31. März 2023

The Reds, Pinks And Purples - The Town That Cursed Your Name


Eins, zwei, drei. Gut, alle Mitglieder des inoffiziellen deutschen Fanclubs von The Reds, Pink And Purples sind anwesend. Getroffen wird sich immer, wenn Glenn Donaldson ein neus Album veröffentlicht. Also ziemlich oft.

Letzte Woche bot „The Town That Cursed Your Name“ einen willkommenen Anlass. Dirk Red sagte zum Opener „Too Late For An Early Grave“, dass er ein Tanzflächenfüller in der Indie-Disco geworden wäre, hätte ihn Morrissey Mitte/Ende der 80er Jahre mit seinem kapriziösen Gesang veredelt. Ingo Pink ergänzt, dass die Textzeilen „never climbed the charts / destroyed the stage / brushed with fame / or joined the hit parade“ auf The Reds, Pink And Purples nun wirklich nicht mehr zutreffen würden, da letztes Jahr gleich drei ihrer Alben in die Top 20 bei Platten vor Gericht einziehen konnten. 
Zum anschließenden „Leave It All Behind“ stellt Oliver Purple fest, dass es sich zwar nicht um eine Coverversion von Ride handelt, der Song aber dennoch toll toll toll sei. Bei „Here Comes The Lunar Hand“ haucht er verzückt etwas von Sarah Records. Dirk Red hört nur das letzte Wort und antwortet mit „foliage green Vinyl“ und „cream Vinyl plus 7’’ Single“
Ingo Pink lobt die für die Band ungewöhnlich gitarrigen und flotten „Burning Sunflower“, „What Is A Friend?“ und „Mistakes (Too Many To Name)“. Oliver Purple sagt nachdrücklich, dass er nicht weiß, wie die Band live ist und dass er nicht mit Oliver Peel verwechselt werden möchte. 
Nach etwas mehr als einer halben Stunde bangt bei der abschließenden Piano-Ballade das gesamte Team um den Fortbestand des Fanclubs, denn diese trägt den Titel „Break Up The Band“.




30. März 2023

Ailbhe Reddy - Endless Affair


Ailbhe Reddy. Schnell noch einmal einen Blick auf den Namen werfen: Sind alle Buchstaben in der richtigen Reihenfolge? Beim Schreiben des Namens der irischen Singer/Songwriterin bin ich mir nie ganz sicher…

Ailbhe Reddy also. 2020 veröffentlichte sie zu einem unglücklichen Zeitpunkt ihr Debütalbum „Personal History“, das aber zumindest für den Choice Music Prize nomminiert wurde und somit in der Pandemie nicht vollkommen unterging. 

Nun ist es Zeit für den nicht minder persönlich geratenen Nachfolger „Endless Affair“, der zunächst in energetischem Indierock  („A Mess“, „Shitshow“) und tanzbarem Gitarrenpop („Damage“) die ausgelassene Seite der Jugend reflektiert. Im weiteren Verlauf der 12 Songs schleichen sich jedoch auch ruhigere Folk-Töne ein („Bloom“), finden Piano und Bläser den Weg in die Arrangements („Last To Leave“, „Shoulder Blades“) und werden die Themen düsterer (das Scheitern von Beziehungen oder die Sterblichkeit). 

Endless Affair“ ist seit Mitte März als CD und LP (Coke Bottle Clear Vinyl, Spring Green & Baby Pink Vinyl) zu haben und könnte junge Fans von Phoebe Bridgers und Julia Jacklin oder ältere Freunde von Aimee Mann oder Sinéad O’Connor erfreuen.

Ailbhe Reddy in Deutschland:
25.04.2023 Köln, Helios37
26.04.2023 Berlin, Frannz
27.04.2023 Hamburg, Nochtwache


Whilst tenderness flows through the veins of Endless Affair, it’s also permeated with moments of recklessness and humour. This is epitomized especially by Reddy’s half-hearted attempts to verbally get under an ex’s skin on ‘ILYW’ (‘I’m Losing You’re Winning’), and the the rolling rhythms and energetic riffs on ‘A Mess’. A reflection on an early, chaotic relationship, the track is a buoyant rumination on the cyclical nature of bad habits and a lively effort to move past them. Whilst the repetition of the titular lyric ‘A Mess’ could sting if it was delivered differently, Reddy claims it as a lighthearted label, accepting that youth and inexperience are all part of the learning process when it comes to forming healthy relationships.
Ultimately, Endless Affair is a patient, earnest reflection on personal growth and a heartening reminder that we’re all just ‘Amateurs’ trying to make sense of the bruises that mysteriously materialise on our bodies the morning after we’ve had too much of a good time. It reaffirms Reddy’s astute songwriting sensibilities and is a tonic for any extended emotional hangover.








29. März 2023

10 Schallplatten, die uns gut durch den April bringen


10. The Hidden Cameras - The Smell Of Our Own (LP) (14.4.2023)






9. Fenne Lily - Big Picture (LP) (14.4.2023)






8. Black Honey - A Fistful Of Peaches (Peach Coloured Vinyl) (7.4.2023)






7. Teleman - Good Time/Hard Time (LP) (14.4.2023)






6. Element Of Crime - Morgens um vier (LP, 180g) (6.4.2023)






5. Accidental Bird - The Old News Shrug (Blue Transparent Colored) (21.4.2023)






4. Athlete - Vehicles & Animals (2 LPs, 20th Anniversary Deluxe Edition) (7.4.2023)






3. Jungstötter - One Star (LP) (28.4.2023)






2. Daughter - Stereo Mind Game (Limited Edition, Eco Colored Vinyl) (7.4.2023)






1. The National - First Two Pages Of Frankenstein (Red Vinyl) (28.4.2023)







28. März 2023

Lana Del Rey - Did You Know That There's A Tunnel Under Ocean Blvd


10 (und mehr) physische Veröffentlichungen des neuen Albums von Lana Del Rey:

1. Cassette: ca. 12 €




2. Cassette: Alternative Artwork 2-5, ca. 12 €




3. CD: ca. 18 € (plus Alternative Artwork 2-4)




4. CD: Alternative Artwork 5, ca. 18 €




5. 2 LP: black Vinyl, ca. 40 €




6. 2 LP: green Vinyl, ca. 40 €




7. 2 LP: dark pink Vinyl, ca. 40 €




8. 2 LP: white Vinyl, ca. 40 €




9. 2 LP: pink Vinyl, ca. 40 €




10. 2 LP: Picture Disc, ca. 40 €



und das letztendlich nicht umgesetzte Plattencover:





 


Ein Gospelchor beginnt. „The Grants“, benannt nach dem Familiennamen Lana Del Reys, betrachtet den Tod tröstlich, ist eine berührende Ballade. Der Titeltrack folgt – und das Zweifeln: Unter der Stadt ist ein Tunnel, prächtig und verborgen. Wisst ihr überhaupt, dass es ihn gibt? Jetzt wissen wir es, denn sie erinnert an ihn. Höhepunkt dieses erstaunlichen Albums ist „A&W“, eine siebenminütige Séance, die sich von einem düster-glamourösen Klavierstück in einen Horror-Trap-Trip verwandelt. Besonders schön auch der impressionistische Piano-Walzer „Paris, Texas“. Del Rey ist im ambitionierten Modus, im Statement-Modus; das Album hat sechzehn Tracks und läuft achtzig Minuten, es gibt das minutenlange Field Recording eines Pfingstler-Gottesdienstes und ein Zwischenspiel vom Starpianisten Jon Batiste.




27. März 2023

The New Division - Modern Life


Jetzt müssten wir uns schon langsam einmal für einen der drei vorgeschlagenen Namen für unsere Band entscheiden: Die Richter, InDiOli oder Joy Order? 

Ich tendiere weiterhin dafür, es wie John Kunkel zu handhaben und unsere Begeisterung für Joy Division und New Order direkt im Bandnamen auszudrücken. Dieser hat übrigens mit „Modern Life“ kürzlich ein neues Album (CD, LP) herausgebracht, von dem wir uns musikalisch aber deutlich absetzen sollten, indem wir nicht so strikt in Richtung Synthpop gehen sondern düsterer klingen und vermehrt auf Saiten-Instrumente setzen sollten. Nein, Ingo, das Saxofon bleibt per Zwei-zu-eins-Abstimmung weiterhin verboten! 
Wenn man die 10 Songs von „Modern Life“ so hört, dann wäre vielleicht - anstatt The New Divion - der treffendere Bandname New Mode In The Dark gewesen. 

Wir müssen uns aber auch noch entscheiden, wer die Bernard Sumner-Rolle des schwachstimmigen Sängers übernimmt, nachdem uns unser Wunsch-Sänger leider verlassen hat. Nein, nicht durch Erhängen, wie bei Ian Curtis, sondern um die Karriere seiner eigenen Band 100 Meter links voranzutreiben und Texte wie diesen zu singen:
Ich geh’ die Straßen runter, seh’ die Stadt vor mir
Die Häuser und die Menschen, alles wirkt so hier
Ich spür’ den Wind, der mir ins Gesicht bläst
Ich weiß, ich bin allein, aber das ist okay.

Ja, das ist okay und das mit der Düsternis bekommen 100 Meter links textlich auch schon ganz gut hin, aber das ist doch nichts gegen eine Mitgliedschaft bei Joy Order, oder?








24. März 2023

Depeche Mode - Memento Mori


10 Fakten zum neuen Album von Depeche Mode:

1. Rund 10 Monate nach dem Tod von Andy Fletcher erscheint heute „Memento Mori“, das fünfzehnte Studioalbum von Depeche Mode bzw. das erste ohne seine Beteiligung. Es bietet 12 Songs in 50:24 Minuten.

2. Ihren seit 1993 („Songs Of Faith And Devotion“) eingehaltenen Vier-Jahres-Rhythmus konnten Depeche Mode diesmal nicht einhalten: „Memento Mori“ erscheint 6 Jahre und 7 Tage nach ihrem letzten Album „Spirit“.

3. James Ford (Arctic Monkeys, Foals, Florence + The Machine) war für Depeche Mode erstmals bei „Spirit“ als Produzent tätig, nun wird er in dieser Tätigkeit (sowie beim Programming) von Marta Salogni unterstützt. Die in London lebende Italienerin arbeitete zuvor bereits mit Björk, M.I.A., Frank Ocean, The xx oder Goldfrapp.

4. „Ghosts Again“ wurde am 9. Februar als erste und einzige Vorab-Single digital veröffentlicht. Physische Tonträger folgen erst am 31. März (CD) bzw. 21. April (12’’ Vinyl). Auf beiden Versionen befinden sich insgesamt fünf unterschiedliche Mixe des Songs sowie mit „Sundown“ eine Gordon Lightfoot-Coverversion. Nur in Deutschland gab es - mit den aktuellen Ausgaben von Rolling Stones und Musikexpress - zwei unterschiedliche 7’’ Singles.

5. In den deutschen Charts konnte „Ghosts Again“ eben so wenig überzeugen wie „Where’s The Revolution“ (#29), die erste Single aus „Spirit“: Mehr als Platz 28 war aufgrund der fehlenden physischen Tonträger nicht drin. Zuvor hatten seit 1984 alle ersten Singles aus Studioalben oder Best of-Compilations in Deutschland immer die Top 5 erreicht.


 


6. Das Musikvideo zu „Ghosts Again“ stammt selbstverständlich (wie auch die Plattenhülle und alle weiteren Visuals) von Anton Corbijn und stellt eine Reminiszenz an das Schachspiel mit dem Tod aus Ingmar Bergmans Film „Das siebente Siegel“ aus dem Jahr 1956 dar.

7. „Memento Mori“ ist als CD und Deluxe CD (Hardcoverbook, 24 Seiten, englisch), Kassette (translucent red Cassette). Die Schallplatte gibt es als Doppel-LP auf black Vinyl, opaque red Vinyl oder crystal clear Vinyl. Auf der vierten Plattenseite befindet sich ein Etching des Albumtitels. 

8. Mit „My Cosmos Is Mine“ wurde am 9. März ein weiterer Song vorab veröffentlicht. Der Opener des Albums ist jedoch keine weitere Single. 


 


9. Mit Richard Butler, dem Sänger von The Psychedelic Furs, fand Martin L. Gore einen Partner fürs Songwriting („Ghosts Again“, „Don’t Say You Love Me“, „My Favourite Stranger“ und „Caroline’s Monkey“). Fünf weitere Lieder schrieb er allein („My Cosmos Is Mine“, „Soul With Me“, „People Are Good“, „Always You“ und „Never Let Me Go“), eines mit Dave Gahan zusammen (Wagging Tongue“). Dave Gahan schrieb „Before We Drown“ (zusammen mit Peter Gordeno und Christian Eigner) und „Speak To Me“ (mit Christian Eigner, James Ford und Marta Salogni).

10. Depeche Mode werden ab Mai durch Europa touren und auch in Deutschland gastieren. Das sind die Termine:
26.05.23 Leipzig, Leipziger Festwiese
04.06.23 Düsseldorf, Merkur Spiel-Arena
06.06.23 Düsseldorf, Merkur Spiel-Arena
20.06.23 München, Olympiastadion
29.06.23 Frankfurt, Deutsche Bank Park
01.07.23 Frankfurt, Deutsche Bank Park
07.07.23 Berlin, Olympiastadion
09.07.23 Berlin, Olympiastadion

23. März 2023

CATT - Change


Apropos Cat Content: Hinter dem Bandnamen CATT verbirgt sich die aus dem Wendland stammende Catharina Schorling, die als Sängerin, Komponistin und Multiinstrumentaristin besticht und ihrem Debütalbum „Why, Why“ (2020) nun ihre zweite Platte folgen lässt.

Der Albumtitel wurde nicht umsonst gewählt, denn für die kreativen Prozesse, die zu „Change“ führten, veränderte CATT ihre Heransgehensweise: Sie komponierte zusammen mit ihrem Gitarristen Felix Anton Remm, zog als Co-Produzenten Aaron Ahrends (u.a. Von Wegen Lisbeth, Say Yes Dog) heran und nahm die 9 Songs (plus instrumentalem „Intro“) in Berlin gemeinsam mit ihrer Live-Band auf.

„Change“ bewegt sich zwischen tanzbarem, modernen Indiepop („Wild Heart“, „No One Ever Tells You“), Westcoast-Pop mit 70ies-Touch („Change“), dramatischen Klavierballaden („Spell Me Free“) sowie leichtfüßigen Folk-Momenten („Slow Motion Harmony“, „I’m The Wind“) und ist mit reichlich Blasinstrumenten bestückt.

CATT unterwegs in Deutschland:
28.11.23 Frankfurt, Brotfabrik
29.11.23 Oberhausen, Ebertbad
05.12.23 Leipzig, UT Connewitz
06.12.23 Hannover, Pavillon
07.12.23 Bremen, Tower
08.12.23 Hamburg, Knust
12.12.23 Erlangen, E-Werk
13.12.23 München, Strom
14.12.23 Tübingen, Sudhaus
16.12.23 Berlin, Columbiatheater


Interessanterweise beschränken sich die Veränderungen, die CATT auf ihrem zweiten Solo-Album besingt, weitestgehend auf die musikalische als die inhaltliche Ebene. Das hat einen ganz einfachen Grund: CATT singt auf „Change“ nicht über die besagten Veränderungen, die sich auch aus den eigenen Erfahrungen während der Pandemie speisen, sondern eher davon, wie sie sich fühlte, während sie die Veränderungen am eigenen Leibe erlebte. Dafür verlässt sie sich auf ihre üblichen Inspirationsquellen: Beziehungen zwischen Mensch und Natur (bzw. insbesondere den Bäumen), ihre Träume und ihr Unterbewusstsein. Verstehen muss man da nicht alles – das tut CATT ja selber nicht. In diesem Sinne hat sie aber den zuweilen mystischen Charakter ihrer bisherigen Veröffentlichungen bewahrt. Und die Moral von der Geschicht' offenbart sich dann im letzten Track „Slow Motion Harmony“, in dem CATT unter einer alten Eiche davon träumt, dass die Menschheit – trotz aller Veränderungen – in einer zeitlupenartigen Harmoniebestrebung ja vielleicht doch noch mal zu einem einvernehmlichen Auskommen finden möge.









22. März 2023

Talking To Turtles - And What’s On Your Mind?


Nach gestern braucht es mehr Cat Content im Gerichtssaal, denn wir sind ja schließlich nicht auf den Hund gekommen. Zumindest nehme ich an, dass es sich bei dem Zusammengepuzzelten Tier auf der Plattenhülle um eine Katze handelt, eine Schildkröte ist es auf jeden Fall nicht. 

Aber sprechen wir über Talking To Turtles, die nach ihrer letzten Platte „Split“, deren Veröffentlichung mittlerweile rund neun Jahre zurück liegt, von der Bildfläche verschwunden waren, was aufgrund des Albumtitels zunehmend doch Schlimmes befürchten ließ.

Das Leipziger Duo besteht aus Claudia und Florian Sievers, der hier in den letzten Jahren mit „Goldene Zukunft“ und „Transit“, den beiden Alben seines deutschsprachigen Projektes Das Paradies vor Gericht stand. Als Talking To Turtles wird jedoch zusammen auf Englisch gesungen und der Fokus deutlich in Richtung Folk verschoben. Die 10 ruhigen und entspannten Songs erzeugen auch aufgrund ihrer Produktion und der sparsamen Instrumentierung ein warmes sowie intimes Gefühl und stehen gelegentlich, wenn es etwas Richtung Folktronic und Indiepop geht, den Alben von Das Paradies recht nah. In der unten zitierten Plattenkritik aus dem Rolling Stone werden Sufjan Stevens und Tunng für Vergleiche herangezogen, ich fühle mich manchmal auch angenehm an Belle & Sebastian erinnert.  

07.05.23 Münster, Gleis 22
08.05.23 Köln, Jaki
09.05.23 Berlin, Hole 44
10.05.23 Rostock, Peter-Weiss-Haus
11.05.23 Hamburg, Knust
12.05.23 Erfurt, Franz Mehlhose
13.05.23 München, Ampere
14.05.23 Leipzig, UTConnewitz


 


Es ist eine freundliche Gelassenheit und sanfte Introspektion in dieser leise und unprätentiös gespielten Musik, die sich wiegt und langsam ausatmet.
Etwa bei „Grapefruit Knife“, einem vorsichtig groovenden Song, dessen Gesänge ein wenig an Sufjan Stevens erinnern, aber auch an die entsprechenden Momente in der Musik von Tunng. „And What’s On Your Mind“ entstand in einem Studio am nordfriesischen Deich, Florian und Claudia Sievers spüren dem Leben mit Offenheit und einer sehr bewussten Melancholie nach.




21. März 2023

Tanukichan - Gizmo


Hannah van Loon scheint einen Hang zu Tieren zu haben: Ihr Künstlername setzt sich aus dem Namen des japanischen Marderhundes (tanuki), dem in zahlreichen japanischen Geschichten und Mythen eine besondere Bedeutung zukommt, sowie einer Verniedlichungsform (chan) zusammen. Der Albumtitel entspricht dem Namen ihres Hundes, den sie zu Beginn der Pandemie adoptierte und auch noch gleich auf das Plattencover packte.

Die Musikerin aus Kalifornien hat auch eine Schwäche für Shoegaze und Dreampop: Nach ihrem Debütalbum „Sundays“ zieht es Tanukichan auf „Gizmo“ erneut in diese Richtung. Diesmal sind die 10 Songs etwas packender, griffiger und abwechslungsreicher geraten als beim Vorgänger und bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Lush („Take Care“, „Make Believe“) und My Bloody Valentine („Like You“, „Escape“).

„Gizmo“ - der Hund ist mittlerweile verstorben - erschien am 3. März als CD und LP (black Vinyl, sky blue Vinyl).


 


Man stellt aber fest, dass sie ihre selbstvergessenen Vocals mit einem verschlafenen Gitarren-Meer umspült und dabei trübe Basslines hinter einem Schleier aus Halleffekten kreisen lässt. Ja, genau, das nennt man Shoegaze.
Dabei erfindet sie das Genre nicht neu, hübscht es aber mit einer angenehmen Leichtfüßigkeit auf, indem sie es mit Pop-Melodien bespielt. Auf Tanukichans Debüt SUNDAYS spürte man noch die Verspultheit aus dem Zauberkabinett der Parade-Shoegazer My Bloody Valentine, diese weicht nun einem diverseren Konzept. „Escape“ bietet zum Einstieg noch den größten Shoegaze-Kick, darauf folgen Ausflüge in Blues („Like You“), Indie-Rock („Thin Air“) oder Postrock („A Bad Dream“). 


 





20. März 2023

Black Honey - A Fistful Of Peaches


Garbage sind euch nicht mehr hip und modern genug und die Pale Waves zu popig? Dann könnten Black Honey etwas für euch sein!

Ein Geheimtipp ist das Quartett aus Brighton in seiner Heimat nicht mehr, denn bereits das Debütalbum „Black Honey“ konnte 2018 Platz 33 der UK Charts erreichen und drei Jahre später ging es mit „Written & Directed“ bereits in die Top Ten (#7).

Mittlerweile haben Izzy Phillips (Gesang, Gitarre), Chris Ostler (Gitarre, Synthesizer), Tommy Taylor (Bass) und Alex Woodward (Schlagzeug) die 12 Songs für ihr drittes Album fertiggestellt. Dieses trägt den Titel „A Fistful Of Peaches“ und ist als CD, Kassette und LP (peach coloured Vinyl, red and orange Vinyl, mural Picture Disc, Dart Board Picture Disc, Peach Picture Disc) erhältlich. 




 


Starting off as they mean to go on, and in their usual RIOT GRRRL fashion, album opener “Charlie Bronson” acts as a musical middle finger to the stereotypes around women not being 'allowed' to be angry due to the connotations with being 'unfeminine'. Through the track, Phillips explores releasing her anger in therapy and coming to terms with the fact that you’re allowed to divulge going 'off the rails', with lyrics such as “Big smile just like Harley Quinn” and “Sign a postcard from my padded cell.”
Similarly, exploring the same vein of mental health (alongside “Rockbottom”), “Out Of My Mind” discusses the experiences of dissociation and feelings of vulnerability, where its becoming quickly clear that A Fistful Of Peaches is an homage to being open about your struggles and steeped in self-reflection.
Stepping back from the present, “Up Against It” is a heavily emotional look-back on childhood. Backed by emotion-fuelled basslines, the lead singers’ vocals deliver heartfelt lyrics in an ode to her younger self: “Give yourself a break kid.” Whereas, sitting on the other end of the genre-spectrum, “Weirdos” enlists the aid of insistent drums and reverbed vocals to deliver on of the punchiest tracks on the album – a “song for the weirdos.”







18. März 2023

M83 - Fantasy


„Die französische Band M83 hat mit "Fantasy" ihr mittlerweile siebtes Studioalbum veröffentlicht. Die Platte ist eine Reise in eine surreale Welt aus Träumen und Fantasien, die den Hörer in eine andere Welt entführt.

Mit pulsierenden Synthesizern, prägnanten Drums und atmosphärischen Gitarrenriffs schafft M83 eine Klanglandschaft, die von epischen Höhepunkten bis hin zu sanften Balladen reicht. Die Stimme von Sänger Anthony Gonzalez fügt sich nahtlos in die Musik ein und trägt dazu bei, dass die Songs eine emotionale Wirkung entfalten.

Die Platte beginnt mit dem einprägsamen Song "Reunion", der mit seinem treibenden Beat und den euphorischen Synthesizern direkt in den Bann zieht. "Wait" hingegen ist eine sanfte Ballade, die von einem ruhigen Klavier und emotionalen Vocals geprägt wird.

Auch der Song "Steve McQueen" ist ein Highlight auf "Fantasy". Die durchdringenden Drums und die dominanten Synthesizer erinnern an die Musik der 80er und setzen einen starken Kontrast zu den sanften Klängen anderer Songs auf der Platte.

Insgesamt ist "Fantasy" ein gelungenes Album, das seine Stärke vor allem in der Verbindung von emotionalen Texten mit einer ausgeklügelten Soundkulisse zeigt. Wer auf der Suche nach einem Ausflug in eine surreale Welt ist, wird mit dieser Platte definitiv fündig.“

Schon Erfahrungen mit ChatGPT gesammelt? Nein? Doch! Denn der oben stehende Text zu „Fantasy“ wurde von einer künstlischen Intelligenz zum Auftrag „Schreibe eine Plattenvorstellung der Platte "Fantasy" von M83“ verfasst.

Liest sich erst einmal ganz gut, ist aber vollgepackt mit Fehlern, denn es werden hier unter anderem zwei Alben von M83 unterschlagen („Fantasy“ ist ihre neunte Platte) als auch komplett falsche Liedtitel genannt, denn „Reunion“, „Wait“ und „Steve McQueen“ stammen aus dem Jahr 2012. 

Hören wir uns also mit „Oceans Niagara“ ein tatsächliches Lied von „Fantasy“ an und lesen dabei die Plattenkritik von jemandem, der das Album tatsächlich gehört hat:


 


Von den gelegentlichen Vaporwave-artigen Glitch-Effekten, die den Songs des Franzosen eine fast schon unheimliche Doppelbödigkeit verliehen haben, das Gefühl also, hier werde einem die heile Welt vielleicht nur vorgegaukelt, hat er sich jedoch weitestgehend verabschiedet. Stücken wie „Oceans Niagara“ oder „Amnesia“ hätte etwas weniger Ekstase und Harmoniesucht und etwas mehr Introspektion nicht geschadet. Auf diese Euphorie muss man sich einlassen können.


„Fantasy“ ist als CD und Doppel LP (black Vinyl, blue marble Vinyl, pink marble Vinyl) erschienen.

M83 werden in Deutschland:
18.06.23 Mannheim, Maifeld Derby
25.06.23 Berlin, Huxley’s Neue Welt

16. März 2023

Amber Run - How To Be Human


Wenn Amber Run im Mai für vier Auftritte in Deutschland gastieren werden, müsste jemand kurz für mich einen Blick in den Tourbus werfen, um zu überprüfen, ob dort die CDs von „The Bends“, „The Man Who“ und „Parachutes“ liegen, um rauf und runter gehört zu werden.

Denn offensichtlich eifern Joshua Keogh, Tom Sperring und Henry Wyeth auf ihrem vierten Album Radiohead, Travis, Coldplay und anderen melancholischen Indierockern mit Hang zu Pathos und zur akustischen Gitarre, die ab Mitte der 90er Jahre angesagt waren (Belasco kommen mir mehrfach in den Sinn), nach. Der Titelsong kratzt wahrlich an einem Radiohead-Plagiat (und ist trotzdem toll), „Honeylight“ ist der (zu) offensichtliche Radio-Hit-Versuch und steht mit „Funeral“ für einen etwas moderneren Sound. Mit „Ride“ oder „I MIss You“ gibt es weitere starke Song-Empfehlungen.

Das Trio aus Nottingham war seit „Philophobia“ (2019) ziemlich produktiv, denn „How To Be Human“ gingen mit „The Start (Act I)“, „The Start (Act II)“ und „The Hurt (Act III)“ drei EPs voraus, von denen sich rund ein halbes Dutzend Songs auf dem Album wiederfinden. 

„How To Be Human“ ist als CD, Kassette und LP erhältlich (black Vinyl, transparent amber Vinyl, orange/pink swirl Vinyl, zoetrope Picture Disc).

Amber Run in Deutschland:
19.05.23 Köln, Artheater
20.05.23 Berlin, Privatclub
21.05.23 Hamburg, Nochtspeicher
26.05.23 München, Strom




 


Songs like ‘Ride’, ‘Funeral’, and ‘Hurt’ offering a helping hand for when the weight of the world is holding you down, with the compassionate chorus of the latter in particular providing some of the band’s most tender lyricism to date (“When the water pulls you under, I’ll wrap my arms around you, I’ll hold you while you cry, And in the dark I’ll be your eyes“). While tracks like ”I Hope It’s Not Like This Forever’, ‘I Miss You’ and album highlight ‘The Beautiful Victorious’ are an encouraging push to be the person you want to be and seize the life you want to live, whether that’s in forging new connections or strengthening those you’ve taken for granted. 

Looking past the lyricism, the vocals too provide a unifying thread that sets How To Be Human apart from previous records. I can’t quite put my finger on it, but Joe Keogh’s voice feels like it’s really blossomed on this release. There’s a greater depth and maturity to it, a sanding down of rough edges, that at times made me wonder if I was listening to a different person entirely, before one of his unique expressive quirks allayed my fears. In the album’s softest moments we get chance to hear him push his limits, with flashes of Thom Yorke on the latter half of ‘Always Blue’ and sounding stunningly reminiscent of Jeff Buckley on closing waltz ‘The Last Dance’.


  


Music inevitably hits differently for everyone, but How to Be Human is chock full of intimate hits ready to soundtrack our best, brightest days as well as our darkest nights. From the poignant piano ballad “Funeral” and the cinematic “Ride,” to the rip-roaring ride of “The Start” and the raw, resounding, heart-on-sleeve beauty of album closer “The Last Dance,” How to Be Human takes our ears and our hearts on the roller-coaster ride of a lifetime.
Title track “How to Be Human” is an instant standout on the album, and easily one of its most magical and defining moments. Amber Run attack their cause as bluntly – and as beautifully – as possible here, spelling out in plain, passionate language the inner angst and torment that drives one to embark on this insatiable quest for meaning in the first place. Keogh and co. have never sounded better than they do on this song, as they build us up and break us down all at once.




 


15. März 2023

Last Tourist - Last Tourist


Schön, dass es im Vereinigten Königreich immer wieder Menschen gibt, die für sich den Shoegaze-Sound der 90er Jahre entdecken und diesem nacheifern.

Im konkreten Fall handelt es sich um John Wellby (Gitarre, Gesang) und Adam Simpson (Synthesizer) aus Leeds, die 2017 als Darkwave-, Shoegaze- und Synthesizer-Duo starteten und mittlerweile Nick Noble (Gitarre, Gesang) und Jason Booth (Bass) hinzu gewinnen konnten. Ihre Einflüsse reichen von Slowdive („Riding Seas“, „Spiritual Cove“) und Ride („Lust“) über The Jesus And Mary Chain („Black Raven“) bis zu Spiritualized („Cave In The Hills“).

Wem der Name Nick Noble bekannt vorkommt, der hat vermutlich aufgepasst, wenn ich hier wieder und wieder seine Band 93MillionMilesFromTheSun angepreisen habe. Weitere bekannte Namen, die auf den 11 Songs mitwirken: Krissy Vanderwoude (Gesang) von Whimsical und Simon Scott (Schlagzeug) von Slowdive. 

Das selbstbetitelte Debütalbum von Last Tourist wurde bereits Anfang Februar veröffentlicht, pink marble Vinyl ist bereits ausverkauft, aber orange with red and yellow marble Vinyl ist über ihre Bandcamp-Seite noch zu haben.


 


Last Tourist channels that ethereal mix of obscured vocals, distortion and echo beautifully. The vocals draw comparison with JAMC throughout, and across a number of tracks there are subtle elements of both Psychocandy and Darklands. Tracks like Riding Seas and Public Service have elements of Nowhere era Ride. The Slowdive influence comes through on Lemon Twist and Lust, and Cave in the Hills blends JAMC with Suicide. Interlude and Spiritual Cove blend Spacemen 3 and MBV.     
The band clearly wear their influences with pride, with Last Tourist more celebration than pastiche. And those were golden eras of music in many ways, so why shouldn’t they be celebrated?  This is an album to escape to and is all the better for that.  




14. März 2023

DIRK. - Idiot Paradise


Selbstverständlich gehört eine Platte von einer Band namens DIRK. von mir vor Gericht gestellt und als Verhandlungstag drängte sich dieser einfach auf, auch wenn die Veröffentlichung bereits elf Tage zurück liegt.

DIRK. sind ein Quartett aus Gent, das aus Jelle Denturck (Gesang, Bass), Pieter-Willem Lauwers (Gitarre), Frederik Desmedt (Gitarre) und Robin Wille (Schlagzeug) besteht. Mit „Cracks In Common Sense“ (2018) und „album“ (2020) haben sie bereits vor ihrer neuen Platte zwei Alben veröffentlicht. Darauf orientieren sich die Belgier am US-Alternative und Indierock der 90er Jahre und könnten Fans von Sonic Youth, Pixies, Dinosaur Jr oder Weezer für sich begeistern. „Idiot Paradise“ bietet 9 energetisch lärmende Songs in knackigen 33 Minuten und ist auf CD und LP (green, orange and blue splatter on white Vinyl) erhältlich. Zwischendurch wird nur beim Titelsong einmal kurz verschnauft und am Ende mit „Alarms“ ein Song über einen Zeitraum von 6 Minuten langsam bis zum lärmenden Finale aufgebaut.


Dirk. haben hier Lieder am Start die auf jedes - alte Zeiten und so - Mixtape gehören. Euphorische, eingängige, mitreißende Indiebrecher, die man nur feiern kann. Und die vor allem nicht nur aus dem Gestern stammen. Ein "Roman Numerals" zum Beispiel und ganz besonders ein "No" sind nur super-kräftig, super-hymnisch und super ohne alles, sondern auch gleichzeitig hippes Zeug. Rock N Roll und hier und da auch der Pop der Zwanziger mit dem Besten von gestern. Und genau das zieht die Band hier konsequent durch. Mal klingen sie dabei ein wenig verschrobener und Weezeresker (Afraid To Go Home), mal zumindest in Teilen einen Ticken ruhiger ("I Can't Sleep") und mal kommt ein Song fast schon straight aus den Boxen ("Half-Life"), niemals kommt er belanglos, niemals nur gut. Hier ist jedes Stück ein sehr, sehr starkes. Super Platte!


 


Was die Reise ins "Idiot paradise" so angenehm macht, ist die unverschämte Selbstsicherheit, mit der Dirk ihre Inspirationen vor sich hertragen. Sie sind gar nicht auf der Suche nach der neuen großen Idee. Die Gitarrenmelodien sind nostalgisch genug, dass man bei jedem Song kurz zum Fenster rausschauen und tief seufzen möchte. Und dann ballert einem "Help I'm going sane" doch wieder eine Rockschelle um die Ohren: "I still remain! I still remain! I still remain!" Das abschließende "Alarms" nimmt sich genügend Zeit, um auch ein Song von Death Cab For Cutie sein zu können und verwandelt sich gegen Ende zu einer Modest Mouse. Warum das alles nun bei jüngeren Leuten zu ziehen scheint, ist schwer zu sagen. Eine gewisse Zeitlosigkeit wohnt den Songs auf "Idiot paradise" inne.


13. März 2023

Miley Cyrus - Endless Summer Vacation


10 Fakten zum neuen Album von Miley Cyrus:

1. Die einzige Vorab-Single „Flowers“ entwickelte sich im Januar rasend schnell zum bisher größten Hit von Miley Cyrus, erreichte in über 30 Ländern die Spitze der Charts und wurde in Deutschland zu ihrer ersten Nummer-Eins-Single. Zuvor gelang ihr hier mit „Wrecking Ball“ (2013; #6) nur eine Top Ten-Platzierung. 

2. Auch beim Streaming Dienst Spotify pulverisierte der Song zahlreiche Rekorde: In der ersten Woche erfolgten 96 032 624 Aufrufe, die den vorherigen 7-Tage -Rekord von Adeles „Easy On Me“ um mehr als 10 Millionen überboten. Dieser Rekord ist aber mittlerweile nicht mehr aktuell, denn in der zweiten Woche wurde „Flowers“ 115 156 896 mal gestreamt.


 


3. „Flowers“ soll sich wohl an ihren Ex-Ehemann Liam Hemsworth richten und wurde passend zu dessen Geburtstag veröffentlicht. Der Song bezieht sich einerseits auf ihr gemeinsames Haus in Malibu, Kalifornien, das im November 2018 während des Woolsey Fire niederbrannte und ist andererseits eine Paraphrase zu „When I Was Your Man“ von Bruno Mars, welches Hemsworth seiner Ex-Frau in der Vergangenheit gewidmet hatte.

4. Jetzt aber genug mit „Flowers“, denn „Endless Summer Vacation“ bietet schließlich insgesamt 12 Songs, die 39:44 Minuten laufen. Digital gibt es noch, äh, die Demo-Version von „Flowers“ obendrein.

5. Die Liste der Songwriter und Produzenten, die an der Entstehung von Miley Cyrus’ achtem Album beteiligt waren, ist lang. Beschränken wir uns hier auf die Nennung von Greg Kurstin (Adele, Foo Fighters, Liam Gallagher, Sia), Kid Harpoon (Harry Styles, Lykke Li, Florence + The Machine), Jesse Shatkin (Sia, Kelly Clarkson, Paloma Faith), BJ Burton (Bon Iver, Low) und Tyler Johnson (Harry Styles).

6. „Endless Summer Vacation“ wurde am 10. März 2023 veröffentlicht und ist in folgenden Formaten erhältlich: CD und LP (black Vinyl, white Vinyl, crystal clear Vinyl, opaque red Vinyl).


  


7. „River“ erschien als zweite Single am gleichen Tag wie das Album. Während „Flowers“ die so genannte AM-Seite ("the morning time, where there's a buzz and energy and there's a potential of new possibilities") des Albums eröffnet, ist „River“ der erste Song der PM-Seite („the nighttime, which feels like there's a slinky, seediness and kind of a grime but a glamour at the same time"). 

8. Das Plattencover wurde von der New Yorker Fotografin Brianna Capozzi abgelichtet als Miley Cyrus an einem Trapez unter einem helikopter hing. Parallelen zu einem berühmten Foto von Madonna (ohne Badeanzug) zu Zeiten ihres „Sex“-Buches sind vermutlich beabsichtigt.

9. Sia („Muddy Feet“) und Brandi Carlile („Thousand Miles“) sind auf zwei Songs des Albums als Gaststimmen zu hören.

Insgesamt betrachtet ist „Endless Summer Vacation“ ein eher nachdenkliches Werk. Es ist nicht voll von beschwingtem Pop und sommerlichen Singalongs. Der Titel ist also ein wenig ironisch gemeint. Cyrus lässt ihre Fans in der Regel im Ungewissen, wohin sie sich stilistisch entwickeln wird, und das ist auch hier nicht anders.
Für die Akustikballade „Thousand Miles“ holt sie sich die Country-Rockerin Brandi Carlile ins Boot. Hier verschmelzen Pop, Americana und Country nahtlos zu einer straff arrangierten und gut vorgetragenen Nummer. Carliles Gesang wird nur für die Harmonien verwendet, aber fügt sich gut in Cyrus‘ Gesang ein. Der Song schließt sogar mit einem Akkordeon- oder Mundharmonika-„Riff“ ab.
Die bluesige Ballade „You“ wiederum ist noch sanfter. Ein sparsames Arrangement aus Tasten und Schlagzeug. „Let’s crash a wedding tonight/ Get drunk by the light/ And I’ll pick a fight to make up on the floor of your room/ But only if it’s with you,“ singt sie über den Hin-und-Her mit einem Lover.
„Handstand“ fungiert als klanglicher Wendepunkt, der das Album in eine weitere Biegung führt. Es beginnt mit Synthesizer-Flächen und einem gesprochenen Intro. Es folgt eine Kombination aus spacigen Loops, elektronischen Klängen und einem Heavy Beat. Eine gelungene Einstimmung auf die beschwingten Synthie-Klänge von „River“. Wiederum mit einem pulsierenden Beat und Pop-Hooks. Es gilt auch hier die „Regel der Zurückhaltung“.
Einer der Höhepunkte des Albums kommt schnell. Und geht schnell, setzt ihren neuen Weg fort: „Muddy Feet“ ist ein Mix mit Sia, die erneut eine Art Cameo-Rolle übernimmt. Ein rauer Stomper mit den klassischen Rock-Tönen von „Plastic Hearts“. „Bin ich auf einer Insel gestrandet/ Oder bin ich im Paradies gelandet?“ fragt Cyrus.
Die Platte endet mit „Wonder Woman“, einer Klavierballade über Widerstandsfähigkeit, Reisefieber und das Überwinden der Höhen und Tiefen des Lebens. Eine schöne und düstere Note zum Abschluss.

10. Bei Metacritic pendeln die Bewertungen zu den Alben von Miley Cyrus zwischen 48/100 Punkten („Can’t Be Tamed“, 2010) und 75/100 Punkten („Plastic Hearts“, 2020). Nun toppt „Endless Summer Vacation“ diesen Durchschnittswert deutlich und liegt bei einem Metascore von 81/100.


12. März 2023

Jen Cloher - I Am The River, The River Is Me


Mit ihrem vierten Album tauchte Jen Cloher 2017 plötzlich in den australischen Charts auf: „Jen Cloher“ erreichte Platz 5 der Charts und wurde - möglicherweise auch aufgrund ihrer Partnerschaft mit Courtney Barnett - außerhalb ihrer Heimat vielfach und positiv wahr- bzw. aufgenommen.

Seitdem sind fünf Jahre vergangen, die Beziehung mit Barnett ging in die Brüche, sie veröffentlichte 2019 ein Album mit Mia Dyson und Liz Stranger („Dyson, Stinger Cloher“) und arbeitete an ihrem fünften Soloalbum.

I Am The River, The River Is Me“ bietet zehn vielschichtig instrumentierte Folk-Songs, die gelegentlich in Richtung Pop („My Witch“) und Rock treiben („Being Human“, „Aroha Mai, Aroha Atu“), und in Neuseeland und Australien mit zahlreichen Gästen aufgenommen wurden. Auffällig sind die vielen Maori Musiker, Clohers textliche Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Maori-Erbe und die teilweise in ihrer Muttersprache gesungen Lieder. Neben den persönlichen Themen spielen Queerness und Kommenatre zu aktuellen politischen Sitauationen textlich eine besondere Rolle auf dem Album. 

„I Am The River, The River Is Me“ ist als CD und LP (white marble Vinyl, dark green marbled Vinyl und solid green Vinyl) erschienen. Der Chart-Erfolg vom Vorgänger konnte trotz vielfach hervorragender Kritiken nicht ganz wiederholt werden: „I Am The River, The River Is Me“ erreichte Platz 30 in Australien. 

Jen Cloher wird zwei Konzerte in Deutschland spielen:
22.06.23 Hamburg, Molotow
23.06.23 berlin, Privatclub


Protest Song behandelt die verheerenden Buschbrände Australiens, die 2019/20 Millionen Tiere und tausende Hektar Natur zerstörten. Der Track lebt von Bläsern und ist ruhiger als vorangehende Tracks. Auch The Wild bleibt ruhiger, begeistert jedoch am Ende mit Vocals à la “Great Gig In The Sky”. Cloher hat sich durch die Pandemie intensive Gedanken über ihre Aufgabe als Künstler*in gemacht und konnte sich letztendlich am besten mit den Worten Nina Simones identifizieren, dass die Verantwortung darin liegt, die Realität widerzuspiegeln, in der man sich befindet. Das tut Cloher auf diesem Album auf beeindruckende Art und Weise. Punkiger wird es auf Aroha Mai, Aroha Atu. Dreamy und ruhig überzeugt He Toka-Tu-Moana. Übersetzt heißt es, stehe standhaft wie ein Fels im Ozean und der Chor überbringt die Nachricht, dass man fest an den Worten seiner Vorfahren festhalten soll. Mit I Am Coming Home geht das Album kraftvoll zu Ende. Die geballte Bandkraft macht das Lied zu einem Erlebnis.
I Am The River, The River Is Me fühlt sich wie eine Wiedergeburt Jen Clohers an. Es ist wunderbar und wichtig indigene Repräsentation von etablierten Künstler*innen unterstützt zu sehen. Cloher hat nicht nur ein großartiges Album, sondern ein Stück Weltgeschichte in 10 Tracks verpackt.




 


Das Gute an ihrem ersten Album seit 2017 ist, dass ihre Musik nie hinter Agenda und Message verschwindet. So kontrastiert sie den Lagerfeuer-Folk von „He Toka-TuMoana“ mühelos mit Stop-and-Go-Pop („My Witch“) oder dem explosiven „Being Human“ und macht die Disziplin Protestsong zur Folie für ganz persönliche Disziplin, getragen von Vibrafon und Bläsern. Das gefällt nicht nur Courtney Barnett und Kurt Vile, die schon mit Cloher gearbeitet haben.







10. März 2023

Steve Mason - Brothers & Sisters


I will now sell five copies of „The Three EPs“ by The Beta Band,“ sagt Rob Gordon, der Besitzer des Plattenladens in der filmischen Adaption von Nick Hornbys „High Fideltity“, legt „Dry The Band“ auf und wird vermutlich Recht haben.

„I will now sell five copies of „Brothers & Sisters“ by Steve Mason,“ könnte jetzt Rob Gordon, oder jeder andere Besitzer eines Plattenladens, sagen, „I’m On My Way“ auflegen und den Umsatz seines Geschäftes ankurbeln. Möglicherweise würde ein so auf den ehemaligen Sänger der Beta Band aufmerksam gemachter verrückter Vinyl-Sammler sogar gleich black Vinyl, gold Vinyl und die black and red splatter effect LP auf den Tresen legen.

„Brothers & Sisters“ ist das fünfte Soloalbum von Steve Mason seit der Trennung von The Beta Band im Jahr 2004. Auf den 11 Titeln verbindet der Schotte textlich Persönliches und Politisches, so dass er selbst von einem „Post Brexit Fuck Immigration“-Album spricht. 

Dass man gelegentlich nicht nur an The Beta Band sondern auch an Primal Scream denken muss, etwa bei „All Over Again“ oder „The People Say“, liegt an der Zusammenarbeit mit dem im Dezember 2022 verstorbenen Martin Duffy (Felt, The Charlatans, Primal Scream).

Ich persönlich hätte die Weltmusikausflüge auf dem Album, wie zum Beispiel bei „No More“ oder „Brixton Fish Fry“, die zusammen mit dem pakistanischen Musiker Javed Bashir entstanden sind, nicht benötigt. 

Aber die Plattenkritiker lieben Steve Mason: Zum fünften Mal steht er bei Metacritic auf oder jenseits der 80-Punkte-Marke, „Brothers & Sisters“ kommt auf einen Metascore von 82/100. 
 

 


Brothers & Sisters, Steve Mason’s fifth solo album, is also one of his very best. Returning to the earlier, ornate experimentation that defined his leadership of The Beta Band, Brothers & Sisters is a direct, refreshing listen, full of melody and weirdness. Whereas 2019’s About The Light at times bordered on the obvious, there is plenty of invention and curiosity afoot on Brothers & Sisters, from the opening Devo-esque menacing corporate anthem Mars Man to the beautiful, closing title track that seeks redemption on the dancefloor. Travelling Hard with its horn-laden hooks, driving bassline and gospel choir demonstrates how Mason is now able to achieve the ideas he could only hint at two decades ago.


 


The standout track on the album is the album closer. ‘Brothers And Sisters’ feels like it was either written in lockdown when Steve Mason was craving some contact with the world that a few weeks before was normal, and made sense, or it’s a scathing attack on how towns across the country are seeing venues, clubs and pubs, closedown due to gentrification and government indifference.
It doesn’t really matter that Steve Mason calls himself – the music is always great. It has that inventive spark that you don’t see that often. Whether he’s calling himself The Black Affair, King Biscuit Time or is a member of Knave, The Beta Band, the 2nd Generation, SetXis or Alien Stadium the music is always great. On ‘Brothers And Sisters’ he sounds like he feels comfortable being in his skin and writing uplifting music that doesn’t have a massive political message, though one is there. It doesn’t have a massively personal message, though it is there. Instead, he’s written an album for everyone.