31. August 2023

The Band On The Edge Of Forever - Out Of Time


Edge Of Forever ist eine italienische Hard-Rock/Heavy-Metal-Band.

On The Edge Of Forever ist eine progressive und melodische Death Metal Band aus Portland, Oregon.

The Band On The Edge Of Forever ist eine Synth-Pop Band aus Berlin.


 


Das Quartett besteht aus Volker Neumann (Gesang, Gitarre, Keys), Alex Dall (Bass), Michael Thiede (Gitarre) und Jens Völker (Drums) und veröffentlichte 2004 unter dem Bandnamen Porous das Album „Day My Friend“. Der Nachfolger erschien 2009 und trug den Titel „The Band On The Edge Of Forever“ - genau wie nun die Band.

Am Rande der Ewigkeit ließen sie ihre Fans bis ins Jahr 2022 stehen, als sich The Band On The Edge Of Forever mit einer neuen Single und einer neuen musikalischen Ausrichtung zurück meldeten. Während man sich früher von Alternative Rock und Grunge, später von Britpop inspirieren ließ, sind es heute eher Einflüsse aus den 80er Jahren und Bands wie Phoenix, Zoot Woman, Hot Chip, Delphic, Junior Boys oder Metronomy, die den oftmals synthetischen, leichtfüßigen und tanzbaren Sound von „Out Of Time“ prägen. 
   
Über das kleine Berliner Label OWTF Records erscheint „Out Of Time“ am 1. September als LP (black Vinyl).









30. August 2023

Our Broken Garden - Blind


Dass Our Broken Record hier mit einer Platte vor Gericht standen, liegt bereits 13 Jahre zurück - jedoch ist seit „Golden Sea“ auch kein weiteres Album zum Projekt von Anna Brønsted hinzu gekommen.

Die Dänin hatte bereits mit dem Songwriting für das dritte Our Broken Garden begonnen - die Songs „Crown“, „Sirens“, „Shameless“ und „Waltz“ sind auf „Blind“ zu hören - als ihr Privatleben durch das Ende einer langjährigen Beziehung sowie die Nachricht, dass sie keine Kinder bekommen könne, zusammenbrach und sie als Folge auch ihr musikalisches Projekt für Jahre zur Seite schob.

Erst 2018 begab sich Anna Brønsted mit Søren Bigum (Gitarre), Moogie Johnson (Bass), Adi Zukanovic (Klavier) und Sebastian Rochford (Schlagzeug) ins Studio, um neue Musik live aufzunehmen. Mit Brian Petz (Sleep Party People) perfektionierte sie den Klang von „Blind“. 

Für das Album Highlight „Rain“, ein Lied über den Beinahe-Verlust eines ungeborenen Kindes, fand sie mit ihrem Bella Union-Labelkollegen John Grant einen passenden Duettpartner. Und tatsöächlich löste sich alles in eine Art Happy End auf, denn einerseits dürfen wir das hoch gelobte „Blind“ (clear Vinyl) nun endlich in den Händen halten und andererseits wurde Anna Brønsted unerwartet doch Schwanger und hat nun - trotz einer nicht einfachen Schwangerschaft - ein zweijähriges Töchterchen.


 


Die Sounds sind zaghaft und zerbrechlich, breiten sich in großen Hallräumen aus, werden so verstärkt: das sachte geschlagene Schlagzeug, das touchierte Klavier, der introspektive, brüchige Gesang.
Die besten Songs sind die, in denen der weite Klangraum etwas enger gemacht wird und die Instrumente nicht so viel Platz haben, sich auszubreiten und an Substanz zu verlieren. Toll sind zum Beispiel die Bläser der Single „Fallen“, die das Stück warm und charaktervoll eröffnen. Schade, dass die Strophe aus orientierungslos geflüsterten Sätzen besteht. Der Refrain ist dann wieder catchy: Brønsted reimt „Jesus“ auf „pieces“, wie es nur eine Skandinavierin kann.


 


Was nach diesem Einstieg ins Album wie eine vertonte Krisenbewältigung klingt, ist mitnichten stellvertretend für den Rest von “Blind”. Our Broken Garden entführt in sphärische Klanglandschaften aus fragilem Klavier, entfremdeten Geräuschkulissen und Annas eindringlichen Gesang.
“Waltz” überzeugt mit einer luftigen und zugleich unheilvollen Stimmung. Es tanzt der Schlagzeugbesen im Mondlicht, während eingestreute Klaviermelodien für Dissonanz sorgen. Der transparente Schleier aus Falsett komplettiert das eigensinnige Gesamtbild.
Im schunkelnden und dahinplätschernden “Storm” holt sie sich Unterstützung von Luke Temple. Dass dieser Song während eines dreimonatigen Meditationsaufenthalts entstanden ist, wird erst im sakralen Outro hörbar. Schade, etwas mehr Goth würde sich gut in das Klangbild von “Blind” einfügen.
Für ausreichend Abwechslung sorgen aber auch die mit Blasinstrumenten ausstaffierten Tracks wie “Fallen”, “Words” oder “Crown”. Der üppige Anstrich tut der Platte gut und verleiht den stellenweise kargen Instrumentierungen einen matten Schimmer.




28. August 2023

Slowdive - Everything Is Alive


2017 kehrten Rachel Goswell (Gesang), Neil Halstead (Gitarre, Synthesizer, Gesang), Christian Savill (Gitarre), Nick Chaplin (Bass) und Simon Scott (Schlagzeug) nach dreiundzwanzig Jahren Funkstille mit „Slowdive“ zurück und eroberten prompt Platz 1 bei Platten vor Gericht. Auf den Nachfolger mussten wir nun bedeutend weniger lang warten: „Everything Is Alive“ ist ab dem 1. September als CD, Kassette und LP (black Vinyl, opaque gold Vinyl, mint green Vinyl, translucent clear Vinyl, pale pink Vinyl, orange crush transparent Vinyl) erhältlich.

Zunächst begann Neil Halstead, erneut in der Rolle des Hauptsongwriters und Produzenten, allein zu Hause mit ersten Demos, experimentierte mit modularen Synthesizern und stellte sich das fünfte Album von Slowdive als ein “minimaleres elektronisches Album“ vor. Ambient-artig ausufernde Soundlandschaften wie auf „Pygmalion“ (1995) braucht aber niemand zu befürchten, denn im Verlauf des mehrjährigen Aufnahmeprozesses fand die Band doch größtenteils zu ihren gewohnten Klängen zurück. Das instrumentale „Prayer Remembered“ und das abschließende „The Slab“ bilden hier die entgegengesetzten Pole zwischen meditativem Deampop und gitarrigem Shoegaze.

So ganz konnten Slowdive den elektronischen Klängen jedoch nicht abschwören („Shanty“, „Alife“) und lassen beim Albumhighlight „Chained To A Cloud“ ein wenig an ähnliche Experimente aus den letzten Jahren von den anderen großen Shoegaze-Comebackern Ride („Pulsar“ oder „Lannoy Point“) denken. Das ruhige, akustische „Andalucia Plays“ klingt am ehesten nach einem Solowerk von Neil Halstead und „Kisses“ überrascht als fast schon ungewohnt hoffnungsvoller, fast fröhlich-sommerlicher Popsong.   









26. August 2023

Birdy - Portraits


Zum Einschlafen lief gestern das fünfte Album von Birdy und im Eindösen hörte ich Peter Illmann den Opener „Paradise Calling“ als flotten Synthiepopsongs mit Discobeats abmoderieren. Wie hoch die Single sich in welchen Charts platziert hatte, konnte ich leider nicht verstehen. 

Im Traum musste ich mich also in einer „Formel Eins“ Sendung Mitte der 80er Jahre befinden, was auch ganz gut passte, denn als nächstes hörte ich die Streicher aus Kate Bushs „Cloudbusting“. Oder zumindest eine gute Imitation. Bevor ich „Das klingt aber auch irgendwie nach den Eurythm…“ zu Ende denken konnte, sang Birdy in „Raincathchers“ doch tatsächlich die Textzeile „Here Comes The Rain Again.“

Weiter ging es mit „Ruins I“ (vor Teil zwei des Songs, der sich an achter Position des Albums befindet, bin ich eingeschlafen), das eher retro-futurischer Artpop im Stile von Austra ist, mit „Your Arms“ bewegte sich Jasmine van den Bogaerde erstmals zurück auf ihr bewährtes Piano-Balladen-Terrain. 

Beim folgenden „Heartbreaker“ wurde es dann zum Alptraum. Irgendwie hatte ich mich schon gegen eine folkige Coverversion des Liedes von Dionne Warwick gewappnet, war aber auf den folgenden überdrehten gute Laune-Pop nicht eingestellt. In diesem Moment muss ich den Wachzustand so ziemlich verlassen haben, denn zum Song passend tauchte der bunte bemalt Chris Martin auf, tanzte fröhlich durch Konfetti-Nebel, sang mit und raunte mir zu: „Ich kann jeden Song verhunzen, wie ich es auch mit Coldplay nach 2010 getan habe!“. 

Dieser Ankündigung leistete er wohl auch prompt Folge und unterlegte „I Wish I Was A Shooting Star“, eigentlich eine dramatische Streicher-Ballade, mit doofen Beats. Danach schlummerte ich vollends ein. Glücklicherweise.  


Das fünfte Album der immer noch jungen Frau aus Lymington startet mit einem Paukenschlag, der Disco-Pop-Attacke „Paradise Calling“, die auch Marina nicht besser hinbekommen hätte. Man spürt die Energie im Studio aus ihr heraussprudeln. Nichts hält sie auf! Angekündigt hatte Birdy Stücke aus dem Alternative-Rock-Kosmos, doch Vorsicht: Arctic-Monkeys-Referenzen erweisen sich als nicht nachvollziehbar. 
(…)
Birdy singt meist sehr hoch – ihr Stimmumfang ist definitiv um einige Tonlagen angewachsen. Sie spielt wieder selbst Piano, was auf „Your Arms“ besonders berührend ausfällt, dem neuen „Wings“. Bereit für den Durchmarsch! 









25. August 2023

The Underground Youth - Nostalgia’s Glass


Wie bei Wolf & Moon dürfte das Foto auf der Plattenhülle schon einige Monate alt sein, denn das Töchterchen von Olya (deren Schwangerschaftsbauch hier (un)geschickt abgeschnitten wurde) und Craig Dyer darf schon bald seinen ersten Geburtstag feiern.  

Fans von The Underground Youth dürften seit einigen Tagen das insgesamt elfte Studioalbum der Band von Craig Dyer, zu der aktuell neben Olya Dyer (Schlagzeug) noch Leonard Kaage (Gitarre, Produktion) und Samira Zahidi (Bass) gehören, feiern.

Nostalgia’s Glass“ ist gleich in zweierlei Hinsicht nostalgisch geraten, denn einerseits wirft es laut Dyer „einen Blick zurück auf die Musik von The Underground Youth und formt neue Songs in einem Stil, der an die Vergangenheit der Band erinnert“ und andererseits hat sich ja bereits deren frühere Musik extremst am Stil von The Velvet Underground, The Jesus & Mary Chain & Co. orientiert.

„‚Émilie“ eröffnet mit einer velvetundergroundigen Monotie, die es in sich hat, „I Thought I Understood“ ist sommerlich-luftiger Dreampop irgendwo zwischen Slowdive und Galaxie 500, bei „Finite As It Is“ dürfen die Gitarren im Sinne von The Brian Jonestown Massacre ein wenig kreischen. Und die Reid-Brüder? „Frame Of Obsession“ beginnt als Referenz an „Stoned & Dethroned“ und endet im Stil von „Psychocandy“. Kann man machen. 

„Nostalgia’s Glass“ ist als LP auf clear pink Vinyl oder clear blue Vinyl erschienen.


Besonders viel Zucker gibt Dyer seinem inneren Lou Reed in der wunderbaren Lo-Fi-Miniatur "Another country", wenn die Kesselpauke grollt und die Vocals zweistimmig in die zum Schneiden dicke Luft entschweben – knappe drei Minuten spröde Sixties-Seligkeit, die in der Folge immer schwerere Melancholie hinter sich herziehen: Die fein gesponnenen Akustik-Akkorde des Titelstücks könnten auch aus David Tibets Neo-Folk-Ecke mit Gothic-Familienanschluss herüberwehen, "Frame of obsession" gönnt sich abschließend immerhin eine unsanfte Kreischsägen-Eruption. Zuweilen droht "Nostalgia's glass" gegen Ende ob seiner Fragilität jeden Moment ächzend zu kollabieren – wäre da nicht das zwar gedrückte, aber auch hymnisch ausformulierte Dream-Pop-Prachtexemplar "The allure of the light", das alles zusammenhält, bis die letzten Piano-Tupfer von "Epilogue" verklungen sind. Der gravitätische Schlusspunkt eines dunklen Albums, auf das man dennoch fliegen sollte wie die Motten zum Licht. Manchmal ist das so.









24. August 2023

Mull Historical Society - In My Mind There’s A Room


Für sein insgesamt neuntes Studioalbum hat sich Colin MacIntyre ein ganz besonderes Konzept überlegt: Er hat sich an einige seiner literarischen Favoriten gewandt und sie gebeten, über einen Raum zu schreiben, der für sie eine Bedeutung hat, um anschließend die Musik zu ihren Worten zu komponieren. Nick Hornby („Panicked Feathers“), Ian Rankin („My Bedroom Was My Rocket“), Val McDermid („Room Of Masks“) oder Liz Lochhead („1952“) gehören zu der Liste an renommierten Autoren, die MacIntyre Texte über Räume zur Verfügung gestellt haben, die zu Songs wurden. 

Abschließend hat Colin MacIntyre das Album in einem für ihn bedeutsamen Raum aufgenommen: in der alten Wohnung seines Großvaters in Tobermory auf der Isle of Mull. In diesem Zimmer dichtet Angus Macintyre selbst und verbrachte der kleine Colin große Teile seiner Kindheit. 

Insgesamt können 14 Räume betreten werden, die zwischen verschachteltem Indiepop („Not Enough Sorry“, „Wake Up Sally“), Pianoballaden („Somebody Else’s Life“, „The Red Flame Diner“) oder ungewohntem Indierock („1952“, „Panicked Feathers“) variieren. Am Ende warten zwei Spoken-Word-Beiträge aus der Feder von Angus Macintyre, die von der 75-jährigen Autorin Liz Lochhead („Anaglypta“) und Colins Großvater („Memories Of Mull“) eingesprochen wurden. 

In My Mind There’s A Room“ steckt in einer vom schottischen Künstler / Regisseur / Musiker John MacLean gestalteten Hülle und ist mitterweile auch als Doppel-LP (pink Vinyl) erschienen.


 


Some authors obviously spark MacIntyre more edgy rock side, like Nick Hornby, who gave us “High Fidelity” and “Fever Pitch.” For his contribution, “Panicked Feathers,” MacIntyre channels his punky Frank Turner side, finding a fun, fast, melodic rant groove that serves up the story with energy. Similarly for Ian Rankin’s “My Bedroom Was My Rocket,” channels a bit of David Bowie in the catchy pop/rock chorus, while the darker turn of the lyrics in Alan Warner’s “Wake Up Sally” don’t keep MacIntyre from building an edgier pop melody out of the colorful language, keeping it fun and raw. And for “Room of Masks,” by Val McDermid, MacIntyre returns to repetitive lines to serve his larger pop song melodic goal.

But not every piece of writing is going to easily lend itself to verse-chorus song structures, so numerous pieces line out like longer narrative, with MacIntyre’s simple piano and vocals shaping melodies as they go, without the benefit of easy rhymes or repeats. “The Red Flame Diner” is one that stretches out in a linear fashion, with smart musical augmentation that provides the needed aural tension to the piece. When the obvious techniques don’t cooperate, leaving MacIntyre to be inventive on pieces like “Meltwater” and “Somebody Else’s Life,” he seems to vamp the vocal melody over a simple musical frame. And when push comes to shove, MacIntyre is not afraid to pull out the opening to a classic rock song as an intro, even if it doesn’t fit the rest of the track, as he does with “Seeds,” for a story by James Robertson.

Colin MacIntyre and his Mull Historical cronies get lots of points for the creative, experimental nature of this work, sure to stir up interest on the curious readers among us. And there’s enough fun pop and rock here to reward even the more informal listener. This smart, innovative, and literally literate work aspires to inform, enlighten and inspire, and manages to succeed at every point.




23. August 2023

The View - Exorcism Of Youth


Da hat die 2017 angekündigte einjährige Auszeit doch etwas länger gedauert und komplett sind The View aus dieser auch nicht zurückgekehrt.

Ohne ihren Schlagzeuger Steven Morrison wollen es Kyle Falconer (Gesang, Gitarre), Kieren Webster (Bass) und Pete Reilly (Gitarre) noch einmal wissen und peilen mit „Exorcism Of Youth“ erneut eine Spitzenposition in ihrer schottischen Heimat an, denn ihren zwsichen 2007 und 2015 veröffentlichten fünf Alben gelang dort jeweils der Sprung auf Platz 1 oder 2. 

Musikalisch hat sich in der dann doch fünfjährigen Auszeit etwas getan, denn Sänger Kyle Falconer hat während der COVID-19 Pandemie ziemlich häufig „Pressure Machine“ von The Killers und Sam Fender gehört und sich davon beeinflussen lassen. Die 12 Songs von „Exorcism Of Youth“ bieten also nicht nur energetischen Indierock britischer Prägung („Arctic Sun“), sondern tendieren im weiteren Verlauf des Albums auch in Richtung folkigem Heartland Rock im Geiste von Bruce Springsteen, John Mellencamp oder Tom Petty („Allergic To Mornings“). Seltsame 80er Jahre Synthpop-Ausreißer gehören irgendwie auch dazu („Dixie“, „Tangled“). 

Der Albumtitel erält eine schöne Doppeldeutigkeit, wenn man weiß, dass „Exorcism Of Youth“ von Youth produziert wurde.


 


(…) this is an album that is better than it ought to be. Production by Youth lends some much-needed mettle to songs such as the 1960s shimmy of Shovel in His Hands and Neon Lights, while the bustling twang of The Wonder of It All is pleasingly catchy and the soft synth throb of Tangled treads a distinctly 1975-esque line.
That said, as hummable and melodic as this toe-tappy indie-rock collection is – and as capable as The View are of writing a rousing chorus – there is a sense that this could be any band from the mid- to late-noughties indie scene.




22. August 2023

James Ellis Ford - The Hum


Als Schlagzeuger der englischen Rockband Simian, als eine Hälfte des elektronischen Ablegers Simian Mobile Disco oder als Mitglied von The Last Shadow Puppets stand James Ford bisher eher im Hintergrund. Als Produzent hat er sich in den letzten zwei Jahrzehnten jedoch einen Namen gemacht und u.a. mit Blur, Depeche Mode, Arctic Monkeys, Foals, Kylie Minogue, Jessie Ware, Florence And The Machine oder Mumford & Sons zusammen gearbeitet.  

Vor einigen Wochen trat James Ellis Ford unter seinem vollen Namen erstmals mit einem Soloalbum weiter in den Vordergrund. Auf der Gästeliste für „The Hum“ würde man nun das Who’s who des britischen Indierock und Pop vermuten - weit gefehlt, denn Ford hat von von Schlagzeug über Bass, Gitarre und Piano, Orgel, Synthesizer  über Flöte, Klarinette sowie Saxophon bis zu Cello, Vibraphon, Clavinet und Hackbrett alles selbst komponiert, produziert und aufgenommen. Teilweise versucht er sich sogar erstmals als Sänger („I Never Wanted Anything“, „Squeaky Wheel“). Das instrumentale „The Yips“ überrascht mit fernöstlichen Klängen, die ins Jazzige mutieren, „Pillow Village“ kommt ebenfalls ohne Gesang aus und könnte in einer exquisten Lounge direkt nach Liedern von „Tranquility Base Hotel & Casino“ laufen ohne die Gäste groß abzulenken, „Golden Hour“ ist nebulöser Psychedelic-Pop. 

Das experimentelle „The Hum“, das auch bei Folk, Electronica und Prog Rock vorbei schaut, wurde über Warp Records als CD und LP (black Vinyl, clear Vinyl) veröffentlicht.


The Hum spoils us. It is something of a triumph; a record comprised of a set of wonderfully heartfelt, personal tunes. It’s an album of pleasant surprises and, critically, it announces the latest chapter in the career of James Ellis Ford. That’s a story we can all look forward to following.









21. August 2023

Gregory Alan Isakov - Appaloosa Bones


Getreide durchläuft vom Samen bis zum Erntegut neun unterschiedliche Entwicklungsstadien: Keimung, Blattentwicklung, Bestockung, Schossen (Haupttrieb), Ähren- / Rispenschwellen, Ähren- / Rispenschieben, Blüte, Frucht- und Samenreife und Absterben. 

Übertragen auf die Musikveröffentlichungen von Gregory Alan Isakov, der Vollzeit-Farmer auf einer drei Hektar großen Farm in Colorado ist, wären wir bei seinem vorherigen, siebten Album „Evening Machines“ (2018) bei der Blütezeit angekommen. Dies lässt sich daran ablesen, dass die Musik des Singer/Songwriters deutlicher wahrgenommen wurde als zuvor, was einerseits zu einer ersten Plattenvorstellung hier und andererseits zu einer Nomminierung für den Grammy Award in der Kategorie Best Folk Album führte.

Album Nummer acht trägt den Titel „Appaloosa Bones“ und dokumentiert die volle Reife und Entwicklung des Musikers, der eigentlich eine folkige, kleine Lo-Fi Rock’n’Roll-Platte aufnehmen wollte, und dann doch bei einem getragenen, stimmungsvollen Folk-Album zu landen, das üppigen Harmoniegesang, akustische Gitarre, Banjo und Klavier sowie gelegentlich dezente Keyboard-Schwaden in mehreren Soundschichten stapelt. Anspieltipps für Freunde von The Lumineers, Iron & Wine, Grant Lee Buffalo, José González oder Nathaniel Rateliff sind „The Fall“, „Watchman“, „Terlingua“ und „Mistakes“.

Mit dem nächsten Album düfte Gregory Alan Isakov dann die (Punkte-)Ernte einfahren, für „Appaloosa Bones“ gibt es hoffentlich schon mehr zu holen als beim Vorgänger (6,375 Punkte).    

Das Album ist als CD und LP (brown Vinyl) erhältlich und Dezember wird der Singer/Songwriter für drei Konzerte in Deutschland gastieren:

4.12.23 Köln, Kantine
5.12.23 Hamburg, Uebel & Gefährlich
6.12.23 Berlin, Metropol


The album kicks off with a quite stunning track called ‘The Fall’, based on the risks of a trapeze artist falling during his act, only to get up again and repeat the act,  but a metaphor for the fall that any one of us could experience and the need to bounce back “We’re still holding our breath We all break a little We all break a little We all break a little when we fall And everybody keeps saying, “Get up, get up” The fall, the fall, the fall”, There is a semi-spoken lyric, there are captivating harmonies, it is all driven by Isakov’s piano, banjo and acoustic guitar. The song has a spiritual and visual feel, which happens again and again throughout the album.
‘Before the Sun’, a banjo-driven song with a lovely chorus, speaks to one’s independence with the repeated refrain “I’m going on my own”. (…) ‘The Watchman’ is a quite lovely lilting song (drawn from Isakov watching out for the sheep on his farm) with great harmonies again. ‘One day’ is about climate change, but, as in every song, Isakov leaves the listener to interpret it in his/her own way. (…)
Lay back with a bevy and imbibe this glorious album – you’ll get to the end, and just want to play it again.









18. August 2023

10 Schallplatten, die uns gut durch den September bringen


10. The Cooper Temple Clause - See This Through And Leave (2 LPs) (1.9.2023)






9. Adorable - Against Perfection (180g, Limited Numbered Edition, Translucent Red And Blue Marbled Vinyl) (8.9.2023)






8. The House Of Love - Babe Rainbow (LP) (15.9.2023)






7. Nation Of Language - Strange Disciple (LP) (15.9.2023)






6. The Slow Show - Subtle Love (Orange Vinyl) (22.9.2023)






5. Ash - Race The Night (Transparent Violet Vinyl) (15.9.2023)






4. Primal Scream - Reverberations (Travelling In Time) (Limited Clear Vinyl) (15.9.2023)






3. Slowdive - Everything Is Alive (Translucent Clear Vinyl) (1.9.2023)






2. The Boo Radleys - Giant Steps (30th Anniversary Remastered Edition, 2LPs) (1.9.2023)






1. Sigur Rós - Átta (Limited Indie Exclusive Edition, Yellow Vinyl, 2LPs) (1.9.2023)







17. August 2023

Fruit Bats - A River Running To Your Heart

 

Warum habe ich diesen Nachtrag denn nicht am 28. Juli nach der Vorstellung von „Thanks For Reaching Out“ von Jim Bob eingeschoben? Vertane Chance!

Kommen wir also heute kurz zum zehnten Studioalbum der Fruit Bats, des Projektes von Eric D. Johnson, welcher die musikalische Umsetzung seiner Ideen mit wechselnden Gastmusik ausführt. 
Johnson übernahm für „A River Running To Your Heart“ erstmals gemeinsam mit Jeremy Harris (Hand Habits, Devendra Banhart) selbst die Produktion eines Albums. 

In 35 Minuten plätschert „A River Running To Your Heart“ mehr zwischen entspannt süffigem Folk, unaufdringlich schmeichelndem Softrock und sanft schunkelndem Americana dahin als das es einen mitreißt. Metacritic ist dies 79/100 Punkten wert und Plattentests hat das Folgende zu berichten:

In dem stampfenden "See the world by night" erzählt er davon, wie man die nächtliche Welt aus einem Van betrachtet und verzückt im Refrain mit einem unerwarteten Stimmenaufschlag. Das schwelgerische "Tacoma" handelt dagegen von der möglichen Rückkehr in die alte Heimat, dem "only place that makes me feel alive". Reinen Gitarren-Folk bieten dann "Waking up in Los Angeles" und "We used to live here", die beide mit der Zeit wachsen.
Mit "It all comes back" wartet dann der wohl wichtigste Song dieses Albums. Die mythische Atmosphäre darin lässt sich leicht auf die Nach-Corona-Zeit übertragen ("We lost our way, we lost our sense of place, I don't even know where I am today, but it all comes back"), das Stück fesselt einen augenblicklich mit seinen mantra-artigen Wiederholungen und ist dabei einfach fantastisch gesungen. Das übernächste "The deep well" schmeichelt sich dann noch einmal in überraschend hoher Stimmlage angenehm an, ehe in "Jesus tap dancing Christ" das Hohelied auf das eigene Zuhause gesungen wird.

„A River Running To Your Heart“ ist als CD und Lp in drei Varianten käuflich zu erwerben: black Vinyl, blue and bone swirl Vinyl und pink and orange splatter Vinyl.







16. August 2023

Wolf & Moon - To Get Lost


Das Foto des Albumcovers entstand vor rund einem Jahr und mittlerweile haben Stefanie und Dennis de Beurs nicht nur ihr erstes Baby sondern auch ihr drittes Album zur Welt gebracht. 

Dass dies nicht immer problem- und sorgenfrei abläuft, thematisieren Wolf & Moon offen und berichten über eigene Schicksalsschläge (zwei Fehlgeburten unddie Diagnose Endometriose) ohne dabei in Trübsaal zu verfallen („To A Nova Star“, „Marathon“). Trotz weiterer düsterer Themen (Klimawandel, Kampf gegen die Sucht) und mehr noch als bei ihren vorherigen Alben wird die vorherrschende melancholische Grundstimmung von Optimismus durchdrungen. 

Markenzeichen des niederländischen Duos, das in Berlin lebt, bleibt weiterhin der gemeinsame, sich wundervoll ergänzende Gesang, der die Songs trotz einer Nähe zu Lola Marsh und Angus & Julia Stone sowie Referenzen zu The xx, Beach House, The Cure oder Tame Impala sehr schnell Wolf & Monn zuschreibbar werden lässt.    

Wie bei „Before it Gets Dark“ (2019) und „Follow The Signs“ (2020) zog es Stefanie und Dennis de Beurs für die Aufnahmen nach Stockholm zum Produzenten John Andersson. Mit dem schwedischen Musiker (Bass, Steelguitar) und Komponisten Jonas Edquist gab es erstmals weiteren Input jenseits dieses eingespielten Trios. 

Wolf & Moon unterwegs:
13.10.23 Leipzig, Moritzbastei
17.10.23 Berlin, Privatclub
22.10.23 Hamburg, Nochtwache
23.10.23 Köln, Blueshell
24.10.23 München, Backstage
22.12.23 Bielefeld, Bunker Ulmenwall










15. August 2023

Miya Folick - Roach


Im (Neuveröffentlichungs-)Sommerloch kann man gut den ein oder anderen bisher nicht terminierten Gerichtstermin einfügen. Heute: „Roach“ von Miya Folick.

Nur weil ein Album hier bisher nicht vorgestellt wurde, auch wenn es wie „Roach“ bereits vor fast 3 Monaten erschienen ist, bedeutet dies nicht, dass es nicht besonders gut ist. So steht das zweite Album der 34-jährigen Musikerin aus Los Angeles bei Metacritic bei 80/100 Punkten.

Miya Folick blickt in den 13 Songs auf die bisherigen Höhen und Tiefen ihres Lebens zurück und kritisch auf die Problematiken in der Welt der heutigen Erwachsenen (Drogenprobleme, Schönheitswahn, Social Media usw.). Zum temporeichen Indierock von „Get Out Of My House“ verarbeitet sie beispielsweise eine Trennung mit deutlichen Worten. 

Aufgrund des familiären Hintergrundes mag sich der geneigte Zuhörer an Mitski erinnert fühlen, die übrigens auch den Song „Bad Thing“ mit komponierte, da sich auch die Musik von Miya Folick deutlich in Richtung Pop verschiebt: „Mommy“ kommt mit einem Trip Hop-Beat daher, „Tetherball“ steigert sich langsam in einen pulsierenden Synthie-Song und der Dreampop von „Ordinary“ orientiert sich stark an Mazzy Star.        

Dem musikexpress war „Roach“ 5 von 6 Sternen wert:

Parallel zu den Aufs und Abs klettern auch Folicks Vocals über beindruckende Oktaven. „Die Leute wollen immer wissen, ob du jetzt ein Indie-Girl bist, oder ein Pop-Girl“, erklärt sie.
Statt eindeutigen Antworten liefert Folick auf ROACH lieber eine Palette an Einfüssen. Von der kathartischen Indie-Rock-Hymne „Get Out Of My House“, zur melancholischen Gitarrenballade „2007“, den elektronischen Einschlägen auf „Drugs Or People“ oder dem Synth Dancepop auf „So Clear“. ROACH steht für das Distanzieren von ausufernden Exzessen und ungesunden Beziehungen. Und so kehrt Folick im abschließenden Song nicht nur zu ihren Folk-Wurzeln zurück, sondern auch zur Einsicht: „I can’t have it all / And I wouldn’t want to.“















14. August 2023

Pia Fraus - Evening Colours


Das 25-jährige Bandjubiläum feiert die Band aus Estland mit ihrem siebten Album „Evening Colours“. Diese schlechte Quote ergibt sich aus einer mehrjährige Auszeit.  

Pia Fraus bewegen sich auch auf den elf neuen Liedern wie gewohnt zwischen sublimen Dreampop und sanft-säuselndem Indiepop, weben elektronisch-sphärische Sounds gekonnt ein, lugen einmal in Richtung Krautrock und erinnern hier („Fog On The Hills“) und da („Sunny Afternoons“) an Stereolab (in weniger anstrengend*), was auch an den Streicherarrangements von Sean O’Hagan (The High Llamas, Stereolab, Microdisney) bei gleich vier Songs liegen könnte.

Die Lieder wurden erneut von Rein Fuks (Gitarre, Synthesizer, Gesang) komponiert und mit Kristel Eplik (Gesang), Eve Kom (Gesang, Synthesizer), Kärt Ojavee (Synthesizer, Piano), Reijko Tagapere (Bass) sowie Joosep Volk (Schlagzeug) aufgenommen. 

„Evening Colours“ ist als CD und LP (clear Vinyl, black Vinyl, deep purple Vinyl) erhältlich.

Wem der Stil des Artworks bekannt vorkommt, der hat vielleicht auch „Slow Summits“ von The Pastels oder „Man-Made“ von Teenage Fanclub im Schrank stehen, denn auch diese Schallplattenhüllen stammen von der schottischen Künstlerin Annabel Wright.

*Ausnahme: „We Melt“

The band creatively incorporate a heavy Krautrock influence into "Regret Everything," which kicks off with a rocket-powered motorik rhythm, then continues with unexpected melodic shifts. "Confidential Information" has touches of reverb-y surf guitars and lounge vibes but otherwise focuses on an urgent sense of heartache. The arrangement and sound design on "Another Artichoke" is bewildering, with shooting star-like horns and cloudy synth textures floating around insistent vocals ("Please hold my hand at least one more year"). O'Hagan's lush strings return on the final two songs, the slightly proggy "We Melt" and the mellower "Lost in Nights," which seems to fuse traces of shoegaze and '70s soul. Pia Fraus have had an impressive track record for over 20 years, but Evening Colours stands out as one of their more inventive, inspired efforts.









12. August 2023

Local Natives - Time Will Wait For No One


Wenn man zwei Alben hoch in den US Charts hatte („Hummingbird“ erreichte 2013 Platz 12 und „Sunlit Youth“ kam drei Jahre später auf Rang 23) und dann verfehlt der Nachfolger „Violet Street“ (2019) die Billboard Top 200 komplett, dann dürfen die Grundfesten einer Band schon erschüttert werden. Schließen sich dann persönliche Identitätskrisen, Vaterschaften sowie eine Pandemie mit ihren Folgen an, dann darf man guten Gewissens alles auf links drehen und einen Neuanfang wagen. 

Dieser trägt im Falle der Local Natives den Namen „Time Will Wait For No One“, entstand in Zusammenarbeit mit dem renommierten Produzenten John Congleton (Death Cab For Cutie, St. Vincent, The Decemberists, Regina Spektor) und ist als CD, Kassette und in zahlreichen LP-Varianten (white Vinyl, canary yellow Vinyl, translucent lemonade Vinyl, tan Vinyl, neon orange Vinyl, black Vinyl) käuflich zu erwerben.

Aber ob die Musikfreunde wirklich auf diese Mischung aus entspanntem Softrock („Empty Mansions“), sanftem Soulpop („Just Before The Morning“), veträumtem Psychedelic-Pop („Featherweight“, „Ava“), mehrstimmigem Folk („Hourglass“, „Time Will Wait For No One“) und temporeich(er)em Garagerock („NYE“) gewartet hat? Time will tell…


 


More than one moment on the record finds Local Natives looking for connection – or living in fear of it being severed. On the crimson-tinged, soul-bearing “Ava” there is a repeated question of “How do I reach you?” The query could be either physical or emotional, with the emotional weight of both being just as heartbreaking.
The record has a number of heavy themes to unpack, but it is also heartening to hear the band cut loose on “NYE”, and as they propel into a runaway bass line and snap of drums, you can almost hear the smiles on their faces. And who would begrudge them a moment of levity? It serves as a chance for them both personally and professionally to take stock of what they have and how far they have come. It’s true that time waits for no one, but what Local Natives have done with theirs is create another complex, immersive record that tackles life's toughest times while basking in its most rewarding moments. 




10. August 2023

Constant Smiles - Kenneth Anger


Die erste Vorladung (X)

Personalien:
Federführend für das Projekt Constant Smiles ist der Singer/Songwriter Ben Jones aus Massachusetts, USA.

Tathergang:
Seit 2011 hat Jones eine kaum zu überblickende Menge an Alben (je nach Quelle variieren die Angaben und ich werfe jetzt einfach einmal die Zahl 17 in den Gerichtssaal) mit unterschiedlichen Mitstreitern in verschiedensten Musikrichtungen größtenteils selbst digital veröffentlicht. Dreampop, Shoegaze, Lo-Fi-Rock, Synthpop, Noise - das wurde wohl alles bereits durchexerziert.
Erst 2020 wurde erstmals ein Album („Control“) über eine Label (Living Waters Records) physisch veröffentlicht. 2021 erschien „Paragons“ in zahlreichen Varianten über Sacred Bones Records und weckte ein verstärktes Interesse bei Kritikern und Hörern. 
Das aktuelle Album tägt den Titel „Kenneth Anger“, ein im Mai im Alter von 96 Jahren verstorbener US-amerikanischer Avantgarde-Filmemacher und Autor, und entstand als Kollektiv und unter Mithilfe von 16 Musikern. Sacred Bones Records „Kenneth Anger“ als CD und in mehreren Vinyl-Varianten an: Blue & Green Starburst Vinyl, Gold Vinyl und Translucent Light Blue Vinyl.

Plädoyer:
Warmer Synth-Pop mit starkem 80ies-Einschlag, der Freunden von Nation Of Language, Black Marble, The Postal Service, The Radio Dept. oder Letting Up Despite Great Faults ein ständiges Lächeln aufs Gesicht zeichnen wird. Und „In My Heart“ wäre in einer gerechten Welt ein Hit!

Zeugen:

"Here and gone" ist auch so ein Fall. Alles klingt seltsam vertraut und gleichzeitig sehr eigen und aktuell. Inhaltlich geht es Sänger Ben Jones, der das Musikkollektiv 2009 im Dunstkreis eines damals noch existierenden Indie-Plattenladens auf Martha's Vineyard gegründet hat, um Themen wie Gemeinschaft, Rituale, Emotionen und Ängste.
Im poppigen und vom Cello begleiteten "Gold like water" besingt Jones Gefühlswelten zwischen eigenen Panikattacken und der Dankbarkeit gegenüber Menschen, die einen wieder in die Normalität zurückholen. Constant Smiles schaffen es, schwere Themen in leichte Songs zu verpacken und dabei trotz viel Melancholie und Schwarz-Weiß-Ästhetik hoffnungsvoll zu bleiben. "Finding ways" beginnt sanft und mystisch, bevor nach einer knappen Minute die Bassline einsetzt und der Song einem fünfminütigen Mantra gleicht. "Can you hear me calling?", fragt Jones. Ja, das tun wir. Die Struktur von "I hope you are well" ist identisch und hat dabei gar etwas Hypnotisierendes und Psychedelisches. Das funktioniert auch bei langsameren Songs wie "Wandering hours" oder dem abschließenden "Off again", wenngleich ihnen die Dynamik der anderen Lieder fehlt.

Indizien und Beweismittel:






 


Ortstermine:
Keine bekannt.

Urteile:
Nun sind die werten Richter gefragt...


9. August 2023

The Sherlocks - People Like Me & You


Wirklich seltsam, da landen die Jungs mit ihrem Debütalbum „Live For The Moment“ (2017) in den UK Charts auf Rang 6 und bei Platten vor Gericht bei stabilen 7,0 Punkten - und dann wurde das Quartett hier nicht mehr berücksichtigt, obwohl noch zwei weitere erfolgreiche Alben, nämlich „Under Your Sky“ (2019; #20) und „World I Understand“ (2021; #9), folgten. Doch heute sprechen wir endlich wieder über The Sherlocks, da sie endlich einen Song namens „Watson“ haben!

Dieser beschließt als dreizehntes Lied ihr neues Album „Peole Like You & Me“, das energetisch-eingängigenen Indierock bietet und als CD, Kassette und in zahlreichen LP-Varianten (black Vinyl, yellow Vinyl, tri-colour-Vinyl, Picture Disc) seit Anfang August zu haben ist.

Auf „People Like You & Me“ haben sich The Sherlocks bei Leuten wie Kasabian („Louder Than Words“), The Killers („People Like Me & You“), White Lies („On Your Mind“), Manic Street Preachers („Face The Music“) & Coldplay („Here & Now“) inspirieren lassen und streben im Vereinigten Königreich auf die großen Bühnen. 

In Deutschland reichen erst einmal die kleineren Clubs: 
3.12.23 Berlin, Cassiopeia
5.12.23 Hamburg, Molotow
7.12.23 Oberhausen, Drucklufthaus
8.12.23 Köln, Luxor


 


Opening track ‘Remember All The Girls’ sets the scene and is chock-full of pulse-racing rhythms. The hooky, guitar-driven energy is juxtaposed with poignancy and reflection with lines like ‘Everything is gonna change /How could it ever stay the same?’. 
The Sherlocks thrive on playing live and the intensity from this has translated into the album. There’s plenty of crowd pleasing bangers and each of the 11 tracks have impressive arena-sized singalong choruses.
‘People Like Me & You’ is guaranteed to get you on the dancefloor where as the album closer ‘Watson’ see the Sherlocks really pushing their boundaries even further with a spoken word piece about their old bandmate ‘John Watson’ and expanding upon that into the complexities of the human condition. (…)
With a raw emotional urgency and intensity, ‘People Like Me And You’ is The Sherlocks finest body of work to date.


 


The first single Sirens was a steadfast statement of intent in which they elevated every aspect of their game. Crushing the boundaries between indie-rock accessibility and post-punk attitude with a monstrously visceral new attack, it sees The Sherlocks simultaneously going darker, grittier and hookier than ever before. A squalling burst of instrumental chaos and a searing guitar solo extends its maximal intensity before one more chorus leaves it lingering in the mind for days to come. It’s unquestionably The Sherlocks, but not as you’ve ever heard them before.


 


8. August 2023

Life Strike - Peak Dystopia


Die erste Vorladung (IX)

Personalien:
Patrick McCabe (Gitarre, Synthesizer, Gesang), Nick Pratt (Bass, Synthesizer, Gesang) und Scotty Brique (Schlagzeug) stammen aus dem australischen Melbourne. 

Tathergang:
2017 veröffentlichte das Trio eine erste selbstbetitelte EP auf 7’’ Vinyl, der 2019 mit „Primitive Future“ das Debütalbum als LP folgte. Nun gibt es den Nachfolger „Peak Dystopia“, der in Form einer Kassette veröffentlicht wurde. Bleibt für das nächste Album, als noch ausstehender physischer Tonträger, diese Neuheit namens CD übrig… 

Plädoyer:
Musikalisch geht es auf den 10 Songs (und 3 Zwischenspielen) tatsächlich in eine Zeit zurück als an diesen Silberling noch nicht zu denken war: „Peak Dystopia“ könnte aus den frühen bis mittleren 80er Jahren stammen, liegt irgendwo zwischen New Wave, dem neuseeländischen Dunedin Sound, Post-Punk sowie Janglepop und wird Freunde von The Chills, The Bats, The Go-Betweens oder frühen R.E.M. erfreuen.

Zeugen:

(…) this is an album of pure jingle jangle from the deepest and sunshine filled explosion of finery that is Australia. Yes, Life Strike capture the magic of early Go Betweens with all stuttering post-punk guitar riffs and Primitive melodies, or indeed Primitives melodies as the pop fun track that is ‘Tears On Tuesday’ had myself and my lady wife humming ‘Through The Flowers’ by the end. Peak Dystopia is an album that will appeal to all those indie pop lovers from yesteryear when the June Brides were second in the hearts to the Smiths, or preferred Primal Scream before they discovered the Rolling Stones and showed themselves to be heartless money grabbing bastards.

‘Whip Around’ is the purest indie pop imaginable – flecked with a seasoning of melancholy as any good pop song should be, it is a jaunty hyperactive rocket of buoyancy with its anthemic chorus and jangly delivery. Deep in its genes are the traces of the Flying Nun and Brisbane sound – intelligent , visceral and raw finely honed indie pop that is filled with melody and a certain fey stance. I am reminded of The Apartments, The Chills and The Bats in particular – very fine company indeed.


Indizien und Beweismittel:




 


Ortstermine:
Keine bekannt.

Urteile:
Nun sind die werten Richter gefragt...


6. August 2023

Miles Kane - One Man Band


10 Fakten zum neuen Album von Miles Kane:

1. „One Man Band“ ist das fünfte Soloalbum von Miles Kane und steht seit dem 4. August in den Plattenläden. Damit hat er hinsichtlich der Anzahl der Alben gleichgezogen mit seinen Veröffentlichungen als Bandmitglied von The Last Shadow Puppets (2), The Rascals (1), The Little Flames (1) und The Jaded Hearts Club (1).

2. „One Man Band“  bietet 11 Songs, die 33:06 Minuten laufen. Somit bleiben alle seine Soloalben bei einer Spielzeit von deutlich unter 40 Minuten. 


 


3. Normalerweise wird an dieser Stelle auch häufig auf den langen Zeitraum zwischen den letzten beiden Veröffentlichungen hingewiesen. Diesmal vergingen seit dem Vorgänger „Change The Show“ jedoch nur ein Jahr, sechs Monate und vierzehn Tage. Deutlicher Rekord für Miles Kane, der sich vom Northern Soul Sound seines letzten Albums ab- und von Gitarren dominiertem Indierock im Geiste von The Strokes und The Libertines zuwendet.


 


4. „One Man Band“ entstand in Zusammenarbeit mit James Skelly (Produktion) und dessen bruder Ian (Schlagzeug). Beide spielen in der Band The Coral und sind Cousins von Miles Kane. Beim Komponieren wurde er zudem von Tom Ogden, dem Sänger der Band Blossoms, sowie Keiran Shudall, dem Sänger von Circa Waves, unterstützt.

5. „One Man Band“ ist als CD und Kassette erhältlich. Wem das schwarz-weiß Foto, das ein Freund von Miles Kane aufgenommen hat, nicht gefällt, kann über dessen Homepage die CD auch signiert in einem bunten alternativem Artwork käuflich erwerben.


 


6. Bei der LP gibt es keine unterschiedlichen Cover-Varianten, aber man kann zwischen black Vinyl, transparent yellow Vinyl und clear Vinyl wählen. Im Shop von Miles Kane gibt es zur gelben Schallplatte noch eine 7’’ Single mit den Bonus Tracks „Time Of Your Life“, „See You On The Water“ und „My Death“.

7. Und da wäre noch die mittlerweile ausverkaufte, auf 750 Exemplare limitierte Auflage bei Blood Records: 'corona effect' black and white LP.

8. Vor der Veröffentlichung des Albums wurden gleich vier Singles ausgekoppelt: „Troubled Son“, „Baggio“, „The Wonder“ und „One Man Band“. 

9. „Baggio“ wurde von einem Treffen mit einem Idol von Miles Kane inspiert: dem Fußballer Roberto Baggio. Aber seht selbst:


 


10. Miles Kane scheint kein kritikerliebling zu sein. Seine Alben bewegen sich bei Metacritic rund um die 70-Punkte-Marke. Mit einem deutlichen Ausreißer nach unten: „Colour Of The Trap“ (2011; 73/100), „Don’t Forget Who You Are“ (2013; 71/100), „Coup De Gracee“ (2018; 57/100), „Change The Show“ (2022; 71/100) und „One Man Show“ (2023; 67/100).  

‘One Man Band’ is a mixed bag. After almost two decades making music, you’d think Kane would have a more definitive and distinct identity by now. Where he’s inventive and precise in directing his energy, he’s able to make real uplifting and imaginative indie bops. It’s a shame this album’s not full of them. The potential is there, but he’s not quite hit it.
(NME)

Returning with his fifth record, ‘One Man Band’, beloved modern Mod Miles Kane is bound to set festival stages ablaze with his infectious indie rock extravaganza.
Launching with the thumping opener, ‘Troubled Son’, the tone is immediately set for a high-octane, exhilarating, and thunderous album primed for live performances. (…)
Devoted followers of Miles Kane and fans of indie music will undoubtedly revel in this fifth offering, undoubtedly finding exhilaration through its live interpretations. But beyond that, it falls short of finding a remarkable status.