts like The Killers. The band doesn’t shy away from the big moments, and it's clear that they're ready to step onto the festival stages and bring their newfound sound to the masses.
The album's lead single ‘Time of My Life’ is a cathartic, bittersweet track that embodies the fleeting nature of youth and the complexity of nostalgia. The two-chord anthem was written in a burst of creative energy towards the end of the album's recording process, and it encapsulates the feelings of resolve and acceptance that run throughout the album. “We’ve always wanted to write a two-chord song, and this finally came out without force,” Godfrey explains. “Pure elation”. It’s a perfect example of the band's ability to balance accessibility with emotional depth.
Another standout moment is ‘Irish Goodbye’, which reflects on the transition from youth to adulthood with a sense of melancholy and introspection. It’s a quiet yet powerful reminder of the moments we let slip away, the things we never say, and the inevitable passage of time that shapes us all. Godfrey calls it “a breath of fresh air” on the album, and its understated beauty carries the theme of the record in a very intimate way. 
Tracks like ‘Wall Street’ and ‘My Mind Is On Fire’ keep the energy high, with the former especially radiating festival-ready energy. These songs feel like anthems in the making, with soaring choruses and a sense of urgency that mirrors the band’s live performance style. However, ‘The Waterside’ offers a more reflective moment on the record, an acoustic ballad that slows things down and showcases the band's ability to embrace different textures and sounds.
The title track, ‘When Youth Fades Away’, serves as the perfect conclusion to the album. Echoing the energy of LCD Soundsystem’s ‘All My Friends’, it’s a fitting end to the album, capturing both the wistfulness of the lyrics and the emotional weight of the overall theme. Godfrey’s voice here is particularly poignant, even if it sometimes feels like a familiar presence in the broader indie landscape. His emotive delivery is compelling, though it would be exciting to see the band push further into unique vocal territory on future releases.


  


 





18. Juni 2025

Drangsal - Aus keiner meiner Brücken die in Asche liegen ist je ein Phönix emporgestiegen


10 Fakten zum neuen Album von Drangsal:

1. Die Alben „Harieschaim“ (2016), „Zores“ (2018) und „Exit Strategy“ (2021) entstanden im Grunde als Soloprojekt von Max Gruber, doch nun ist Drangsal eine dreiköpfige Band, die aus Gruber, Lukas Korn und Marvin Holley besteht.

2. Die drei Drangsals haben ihre fans lange warten lassen, denn von der Veröffentlichung von „Exit Strategy“ bis zum Release von „Aus keiner meiner Brücken die in Asche liegen ist je ein Phönix emporgestiegen“ vergingen 3 Jahre, 9 Monate und 17 Tage.  

3. Zwischendurch war Max Gruber aber alles andere als untätig: Er veröffentlichte „Die Benjamins“ (2023) als Mitglied von Die Benjamins (mit mit Charlotte Brandi, Thomas Götz, Julian Knoth und Annette Benjamin) sowie „In einem blauen Mond“ (2024) als eine Häfte von Die Mausis (mit Stella Sommer). Außerdem gab es diverse Beiträge zu Liedern von u.a. Sam Vance-Law, Leoniden, Lyschko oder Sebastian Madsen sowie mit „Doch“ (2022) auch etwas zu lesen von Gruber.


 


4. Bedeutet mehr Musiker bei Drangsal auch mehr Drangsal-Musik? Ja, denn bisher gab es auf den Alben von Drangsal zehn, zwölf bzw. elf Titel zu hören, deren Laufzeit insgesamt zwischen 31 und 41 Minuten lag. Das vierte Album 17 Titel, die knapp 59 Minuten laufen. 

5. Nicht auf dem Album enthalten sind „Life Is A Killer“ und „Kellerparty“, die letztes Jahr als Single im Rahmen des Record Store Days veröffentlicht wurden. 

6. „Aus keiner meiner Brücken die in Asche liegen ist je ein Phönix emporgestiegen“ ist als CD und Doppel-LP (black Vinyl) erhältlich. Nur im Shop von Drangsal gibt es die limitierte Schallplatte auf magenta transparent Vinyl.


 


7. Die Alben von Drangsal hielten sich zwar immer nur eine Woche in den deutschen Charts, dafür ging es hinsichtlich der Platzierungen aber stetig bergauf: „Harieschaim“ (#29), „Zores“ (#12) und „Exit Strategy“ (#6). Und die letzte Veröffentlichung hielt sogar Einzug in die Charts in Österreich (#65)!

8. Apropos Österreich: Auf dem Song „Mein Mo(nu)ment“ ist Sophia Blenda (Culk) als Duett-Partnerin zu hören.


Es wird „Der Eid“ geschworen, eine mittelalterlich anmutende Rachefantasie gegen rechte Schweine (?). „Die satanischen Fersen“ ist eine lustige, einmal um sich selbst gedrehte Rocknummer, „Ich hab von der Musik geträumt“ lässt Blüten sprießen, Chöre ertönen. Gruber, der, wie man munkelt, seit einiger Zeit klassischen Gesangsunterricht nimmt, zeigt stimmlich alles und hält sich nicht zurück. Das ist das Gegenteil von cool. JA. GENAU. SO GEHT DAS. Englisch oder deutsch: egal. Verstiegene Dichtung: egal. Dieses Album ist eine Sinfonie aus Ideen und klanglichen Behauptungen.


9. Das Album wurde von Max Gruber produziert und von Lukas Korn co-produziert, als digitale Singles - jedoch ohne Videos - erschienen  vorab „Ich hab von der Musik geträumt“, „Bergab“, „Die Bestie mit dem brennenden Schwert“, „Die satanischen Fersen“ sowie (und ja, es wird auch noch Englisch gesungen) „Pervert The Source“.

10. Im Herbst werden die neuen Lieder von Drangsal auch live auf der „Verbrannte Erde Tour“ in Deutschland vorgestellt. Das sind die Termine: 
23.09.25 Dresden, Beatpol
24.09.25 München, Ampere
25.09.25 Stuttgart, Im Wizemann
26.09.25 Frankfurt, Zoom
27.09.25 Köln, Bürgerhaus Stollwerck
02.10.25 Leipzig, UT Connewitz
03.10.25 Hamburg, Grünspan
04.10.25 Berlin, Metropol


17. Juni 2025

Woodkid - Woodkid For Death Stranding 2: On the Beach


Woodkid:
Der französische Sänger, Komponist und Musikvideo-Regisseur Yoann Lemoine hat bisher zwei Alben veröffentlicht: „The Golden Age“ wurde mit sensationellen 9,083 Punkten 2013 zu unserem Album des Jahres gekürt, für „S16“ gab es dann eher enttäuschende 7,500 Punkte, die ihn auf Platz 43 am Ende des Jahres 2020 führten.
Außerdem steuerte er zu den Filmen „Desierto“ (2016) und „Those About To Die“ (2024) die Soundtracks bei.

Death Stranding 2: On the Beach
Für die Fortsetzung des vielfach ausgezeichneten Videospiels „Death Stranding“ ist erneut Hideo Kojima, der durch die Videospielreihe Metal Gear bekannt wurde, der federführende Entwickler. Als Spieler macht „man sich erneut auf die beschwerliche Reise, um eine zersplitterte Gesellschaft wieder miteinander zu verbinden und die Menschheit vor der endgültigen Auslöschung zu bewahren. Man erkundet eine faszinierende Welt voller Mysterien und übernatürlicher Gefahren, errichtet epische Strukturen auf, transportiert notwendige Ressourcen durch unwegsames Gelände und taucht tief in eine atemberaubende Geschichte ein“, sagt Sony und ergänzt weiter, dass „das Spiel zudem durch einen hochkarätigen Cast – darunter Norman Reedus, Léa Seydoux, Troy Baker, Elle Fanning und Shioli Kutsuna – besticht.“

Woodkid For Death Stranding 2: On the Beach
Woodkid arbeite für den Soundtrack zum Spiel über drei Jahre hinweg eng mit Kojima und dem Team von Kojima Productions zusammen. Zu dieser Zusammenarbeit kam es nach dem Tod von Ryan Karazija von Low Roar, dessen Songs im ersten Spiel häufig vorkamen. Im Spiel sind die Songs von Woodkid prozedural und untermalen oft stundenlang das Spiel. Auf dem Album befinden sich 13 Songs in knapp 39 Minuten, hinzu kommen noch mehrere Variationen von „To The Wilder“ und „Any Love Of Any Kind“ als Bonus Tracks.
Mit Gesang kommen die großartige, dramatische Ballade „To The Wilder“, das durch das Gitarrenspiel von Bryce Dessners (The National) eher akustisch gehaltene „Any Love Of Any Kind“, das beklemmende „Are You There“ und das bereits aus „S16“ bekannte „Minus Sixty One“ daher. Bei den zahlreichen instrumentalen Stücken darf man zwischen wild rumpelnden Elektro-Stücken („Black Drift“, „Tmrrw“) und melancholischen, cineastischen Piano-und-Streicher-Orgien („Story Of Rainy“, „Fragile Things“) unterscheiden.
„Woodkid For Death Stranding 2: On the Beach“ erschien digital zwei Wochen vor der Videospiel-Veröffentlichung, auf die Doppel-LP (clear transparent Vinyl) muss man noch bis Ende September 2025 warten. 




16. Juni 2025

Sally Shapiro - Ready To Live A Lie


Das passt ja wie die Faust aufs Auge! Die Italo-Disco- und Synthpop-Liebhaber von Sally Shapiro veröffentlichen ihr neues Album über Italiens Do It Better. Und Johnny Jewel hat auf „Ready To Live A Lie“ auch seine Finger im Spiel. 

Sally Shapiro sind das schwedisches Projekt vom Songschreiber und Produzenten Johan Agebjörn und einer Sängerin, die sowohl bühnenscheu ist als auch ihren Namen nicht Preis geben möchte. Bis 2013 veröffentlichten Sally Shapiro drei Alben, nahmen sich dann eine Auszeit, kehrten 2021 zurück und veröffentlichten im folgenden Jahr ihr Comeback-Album „Sad Cities“. 

Am 30. Mai diesen Jahres erschien mit „Ready To Live A Lie“ das fünfte Album der Schweden, das Freunden von Saint Etienne, Club 8, Valerie Dore und Chromatics gefallen dürfte. Mit „Rent“ von den Pet Shop Boys haben sie sich auch einen Song aus ihrem musikalischen Lieblingsjahrzehnt ausgesucht und „Oh Carrie“ klingt ziemlich nach deren „Introspective“-Phase. Noch tiefer in den 80er Jahren versinkt „Happier Somewhere Else“, und in der ersten halben Minute fragte ich mich, welche Coverversion das denn nun sein würde und rechnete kurz mit „Kayleigh“. 

Fragen wir doch einmal Frau Dr. shg. drp. Kerstin Kratochwill, was sie zu dem Album, das als CD und Doppel-LP (electric blue Vinyl, pink Vinyl) erhältlich ist und 11 Songs in knapp 50 Minuten bietet, zu sagen hat: 


Mit flüsternden Vocals und pulsierenden Synths erschaffen beide einen so weltentrückten wie wolkenverhangenen Sound, der mit dem mittlerweile fünften Album "Ready To Live A Lie" auf dem Label von Komponist, Musiker und Produzent Johnny Jewel eine neue Heimat gefunden hat. Italians Do It Better bietet eine schillernde Spielwiese für Disco-Pop-Acts wie Glass Candy, Desire oder Chromatics, steht aber, wie der Name schon andeutet, auch für eeine Reaktivierung des Italo-House.
Die neuen Songs von Sally Shapiro sind noch deutlicher von besagtem Genre inspiriert: Nicht nur Giorgio Moroder steht Pate, sondern auch der 80ies-Vibe der Pet Shop Boys, deren Hit "Rent" covern Sally Shapiro. Die schmerzlich-süßen Harmonien samt melancholischen Lyrics des Songs werden in ein flirrendes wie filigranes Dreampop-Stück über das Thema Selbstlüge verwandelt.


 




13. Juni 2025

Comet Gain - Letters To Ordinary Outsiders


„Eine Kultband ist eine Musikgruppe, die trotz möglicher kommerzieller Unbedeutungen einen großen, treuen Fanclub hat und im kulturellen Gedächtnis lange Zeit präsent bleibt,“ erklärt uns die K.I. und nennt The Doors, The Velvet Underground und Pink Floyd als Beispiele. Deren kommerzielle Unbedeutungen hätten Comet Gain sicherlich gern!

Die Band wurde 1992 von Christian Christian gegründet und von den frühen Creation Records Bands, der Mod-Kultur, Psychedelic Rock und Northern Soul beeinflusst. Ihr Gesamtwerk, das bei unterschiedlichsten Labels, wie Wiiija, Fortuna Pop! oder aktuell Tapete Records heraus kam, ist aufgrund zahlreicher Compilations und digitalen Downloads über Bandcamp eben so unübersichtlich wie das häufig wechselnde Lineup.     

Das offiziell neunte Studioalbum „Letters To Ordinary Outsiders“ wurde von David Christian (Gesang, Gitarre), Ben Phillipson (Gitarre), Rachel Evans (Gesang), Robin Christian (Schlagzeug), Anne Laure Guillain (Keyboards) und Clientele-Bassist James Hornsey aufgenommen und vom Produzenten Produzent Sean Read (Dexys, Edwyn Collins) mit zusätzlichen Gesangs-, Bläser- und Keyboard-Beiträgen angereichert, so dass es klanglich vom gewohnten DIY-Sound abweicht. Für das Album wurden 8 ältere (und bereits zuvor über Bandcamp veröffentlichte) Songs ausgewählt, aufgehübscht und mit 4 neuen Liedern kombiniert. Stilistisch ergibt dies eine bunte Mischung aus schroff-schrammelndem Indiepop, melancholischem Folkrock und eingängigem 80ies Sophisti-Pop. 

Letters To Ordinary Outsiders“ ist als CD und LP (black Vinyl, pink Vinyl) erschienen.


Some moments recall the later records that the first incarnation of the group made in the 90s, but the lyrics and performances are imbued with much more desperation and wisdom. It wouldn't be Comet Gain without those two factors present in heaping doses, and almost every song here -- barring the hilarious Fall-inspired "Threads!" -- sandblasts the soul with wild emotional impulses, tears hearts asunder with bloody melancholy, and serves as a call to arms to the true believers. All the fancy arrangements and instrumental flourishes can't distract from the brilliance of David Christian's lyrics and the way he and Rachel Evans sing like every song is the last one they will ever do. They do add something special though, and the overall approach proves a resounding success. 


 


Their first album in six years, Letters to Ordinary Outsiders, might be the most Comet Gain title ever. It features songs originally released on Bandcamp, now spiffed up alongside a few new ones. The album was conceived as a series of postcards to those “ordinary outsiders,” and this batch of open-hearted janglepop anthems—dressed up perfectly with gang choruses, brass, vintage organs, and references to like-minded fellow cult heroes like Julian Cope and Robyn Hitchcock—doesn’t require membership in a secret club to enjoy.
Adding to the charm are interstitial spoken word missives—almost like reading postcards—between Feck and his bandmates. “Do you know what the fifth Golden Rule of Underground Rock is?” asks producer Sean Read. “Never stop.” Thank goodness Comet Gain have been following this one all along.




12. Juni 2025

Kathryn Joseph - We Were Made Prey.


Erst im Alter von 40 Jahren veröffentlichte die als Kathryn Emma Sawers geborene Musikerin ihr Debütalbum „Bones You Have Thrown Me And Blood I've Spilled“ (2015), das prompt mit dem Scottish Album of the Year Award ausgezeichnet wurde. Danach nach sie Rock Action Records, das Label von Mogwai, unter Vertrag und es folgten mit „From When I Wake The Want Is“ (2018), „For You Who Are The Wronged“ (2022) und nun „We Were Made Prey.“ drei weitere Alben.

Stilistisch bleibt sich die Schottin auf den 11 Songs treu: Es gibt minimalistischen, intimen und dystopisch wirkenden Folk-Noir, den Kathryn Joseph mit brüchiger Stimme zu verzerrten Pianoklängen vorträgt. Neu ist, das dieses Konzept durch elektronische Sounds und Rhythmen erweitert wird („Wolf“, „Harbour.“). „Roadkill“ mit seiner leise-laut-Dynamik könnte gut von ihrem Labelchefs oinspiriert sein, mit denen sie auch auf Tour kommen wird. 
Das Album setzt die Partnerschaft mit dem Produzenten und Musiker Lomond Campbell fort und wurde in den Black Bay Studios auf der Isle of Lewis aufgenommen. Kathryn Joseph selbst spricht von ihrem rohesten, intensivsten und furchtlosesten Werk, das von Hunger, Lust, Wut und zerstörerischer Zärtlichkeit handelt. 

We Were Made Prey.“ ist als CD und LP (red Vinyl) seit dem 30. Mai erhältlich.


Im Mittelpunkt stehen dabei immer noch Josephs ins flüsternd ins Unterbewusstsein bohrende Gesang und ihr aufs Notwendigste beschränkte E-Piano-Spiel. Jedoch wird das auf dieser Scheibe dann ergänzt durch Overdrive- und Feedback-Effekte, Synth-Drones und teilweise sogar Drum- und Bass-Elemente (also im Radiohead’schen Sinne). Es wird dann auch schon mal kämpferisch, bedrohlich und laut. Für Leute, die schwarze Seelen mögen – auch animalische, die sich aber nicht mehr alleine mit nachtschattiger, dystopischer Klangmalerei zufrieden geben möchten und demzufolge auch für konventionelle Songstrukturen zu haben sind, ist das dann genau das Richtige.


 


 





11. Juni 2025

Patrick Wolf - Crying The Neck


Um Patrick Wolf durfte man sich zwischenzeitlich durchaus Sorgen machen: Burnout, Alkohol, Ärger mit dem Management, Sorgen um Finanzen, ein Verkehrsunfall, die langjährige Erkrankung der Mutter, die zu ihrem Tod führte, höchst seltene Konzerte und wenig neue Musik in den letzten Jahren.

Tatsächlich stammt sein letztes reguläres Studioalbum, „Lupercalia“ aus dem Jahr 2011. Im gleichen Jahr gab es noch zwei EPs („Lemuralia“ und „Brumalia“) und kurz danach eine Art Werkschau mit Neuaufnahmen älterer Titel („Sundark and Riverlight“), doch dann war für mehr als ein Jahrzehnt Schluss mit neuen Liedern. Erst 2023 überraschte Wolf mit der 5 Lieder starken „The Night Safari“ EP, der nun tatsächlich ein komplettes Album folgt.

Doch damit nicht genug: „Crying The Neck“ ist stark von der lokalen Folklore von Wolfs Heimat in Ost-Kent inspiriert und entleiht seinen Titel einer Tradition des Erntefestes, bei der ein Landarbeiter die letzte Handvoll geschnittenen Mais in die Höhe hält und eine Reihe von Rufen gesungen wird. Auch das Plattencover nimmt darauf Bezug. Dem heidnischen „Wheel of the Year“ folgend hat Patrick Wolf nicht weniger als vier neue Alben angekündigt!

Der möglicherweise existierende Musik-Rückstau wurde dadurch vergrößerst, dass die Veröffentlichung von „Crying The Neck“ von April auf Mitte Juni verschoben wurde, wodurch seine Deutschlandtournee, die wir vor einigen Wochen besuchten, noch vor dem Releasedatum stattfand. „Crying The Neck“ wird als CD, Kassette und Doppel-LP (Harvest Ochre Vinyl / Umber Soil  Vinyl bzw. Sun of the Harvest Vinyl / Sun of the Soil Vinyl) veröffentlicht. 

Das Album bietet 13 Songs, die von eingängigem Folkpop („Limbo“, das mit Zola Jesus vorgetragen wird) über elektronische Folktronica („Jupiter“, „Oozelum“, „Dies Irae“) bis zu dramatischen Piano-und-Streicher-Balladen („The Last Of England“, „Lughnasa“ mit der Harfinistin Serafina Steer) reichen. Gut, dass er wieder da ist!


 





10. Juni 2025

Matt Berninger - Get Sunk


Dass The National Stammgäste in unseren Bestenlisten* sind, ist klar, aber auch solo konnte deren Sänger vor 5 Jahren überzeugen und mit „Serpentine Prison“ 7,800 Punkten einsammeln und damit am Ende des Jahres auf Platz 19 bei Platten vor Gericht landen.

Matt Berningers zweites Soloalbum schrieb er größtenteils zusammen mit seinem Produzenten Sean O’Brien, der auch schon in die Entstehung von „Serpentine Prison“ sowie der National-Alben „Sleep Well Beast“ und „I Am Easy to Find“ involviert war. Die Aufnahmen folgten einer längeren Schreibblockade nach  Berningers Soloalbum und einem Umzug von Los Angeles nach Connecticut, wo er neue Inspiration zum Schreiben von Texten und der Gestaltung von Kunstwerken in seiner Scheune fand. Die Aufnahmen der 10 Songs fanden in einem Kellerstudio in Silver Lake statt, in das auch zahlreiche Gastmusiker*innen, wie beispielsweise Meg Duffy (Hand Habits), ihren Weg fanden. Mit wenigen Ausnahmen, zum Beispiel „Bonnet Of Pins“, fehlt auf „Get Sunk“ die Wucht vieler The National-Songs und aufgrund der zahlreichen weiblichen Backing Vocals lässt das häufig wehmütig klingende Album am ehesten an deren „I Am Easy to Find“ denken. 

Das Album ist in folgendenen Schallplatten-Varianten erschienen: Blue Sky Opaque Vinyl, Cobalt Translucent Vinyl, Ruby Red Vinyl, Ultra Clear Vinyl, Black Vinyl, Transparent with Blue & White Splatter Vinyl, Opaque with White & Blue Marble Vinyl).

Get Sunk“ steht bei Metacritic mit 78/100 Punkten einen Hauch besser da als sein Vorgänger und auch in den deutschen Charts gab es mit #13 im Vergleich zu „Serpentine Prison“ (#19) einen kleinen Fortschritt - ob dieser auch am Ende des Jahres bei Platten vor Gericht erfolgt?


*
„Boxer“ (2007) #4
„High Violet“ (2010) #2
„Trouble Will Find Me“ (2013) #28
„Sleep Well Beast“ (2017) #23
„I Am Easy to Find“ (2019) #65
„First Two Pages of Frankenstein“ (2023) #4
„Laugh Track“ (2023) #11


 


Zum Beispiel die walzernde Folk-Miniatur „Breaking Into Acting“ über einen Hochstapler, der all seine Gefühle nur schauspielert. Oder „Nowhere Special“, in dem Berninger einen Wortschwall rezitiert wie ein resignierter Hörbuchsprecher. Es geht um unerfüllte Träume, um Drogen, Goldfische und das Weinen auf Autorücksitzen. Berningers Stärke ist das Szenische: Er macht Musik, die aufgrund ihrer Atmosphäre flirrt und weniger durch ausgefeilte Arrangements oder Melodien besticht.
Dabei gibt es hier durchaus Melodisches. Das Klavier in „Frozen Oranges“ etwa, das so erfrischend tröpfelt wie ein Regenschauer im Sommer. Oder die melancholische Americana von „Little By Little“, wo Maracas rauschen, die akustische Gitarre schrubbt und eine staubige Orgel röhrt. Und je tiefer man taucht, desto mehr Anrührendes offenbart sich. Dort unten wird man dann vom behäbigen Shufe „Silver Jeep“ empfangen – und von Matt Berningers allumarmendem Gesang. Fast so, als wollte er einen vor dem Ertrinken bewahren.


 


Stattdessen lässt er sich mit einer Gästeliste, die von Hand Habits über Kyle Resnick bis Booker T. Jones reicht, durch ein musikalisches Sumpfgebiet treiben, das den Furor seiner Hauptband etwas eintrübt, stilistisch jetzt aber nicht die großen Abenteuer auslotet. Bisweilen flackern kleine Kerzen, etwa die bezaubernden Background-Vocals von Julia Laws in „Bonnets Of Pins“ oder das eigenartige Flirren im Beinahe-Walzer „Breaking Into Acting“. Vieles ist aber verschwommen, unscharf, beinahe unbenennbar, aber nicht reizlos. Denn wohnt man lange genug in diesen Liedern, begreift man sie anders, vielleicht als: Skizzenbuch.




9. Juni 2025

Sugar For The Pill - LUV


Griechischer Shoegaze und erfolgreich noch dazu! Mit ihrem Debütalbum konnten Sugar For The Pill vor drei Jahren die Top 50 bei Platten vor Gericht knacken: „Wanderlust“ erreichte Platz 48, obwohl ein Plattenrichter sein Wertungskärtchen aus Versehen falsch herum hielt und so nur 6 statt der verdienten 9 Punkte in die Wertung kamen. 

Nun folgt der zweite Streich von Vana Rose (Gesang), Spyros Mitrokostas (Gitarre), Elias Kostakopoulos (Gitarre), Stefanos Manousis (Bass und Keyboards) und Kostas Athanasopoulos (Schlagzeug), der erneut über das griechische Label Make Me Happy Records bzw. über das US-amerikanische Shelflife Records als LP (ultra clear Vinyl, hot pink Vinyl) veröffentlicht wird. 

Die 10 Songs klingen erneut nach britischen Bands der 90er Jahre: „Anelia“ beantwortet die Frage, wie die Cocteau Twins im Madchester-Rausch geklungen hätte, „Cherry Blossom“ ist ein adorable Slowdive-Song, der an zwei Bands von Creation Records erinnert, der Titelsong zielt mit zappeligen Rhythmen Richtung Tanzfläche, „Pills“ setzt hinter dem Label Dreampop einen Haken, „Gold“ glänzt und lässt an Ride denken, „Bowery Electric“ ist neben dem erwähnten „Cherry Blossom“ der zweite Hit des Albums. 


 


 




6. Juni 2025

Amy Millan - I Went To Find You


Das dritte Soloalbum von Amy Millan ist einem Zufall geschuldet und war vermutlich gar nicht so geplant, denn die Veröffentlichungen von „Honey From The Tombs“ (2006) und „Masters Of The Burial“ (2009) liegen bereits einige Jahre zurück. Ihr Auftritt beim Dream Serenade, einem jährlichen Benefizkonzert in der Massey Hall in Toronto, bot der Sängerin der Stars 2023 die Möglichkeit mit dem Komponisten Jay McCarrol zu singen. Und irgendwie muss sie dieses Erlebnis in die Vergangenheit zurückversetzt haben, denn sie fühlte sich an das abendliche Singen mit ihrem Vater erinnert, der kurz vor ihrem fünften Geburtstag bei einem Autounfall ums Leben kam. Da war für Amy Millan schnell klar, dass sie gemeinsam mit Jay McCarrol ein Album aufnehmen wollte.

Fünfzehn Jahre nach ihrem letzten Soloalbum und zwei Jahre nach diesem Zusammentreffen können wir nun das gemeinsam von Millan und McCarrol komponierte und produzierte „I Went To Find You“ hören, das Amys Vater gewidmet ist. Die neun Stücke sind nostalgisch, verträumt und größtenteils getragen gehalten, die üppigen Arrangements des Komponisten Jay McCarrol stechen mit häufigem Streicher-Einsatz hervor, ohne dramatisch zu wirken. Besonders auffallend sind in dieser Hinsicht „Borderline“ und „Wire Walks“. Eingängige Melodien und einprägsame Songs, wie man es von den Stars gewohnt ist, lassen sich eher selten finden („Kiss That Summer“). 

„I Went To Find You“ ist, wie auch die letzten beiden Alben der Stars, über Last Gang Records erschienen, und zwar als CD und LP (pink Vinyl). Zudem ist es ein kurzes Vergnügen, denn erst das abschließende instrumentale „Lost River Diamonds“ schiebt die Laufzeit über eine halbe Stunde.


Throughout I Went to Find You, Millan avoids big gestures. These songs aren’t about transformation or closure—they’re about staying with the feeling, even when it’s unresolved. The melodies are subtle, the lyrics unforced, and the arrangements are designed to serve the voice rather than embellish it. Rather than chasing grand statements, Millan focuses on what’s right in front of her: memory, distance, and the strange weight of time. The result is a quiet, focused record that earns its depth through patience.


 


 


This isn’t music for immediate gratification. These songs reveal themselves gradually, rewards becoming apparent only through repeated listening. Millan and McCarrol have created something that demands to be experienced as a complete work. The seamless transitions between tracks, the way themes echo and develop across songs, and the careful arc from “Untethered” to “Lost River Diamonds “all suggest artists who still believe in the album as an art form.
“I Went To Find You” succeeds because it trusts its instincts. Millan doesn’t try to compete with contemporary trends or recapture past glories. Instead, she and McCarrol have created a record that occupies its own unique time and space, encouraging listeners to slow down and focus. In a musical landscape often dominated by algorithmic thinking and viral moments, this kind of patient, considered work feels almost radical.