20. August 2026

Grandmas House - Baby You’re A Winner


Bei der nächsten Aktualisierung der Encyclopædia Britannica wird hinter dem Begriff „Reibeisenstimme“ ein Foto von Yasmin Berndt zu sehen sein, samt Link zu ihrer Band Grandmas House.

Das aus Bristol stammende Quartett wurde von Yasmin Berndt (Gesang, Gitarre) und Poppy Dodgson (Gesang, Schlagzeug) gegründet und später von Zoë Zinsmeister (Bass, Gesang) und Polly Jessett (Gitarre) vervollständigt. Seit 2021 haben sie im Zwei-Jahres-Rhythmus drei EPs veröffentlicht, nun folgt das Debütalbum.

„Baby You’re A Winner“ wurde von Ali Chant (PJ Harvey, Perfume Genius, Yard Act) produziert und in dessen The Playpen Studio aufgenommen. Auf den 12 dynamischen Songs rocken sich die Damen durch Alternative Rock, Post-Punk und Grunge, bauen stellenweise Bläser- („Dog“) sowie ruhigere Folk-Texturen („Soaked“, „Spring“) ein und stellen den stimmlichen Gegensatz zwischen Yasmin Berndt und Poppy Dodgson besonders heraus („Taxidermy“). 

Wenn Pixies, Nirvana und Idles häufiger auf deinem Plattenteller landen, dann könnte auch Grandmas House etwas für dich sein. „Baby You’re A Winner“ ist als CD und LP (White Vinyl, Yellow Vinyl with a Red Marble Effect, White with Smoke Marble Vinyl) erhältlich.

Grandmas House kommen im Herbst auch nach Deutschland:
07.10.26 Köln, Bumann & Sohn
11.10.26 Hamburg, Hafenklang
18.10.26 Berlin, Neue Zukunft
19.10.26 München, Substanz


 


 


 




19. August 2026

Elanor Moss - The Knife, The Needle


Klar, wenn man in Lincolnshire (England) in einer katholischen, kreativen Familie aufwuchs, Musik primär bei Kirchenveranstaltungen kennenlernte, englische und mittelalterliche Literatur in York studierte und dort eigene Songs auf Open-Mic-Abenden vortrug, dann will das mit Aufnahmen in New York City nicht richtig funktionieren. Kein Wunder, dass die Singer/Songwriterin Elanor Moss ihr Debütalbum in einer Hütte in den schottischen Highlands einfach neu aufnahm und den rockigeren New York-Ansatz einfach verwarf. Zu hören sind die neun Songs von „The Knife, The Needle“ nun in sanften, intimen Folk-Fassungen, so dass man Moss zwischendurch tief durchatmen und „Secrets, Take Two“ ankündigen hört oder auch Vogelgezwitscher lauschen kann. Es dominieren die Akustikgitarre und Moss’ Stimme, dazu gesellen sich Bläser- und Streicherarrangements, so dass Freunde von Joni Mitchell bis Nick Drake gefallen an dem Album finden werden. „The Knife, The Needle“ ist als CD und LP (Clear Purple Wave Vinyl) über Merge Records erhältlich.


 


 




18. August 2026

The Anchoress - As We Once Were


Dass auf „Versions“ (2023), dem zuletzt veröffentlichten Cover-Album von The Anchoress, kein Song von Mansun sein würde, war absehbar. Denn Catherine Anne Davies wurde im November 2022 eine sechsmonatige Stalking-Schutzanordnung gegen ihren langjährigen musikalischen Partner Paul Draper zugesprochen. Dem ehemaligen Frontmann von Mansun wurde vorgeworfen, Davies gestalkt und „beleidigende sowie sexuell geprägte“ Nachrichten verschickt zu haben.

Zumindest ihr Verhältnis zu James Dean Bradfield scheint ungetrübt zu sein. Er war auf ihrem Album „The Art Of Losing“ (2021) zu hören, nachdem Catherine Anne Davies 2018 auf der Manic Street Preachers Single „Dylan & Caitlin“ (2018) als Duettpartnerin fungierte. Seitdem trat sie mehrmals mit der walisischen Band auf und selbstverständlich fand auch einer ihrer Songs („This Is Yesterday“) auf das Coveralbum von The Anchoress. 


   


Selbstverständlich ist Bradfield auch auf „As We Once Were“, dem dritten Studioalbum von The Anchoress, als Sänger und Gitarrist auf dem Song „Throw Over Your Man“, der von den Liebesbriefen zwischen den Literaturlegenden Virginia Woolf und Vita Sackville-West inspiriert wurde, vertreten. Mit Hannah Peel („All Fall Down“) und Gwenno („I Had A Baby Not A Lobotomy“) gibt es zwei weitere bekannte Mitstreiterinnen. Die junge Londoner Singer/Songwriterin Eaves Wilder, die auf dem Track „Damsels“ zu hören ist,  war mir vorher noch nicht bekannt.


 


„As We Once Were“ entstand über einen Zeitraum von zwei Jahren, in denen Davies nach der Geburt ihrer Tochter musikalische Ideen sammelte. Sie produzierte das Werk selbst in ihrem Studio „Black Lodge“, für den Mix zeichneten Dave Eringa (Manic Street Preachers, Idlewild) und Mikko Gordon (The Smile, Idles) verantwortlich, das Mastering übernahm Jon Astley (The Who, Tori Amos). Davies beschreibt das Album als „ein Gespräch über vier Generationen von Frauen hinweg“, da es einerseits die Töne ihres eigenen Nachwuchs gab und sie andererseits die Stimme ihrer Großmutter auf einer Kassette auf dem Dachboden ihrer Mutter entdeckte. Sie erforscht auf den 14 Titel (inklusive kurzen instrumentalen Episoden) Themen wie Verlust, Trauma und Elternschaft sowie die Wiedergeburt. 

„As We Once Were“ ist als CD (Gatefold CD Album, Deluxe 2CD Hardback Media Book), Kassette und Doppel-LP (Linen Vinyl, Coral Vinyl, Blue Vinyl) erhältlich.


The cleverly-titled "I Had a Baby Not a Lobotomy" finds Davies dealing with perceptions of women after they have children. It's a little Annie Lennox-y, and sleek and supple too. Elsewhere, "Damsels" benefits from guest vocals from Eaves Wilder, with the track clearly showing its inspiration from stuff like Cocteau Twins and early Slowdive. An appearance from Dominic Chad from Mansun on guitar on "What You Did" gives that number a suitably windswept sheen.
Even without significant guests, stuff like the title track is smart synth-rock that blends Davies' own highly personal POV with a style that has broader appeal, even as the intimate and Lennon-y "All I Really Want is Peace" hits a lush note in the right way. That Davies is able to maintain her vision equally well on tracks that are just her as well as on others with such distinctive guest musicians makes As We Once Were all the more impressive.
(…) This is big, bold music with lyrics that go a little deeper, thankfully, and tracks which both soar and ruminate. This new effort from The Anchoress is highly recommended.


17. August 2026

Man/Woman/Chainsaw - Cannonball


Bitte auf jeden Fall einen Platz in euren diesjährigen Singles Charts für „Nosedive“ von Man/Woman/Chainsaw reservieren!


 


Das Londoner Sextett besteht aus Billy Ward (Gesang, Gitarren), Emmie-Mae Avery (Gesang, Keyboards), Vera Leppänen (Gesang, Bass), Clio Starwood (Geige), Billy Doyle (Gitarre) und Lola Cherry (Schlagzeug). Bereits mit 14 Jahren musizierten Ward und Leppänen gemeinsam, drei weitere Bandmitglieder wurden an ihrer Schule gefunden und 2019 stand das komplette Lineup des Sextetts. Bis zu den ersten Singles, „Any Given Sunday“ (2022) und „What Lucy Found There“ (2023), sollte noch etwas Zeit verstreichen, für ihre erste EP („Eazy Peazy“, 2024) mit sechs Songs nahm sie Fat Possum Records unter Vertrag. Bei einem weiteren Label (So Young Records) erschien 2025 die Doppel-A-Seiten-Single „Adam & Steve“ / „Only Girl“ und dann schlug Fiction Records für das Debütalbum zu und nahm Man/Woman/Chainsaw unter Vertrag. Für die 11 Lieder auf „Cannonball“ verzichtete die Band mit Ausnahme von „Only Girl“ auf alle zuvor veröffentlichten Songs. 

Cannonball“ bietet stürmischen Indiepop mit Streichern, rumpelnd-sperrigen Noiserock und unkonventionellen Artrock mit vielstimmigem Gesang, irgendwo zwischen Arcade Fire und Black Country, New Road. Das Album ist als CD und LP (Black Vinyl, Red Vinyl, Blue and Clear Marble Splatter Vinyl, Berry Vinyl, Black with Orange, Yellow & Cream Splatter Vinyl) erhältlich.


 


Elf Tracks zeigen die Bandbreite und Spielfreude der fröhlichen Schar. Vier Frauen, zwei Männer. Gleich der erste Track „Only Girl“ hat das Zeug zum Indie-Hit. Hymnisch nimmt man Bezug auf eine Endsiebziger-Singer/Songwriter-Tradition der Wärme und Kraft, setzt die Violine als gleichberechtigtes Instrument ein, bespielt Überschwang und Lebenslust.

Der Jetzt-schon-Hit „Nosedive“ bezieht sich klar auf die frühe, noch gute Phase von Arcade Fire, die die Band ja auch nur vom späteren Nachhören kennen kann, denn da war noch keines ihrer Mitglieder geboren. Tja. Hier muss und darf jede:r der begabten Sechs ran. Mal besingt einer der schmalen Boys in Nick-Cave-Manier den „Goddamn Lizard Man“, mal wird Lola-Young-Qualität erreicht („Still Angry“). Zwischen „Poison“ und Prog-Rock verführen die elf Tracks. Aus ihren verwaschenen, schlecht sitzenden 2000er-Outfits heraus verblüffen die Musiker:innen aufs Schönste. 





14. August 2026

Phoebe Bridgers - Lost Weekend


10 Fakten zum neuen Album von Phoebe Bridgers:

1. Als erste und bisher einzige Single wurde am 25. Juni 2026 „Lost Boys“ veröffentlicht. Es ist ihr erster Song, der in die UK Singles Charts einziehen konnte (#50) sowie ihre höchste Platzierung in den US Adult Alternative Airplay Charts (#3).  

2. Das Video zu „Lost Boys“ entstand unter der Regie von Lance Oppenheim und Pablo Rochat. In diesem ist auch der Schauspieler Skyler Gisondo („Santa Clarita Diet“, „Licorice Pizza“) zu sehen, mit dem Bridgers für den Film „Primetime“, der im Herbst in die Kinos kommen wird, zu sehen. Regie führte der bereits erwähnte Lance Oppenheim. Im Videoclip ist Bridgers als Elfe in einem LARP-Spiel auf einem Renaissance-Markt sowie abschließend im Videospiel „RuneScape“ zu sehen.  


 


3. Nachdem Phoebe Bridgers 2017 („Stranger in The Alps“), 2018 („Boygenius“, als ein Drittel von Boygenius), 2019 („Better Oblivion Community Center“, als die andere Hälfte von Conor Oberst bei Better Oblivion Community Center ) und 2020 („Punisher“) ein Album nach dem anderen veröffentlichte, trat sie danach etwas auf die Bremse: erst 2023 folgte, erneut mit Boygenius, „The Record“ und 2025 eine selbst gewählte Auszeit. Blickt man nur auf ihre Soloalben, so sind seit „Punisher“ stolze 6 Jahre, 1 Monat und 28 Tage (insgesamt 2.249 Tage) vergangen.

4. „Lost Weekend“ erscheint, wie die beiden Vorgänger, über Dead Oceans. Das Album bietet 16 Songs (darunter u.a. eine Reprise des Titelsongs) und dauert 52:26 Minuten. Es steht am 14. August 2026 als CD, Doppel-LP und Kassette in den Plattenläden.

5. Die besonderen Vinyl-Varianten sind: „Rogue Planet“ Edition (Green Vinyl with Glow-in-the-Dark Splatter), „Far Side of the Moon“ Dinked Edition (Custom Colored 2xLP im Spezial-Gatefold), „Pluto Glaciers“ Edition (Clear with Ice Blue & White Splatter), „Pale Blue Dot“ Edition (Pale Blue Opaque Vinyl), „Neptune Winds“ Edition (Dark Blue with Silver Glitter Vinyl), „Regolith“ Edition (Clear Vinyl with Silver Glitter Vinyl), „Europa Ice“ Edition (Blue 2-Color Galaxy Effect with Glitter Vinyl) und „Zodiacal Light“ Edition Iridescent White with Blue and Glitter Streaks Vinyl).

6. Es wurde, erneut wie die beiden Vorgänger, von Phoebe Bridgers, Ethan Gruska von The Belle Brigade und Tony Berg (Boygenius, Taylor Swift) produziert. Hinzu stieß diesmal noch der Produzent Jack Antonoff (Lana del Rey, Taylor Swift, Lorde, St. Vincent, Florence + the Machine).

7. Die Liste der Gastmusiker und Co-Songwriter ist lang, prominent besetzt und erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit: Alex G, Blake Mills, Jack Antonoff, Bo Burnham, Maya Hawke, Meg Duffy, Damien Jurado, der Kern von Bright Eyes (Conor Oberst, Mike Mogis und Nate Walcott) und die restlichen zwei Drittel von Boygenius (Julien Baker, Lucy Dacus). 

8. Das Album ist ihrem im Dezember 2022 verstorbenen Vater Tony Bridgers gewidmet. Auf dem kurzen Track „Never Going Back!“ ist eine echte Voicemail von ihm zu hören, unterlegt mit Banjo-Klängen. Inhaltlich behandelt „Lost Weekend“, neben dem Verlust und der Trauer um ihren Vater, die Verarbeitung vergangener Beziehungen (u. a. Anspielungen auf die gelöste Verlobung mit Paul Mescal im Titelsong) und die Auseinandersetzung mit Entfremdung durch Ruhm.

9. Bei Metacritic scheint für Phoebe Bridgers keine Grenze zu existieren: „Stranger in The Alps“ kommt auf einen Metascore von 82/100, „Punisher“ steht bei 90/100 und „Lost Weekend“ aktuelle bei 92/100. Damit steht sie dort aktuell auf Platz 1 der Charts des Jahres 2026, da bisher noch kein anderes Album mehr als 89 Punkte aufweisen konnte.

Genau darin liegt die Kunst von "Lost weekend". Die Songs antworten einander, Erinnerungen tauchen anderswo wieder auf, alte Liebe steht neben neuer. "The past is looking brighter all the time", heißt es in "Liberty tree". Trotz Tony Berg, Ethan Gruska, Jack Antonoff, Alex G und Bridgers selbst an den Reglern klingt auch die Produktion wie aus einem Guss. Intimität, Entfremdung und Euphorie bekommen ihre eigene Form, Ausbrüche und abrupte Abbrüche wirken nie wie Gimmicks. Auch "Lost weekend (reprise)" ist mehr als ein obligatorischer Nachsatz. Über Orgel und ätherischen Stimmen bringt Bridgers dort die verschiedenen Fäden zusammen: "He's not coming back", heißt es über den Vater, aber "I still live by the things he taught me". Die alte und die neue Liebe, der Tod des Vaters und die eigene Abwesenheit aus der Öffentlichkeit finden in diesem letzten Song zusammen.


10. Auf der „The Lost Tour“ wird Phoebe Bridgers 2026 auch für zwei Auftritte in Deutschland gastieren:
08.12.26 Düsseldorf, PSD Bank Dome
09.12.26 Berlin, Velodrome


13. August 2026

Shearwater - The New World


Ob Jonathan Meiburg zu seinem 10. Geburtstag bereits das damals frisch gepresste „The Colour Of Spring“ (1986) geschenkt bekommen hat? Oder ob er als junger Teenager die weitere Wandlung von Talk Talk auf „Spirit Of Eden“ (1988) und „Laughing Stock“ (1991) mit verfolgt hat?

Vermutlich nicht. Das hindert ihn aber nicht daran, zusammen mit seinen festen musikalischen Mitstreitern Emily Lee und Dan Duszynski sowie zahlreichen Gastmusiker*innen in die großen Fußstapfen von Mark Hollis & Co. zu treten und diese so gut auszufüllen, wie nur wenige zuvor. 

Laurie Anderson spricht auf dem 7-minütigem „You and Your Dog“, Streicher spielen groß auf („Daydream Unbeliever“), Saxophon, Klarinette oder Flöte geben sich dem jazzigen Gedudel hin und Kalebasse, Tamma sowie Yabara scheinen ebenfalls Musikinstrumente zu sein. Zwischendurch hören wir in diesem atmosphärischen, rätselhaften Art Rock noch Feldaufnahmen von deutschen Kirchenglocken und Amseln, tasmanischen Flüsse und Waldraben oder Kojoten in den kalifornischen Bergen.

Vier Jahre arbeiteten Shearwater an „The New World“, das in London, Berlin, New York und dem Hauptquartier der Band in Texas aufgenommen wurde und sich für die Bezeichnung „Kopfhörerplatte“ qualifiziert. Vielfach wird vom besten Album in der mittlerweile auch schon 25-jährigen Karriere der Band gesprochen.


 


Atmosphäre ist alles, Klang schwillt langsam an und wieder ab, im Hintergrund schabt irgendetwas, weiter vorne wird eine Gitarre wie aus Versehen angeschlagen, ein Baby schreit, eine Kirchenglocke ist zu hören oder ein Kojote, ein Blasinstrument meldet sich schüchtern, Songstrukturen verlieren sich immer mal wieder im Ungefähren, und Meiburg singt davon, dass dieses Leben irgendwie gar nicht so einfach, sondern ziemlich kompliziert ist.

„Forget all that you knew before“, singt er in „More And More“, und in dem Song kommen auch Karakaras vor. Diesen Vögeln, den kleinsten Raubvögeln der Welt, zu Hause in Mittel- und Südamerika, ist Meiburg jahrelang hinterher gereist, um sie zu erforschen. Er hat darüber ein Buch geschrieben. Soll auch toll sein, müsste man vielleicht mal lesen.


 


The New World erfordert (und belohnt), dass man sich Zeit nimmt für die neun teils langen Tracks – vorzugsweise unter guten Kopfhörern, denn dies ist auch eine brillant produzierte Headphones-Platte voller feiner Details und immer neuer Entdeckungen (Anspieltipps für HiFi-Fetischisten: A Mink In The Dusk, The High Ranges). Wenn im siebenminütigen Closer You And Your Dog zu Wieselmans virtuosen Klarinetten-Sounds und hauchzarten Piano-Tupfern die Avantgarde-Pop-Poetin Laurie Anderson (79) mit einer berührenden Spoken-Word-Performance zu hören ist, kehrt die von der US-Band angestrebte innere Ruhe, ein friedvoller Zustand tatsächlich ein – so wie man das von den besten Talk Talk-Alben kennt. Man taucht quasi ein in den Spirit of Shearwater.


12. August 2026

Finn Wolfhard - Fire From The Hip


2024 erreichte Maya Hawke für ihr Album „Chaos Angel“ 6,250 Punkte und damit Platz 231 bei Platten vor Gericht. 
2025 waren es für „Happy Birthday“ von Finn Wolfhard am Ende 6,500 Punkte und Rang 202.
Ein knapper Sieg also für den männlichen „Stranger Things“-Star, man könnte also sagen, Robin Buckley - Mike Wheeler 0:1.

Dieses Jahr gehen sie mit ihren neuen Alben ins direkte Duell: Maya Hawke legte im Mai mit „Maitreya Corso“ vor, im Juli zog Finn Wolfhard mit „Fire From The Hip“ nach.

Anders als seine Schauspiel-Kollegin komponiert Wolfhard seine Songs allein und fungierte hier auch als alleiniger Produzent. Aufgenommen wurde die 12 Songs im Februar 2026 in den Pachyderm Studios in Cannon Falls, Minnesota. Der rohe LoFi-Charme seines Debütalbums, das auf Vier- und Acht-Spur-Kassettenrekordern aufgenommen wurde, ist einer professionelleren 24-Spur-Aufnahme samt größerer Arrangements gewichen. So hören wir vereinzelt Streicher („Crater“), Bläser („I’ll Let You Finish“), Geige („The Climb (Not That One)“), Mandoline („Maggie“) und mehrfach Piano. Man kann es schon erahnen: Schlenker in Richtung Folk und Country sind dabei inkludiert.

Das Album entstand weitgehend live mit seiner Studioband bzw. Gastbeträgen von u.a. Mitgliedern der Band Twin Peaks, um die ungezwungene Live-Energie einzufangen, für die Wolfhard klassische Rockalben der Rolling Stones wie „Exile on Main St.“ und „Beggars Banquet“ als Inspiration nennt. Der Slacker Rock von Pavemet oder den Alternative Rock von Eels sollten ebenfalls als Referenzen genannt werden.

„Fire From The Hip“ ist als CD und LP (black Vinyl, half moon baby blue + white Vinyl, blue /orange split Vinyl) erhältlich.


 


Fun, light, and melodic, the album opens with the Kanye-referencing ‘I’ll Let You Finish’, before segueing into the breezy ‘Common Side Effects’, with melodies worthy of cult Stateside power pop group The Apple in Stereo.
‘Lights Go Down’ is a sultry, slowed-down groover that puts you in mind of Mac DeMarco – “riddle me this: how long was I out and how much did I miss” – while ‘Follow’ is a perfectly formed new wave pop song.
‘Tunnels’ puts you in mind of Guided By Voices – no bad thing! – with its torn and tattered indie pop aspects, while the acoustic driven ‘Trail’ is Finn at his most exposed and honest. ‘Crater’ is a curious 70s-leaning stomper, while the coy ‘Oscilloscope’ is all sharp angles and lyrical barbs worthy of Mark E Smith.
If ‘Maggie’ aims for Americana directness – a recurring theme on the album – then ‘Nice To Meet You Again’ doubles down on this, a blast of melodic purity with its stop-start rhythms. The downcast ‘Good Morning’ is a hushed 5am jewel, before closer ‘The Climb (Not That One)’ – “is it alright if I do another take?” – revels in creativity.




10. August 2026

Trashcan Sinatras - Ever The Optimist


1986 gründete sich die schottische Band Trashcan Sinatras, die 2016 zum 30. Bandjubiläum ihr sechstes Studioalbum „Wild Pendulum“ veröffentlichte. In den Charts war die Band nie besonders erfolgreich: 1993 war das diesbezüglich das beste Jahr der Trashcan Sinatras, denn das Album „I’ve Seen Everything“ erreichte Platz 50 der Charts und die erste Single daraus, „Hayfever“, Platz 61. Bei Freunden von The Smiths, Prefab Sprout oder Aztec Camera machten sie sich dennoch einen Namen für ihren feinsinnigen, melodischen Indie-Pop mit ausgefeilten Gitarrenarrangements und Wortwitz.  

Möglicherweise dachten sich Francis „Frank“ Reader (Gesang, Gitarre), John Douglas (Gitarre, Gesang), Paul Livingston (Gitarre), Stephen Douglas (Schlagzeug, Gesang) und Davy Hughes (Bass), dass auch zum nächsten runden Geburtstag ein neues Album eine feine Sache wäre und so begannen sie aufgrund der geografischen Distanzen per Fernarbeit via digitalem Datenaustausch mit den Arbeiten an ihrem siebten Studioalbum.

„Ever Thge Optimist“ erschien am 31. Juli 2026 über ihr eigenes Label TCS Recordings (Raven Black Vinyl, Goldfinch Gold Vinyl, Cardinal Red Vinyl, Kingfisher Blue Vinyl) und bietet 11 Songs zwischen Sophisticated Indie-Pop, Jangle-Pop und Folk-Pop in 40 Minuten. Paul Savage (Mogwai, The Delgados) zeichnete für Produktion, Engineering, Mix und Mastering verantwortlich, Green Gartside von Scritti Politti steuerte Gesangsharmonien zur Ballade „Hold On To Today“ bei und Tacyanne Campbell, Sängerin von Camera Obscura, ist im Duett „Bad Husband“ zu hören.

Im Juni 2026 trafen sich alle fünf Mitglieder erstmals seit fast sieben Jahren wieder persönlich zu einem geheimen Auftritt im Harbour Arts Centre in Irvine, um ein Musikvideo zum Album zu drehen und das 40-jährige Jubiläum der Bandgründung zu feiern. 
Möglicherweise war dies das letzte fröhliche Beisammensein des Quintetts, denn heute vor einer Woche, am Montag, den 3. August 2026, verstarb Gründungsmitglied John Douglas im Alter von 63 Jahren nach kurzer Krankheit. Verheiratet war er mit der Sängerin Sadenia „Eddie“ Reader (Fairground Attraction), der Schwester des Trashcan Sinatras-Sänger Frank Reader. John Douglas’ Tod trat nur drei Tage nach dem Erscheinen des Albums „Ever The Optimist“ ein.


 


 


This is not wistful nostalgia, however. This is clearly a record made by men in their 60s who have been through label issues (the dissolution of their ’90s old label Go! Discs), the loss of their Shabby Road studio, and longtime label limbo, before re-emerging as a self-financed unit starting with 2009’s In the Music. They were pioneers in selling their music directly to fans (including live shows recorded directly onto flash drives) and playing a plethora of D.I.Y. house shows to long-time fans willing to travel to see them in intimate environments. On top of all that, guitarist John Douglas also beat cancer and made a terrific solo album in 2023. In other words, they are consummate survivors, and it shows in the grooves here.
Elsewhere, “Bad Husband” is a duet with none other than Scottish compatriot Tracyanne Campbell of the recently reunited Camera Obscura (another veteran band well familiar with adversity and tragedy) and “Hold On To Today” features Green Gartside of Scritti Politti. And furthermore, to drive the point home further, the chorus of the closing track “Learning to Love Your Ghost” features the band’s lead singer Francis Reader fittingly singing “I will float” as some of the last lyrics on the entire album.


 




7. August 2026

The Darling Buds - Same Sun / Same Sky


Und weiter geht es mit der Reihe „Comebacks, auf die die Welt gewartet hat, oder?“ und der walisischen Band The Darling Buds, welche ihre Fans 34 Jahre auf ein neues Studioalbum haben warten lassen. Aber der Reihe nach…

Der Name der Band stammt aus H. E. Bates’ Roman „The Darling Buds of May“, dessen Titel auf die dritte Zeile von William Shakespeares Sonett 18 zurückgeht. Gegründet wurde die Band 1986 von der damals 19-jährigen Sängerin Andrea Lewis und dem Gitarristen Geraint Farr. 1989 darf mit Fug und Recht als DAS Jahr in der Historie der Darling Buds bezeichnet werden: Nachdem die Single „Hit The Ground“ bis auf Platz 27 der UK Charts geklettert war, durften sie bei Top Of The Pops auftreten, das Debütalbum „Pop Said…“ erschien und erreichte Platz 23 der Charts, zudem zierte die Band in diesem Jahr die Cover des Melody Maker sowie des NME.
In den folgenden vier Jahren gab es Wechsel im Lineup, zwei wenig bis gar nicht erfolgreiche Alben („Crawdaddy“, 1990, und „Erotica“, 1992) und schließlich die Auflösung der nach Los Angeles umgesiedelten Band.

Erst 2010 trat Andrea Lewis (ohne Geraint Farr) erstmals wieder unter dem Namen The Darling Buds auf, ab 2013 folgten weitere Konzerte. 2017 erschienen vier neue Lieder in Form der „Evergreen“ EP, 2023 veröffentlichte Cherry Red Records eine große Werkschau mit 85 Songs auf 5 CDs, deren Titel („Killing For Love: Albums, Singles, Rarities, Unreleased 1987-2017“) eigentlich alles aussagt. 

Über das gleiche Label kam nun „Same Sun / Same Sky“ als CD und LP heraus. Es bietet 12 neue Gitarrenpop-Songs, die in der Besetzung mit Andrea Lewis (Gesang), Paul Chaz Watkins (Gitarre, Keyboards), Erik Stams (Schlagzeug, Percussion), Dave Corten (Bass) und Matt Gray (Gitarre) gemeinsam komponiert und aufgenommen wurden.


 


Die einzige personelle Konstante ist Sängerin Andrea Lewis, kein Wunder, dass sie nun auch auf dem Cover des Comeback-Albums zu sehen ist. Die Musik hat sich im Vergleich zu den Neunzigern kaum verändert: The Darling Buds spielen Gitarrenpop zwischen guter Laune und bittersüßer Melancholie, integrieren Elemente aus Soul, Dream Pop und 60ies-Beat.

Neu ist die folkige Nostalgie von „Giddy In A Good Way“. Die große Stärke von SAME SUN/SAME SKY: Diese Musik klingt zwar wie früher, dabei aber nicht alt. Was wohl daran liegt, dass sich die Darling Buds nie über Testosteron definiert haben.


6. August 2026

Art School Girlfriend - Lean In


Vor zwei Jahren erreichte Marika Hackman für „Big Sigh“ 7,500 Punkte und landete auf Platz 50 bei Platten vor Gericht. Warum das bei der Vorstellung von „Lean In“ erwähnt wird? Weil Art School Girlfriend das musikalische Projekt von Polly Louise Mackey ist, welche mit Marika Hackman verheiratet ist.

Die walisische Musikerin, Songwriterin und Produzentin spielte früher in einer Shoegaze-Band namens Deaf Club, fokussierte sich aber nach deren Auflösung auf Art School Girlfriend und andere Musikrichtungen. Das erste Album „Is It Light Where You Are“ (2021) erschien über Wolf Tone, das Label des Produzenten Paul Epworth. Der Nachfolger, „Soft Landing“ (2023), sowie das neue Album kamen über Fiction Records heraus.

Lean In“ wurde in Polly Mackeys eigenem Studio in East London von ihr selbst produziert. Sie kombiniert auf den 10 Songs Indie Rock, Elektropop, Dreampop und Electronica, so dass ich beim Hören an The xx und Beach House denken musste. Marika Hackman ist am Piano und bei den Backing Vocals zu hören, beim Golden Leaves Festival wird sie vermutlich auch mit auf der Bühne stehen.


But she comes bursting out of that cocoon with the giddy house pulse of the album’s second track, “L.Y.A.T.T.” (Love You All The Time). The danceable positivity of the track hymns the security of love in unstable times. “On the days that we don't speak that much at all,” Mackey sings. “When your mind is moving somewherе I can't go/ It's a kick inside that's deep enough to know/ I know that I love you all the time.”
Similar assurances, anchored by a gothic sludge of electric guitar, underpin the “The Peaks”, with its simple chorus assurances of, “I won’t leave”. Mackey’s relationship with indie folk singer/songwriter Marika Hackman (who she married in 2024) has been described as “the stuff of gay indie pop legend”; fans will surely rejoice at this possible insight into their life together.



 


 




5. August 2026

Ellur - At Home In My Head


Gerade höre ich mich ein wenig in die unbekannteren Acts des Golden Leaves Festivals ein. Bei Agnes Obel, Mine, Kat Frankies BODIES, Hundreds, Austra, Pale Waves oder Poliça kann ich mir recht gut vorstellen, was mich Ende August in Darmstadt erwarten wird, aber bei Luvcat, Girl In The Year Above oder Soft Loft? 
Meine liebste Entdeckung bisher: die schottische Band Swim School, die ihr Debütalbum aber bereits im Oktober 2025 veröffentlicht hat, so dass ich mir hier den Sturm der Entrüstung bei einer Vorstellung im Sommer ’26 lieber ersparen möchte. Kommen wir statt dessen heute und morgen zu zwei Alben, die zweifelsfrei im richtigen Zeitraum veröffentlicht wurden.

Bei Ellur handelt es sich um die aus Halifax stammende Sängerin und Songwriterin Ella Megan McNamara, die sich auf der Suche nach einem Künstlernamen von der lokalen Yorkshire-Aussprache ihres Vornamens inspirieren ließ. Geprägt wurde sie musikalisch von der 90er-Indie-Rock-Plattensammlung ihrer Eltern und damit kommen wir zu einem Punkt, der hier auf jeden Fall erwähnt werden muss: Wen jemand beim Nachnamen gestutzt hat, dann war dies berechtigt, denn Ella ist die Tochter von Richard McNamara, dem Gitarristen von  Embrace, welcher deren Songs zusammen mit seinem Bruder / Ellas Onkel Danny schreibt. Beim Hören von „At Home In My Head“ darf man also neben Sharon van Etten, Sam Fender oder Wolf Alice auch an Embrace denken. Wäre „God Help Me Now“ nicht auch eine großartige Single von Embrace gewesen?


 


Das Album ist ein lyrisches Tagebuch über das Heranwachsen, Selbstzweifel und das Verlangen nach Sicherheit in den eigenen Gedanken. Die Trennung ihrer Eltern und das Aufwachsen in zwei unterschiedlichen Welten hat sie beispielsweise im Song „The World Is Not An Oyster“ (Coldplay dürften gern wieder solche Musik machen) thematisiert.

„At Home In My Head“ ist als CD und LP (glass clear Vinyl, black and white colour in colour Vinyl, black and white splatter Vinyl, black Vinyl (linen scented Sleeve)) erhältlich. 
    

  


 


Gold Help Me Now contrasts heavy drums and a sleek guitar riff with some bleak, cynical lyrics that will be very relatable to many: “I think too much / I’m all out of fucks.” Soon after, though, there is something almost poetic in the way McNamara’s delivery shifts, reflected in the line: “The love / We make / Repeat / Replace.”
The superb Missing Kid changes the mood, with its upbeat, jangly sound recalling Sam Fender.
The narrative suggests the idea of being at a loss, with no direction, reflected in its refrain: “And every road road leads me back to this / Every aisle I look down I’m looking like a missing kid.”
The Wheel is explosive and powerful, while Yellow Light addresses her Yorkshire roots. Lonelier In Heaven is much more stripped back instrumentally, leaving her vocals centre stage. Versatile and cohesive, its emotional intelligence and depth balanced with storytelling skill, ‘At Home In My Mind’ is a superb bow from an exciting talent.


 




4. August 2026

Blindness & Light - Our Man From Fife


So ein Zufall: Da erwähnt Oliver die nicht gerade besonders bekannten Blindness & Light gestern in seiner Mixtape-Antwort während ich schon an der Vorstellung für „Our Man From Fife“ arbeite.  

Blindness & Light: 
Hierbei handelt es sich um ein flexibles Kollektiv rund um den Gründer, Sänger, Songwriter und Gitarristen Colin M Potter. Zur aktuellen Besetzung zählen Helen Reynolds (Gesang), Mel Dopazo (Bass) und Glenn Welman (Schlagzeug) sowie weitere Gastmusiker*innen. Das selbstbetitelte Debütalbum erschien 2023, „I Dreamt I Had Insomnia“ folgte zwei Jahre nach „Blindness & Light“ und schlug eine rauere, organischere Richtung ein, so dass man die Referenzen (Post-Punk- und Underground-Musik aus den Clubs der 1980er-Jahre in Liverpool und Manchester sowie The Velvet Underground) deutlicher heraus hören konnte. Auch der Name ist als eine Hommage zu sehen und geht in eine ähnliche Richtung, bezieht sich dieser doch auf „Licht und Blindheit“, eine 1980 ausschließlich in Frankreich erschienene Single von Joy Division mit „Atmosphere“ auf der A- und „Dead Souls“ auf der B-Seite.

„Our Man From Fife“:
Das dritte Album von Blindness & Light wurde geschrieben und aufgenommen auf der Isle of Anglesey (Wales). Der Titel und Song basieren auf einem persönlichen Trauerfall: Dem Tod von Colins Vater (dem „Man from Fife“ in Schottland). Die Songs verarbeiten den raschen Verfall, das Gefühl der Hilflosigkeit und philosophische Fragen nach einer spirituellen Zukunft in der Natur. Dem Anlass entsprechen überwiegen hier melancholische Rock-Töne und New Wave gegenüber Post-Punk. Die 8 Songs sind als CD und LP (magenta with black splatter Vinyl).


  





3. August 2026

GUV - Warmer Than Gold


PVG: Deine höchsten Bewertungen, jeweils 9 Punkte, gingen dieses Jahr bisher an Brigitte Calls Me Baby, Final Days Society und The Julies. Bei last.fm führt jedoch ein ganz anderes Album deine Statistiken an. Hast du eine Vermutung, welches?

Oliver: Ich könnte ja mal schnell auf last.fm nachschauen. Oder ich warte einfach deine nächste Frage ab.

PVG: Es ist „Warmer Than Gold“ von GUV. Was kannst du uns über den Künstler sagen?

Oliver: Ah! Super Album! GUV ist das Soloprojekt des kanadischen Musikers Ben Cook. Manche Menschen kennen ihn als Gitarristen der Band Fucked Up (wir nicht – es gibt keine Vorstellungen bei Platten vor Gericht). 

PVG: Ich habe gelesen, dass sich der Name von Young Governor über Young Guv zu GUV verkürzt hat, da Cook davon schwärmte, wie ikonisch, prägnant und optisch stark Drei-Buchstaben-Kürzel in der Musikgeschichte sind. Was sind denn deine Top 5 Bands mit nur drei Buchstaben? 

Oliver: Tolle Frage Dirk! Eine Top 5 reicht fast gar nicht. Aber wenn ich a-ha weglasse (da ist ja ein Bindestrich drin) und M83 auch (sind ja nicht nur Buchstaben) komme ich vielleicht auf diese fünf Bands:
1. Ash
2. OMD
3. R.E.M.
4. QTY
5. EMF 

PVG: Der Albumtitel ist ja ungewöhnlich, denn die Vorgänger hießen „GUV I & II“ sowie „GUV III & IV“. Welche Musikrichtung deckt denn die Musik von GUV ab?

Oliver: Von Power- über Indie- zu Jangle-Pop ist bei den Vorgängern alles dabei.

PVG: Beim Hören von „Warmer Than Gold“ musste ich an End-90er Jahre Bands wie Space Monkeys denken. Was wären deine Referenzen und was wurde eigentlich aus den Space Monkeys?

Oliver: Absolut! Auf dem neuen GUV-Album hören wir viel Baggy und Madchester. Die Space Monkeys, die ja selbst eine Madchester-Revival Band waren (oder sind?), habe ich beim Hören von „Warmer Than Gold“ auch ständig im Kopf. Nach dem tollen Debüt „The Daddy Of Them All“ aus dem Jahr 1997 sollte eigentlich zwei, drei Jahre später das Album „Escape From the 20th Century“ folgen. Aufgrund von Problemen beim Label erschien es aber (vorerst) leider nicht und die Space Monkeys lösten sich auf. Irgendwie erblickte das Album 2013 dann doch das Licht der Welt (ich höre es gerade zum ersten Mal!). 2015 fand sich die Band dann wieder zusammen und 2020 erschien sogar ein weiteres Album („Modern Actions“ – das wiederum habe ich tatsächlich schon 2021 entdeckt).

PVG: Wenn du für ein Mixtape einen Song von „Warmer Than Gold“ auswählen dürftest - welcher wäre es und zwischen welchen anderen Liedern würdest du ihn positionieren?

Oliver: Auf dem Album sind wirklich viele Hits – aber meine Wahl fiele definitiv auf „Seaside Story“. Und da wir schon so viel über die Space Monkeys gesprochen haben, würde ich deren „Sweetest Dream“ davor positionieren. Dahinter käme „Love Redacted“ von Blindness & Light.

PVG: Und zum Abschluss natürlich: Steht „Warmer Than Gold“ in deinem Plattenregal und welche Vinyl-Varianten gibt es?

Oliver: Bisher noch nicht – das sollte ich vielleicht mal ändern. Das Vinyl gibt es in schwarz, als Gold Nugget, als Silver Nugget und über den Run For Cover Records „Magic Circle Club“ als Black & White w/ Gold & Silver Splatter.


 


 




2. August 2026

My Raining Stars - Toy Club


Die erste Vorladung (X-MMXXVI)

Personalien:
My Raining Stars ist das Projekt des französischen Musikers Thierry Haliniak.

Tathergang:
Anfang der 90er Jahre gründeten in Lyon Thierry Haliniak und Didier Frahier (aka E-grand) die - vermutlich nach einem Song von The Pastels benannte - Band Nothing To Be Done. Der ganz große Erfolg gelang wohl nicht, aber immerhin führte es sie ins Vorprogramm von Adorable und The Boo Radleys.
1998 rief Haliniak My Raining Stars ins Leben, auch wenn bis zur Veröffentlichung des ersten Albums „From St. Saviour To Quickwell“ (2008) in Eigenregie noch einige Jahre verstreichen sollten. Erneut gingen einige Jahre ins Land, bis über Shelflife Records „89 Memories“ (2022) und „Momentum“ (2025) herausgebracht wurden. 
Höchst ungewöhnlich also, dass mit „Toy Club“ nun bereits der Nachfolger erhältlich ist (jedoch nur als CD). Die 9 Songs dauern 35 Minuten und entstanden einerseits, wie auch die beiden Vorgänger, in Zusammenarbeit mit dem dänischen Multiinstrumentalisten Casper Iskov(Schlagzeug, Bass) sowie andererseits mit dem eingangs erwähnten E-grand (Gitarre, Keyboards, Produktion, Mix). Das Mastern wurde von Mark Gardener von Ride übernommen. 

Plädoyer:
Hier ein wenig Ride („Priceless“), dort ein wenig Oasis („Silent Girl“) oder Teenage Fanclub („In This Heart“) und zwischendurch ganz viel Gitarrenpop im Geiste von C86, Creation sowie Sarah Records versehen mit reichlich LoFi-Charme.

Zeugen:


The opening trio—“Wherever,” “Kind Of Light,” and “Silent Girl”—immediately sets the tone, immersing listeners in jangly, dulcet melodies, and are joined by the closing “Till The Time Comes To Leave,” in evoking memories og the finer moments of The Chameleons.
Midway through the release, songs like “In His Heart,” the standout “Fine,” and “It Will Take Me A While” further develop this sound, offering increasingly resplendent, jangly riffs reminiscent of more recent acts such as The Radio Field and Hanemoon. These tracks highlight the band’s ability to balance nostalgia with a vibrant, contemporary edge.
However, the album never lingers too long in subdued introspection. It’s frequently enlivened by bursts of energy and stylistic variety, as heard in the ’90s power-pop punch of “Priceless” and the Lightning Seeds-inspired guitar pop of “As Far Back.” These moments of contrast keep the listening experience dynamic and engaging.


'Toy Club' is an album with its roots in the jangly shoegaze that is alive and kicking in France (and Belgium) at the moment. It's a version of shoegaze that warms the heart rather than wallowing in introspective, sluggish gloom. It results in an upbeat momentum that can be heard in every track here. 'Fine', for example, romps home with the urgent spirit of knowing it's perfect and wanting to be heard.
To English ears, Thierry's vocals are shyly exotic. They're a big part of the album's charm, and they strike home from the opening track, 'Wherever'. These are songs drenched in melody more than reverb . Listen to 'Kind of Light' once, and you'll want to play it again, immediately. 'Till The Time Comes To Leave' is a classic closing big ballad, its fading 'la la la' refrain, staying with you long after the song is over. It's also the sweetest parting from an album destined to be a constant presence in your life for some time.


Indizien und Beweismittel:


 


 


 


Ortstermine:
-

Urteile:
Nun sind die werten Richter gefragt...


1. August 2026

Neue Gerichtstermine: August / September


August

07.08.
The Anchoress - As We Once Were
Jupiter Jones - Ich trag den Sarg, du trägst was Buntes
The Mountain Goats - Days

14.08.
Laura Veirs - Temple Songs
Phoebe Bridgers - Lost Weekend

21.08.
The Afghan Whigs - Soft Control
Black Marble - Life In Small Spaces
Brandon Flowers - Thrasher
Grandmas House - Baby You’re A Winner
Lambchop - Punching The Clown
Mystery Jets - A Hole To See The Sky Through
Weezer - Weezer (The Gold Album)

27.08.
Jonathan Bree - Don’t Call It Love

28.08.
Allah-Las - Sirenas
Dinosaur Jr. - There Near
The Linda lindas - Gotta Get Out
Interpol - This Mirror Weighs A Ton


September

04.09.
Arab Strap - Half-Told Tales
Culk - Smogstar
Dexys Midnight Runners - Love
Natalie Imbruglia - Algorithm
Pete Fij - Up’s The New Down
Kasabian - Act III
Paris Paloma - The Fatal Flaw
Personal Trainer - Human Assholes
Angus & Julia Stone - Karaoke Bar
Farin Urlaub - Ein Lächeln im Gesicht

11.09.
Bloc Party - Anatomy Of A Brief Romance

18.09.
Beabadoobee - Pylon
Beck - Ride Lonesome
Blood Red Shoes - Stay Lonely
Echo & The Bunnymen - Apples For Isaac
Kristin Hersh - Sugar On Blackstone
Muff Potter - Klepto
Roomer - Staircase Made Of Rope
Frankie Rose - Hila
Slow Pulp - Melodie

25.09.
Blondshell - Violins
Julia Jacklin - The Gem
Nichtseattle - Große Liebe
Soft Cell - Danceteria
Stornoway - Beyonder