31. August 2025

CMAT - Euro-Country


Ein heißer Anwärter auf das Album des Jahres! Also nicht hier bei Platten vor Gericht, sondern bei Plattencover vor Gericht, wo die misslungenste Plattenhülle des Jahres gekürt wird. 




Dieser Wahrheit muss sich die Künstlerin Ciara Mary-Alice Thompson stellen und strafverschärfend kommt noch hinzu, dass sich „Euro-Country“ auch noch bei „La Vérité sortant du puits armée de son martinet pour châtier l'humanité“ bedient, einem allegorisches Gemälde des französischen Künstlers Jean-Léon Gérôme aus dem Jahr 1896.


  


„Euro-Country“ ist das dritte Album von CMAT, so ihr abgekürzte Künstlername, und wird sicherlich in ihrer irischen Heimat erneut auf Platz 1 der Charts gehen. Ein Indiz dafür ist, dass ihr mit „Take A Sexy Picture Of Me“ (#22) ihre erste Top 30 Single in Irland gelang und der Titelsong des Albums danach sogar die Top Ten (#9) erreichte. Weitere Hinweise sind, dass CMAt selbst das Album als „best thing she has ever made“ bezeichnet und die Plattenkritiker ihr dabei zustimmen: Die 12 Song starke Mixtur aus Indiepop und Country steht aktuell bei Metacritic bei 88/100 Punkten und damit noch höher als die ebenfalls schon hoch bewerteten Vorgänger „If My Wife New I'd Be Dead“ (2022; 85/100) und „Crazymad, for Me“ (2023; 84/100).

„Euro-Country“ ist als CD, Kassette und Doppel-LP (black Vinyl, gold Vinyl, Butterfly effect 3-colour Vinyl (transparent green and red, with bright yellow splatter), Cornetto effect with blue and white Vinyl und blue liquid LP with transparent blue second Vinyl) erhältlich.


 


Zusammen mit ihrem Partner, dem Produzenten Oli Deakin, entstand dieses Werk in einer Zeit persönlicher Turbulenzen – und zwar anstelle einer angedachten Auszeit zur Re-Evaluierung, die aufgrund einiger Schicksalsschläge und persönlicher Verluste indes nicht zustande kam. Das verleiht den Songs dann jene Dringlichkeit, die CMAT insbesondere auch auf der Bühne mit Verve und Inbrunst auslebt. Tatsächlich gelingt es CMAT und Deakin aber bei dieser Produktion, diese Art von systemimmanenter Energie auch im Studio einzufangen. Das auch deshalb, weil sich CMAT songwriterisch keinem musikalischen Sophismus hingibt, sondern konsequent und ohne Umschweife die Extreme umarmt. Das reicht dann vom wirklich hemmungslosen, persönlich gefärbten Glam- bzw. Chamber-Pop-Songs wie z.B. dem Titeltrack, „Take A Sexy Picture Of Me“ oder „Running / Planning“ über die bereits erwähnten „Euro-Country“-Tracks bis hin zu fast schon abstrakten Konzept-Stücken mit eigenartigen Referenzen wie „Billy Byrne From Ballybrack, The Leader Of The Pigeon Convoy“, „The Jamie Oliver Petrol Station“ oder dem abschließenden „Janis Joplining“.




30. August 2025

Royel Otis - Hickey


10 Fakten zum neuen Album von Royel Otis:

1. Das 2019 von Royel Maddell und Otis Pavlovic gegründete Duo Royel Otis brauchte etwas Anlauf für sein Debütalbum „Pratts & Pain“ (2024), dem aber 1 Jahr, 6 Monate und 6 Tage später bereits „Hickey“ nachfolgt.

2. Das Debüt bot 12 Songs in schlanken 37:30 Minuten, auf ähnlichen Pfaden wandelt „Hickey“ mit 13 Liedern in 38:25 Minuten. Ob auch hier ein halbes Jahr nach der ursprünglichen Veröffentlichung eine Deluxe Version folgen wird, die „Pratts & Pain“ auf 17 Songs in 53 Minuten anwachsen ließ?


 


3. Nach den Achtungserfolgen des Debütalbums, das über das australische Indielabel Ourness vertrieben wurde und in der Heimat des Duos bis auf Platz 10 der Albumcharts klettern konnte, erscheint „Hickey“ nun international über Capitol Records.  

4. „Hickey“ ist seit dem 22. August als CD, Kassette und LP (charcoal Vinyl) erhältlich. Außerdem gibt es die LP in limitierter Auflage auf Neon Pink Vinyl (metallic silver and pink exclusive gatefold sleeve, exclusive 20 page zine and exclusive poster). 
Wem das Plattencover nicht gefällt, der kann die Schallplatte auch mit alternativem Artwork auf Cotton Candy Pink Vinyl, Brick Vinyl oder Soda Pop Bottle Vinyl käuflich erwerben.

5. Nicht vergessen sollten wir die auf 1000 Exemplare limitierte Auflage von Blood Records auf hot pink and silver quad-effect Vinyl.




6. Als Produzent wurde das Debütalbum von Dan Carey (Foals, Fontaines D.C., Hot Chip, Franz Ferdinand) betreut. Diesmal wurde die Hauptverantwortung zwischen den Chart erprobten Blake Slatkin und Omer Fedi (Justin Bieber, Sam Smith, Lizzo) aufgeteilt. Aber auch Julian Bunetta (One Direction, Sabrina Carpenter) und J Lloyd (Jungle, Sault Diplo) hatten ihre Finger im Spiel. Mark „Spike“ Stent (Madonna, Depeche Mode, U2, Björk, Coldplay) übernahm das Mixing der meisten Songs. 


 


7. Bisher waren Royel Otis nur über Coverversionen (Murder On The Dance Floor von Sophie Ellis-Bextor und „Linger“ von The Cranberries) zu Chart-Ehren gekommen. Die Singles „Moody“, „Car“ und „Say Something“ konnten aber kleinere Erfolge, beispielsweise in Kanada, Japan, Neuseeland oder Island, erzielen.


 


8. „Moody“ wurde zusammen mit der Musikerin und Songwriterin Amy Allen, die auf dem Song auch zu hören ist, komponiert. Diese arbeitete u.a. für Sabrina Carpeneter, Harry Styles, Justin Bieber, Selena Gomez oder Tate McRae. Die Single gibt es in limitierter Auflage auf Opaque Silver 7" Vinyl.


 


9. Bei Metacritic liegt „Hickey“ zurzeit bei einem überschaubaren Metascore von 68/100 Punkten. Zitieren wir einmal die bisher beste Plattenkritik:

There is no mistaking that ‘Hickey’ is Royel Otis at their most self-assured. Their time playing live over the past two years has allowed them to find the recipe for building back-to-back summer anthems, guaranteed to bring a feel-good vibe to any occasion. And while there is an admirable quality to focusing solely on their biggest strengths and bringing their laid-back Aussie charm to the forefront, we can’t help but question if slightly more hunger to push the boundaries would add a greater sense of depth to an otherwise satisfying album.
(NME)

10. Drei Konzerte wird es dieses Jahr noch von Royel Otis in Deutschland geben. Das sind die Termine und Orte:
17.11.25 München, Zenith
18.11.25 Berlin, Columbiahalle
08.12.25 Köln, Palladium


29. August 2025

Prolapse - I Wonder When They’re Going To Destroy Your Face


Für das im April diesen Jahres statt gefundene Cologne Popfest ging dessen Machern eine fast schon vergessene und stilistisch nicht ganz ins Beuteschema passende Band aus den 90er Jahren ins Indiepop-Netz: Prolapse.

Die Band wurden 1991 in Leicester gegründeten und veröffentlichten im letzten Jahrhundert und bis zur ihrer Trennung insgesamt vier Alben auf unterschiedlichen Labels. Nach rund 15 Jahren Auszeit fanden Prolapse vor rund 10 Jahren wieder für einige Konzerte zusammen und veröffentlichten in Eigenregie drei EPs mit unveröffentlichten älteren Aufnahmen sowie John Peel Sessions.

In die Setliste beim Konzert in Köln hatten sich mit „On The Quarter Days“ und „The Fall Of Cashline“ auch zwei neue Songs eingeschlichen, ohne dass auf ein neues Album hingewiesen worden wäre. Nun ist „I Wonder When They’re Going To Destroy Your Face“ aber da, denn nicht nur beim Cologne Popfestes hat man sich an Prolapse erinnert, sondern auch beim Hamburger Label Tapete Records.

Der oftmals repetitive und ruppige Post-Punk und Indierock der Band wird auf Bühne und Platte vor allem durch den Gegensatz zwischen dem riesigen, exaltierten, rauen und mit starkem schottischen Dialekt ausgestattete Sprech- und Schreisänger Mick Derrick und der neben ihm extrem zierlich wirkenden, Linda Steelyard mit ihrer süßlichen Stimme, die hauptsächlich für die melodiösen Elemente im Sound von Prolapse zuständig ist, geprägt. Das leise, sphärisch-unheimliche „Ghost In The Chair“ stellt eine Art Gespräch zwischen den beiden dar und fällt - nicht nur aufgrund seiner Länge von über 7 Minuten - deutlich aus dem geschilderten Rahmen. Den größtmöglichen Gegensatz dazu stellt das in unter 3 Minuten ausgespuckte „Jackdraw“ dar, ein lärmender, aggressiver Angriff aufs Trommelfell.
 
I Wonder When They’re Going To Destroy Your Face“ ist als CD und LP (black Vinyl) erhältlich, zudem gibt es eine auf 500 Exemplare limitierte Dinked Edition auf red Vinyl mit zusätzlicher red Vinyl 7’’ Single, die zwei Outtakes („Swearing For Decoration“ und „Ectoplasm Untied (A Faust Remix)“) bietet.


So, the challenge I guess for record number five, was whether they could keep their intensity, are they still crazy after all these years?

Well, any doubts about that are declared null and void within seconds of the opener ‘The Fall Of Cashline’, which roars into life as Derrick rails against the world, and there’s a glowing familiarity about it, the passing of time has not seen them mellow, if anything there’s an extra steeliness about them, the shuddering riff building to a crescendo which heralds their return perfectly. There was nothing to worry about. (…)

God, it’s so good to have this unique entity back. No-one does it quite like Prolapse do it.


 


 




28. August 2025

Highspire - Crushed


Beim heutigen Dreampop/Shoegaze-Donnerstag kann man den Dreampop etwas vernachlässigen, denn „Crushed“ ist Shoegaze, wie ich ihn mir wünsche. 

Highspire klingen nach My Bloody Valentine („Ghosts Forever“), Slowdive („Blackened Skies“) und Ride („Nautilus“), bieten eine Portion Noise („Gloria“) und verstecken hinter all dem Hall und Gitarrenlärm den ein oder anderen kleinen Hit („Crushed“, „Only Malice Haunts You“).

Alex White (Gesang, Gitarre) und EJ Hagen (Gitarre, Bass, Keyboards) gründeten die Band schon vor über zwei Jahrzehnten und mit „Your Everything“ (2003) und „Aquatic“ (2010) wurden auch bereits zwei Alben veröffentlicht. Für „Crushed“, das über Shelflife Records als CD und LP (Orange Crushed Vinyl, Oilslick Nautilus Vinyl) veröffentlicht wurde, haben sich Highspire etwas Zeit gelassen und es zusammen mit Laura Watling (Gesang), Guyton Sanders, Kory Gable (beide Schlagzeug) und John Loring (Gitarre, Bass, Gesang, Produktion) von den Band Fleeting Joys aufgenommen.


  


 


Fehlt nur noch die fachliche Einschätzung von Frau Dr. shg. drp. Kerstin Kratochwill:

Vielleicht korrespondiert die Zeitlosigkeit der Musik ja mit dem eigenwilligen Zeitgefühl der Veröffentlichungen, jedenfalls sorgt "Crushed" für einen weiteren frischen Wind in dem Genre ohne den energiegeladenen Signature-Sound von Highspire zu verlieren, den man vielleicht als Dream-Rock bezeichnen könnte.
Der Track "Gloria" ist beispielsweise ein solch getriebenes Noise-Feuerwerk mit verhallenden Vocals in einem aus Hall und Effekten gewobenen Teppich. Dazu kommen wunderbare verträumte Flächen und sphärische Melodien, aber auch psychedelische hymnische Ausbrüche wie in "Only Malice Haunts You" oder heavy Gaze wie im scheppernden "Ghosts Forever" – gespenstig gute Geister eines untoten Genres.


 




27. August 2025

Tops - Bury The Key


Top oder Flop? In dieser Plattenhülle - die eher auf eine Heavy-Band hindeutet, oder? - stecken sanfter, sommerlicher Sophisti-Pop und säuselnder, seichter Softrock für deine Playliste mit frühen Cardigans, Tennis, Fleetwood Mac und Metronomy. Lediglich das rockende „Falling On My Sword“ versucht dem Cover gerecht zu werden.

Er stammt von der kanadischen Band Tops, die ihren Bandnamen auch gern in Großbuchstaben schreibt und 2011 gegründet wurde. Die aktuelle Besetzung besteht aus Jane Penny (Gesang, Flöte), David Carriere (Gitarre), Marta Cikojevic (Keyboards) und Riley Fleck (Schlagzeug) und hat kürzlich nach rund fünf Jahren Stille über ihr neues Label Ghostly International ihr fünftes Studioalbum „Bury The Key“ (CD, Kassette, LP (Muck colored Vinyl)) veröffentlicht.


  


   


Mit einer Stimme wie der von Jane Penny blieben sowieso nur Dream-Pop oder ASMR übrig, wollte man nicht den samtweichen, an Prefab Sprout und Co. geschulten Pastell-Pop machen, den Tops schon seit einer Weile äußerst versiert praktizieren. "Bury the key" entstand in einem Studio, das laut Aussage der Band den Vibe eines Finanzamts aus den 70ern versprüht, doch scheint dem Album die Sonne so sehr aus jeder Pore, dass es auch mitten auf einer kalifornischen Strandpromenade eingespielt worden sein könnte.


 




26. August 2025

Coach Party - Caramel


Wem das gestern vorgestellte neue Album von Wolf Alice nicht rockig genug ist, dem sei „Caramel“ von Coach Party ausdrücklich ans Herz gelegt.

Das 2019 gegründete Quartett stammt, wie auch Wet Leg, von der Isle of Wight und besteht aus der Sängerin und Bassistin Jess Eastwood, den Gitarristen Joe Perry und Steph Norris sowie dem Schlagzeuger Guy Page, der wie beim Debütalbum hier auch als Produzent fungiert. „Killjoy“ war, nach drei EPs, 2023 über das Indielabel Chess Club Records erschienen, schaffte es bis auf Platz 71 der UK Charts und war nach knapp 28 Minuten bereits durchgerockt.

„Caramel“ liefert nun ebenfalls 10 Lieder, erhöht aber die Laufzeit auf - zur LP irgendwie gut passende - 33 Minuten. Apropos, bei der Schallplatte hat man einige Auswahl: transparent yellow Vinyl, gold, brown & yellow splatter on clear Vinyl (mit alternativem Cover), caramel creme egg swirl Vinyl und Ecomix colour Vinyl -  das alles jedoch erst in einem Monat, also ab dem 26. September 2025.

Textlich bleibt das Quartett auf persönlicher Ebene und thematisiert Herzschmerz, Identität und das Finden der eigenen Stimme, musikalisch bietet es energetischen, wilden, melodiereichen, mitreißenden Indierock, für den, neben Wolf Alice,  Referenzen wie Hole, Sprints, Amyl And The Sniffers oder Turnstile herangezogen werden.
 
Auf eine Tournee von Coach Party muss man in Deutschland noch etwas länger warten als auf das Album:
28.02.26 Köln, MTC
02.03.26 München, Milla
03.03.36 Berlin, Lark


 


 





25. August 2025

Wolf Alice - The Clearing


10 Fakten zum neuen Album von Wolf Alice:

1. Jetzt sind Wolf Alice offiziell keine Indie Band mehr: Nachdem ihre ersten drei Alben, „My Love Is Cool“ (2015), „Visisons Of A Life“ (2017) und „Blue Weekend“ (2021), beim Londoner Label Dirty Hit Limited erschienen waren, wurde 2024 bekannt, dass sie zu Columbia Records, das Sony Music gehört, wechselten.   

2. An den Jahreszahlen lässt sich schon erahnen, dass die Abstände zwischen den Veröffentlichungen von Wolf Alice immer größer werden. Lagen zwischen My Love Is Cool“ und „Visisons Of A Life“ noch 2 Jahre, 3 Monate und 7 Tage, vergingen bis zum Release von „Visisons Of A Life“ 3 Jahre, 8 Monate und 6 Tage. Das Warten auf „The Clearing“ dauerte nun 4 Jahre, 2 Monate und 18 Tage. Eigentlich wäre es noch eine Woche mehr gewesen, aber die Veröffentlichung ihres vierten Album wurde um eine Woche, auf den 22. August 2025, vorgezogen.


 


3. Die Label Alternative Rock und Shoegaze sind dem Quartett in den über vier Jahren irgendwie verloren gegangen, statt dessen haben sie zu Folk und Indiepop gefunden (manche sagen auch Softrock). Von Seiten der Band wird von „a classic pop/rock album“ gesprochen und die Umschreibung „something close to if Fleetwood Mac wrote an album today in North London“ genutzt.

4. Unsere Londoner Band ging jedoch nach Los Angeles, um dort erstmals mit dem Produzenten Greg Kurstin (Kylie Minogue, Sia, Beyoncé, Harry Styles, Halsey, Paul McCartney, Liam Gallagher, Foo Fighters) aufzunehmen.

5. „The Clearing“ bietet nun 11 Songs in 40:48 Minuten, so dass zumindest der Vorgänger (40:08) knapp übertroffen wurde und das kürzeste Album von Wolf Alice bleibt. Es ist davon auszugehen, dass „The Clearing“ das zweite Nummer Eins-Album nach „Blue Weekend“ im Vereinigten Königreich sein wird, nachdem die ersten beiden Alben jeweils bis auf Platz 2 kletterten. Überraschend ist, dass Wolf Alice bisher mit keiner ihrer Alben oder Singles den Einzug in die deutschen charts schafften. 


 


6. Als erste Single wurde „Bloom Baby Bloom“ ausgekoppelt und - nach Chart-Positionen- zum bisher größten Hit der Band: Mit Platz 65 wurden alle anderen chartenden Singles von Wolf Alice - „Smile“ (#88), „How Can I Make It OK?“ (#93), „Don’t Delete The Kisses“ (#100) und „Bros“ (#157) - übertroffen. Anschließend wurden noch „The Sofa“ und „White Horses“ vorab veröffentlicht.



7. „The Clearing“ ist als CD (auch mit einem 24-seitigen Fanzine erhältlich) und Kassette erschienen. Freunde des Tonbandes können zwischen vier unterschiedlichen Farben und Covern wählen:




8. Auch Freunde der Schallplatte haben die Qual der Wahl: black Vinyl, Picture Disc, Coke Bottle Vinyl (mit alternativem Artwork), bone, Vinyl. Meine Wahl fiel auf diese sensationelle Pressung von Bad World (‘Bloom’ pressed flower filled LP):




9. Und wie schneiden die Alben von Wolf Alice im direkten Vergleich bei den Plattenkritikern ab? So: „My Love Is Cool“ (Metascore 78/100), „Visisons Of A Life“ (81/100), „Blue Weekend“ (91/100) und „The Clearing (80/100).

And therein lies the real beauty of ‘The Clearing’: after over a decade growing together as a band, this fourth album sees Wolf Alice fully embrace all facets of themselves, and through this newfound acceptance and confidence, they’ve produced their boldest, most striking record yet. One for the history books.
(DIY)

‘The Clearing’ is the kind of album that could only be written after the dust has settled on your twenties and the post-30 clarity sets in. It is, as ‘Bread Butter Tea Sugar’ and ‘The Sofa’ affirm, a record that doesn’t gloss over flaws, but accepts them and revels in them (“Don’t want a dish without salt / Bread without butter / If it’s bad for me, good, I feel bad suits me better,” Rowsell sings on the former). Just as we all (hopefully) get older and wiser with every year, Wolf Alice are the kind of band that keep on getting better with every record, and here, they raise the bar on themselves once again.
(NME)

10. Wolf Alice werden im November für insgesamt vier Konzerte in Deutschland gastieren. Das sind die Termine:
07.11.25 Hamburg, Georg Elser Halle
17.11.25 Köln, Palladium
19.11.25 Berlin, Columbiahalle
20.11.25 München, Tonhalle



24. August 2025

10 Schallplatten, die uns gut durch den September bringen


10. Gruff Rhys - Dim Probs (Orange Vinyl) 12.9.2025






9. Die drei ??? - Die drei ??? (Folge 235) und das Fantasmofon (2 LPs) 12.9.2025






8. Bloc Party - Silent Alarm (20th Anniversary) (Limited Boxset) (White Vinyl) (4 LPs) 26.9.2025






7. Saint Etienne - International (Orange Color Vinyl) 5.9.2025






6. Múm - History of Silence (Clear Vinyl) 19.9.2025






5. Marillion - Misplaced Childhood (40th Anniversary) (2017 Remaster) (Picture Disc) 12.9.2025






4. Sigur Rós - Takk (20th Anniversary Edition) (3 LPs) 26.9.2025






3. The Divine Comedy - Rainy Sunday Afternoon (Limited Edition) (Dark Green Vinyl) 19.9.2025






2. Jens Lekman - Songs for Other People's Weddings (Opaque Yellow Vinyl) (2 LPs) 12.9.2025






1. Suede - Antidepressants (White Vinyl) 5.9.2025







23. August 2025

Teethe - Magic Of The Sale


Vom dieswöchigen Dreampop/Shoegaze-Donnerstag mussten Teethe doch noch weichen, denn ein noch nicht fest installierter Slowcore-Samstag passt einfach viel besser zu diesem Quartett. 

Zwar streicheln Teethe mit ihrem 14 Song starken „Magic Of The Sale“ sanft am Dreampop oder kratzen kräftig am Shoegaze, größtenteils driften sie aber recht träge dahin und lassen Dank der Pedal Steel Guitar eher an Mojave 3 als an Slowdive denken. Low und Bright Eyes wären zwei weitere Bands, die einem beim Hören des Albums in den Sinn kommen könnten. Meine persönlichen Highlights sind mit „Holy Water“ und „Iron Wine“ die beiden noisigsten, aufbrausendsten Lieder.
  
Magic Of The Sale“ wurde wie sein Vorgänger „Teethe“ (2020) über das Label Winspear veröffentlicht, und zwar als Purple Smoke with Green Splatter Vinyl, Blue-Black Merge Vinyl und Purple Dusk Vinyl. 

Die Band aus Texas besteht aus Boone Patrello, Grahm Robinson, Madeline Dowd und Jordan Garrett, und hat sich für Cello, Flöte, Klarinette, Piano oder Pedal Steel Guitar einige Gastmusiker ins Studio einluden. 
 

MAGIC OF THE SALE zeigt vielmehr, dass viele ihrer Songs anschlussfähig für Americana und Indie-Rock sind. „Holy Water“ scheppert sogar richtig, hier klingt der Noise-Rock alles andere als kraftlos. „Anywhere“ hingegen weist eine müde und fragile Note auf.
Andere Stücke sind wiederum gelöster, manche erinnern an Bright Eyes, zumindest was die Instrumentierung angeht. Während Conor Oberst (auf dessen Label die Band 2023 schon eine Single veröffentlichte) früher lauthals jammerte, gehört zu den Markenzeichen von Teethe eher ein dezidiert leiser und demonstrativ zurückhaltender Gesang: Madeline Dowd und die drei Männer flüstern mehr, als dass sie singen. Ihre neuen Lieder deklinieren Schmerz, widmen sich aber auch dessen Linderung.


 


 


 


 





22. August 2025

James Yorkston And Friends - Songs For Nina And Johanna


Der Blick auf das Albumcover und den -titel sowie zurück in die Vergangenheit lässt vermuten, dass das aktuelle Werk von James Yorkston eine Weiterführung seines vor zwei Jahren veröffentlichten „The Great White Sea Eagle“ ist. 

Und tatsächlich sind die Mitglieder des Second Hand Orchestra erneut involviert und bei der Nina auf dem Foto und im Albumtitel handelt es sich selbstverständlich um die Sängerin der Cardigans. Fünf der zehn Songs singt Nina Persson und in den schönsten Momenten („I Can Change“, „A Moment Longer“) darf man sich an „Long Gone Before Daylight“ (2003), das beste Album von The Cardigans, erinnert fühlen. 


 


Bei der zweiten jungen Dame handelt es sich um Johanna Söderberg, eine Hälfte der schwedischen Band First Aid Kit, die bei vier Liedern hinter dem Mikrofon steht und von Hause aus Folk, Americana und Country noch ein wenig näher steht als Frau Persson, was man beispielsweise „Love / Luck“ oder „Oh Liight, Oh Light“ auch deutlich anhört. 


 


James Yorkston begleitet seine beiden Gastsängerinnen stimmlich mal mehr, mal weniger akzentuiert und ist nur auf „Where’s The Time?“ allein zu hören. Mit „Songs For Nina And Johanna“, das über Domino Records als CD und LP (black Vinyl, red Vinyl) veröffentlicht wird, macht der Schotte das Dutzend an regulären Studioalben voll. 


 


Aber "Songs for Nina and Johanna" ist darüber hinaus auch das dritte Album in Folge, das Yorkston in Stockholm zusammen mit den Musiker*innen vom The Second Hand Orchestra aufgenommen hat. Das Ergebnis ist wieder fein arrangierter Kammer-Folk, abwechslungsreich instrumentiert, dabei aber nie überfrachtet. Anders als noch auf "The great white sea eagle" haben sich Yorkston und Co. dieses Mal zwar mehr Zeit gelassen und sind die Sache mit etwas mehr Struktur angegangen. Dem Ergebnis haftet aber dennoch der Eindruck des Flüchtigen und eine beiläufige Leichtigkeit an.
So greift auch "Love / Luck" nach dem flüchtigen Glück, versucht den besonderen Moment zu fassen, was natürlich vergeblich ist, aber auch nicht weiter schlimm, wenn dabei solche Melodien entstehen. Und schließlich will "Songs for Nina and Johanna" ja auch nicht mehr sein als eine Sammlung gelungener Momentaufnahmen, beiläufiger Schnappschüsse. Ohne großen Masterplan oder ausgeklügeltes Konzept dahinter, aber mit weiteren Höhepunkten wie der Ballade "Rabbit" oder "I spooked the neighbours", das kurz vor Sperrstunde nochmal über die Stränge schlagen darf. 


21. August 2025

No Joy - Bugland


Dann muss wohl heute der dritte Dreampop/Shoegaze-Donnerstag sein, denn vorgeladen sind die kanadischen No Joy. 

Zwar ist „Bugland“ das fünfte Album von No Joy, aber nach „Ghost Blonde“ (2010), „Wait To Pleasure“ (2013) und „More Faithful“ (2015) hat es einen Cut gegeben und von der Band ist lediglich Jasamine White-Gluz übrig geblieben. „Motherhood“ war vor fünf Jahren ihr erstes Soloalbum unter dem alten Bandnamen, das unter Mithilfe vieler, auch prominenter Mitstreiter entstand, ein Tier aufs Plattencover holte und das Dreampop/Shoegaze-Feld um Ausflüge in weitere Stilrichtungen erweiterte. Dafür gab es mit 6,000 Punkten bei Platten vor Gericht jedoch den schlechtesten Wert für ein Album von No Joy. 

Nun also „Bugland“, das die Veränderungen des Vorgängers fortführt. Die Ziege ist nun eine Schnecke (und überraschenderweise kein Käfer) und für die Erweiterung des musikalischen Spektrums sorgen diesmal Jasamine White-Gluz und die unter dem Namen Fire-Toolz agierende Experimental-Musikerin und Produzentin Angel Marcloid. Und experimentiert wurde viel: Poppiger Shoegaze, Störgeräusche, ätherischer Gesang, Holterdiepolter-Rhythmen, Noise-Ausbrüche, flirrende Elektronik, Industrial-Klänge, entrückter Dreampop, kreischende Schreie, Ambient-Sounds, rockige Gitarrenriffs, Trip Hop Beats und vieles mehr lässt sich, dicht aufeinander folgend in den 8 Songs finden. Und ganz am Ende wird auch noch ein Saxofon gequält.

In den Plattenkritiken zu „Bugland“ (Laurel Green Larvae Vinyl, Green Grass Stain Vinyl) krabbeln bei Vergleichen Garbage, U2, XTC, Curve, Boards Of Canada, My Bloody Valentine und Yes wild durcheinander. 


 


It’s a kaleidoscopic album, with each song almost a symphony in its own right; the music swirling through tempo changes and instruments cascading through the canopy of the rhythmic foliage, and the vocals drifting, seeping into the mind of the listener. It’s to the credit of both writer and producer that all these elements are controlled and the mash up of musical styles never becomes dissonant; it’s always perfectly together and cohesive. (…)
Bugland is an album that plays like the day in the life of chaotic, beautiful nature. It’s an all-enveloping music that swarms over you and embraces you in a cocoon of mesmerising swirling styles. Turn on, tune in, chill out with the bugs.


 


White Gluz’s venture into trip-hop and drum machines on 2020’s Motherland is fully realized on Bugland. Serving as the lead single, the title track opens up with a sequence of punchy drums. Meanwhile, Bather in the Bloodcells employs a crisp and rewarding drum pattern throughout its duration. No Joy never gets stuck in the past; instead, White Gluz builds upon her past work, propelling the trip-hop influences forward. (…)
One thing is clear: No Joy’s effortless genre-hops are fantastic. Boundaries are meant to be broken, and Bugland is the product of their vision: bold, ethereal, and no less mesmerizing in its uncanniness.




20. August 2025

Black Honey - Soak


Jedes Mal, wenn ich in Brügge bin und die vielen Geschäfte mit Brügger Spitze sehe, frage ich mich, wer diese kauft und warum. Jetzt ist es mir klar: ich selbst! Und zwar, weil sich ein solches Häkel-Deckchen auf der roten Schallplatte von „Soak“ befindet.


Ich kann nicht bestätigen, ob es sich wirklich um Brügger Spitze handelt, was Bad World in das vierte Album von Black Honey hinein geklöppelt hat, aber der Kauf (wie immer limitiert und nur per Vorbestellung) hat sich gelohnt.

Die Band aus Brighton besteht aus Izzy Phillips (Gesang, Gitarre), Chris Ostler – (Gitarre, Synthesizer), Tommy Taylor (Bass) und Alex Woodward (Schlagzeug), die offensichtlich alle Filmliebhaber sind, denn „Written & Directed“ (2021, UK #7) wurde von Quentin Tarantino inspiriert und der Nachfolger „A Fistful Of Peaches“ (2023; UK #6) war eine Anspielung auf Wes Anderson. Diesmal weisen das Plattencover auf Stanley Kubricks „A Clockwork Orange“ und die erste, überraschend Synthie-lastige und poppige Single „Psycho“ auf Alfred Hitchcock hin:


 


Auf 12 Songs von „Soak“ bieten Black Honey Indierock, der Einflüsse von Industrial („Shallow“), Punk („To The Grave“) oder Grunge („Dead“, „Slow Dance“) aufzeigt. Aber auch Balladeskes („Carroll Avenue“, „Medication“) und schönen mehrstimmigen Gesang („Vampire In The Kitchen“) gibt es zu hören.


With ‘Soak’ Black Honey are at their most fully fledged, brandishing a sword against the darker sides of society while still allowing time to reflect inwards in moments of raw introspection.


  


Another recurring theme for the band is their blurring of the lines between tell-all and fantasy. The Lynchian ‘Carroll Avenue’, with its foreboding, reverb-heavy guitars, leans into the gothic romance trope; spacey stomper ‘Shallow’, meanwhile, dabbles in industrial sonics that nod to Björk’s ‘Army of Me’, with reverb-drenched backing vocals elevating the track in its outro. Softer acoustic numbers like ‘Vampire in the Kitchen’ find Izzy leaning into temptation - “I think I wanna dance with him” - before transforming into a dazzling guitar breakdown that gradually fades to a crackle. (…)
On ‘Soak’, Black Honey have finessed their trademark cinematic sound, alongside a renewed sense of clarity.
(DIY)


 


If fans had a preconceived idea of what a Black Honey album would sound like, Soak tears up the script, delivering a fascinating collection of twelve tracks that highlight where Phillips and the rest of the band are at. It has the angst and energy we have come to expect, but refined through a miscellany of new sounds and influences while challenging what a Black Honey record can be, shifting away from their punk and grunge roots and cementing their growing reputation.




19. August 2025

Alison Goldfrapp - Flux


10 Fakten zum neuen Album von Alison Goldfrapp:

1. Für die Veröffentlichung ihr zweiten Soloalbums hat Alison Goldfrapp ihr eigenes Label gegründet. Beim Namen war sie nicht besonders kreativ: A. G. Records.

2. Die erste Veröffentlichung erfolgte bereits letztes Jahr: Die Single „I Wanna Be Loved (Just A Little Better)“ erschien nicht nur digital sondern auch als limitierte 7’’ yellow Vinyl Single. 

3. „I Wanna Be Loved (Just A Little Better)“ hat es nicht auf „Flux“ geschafft. So bietet das Album insgesamt 10 Lieder, die 37:17 Minuten laufen. 


4. Sowohl auf der CD als auch der Kassette und der LP (black Vinyl) wäre also noch reichlich Platz für den Song gewesen. Fans und Sammler können die Schallplatte von „Flux“ alternativ auch auf yellow Vinyl oder als Picture Disc käuflich erwerben.


 


5. Am 30. April 2025 erschien mit „Find Xanadu“ die erste Single aus „Flux“. Auch hier spendierte sich Alison eine limitierte 7’’ Auflage, diesmal als pink Vinyl. Zudem gibt es einen Röyksopp Remix.



6. Vor der Albumveröffentlichung am 15. August folgten mit „Reverberotic“, „Sound & Light“ und „Hey Hi Hello“ im monatlichen Rhythmus drei weitere digitale Singles. 

7. Wie beim zwei Jahre zuvor veröffentlichten Solodebüt „The Love Invention“ komponierte Alison Goldfrapp den Großteil der Lieder mit ihren Produzenten Richard X und James Greenwood. Neu ins Komponisten-/Produzenten-Team rutschten diesmal Stefan Storm und Lazy Weekends.

8. Im Studio waren neben Alison Goldfrapp (Gesang) und den erwähnten James Greenwood, Stefan Storm und Richard X (alle Keyboards) noch folgende Musiker involviert: Davide Rossi (Cello, Viola, Geige), Martin Vogel (Synthesizer), Sebastian Sternberg (Schlagzeug) und Anders Sternberg (Gitarre).

9. Um die Erfolge von „The Love Invention“ zu erreichen, müsste „Flux“ Platz 6 im Vereinigten Königreich und Rang 39 in Deutschland schaffen.


Die Vocals sind nicht mehr watteweich eingebettet in die Songs, eher kommen sie als selbstbewusste Vorhut von Tracks, die immer nach der perfekten Melodie fahnden. Bedeutet: House und Disco, die das Vorgängeralbum so stark prägten, sind natürlich noch elementare Bestandteilie der künstlerischen DNA. Aber breite Synthie-Flächen und mitskandierbare Refrains deuten deutlich Richtung Elektropop irgendwo zwischen Annie, Kylie Minogue und den mittleren Pet Shop Boys. Das ist eine ausgesprochen gute Nachricht, waren doch schon bei Goldfrapp jene Songs am stärksten, in denen das Duo nach der großen Geste suchte.


10. Bei den Kritikern gelang dies nicht, denn „The Love Invention“ erzielte bei Metacritic einen Metascore von 78/100 Punkten und „Flux“ steht zurzeit lediglich bei einem Wert von 66/100. Schlechter schnitt noch nicht einmal das schlechteste aller Goldfrapp Alben, der Italo-Disco-Versuch „Head First“ (2010; 68/100), ab.  


 


 





18. August 2025

Newmen - Terminal Beach


Sucht man im Internet nach der Band Newmen, so stösst man zuerst auf auf ein Unternehmen, das hochwertige Komponenten für Fahrräder produziert. Eigentlich ist diese Namensüberschneidung recht passend, denn die Frankfurter / Berliner Musiker orientieren sich offensichtlich an Kraftwerk aus Düsseldorf, welche immer große Freunde des Radsports waren. Da schließt sich der Reifen.

Die 2012 gegründeten Newmen haben mit „Terminal Beach“, das auf „Rush Hush“ (2014), „Soft Ware“ (2018) und „Futur II“ (2021) folgt, jüngst ihr neues Album (zumindest digital) veröffentlicht. Im nächsten Monat soll das Album auch auf red Vinyl erhältlich sein. 

Das Quintett, das bereits mit Rusty Egan (Visage) und Wolfgang Flür (Kraftwerk) zusammen arbeitete, schwooft in knapp 48 Minuten zwischen repetitivem Krautrock, hypnotischem Synthpop und soft groovender Electronica sanft über den Tanzboden. Und dazu tanzen wir dann im „Starlight Casino“. Bitte lernt diesen Tanz!

Schauen wir doch einmal auf die Expertise von Frau Dr. shg. drp. Kerstin Kratochwill:
Inspiriert von einer Kurzgeschichte des Science-Fiction-Autors J.G. Ballard verweben Newmen auf ihrem neuen Album „Terminal Beach“ Vergangenheit und Zukunft zu einem musikalischen Möbiusband: Ein Loop, der unaufhörlich um Themen wie Dystopie und Utopie kreist und diese musikalisch passend mit Early Electronics, Synth-Pop und Neo-Kraut zu einer stilsicheren Schleife bindet. Das pulsierende Herzstück des Albums „The Loop“ beginnt wie ein verschollenes Kraftwerk-Stück mit schwebender Synthesizer-Melodie und vibrierenden Vocoder-Vocals, die von Algorithmen und Albtraum-Echokammern künden und geht über in ein melancholisches zeitkritisches Mensch-Maschine-Mantra – „on (technical) repeat“ quasi wie es in einer Textzeile lautet. (...)
Instrumentalstücke wie das krautig blubbernde „Legato Linear“ spielen geschickt mit „Hallogallo“ von NEU! und beamt es mit seinen Beats in die Disco. Stereolabs Psychedelic-Pop steht Pate bei „Echo System“, einem schlauen wie schönen Song, dessen Perspektiven im Laufe von I zu You wechseln und sich auch widersprechen. Diesen Widerspruch finden wir in Allem und im Alltag, wir sind „new radicals. in- between: the void“ wie es in „Soft & Somber Pt.2“ heißt. Und auch musikalisch scheinbar Widersprüchliches versöhnen Newmen, wenn in dem trügerisch beruhigenden Track „Comfort Inn“ Fleetwood Mac mäandernd auf Can treffen, so dass der Projektname des Songs „Fleetwood Can“ lautete. In den Retro-Futurismus schleicht sich somit auch leiser Humor, ein unterschätzter Zeitgenosse, den wir auch im finalen groovig-beatlastigen Track „Concrete Beach“ hören, wenn ganz am Ende des Albums der Wasserkocher aus Newmens Studioküche ganz real vor sich hin brodelt.
 

 





15. August 2025

Duncan Lloyd - Unwound


Duncan Lloyd ist Maler, Fotograf und Musiker, der bereits drei Alben veröffentlicht hat - und, das sollte nicht unterschlagen werden, der Hauptsongwriter der Band Maxïmo Park.
Jetzt wollen wir keinen Druck ausüben, aber das letzte Album von Maximo Park („Stream Of Life“) scheiterte letztes Jahr nur ganz scharf an den Top 20 bei Platten vor Gericht (#22 mit 7,800 Punkten).  

„Unwound“ ist nach „Seeing Double“ (2008), „IOUOME“ (2017) und „Outside Notion“ (2019) bereits das vierte Soloalbum Duncan Lloyd, der selbstverständlich nicht so ein charismatischer und begabter Sänger wie Paul Smith ist. Die Idee, eine weibliche Gaststimme einzubauen, wie Jemma Freese auf „I’m On It“, hätte er ruhig häufiger haben dürfen. Unterstützung gab es aber übrigens noch von einem weiteren Maxïmo Park-Mitglied, denn Tom English saß für die meisten Songs  am Schlagzeug. 

Duncan Lloyd versuchte, die 12 Songs möglichst vielfältig zu gestalten, so öffnet er hier eine Tür zum Post-Punk, da eine zum Krautrock und anschließend zum Alternative Rock, mal sind die Songs in knackigen zwei Minuten runtergerockt („Laugh So Loud“), an anderer Stelle mäandern sie über sieben Minuten hinweg („Swim“) oder werden folkig und schlicht allein zur akustischen Gitarre vorgetragen („A World Away Now“). Sein Konzept schildert er selbst folgendermaßen:
I partly had the book, The Poetics Of Space by Gaston Bachelard in mind, every song is it’s own room with it’s own signature. This is probably my heaviest album, in sound and mood. There are songs that lean towards post-punk and with hypnotic rhythms that are darker in tone. I wanted it to feel like the listener can climb inside the sound rather than be on the outside looking in. I don’t want them to be in the cinema I want them to be in the film or in the room, so it’s almost spooky.

Unwound“ ist düsterer und melancholischer als die Alben von Maxïmo Park geraten und beispielsweise „Rituals“ könnte man sich auch sehr gut auf einem Album seiner Hauptband vorstellen. Auch aufgrund seiner Nähe zum US-Alterantive Rock lässt das Album eher an die Solowerke eines anderen englischen Gitarristen denken: Graham Coxon von Blur.  


 


And yes, in this case it is, as Maximo Park’s Duncan Lloyd goes for something quite (and a bit) different than the mainly electro-sound of his band on his sixth solo album ‘Unwound.’ 
A change can be good if you have enough different ideas and know how to present them, and Lloyd surely show here both of these. Sure he takes cues from other genres, that spans a wide range from art power pop of XTC, to shoegaze, and Pixies in their poppier phase, to hip songwriters lake late great Sparklehorse and wraps it all up quite neatly into fully thought-out melody concepts with arrangements that fully accentuate them. 
At the same time, there is a darkish lyrical theme passing through all songs, but Lloyd is able to strike a delicate balance between the lyrics and the rich texture of the music. Excellent one.