31. Juli 2024

In The Valley Below - The Black Moon


Die 2013 veröffentlichte Debütsingle „Peaches“ erreichte mich und die US-Charts erst mit einem Re-Release im anschließenden Jahr, läuft hier aber seitdem regelmäßig. Die im Anschluss veröffentlichten Alben von In The Valley Below gingen leider ebenfalls etwas unbemerkt an mir vorbei, daher sei nun „The Black Moon“, die dritte Platte des Duos nach „The Belt“ (2014) und „The Pink Chateau“ (2019), hier vorgestellt.

Jeffrey Jacob Mendel (Gesang, Gitarre) und Angela Gail Mattson (Gesang, Keyboard) mögen offensichtlich Albumtitel, die mit dem Wörtchen „The“ beginnen, einen Veröffentlichungsrhythmus von 5 Jahren und verträumten Indiepop mit Boy/Girl-Gesang im Stile von Mates Of State, Stars, The Submarines oder - um die USA zu verlassen - Wolf & Moon. 

Viel erzählen In The Valley Below nicht über „The Black Moon“, lediglich dass es sich um eine Sammlung von Geschichten, Gefühlen und Momenten handelt, die sie gesammelt und für die Hörer in ihre Sprache übersetzt haben. Sie richten sich bei diesen spärlichen Informationen mit der Aussage „writing about music is like dancing about architecture“. Und daran halte ich mich jetzt einfach auch.

„The Black Moon“ ist als CD und LP (black Vinyl, Whiskey Smoke Vinyl) von der Band in Eigenregie am 12. Juli veröffentlicht worden.


 





30. Juli 2024

Los Campesinos! – All Hell


Sieben Jahre nach „Sick Scenes“ kehren die sieben Campesinos mit ihrem siebten Album zurück. Aber sie brechen dabei mit drei Traditionen: Zum einen lassen Gareth Campesino, Neil Campesino, Tom Campesino, Kim Campesino, Rob Campesino, Jason Campesino und Matt Campesino ihren Bühnen-Nachnahmen fallen und heißen seit diesem Jahr Paisey, Turner, Bromley, Paisey, Taylor, Adelina bzw. Fidler. Zum anderen wurde ein Los Campesinos! Album erstmals nicht über Wichita veröffentlicht und die Waliser lassen sie die höchst bescheidenen Chart-Positionen hinter sich (ihr Debütalbum „Hold On Now, Youngster…“ erreichte 2008 mit Platz 72 ihre höchste Platzierung im Vereinigten Königreich und „No Blues“ (2013) verpasste die Hitlisten komplett) und schwingen sich mit „All Hell“ bis auf Platz 14 hinauf. 

Tom Bromley, der Gitarrist der Band, übernahm erneut die Rolle des Produzenten und unter dem Mantra „It's ready when it's good and we're happy with it“ entstanden zwischen Oktober 2023 und Februar 2024 in Frome, Somerset und Cardiff 15 Songs, die zusammen das knapp 50 Minuten laufenden „All Hell“ bilden. Eine Deluxe Version bietet zusätzlich 5 akustische Versionen von Albumtracks sowie das Secret Stars Cover „Wait“. 
All Hell“ ist als CD, Kassette und Doppel-LP (black Vinyl, Lunar Rain Splatter Vinyl, Red/Black Marble (Blood Galaxy) Vinyl, Marble Red/Black (Blood Moon) Vinyl, Black in Red (Harvest Moon) Vinyl) erhältlich. 

Stellt sich abschließend noch die Frage, ob „All Hell“ wirklich „good“ ist und die Plattenrichter „happy with it“ sind.


“The Coin-Op Guillotine” erobert schon als Opener die Herzen mit Indie-Rock-Melodien und Davids hohem, aber oft nölenden Gesang. “All the assholes in this town” treibt das folgende “Holy Smoke (2005)” mit leichtfüßigem Punk vor sich her, bevor wir im Chorus von “A Psychic Wound” mit einstimmen und dem besungenen Wettbewerbsdenken nachgeben.
Den roten Teppich zum Indie-Olymp rollt “Long Throes” aus, dass Davids – begleitet von Hosiannagesängen und den eingangs erwähnten Zeilen – zu höheren Weihen führt.
Diese führt “Feast Of Tongues” fort, dessen Streicherintro mit Davids emotionalem, klarem Gesang croont. Der stete Spannungsbogen aus einsetzenden Saiten, mehrstimmmigen Gesang und Punkattitüde lässt den Titel letztendlich implodieren.
Dieses Echo instrumentaler Wucht und dem eindringlichen Gespür für Eingängigkeit zieht sich fortan durch das Album. “The Order Of the Seasons” kopiert das vorhergehende Erfolgsrezept bis zur Perfektion.


 


 





29. Juli 2024

Humanist – On The Edge Of A Lost And Lonely World


Dave Gahan, Ed Harcourt, Isobel Campbell, Peter Hayes (Black Rebel Motorcycle Club) oder James Allan (Glasvegas). Der englische Gitarrist Rob Marshall konnte, wie beim ersten, selbstbetitelten Album seines Projektes Humanist, wieder einige prominente Gastmusiker ins Studio locken. Jedoch fehlte diesmal Mark Lanegan, mit dem Marshall dessen Alben „Gargioyle“ (2017) und „Somebody’s Knocking“ (2019) komponiert und aufgenommen hatte und der bei 4 Songs auf „Humanist“ (2020) revanchiert hatte. 

Viele der Mitstreiter auf „On The Edge Of A Lost And Lonely World“ verbindet, dass sie mit Mark Lanegan zusammengearbeitet hatten und freundschaftlich mit ihm verbunden waren. So ist vor allem der Song „Brother“, wie Lanegan seine engsten Verbündeten liebevoll nannte, als Tribute an den 2022 verstorbenen Musiker zu verstehen.


 


Im Vergleich zu „Humanist“ zeigt sich das 13 Songs umfassende „On The Edge Of A Lost And Lonely World“ vielfältiger und bietet nicht nur eine düster-cineastische Melange aus Gitarren- und Elektrorock, die nach Unkle und Massive Attack klingt. Meine persönlichen Highlights sind, neben dem besagten „Brother“ (mit Dave Gahan), noch „Dark Side Of Your Window“ (mit James Allan), „Love You More“ (mit Isobel Campbell) und „Happy“ (Ed Harcourt).

Humanist“ verpasste mit 7,000 Punkten vor vier Jahren knapp die Top 100 bei Platten vor Gericht. Das wird „On The Edge Of A Lost And Lonely World“ nicht passieren.

Schade, dass die LP (black Vinyl) ohne die Songs „Happy“, „Lonely Night“ und „Presence Of Haman“ auskommen muss.


 


Eines der Herzstücke ist „Brother“ – Lanegans liebevoller Spitzname für wichtige Menschen, den auch Marshall erhielt. Dave Gahan, ein weiterer wichtiger Wegbegleiter, sang die Nummer ein. Hier zeigt sich zugleich der sukzessive musikalische Wachstum dieses Projekts, nun deutlich beseelter und intensiver. Gahan spielt mit Gospel-Elementen, der Indie- und Alternative-Flair zündet zur Halbzeit so richtig und entwickelt sich zur Hymne. Eine solche ist auch „Happy“ mit Ed Harcourt, der den Indie-Crooner gibt und ein überaus lebhaftes Arrangement antreibt. Selbst für eine unerwartete, dennoch sehr willkommene Portion Pop bleibt mehr als genug Platz.
Freilich ist das nur der Anfang. Isobel Campbell, die bei „Brother“ das Cello spielt, übernimmt den Gesang von „Love You More“, das mit etwas Post-Rock-Flair nebst Gothic-Chic überrascht – düster und bittersüß zugleich, voller feenhafter kleiner Widersprüche. In „This Holding Pattern“ wird James Cox vorstellig und hinterlässt im vielleicht besten Track des Albums Eindruck. Es wird laut und sehr emotional, mit vertrauten Industrial-Untertönen versehen, zugleich ungezügelt und intensiv – eine wahre Tour de Force mit einer großen Stimme. Eine solche hat auch James Allen (Glasvegas), der „Dark Side Of Your Window“ stellenweise wie einen vergessenen Song seiner Band erklingen lässt und auf den Glum-Volltreffer zusteuert. (…)
Einmal mehr spielt Rob Marshall mit einem Wechselbad der Gefühle, schreibt Songs für die Ewigkeit und erzeugt Stimmungsbilder der faszinierenden Art.


28. Juli 2024

Lowmoon - Monochrome


Lo Moon hatten wir bereits dieses Jahr, nun also Lowmoon. Von Synthpop aus den USA zu Bedroom Pop aus dem Vereinigten Königreich. 

Lowmoon ist das Projekt von Mikey Wilson, der hier alles in Eigenregie umsetzt, sich von Dreampop, Shoegaze und Post-Punk inspiriert fühlt und seinen Songs einen herrlichen 80er Jahre Retro-Touch verleiht. So wurde sich für das „Video“ zu „Monochrome“ gleich beim Film „The Breakfast Club“ aus dem Jahr 1985 bedient:


 


Als Referenzen müssen auf jeden Fall New Order und The Cure herhalten, also Quellen aus denen sich bereits Letting Up Despite Great Faults, The Radio Dept., Wild Nothing oder The Pains Of Being Pure At Heart labten.

Monochrome“ ist das melancholische Debütalbum von Lowmoon, das leider nur 8 Songs in 22 Minuten bietet und nur digital sowie als Kassette erhältlich ist. 




26. Juli 2024

10 Schallplatten, die uns gut durch den August bringen


10. The Radio Dept. - Lesser Matters (LP) (2.8.2024)






9. Zeal & Ardor - Greif (Crystal Clear Vinyl) (23.8.2024)






8. Hamish Hawk - A Firmer Hand (Black Vinyl LP Gatefold) (16.8.2024)






7. Carter The Unstoppable Sex Machine - Post Historic Monsters (2024 Remaster, 2 LPs, Red & Clear Vinyl) (23.8.2024)






6. Fontaines D.C. - Romance (Limited Edition, Pink Vinyl) (23.8.2024)






5. The Lightning Seeds - Cloudcuckooland (LP) (16.8.2024)






4. The Lightning Seeds - Sense (LP) (16.8.2024)






3. Kishi Bashi - Kantos (Purple Vinyl) (23.8.2024)






2. Nick Cave & The Bad Seeds - Wild God (Limited Edition, Clear Vinyl) (30.8.2024)






1. Oasis - Definitely Maybe (30th Anniversary Limited Deluxe Edition, 4 LPs) (30.8.2024)







24. Juli 2024

Goat Girl – Below The Waste


Das Londoner Trio, in der aktuellen Besetzung aus Rosy Bones, Lottie Pendlebury und Holly Mullineaux bestehend, wurde von Krankheiten und Süchten in den letzten Jahren ziemlich durcheinander gerüttelt. Auf ihrem dritten Album nach „Goat Girl“ (2018) und „On All Fours“ (2021) drehen sie auch ihren Sound auf links und bieten weniger noisig-trockenen Indierock („tcnc“) als zuvor, und nun auch zarten Folk („Tonight“, „Take It Away“, „Pretty Faces“) oder entspannten Synth-Pop („Words Fell Out“, „Play It Down“).  

Below The Waste“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Produzenten John Spud Murphy (Lankum, Black Midi, Anna B Savage), der sich möglicherweise für das erweiterte Instrumentarium (Flöte, Geige, Klarinette, Cello, Saxofon) und das Ineinanderfließen einzelner Songs verantwortlich zeichnet, und bietet 16 Songs, die einerseits in 38 Sekunden auserzählt sind („S.M.O.G.“) oder auch die 6-Minuten-Marke übertrumpfen können („Wasting“).

„Below The Waste“ ist als CD und LP (black Vinyl, clear petrol blue Vinyl, clear red Vinyl, clear Vinyl) erhältlich.

Goat Girl in Deutschland:
11.10.24 Nürnberg, Nürnberg Pop Festival
12.10.24 Köln, MTC
13.10.24 Berlin, Privatclub


 


Weniger zurückhaltend lassen es Goat Girl zum Auftakt angehen. Über einem knirschenden Riff holpert und stolpert "Ride around" nach vorn. Unterbricht sich selbst. Weiter geht's. Bezeichnend, dass auch der raue Opener, zusammen mit "Motorway" eine von zwei Vorab-Singles, das Motiv des In-Bewegung-Seins aufgreift. (…) Doch der härteste Brocken auf "Below the waste" ist zweifelsohne "Tcnc". Grime und Industrial, Wut und Verzweiflung bilden einen galligen und aufpeitschenden Klumpen, der im nahtlos anschließenden "Where is your <3 " seine hypnotische Fortsetzung findet. Noch bevor die dunklen Gewitterwolken aufziehen, lassen Goat Girl mit dem luftigen "Words fell out" aber einen kurzen Augenblick zum Atemholen. Und es sind nicht zuletzt diese großen Spannungsbögen im Zusammenspiel mit den vielen kleinen Details, der vielfältigen Instrumentierung und einem mehr als souveränen Songwriting, die "Below the waste " so groß machen. Album Nummer drei ist ein Schritt nach vorn, ja. Aber ein Schritt nach vorn, ohne all das auf den Müll zu werfen, was "On all fours " und auch das selbstbetitelte Debüt ausgezeichnet hat. Goat Girl machen immer noch Musik für traurige Cowboys. Vielleicht heute mehr denn je.


 


Weg sind die verhallten Gitarren, an ihre Stelle ist eine bisweilen grimmige Dringlichkeit getreten, die dieser immer tollen Band gut zu Gesicht steht. Trotzdem ist es zuweilen schade, dass bis auf wenige Ausnahmen („Motorway“, „Words Fell Out“) die große Melodiesicherheit der früheren Alben etwas verloren geht – zugunsten eines Sounds, der immer spannend und aufregend ist, aber nicht immer zu genauso guten Songs führt.




22. Juli 2024

Lola Young - This Wasn't Meant For You Anyway


Ich riskiere keine dicke Lippe, wenn ich behaupte, dass man von Lola Young noch viel hören und „This Wasn't Meant For You Anyway“ am Ende des Jahres in vielen Bestenlisten stehen sehen wird.

Die Londoner Musikerin brachte erst im letzten Jahr ihr Debütalbum „My Mind Wanders and Sometimes Leaves Completely“ heraus und schiebt nun bereits den Nachfolger hinterher, der mit einem übergeordneten Thema glänzen kann und bei allen stilistischen Sprüngen von Youngs Stimme und Persönlichkeit zusammengehalten wird. Auf den R’n’B/Pop-Song „Big Brown Eyes“, der mich an ein Spice Girls-Update denken lässt, folgt beispielsweise das elektronisch pluckernde „Conceited“ mit gitarrigem Indie-Rock-Refrain. Der akustischen Ballade „You Noticed“ schließt sich der Radiohead-Epigone „Crush“ an, bevor es mit „Fuck“ in Richtung Hip-Hop geht. 
Die 23-jährige bezeichnet ihr zweites Album als „first-born child, a fuck you to all my exes, and basically me just trying to figure out some shit openly and honestly on record. First of many and if you don't like it, then this wasn't meant for you anyway.“

„This Wasn't Meant For You Anyway“ wurde in Los Angeles aufgenommen und von ihrem Freund Solomonophic produziert. Das Album bietet zehn Songs und ein gesprochenes Outro in 38 Minuten, steht aktuell bei Metacritic bei 91/100 Punkten und ist als transparent red Vinyl sowie als sunburst red/clear Vinyl erhältlich.


Young has a knack for storytelling that feels real and even unflattering. The emotional force of her pain throughout ‘Conceited’ propels its boom-bap arrangements, while on the flipside, she radiates the cathartic levity of the ‘girl who is going to be okay’ meme on ‘Walk On By’, an anthem centred on reclaiming agency. “Said you got nowhere to go / Well, you could start with the lift to the ground floor,” she sings over animated drum beats. It feels like the beginning of a journey towards a peace Young did not allow herself in her earlier music.
Settling into young adulthood is rarely a linear path, she continues to remind us, and it comes with plenty of indecision and setbacks. But the album also finds a quiet freedom in knowing that nothing is guaranteed, so you might as well fuck around and have fun (‘Big Brown Eyes’, the doo wop-infused ‘Messy’). It’s a framing that also gives her license to roam through themes of sexual freedom on ‘Fuck’.
Though Young’s specific type of yearning and bluntness may be indebted to SZA, she possesses the genuine star power to further develop an already strong artistic identity. This is a record that always remains sure of itself, even in its deepest, darkest moments.
(NME)


 


 


 


 





20. Juli 2024

The Reds, Pinks And Purples - This Is Adult Art School


Gut, irgendwie war damit zu rechnen, dass „Unwishing Well“ nicht die einzige Veröffentlichung von The Reds, Pinks And Purples in diesem Jahr bleiben würde.
Dass aber „This Is Adult Art School“ keine drei Wochen nach „Unwishing Well“ veröffentlicht wurde, war dann doch überraschend.

„This Is Adult Art School“ ist eine der zahlreichen „Zwischenveröffentlichungen“ von Glenn Donaldson. Dies lässt sich daran ablesen, dass die enthaltenen 10 Songs nur digital und nicht auf Vinyl erscheinen und dass es sich um eine Sammlung aus neuen Liedern, Outtakes aus „Unwishing Well“ und Coverversionen handelt.

Anhand der Qualität lassen sich die Outtakes nicht heraus hören. Auffallend ist, das sowohl „Rare Night (Don’t Say Goodbye)“ als auch „Unwishing Well II“ und „Adult Art School“ äußert gitarrig geraten sind und „Desperate World“ zudem fast schon tanzbar zu nennen ist. „Your Cult Is On Fire“ wirft bei mir die Frage auf, wann Pelle Carlberg endlich wieder neue Musik hören lässt.

Bei den letzten 3 Liedern von „This Is Adult Art School“ handelt es sich um Coverversionen: „Hide My Life Away“ von East River Pipe, „Molly“ von The Gabys und „Call Off The Thugs“ stammt im Original von Bloodthirsty Lovers.


 


 





18. Juli 2024

Travis - L.A. Times


10 Fakten zum neuen Album von Travis

1. Seit „Ode To J. Smith“ (2008) benötigen Travis-Fans einen etwas dickeren Geduldsfaden, denn die Wartezeiten auf neue Alben wurden länger. Für „Where You Stand“ (2013) musste man sich 4 Jahre, 11 Monate und 20 Tage gedulden - Negativrekord des Quartetts. Auch die Veröffentlichung ihres letzten Albums „10 Songs“ (2020) erfolgte erst 4 Jahre, 5 Monate und 10 Tage nach „Everything At Once“ (2016). Diesmal sollte es nicht wieder mehr als 4 Jahre dauern: nach 3 Jahren, 9 Monaten und 3 Tagen hatte die Wartezeit ein Ende.

2. Apropos „Ode To J. Smith“: Dies ist das einzige Album von Travis, das es nicht in die UK Top 10 schaffte (#20). Bei zwei Nummer Eins-Alben („the Man Who“ und „The Invisible Band“) stehen die Schotten, die mit ihren letzten drei Alben auf die Plätze 3, 5 und nochmals 5 klettern konnten. In Deutschland wurden zuletzt zweimal die Top 20 verpasst, aber was soll man von einem Land erwarten, in dem „The Man Who“ auf Platz 34 strandete?  

3. „L.A. Times ist das zehnte Studioalbum von Travis, es bietet 10 Songs in 32:20 Minuten und unterbietet damit „Everything At Once“, das als kürzestes Album der Bandgeschichte lediglich auf 33:17 Minuten kam. 


 


4. Das Album wurde von Fran Healy in seinem Studio am Rande von Skid Row, Los Angeles, geschrieben, der Stadt, die er in den letzten zehn Jahren sein Zuhause genannt hat. Dies erklärt wohl auch den Albumtitel. Healy beschreibt es als das “most personal album since The Man Who”. 
Es ist die erste Zusammenarbeit von Travis mit dem Produzenten Tony Hoffer (Air, Beck, Metric, Belle & Sebastian, The Kooks, Turin Brakes).

5. Das Albumcover stammt vom Fotografen Stefan Ruiz, der die Band auch schon am Morgen für „The Man Who“, am Nachmittag für „The Invisible Band“ und zum Sonnenuntergang für „The Boy With No Name“ ablichtete. Das aktuelle Cover zeigt Travis nachts auf einer Straße in Downtown Los Angeles.


 


6. Am 21. März wurde mit „Gaslight“ die erste Single aus „L.A. Times“ ausgekoppelt. Es folgten noch „Raze The Bar“ am 10. Mai und „Bus am 10. Juni, bevor das Album am 12. Juli 2024 über BMG veröffentlicht wurde.

7. Das Album ist als CD und Deluxe CD im Hardcoverbook erhältlich, diese Version beinhaltet auf einem zweiten Silberling das komplette Album in „Stripped“ Versionen. Freunde der Schallplatte haben die Wahl zwischen black Vinyl, green marble Vinyl und yello lambo Vinyl.


8. Blood Records bot eine auf 750 Exemplare limitierte Auflage von „L.A. Times“ an: white and black splatter LP with exclusive stencil sleeve design. Ein Exemplar ging an mich.

The remarkable thing about L.A. Times, though, is that the album as a whole feels quintessentially American, and Southern Californian at that: it's a vibrant and lively intersection of styles and ideas, all heard through the prism of an expatriate who remains enamored and bewildered by his new home. Dig beneath the surface, and the lyrics make plain Healy's claim of the album being a personal record, but the trick that Travis pull off with L.A. Times is that it is engaging on the surface thanks to colorful melodies and shifting arrangements -- the very things that beg for subsequent listens, the ones where themes reveal themselves.

9. Bei Metacritic steht „L.A. Times“ aktuell bei 73/100 Punkten. Überraschenderweise ist dies der zweitbeste Wert für Travis, bei denen die ersten beiden Alben in der Auflistung jedoch fehlen: „The Invisible Band“ (71/100), „12 Memories“ (64/100), „The Boy With No Name“ (57/100), „Ode To J. Smith“ (66/100), „Where You Stand“ (70/100), „Everything At Once“ (60/100), „10 Songs“ (77/100) und „L.A. Times“ (73/100).

L.A. Times is at times wistfully joyful, yet also menacing and dark. It could be their most personal and exposed record in years, and as a result its honesty really strikes a chord.

Short and to the point, ‘L.A. Times’ is a succinct example of Travis’ musicality. A mixed bag, it’s held together by feverish energy, and some of the band’s mainstays – the emotional curiosity, the willingness to think outside the box, and those empathetic vocals. A real charmer.

10. Travis werden für drei Konzerte auf der „Raze The Bar European Tour 2024“ in Deutschland gastieren und Hamish Hawk im Vorprogramm dabei haben. Das sind die Termine:
03.09.24 Köln, Live Music Hall
04.09.24 Berlin, Huxley’s Neue Welt
05.09.24 Hamburg, Docks 


16. Juli 2024

Queen Of Jeans - All Again


Miriam Devora (Gesang, Gitarre, Keyboards) und ihr Partner Matheson Glass (Gitarre, Piano) gründeten 2015 die Band Queen Of Jeans, die im folgenden Jahr eine erste EP veröffentlichte und bei wechselnden musikalischen Mitstreitern mittlerweile bei ihrem dritten Studioalbum angekommen ist. „All Again“ entstand nun zusammen mit Andrew Nitz (Bass, Keyboards), Patrick Wall (Schlagzeug) und - wie bei den beiden Vorgängerplatten - dem Produzenten Will Yip (Nothing, Turnstile, Circa Survive, Panic! At The Disco). 

Bei „All Again“ handelt es sich um eine Art von Konzeptalbum über eine Beziehung und den Lauf der Zeit. Thematisch werden die Höhen und Tiefen einer turbulenten, fiktiven Liebesbeziehung verarbeitet, in die aber reale Erfahrungen des Paares einflossen. Dazu bietet das Quartett aus Philadelphia gefühlvollen, leicht nostalgischen, radiofreundlichen Indierock. Im Radio würden die Songs von Queen Of Jeans gut zwischen Lucy Dacus und Rilo Kiley passen. 

All Again“ ist als amber gold swirl Vinyl und als sea blue Vinyl erhältlich. 
  

All Again is resentful, nostalgic, frustrated, disoriented. Instead of chronicling a relationship from start to finish, the album is a nonlinear jumble of feelings and memories. The delirious finale “Do It All Again” is the ribbon tying it together as it echoes the melody of “All My Friends” and Devora sings, “If I got to do it all again/ I’d find you there like I did back then.” She sounds distant and earnest, repeating the words like an incantation, a spell in an attempt to manipulate fate. However, there’s no need for that; all of this surely will happen again, and again, and again.

This is the record where Queen Of Jeans have mastered both the banger-to-ballad ratio, and the banger-to-ballad transition. With the help of Grammy-nominated producer Will Yip, they’re covering more instrumental and aesthetic ground than they ever have before. Yip’s production lends cohesion to these sonically diverse tracks, magnifying the record’s more dramatic moments, sanding down odd edges without making Queen of Jeans’ sound too sanitized and roughing songs up when they’re on the verge of getting a little too pretty. 


 


 


 





14. Juli 2024

Cigarettes After Sex - X’s


10 Fakten zum neuen Album von Cigarettes After Sex

1. Greg Gonzalez hat sich etwas Zeit gelassen für das dritte Album seiner Band Cigarettes After Sex: „X’s“ erscheint 4 Jahre 9 Monate und 18 Tage nach „Cry“. Damit hat sich die Wartezeit zwischen den Alben mehr als verdoppelt, denn zwischen dem selbstbetitelten Debüt und seinem Nachfolger waren noch 2 Jahre, 4 Monate und 16 Tage vergangen. 

2. Nicht verdoppelt hat sich die Spielzeit der Platte, denn „X’s“ kommt bei 10 Songs nur auf 38:13 Minuten , nachdem zuvor noch 40 bzw. 47 Minuten Musik von Cigarettes After Sex auf ein Album gepackt wurden. Tendenz also fallend.

3. Apropos „Tendenz fallend“: Bei Metacritic stehen die drei Alben der texanischen Band aktuell so dar: „Cigarettes After Sex“ (75/100 Punkte), „Cry“ (69/100) und „X’s“ (67/100).

Lyrically, the album plunges into some vulnerable and troubling places, but musically it lacks a similar emotional range, instead feeling static and one-note.
(Uncut)

As with other Cigarettes After Sex albums though, there is a flaw, which is that it all becomes very one-note after a while. Admittedly, after three records nobody’s going to expect Gonzalez to embark on a radical new direction, but ten songs of a deeply narcotic, sleepy hue end up becoming a bit wearisome. (…)
While it may not break any new ground, there’s an oddly addictive ingredient to the Cigarettes After Sex formula, which this album has in spades. Just don’t let any ex-prime ministers listen to it.

You could argue that ‘X’s’ is Cigarette After Sex’s most consistent album of the three released so far. While the Texan band deliver their famed reverbed sound, similar lustful lyrics and reveal little desire to move the dial, the overall standard – more so when comparing each record’s weaker moments – is far raised.
Of course, the doubters will point to the lack of variation over their discography and find itchy feet here. But with a musical formula this pleasurable on the ears, Cigarettes After Sex will seduce you all over again third time round.

4. Zurück zur Spielzeit: Diese hätte Greg Gonzalez auch komplett anders gestalten können, aber offensichtlich ist der kreative Kopf von Cigarettes After Sex ein Freund der Non-Album Singles. „Affection“ war nicht auf dem Debütalbum enthalten, „Crush“ und „Neon Moon“ fehlten auf „Cry“ und auch vor „X’s“ waren einige Singles erschienen, die sich nun nicht auf dem Album wiederfinden: „You’re All I Want“ (2020), „Pistol“ (2022), „Bubblegum“ plus die B-Seite „Stop Waiting“ (2023). Zudem wurde im gleichen Jahr noch das Radiohead-Cover „Motion Picture Soundtrack“ herausgebracht.


 


5. Seit Februar 2024 wurden dann im 2-Monats-Rhythmus drei Singles aus „X’s“ veröffentlicht: „Tejano Blue“, „Dark Vacay“ und „Baby Blue Movie“. Die beiden letzten Songs sind auch als 12’’ Picture Disc erschienen.


 


6. Das Album wurde zwischen August 2020 und Februar 2022 in Los Angeles aufgenommen. Neben Greg Gonzales, der alle Songs komponierte, sang, Gitarre spielte und als Produzent fungierte, waren Randall Miller (Bass), Jacob Tomsky (Schlagzeug) und Jeff Kite (Keyboards) in die Aufnahmen involviert. Anthony „Rocky“ Gallo (Cat Power, Norah Jones, Yeasayer) und Greg Calbi (The National, Taylor Swift, Noel Gallagher, Arcade Fire) kümmerten sich ums Mixen bzw. Mastern. 

7. „X’s“ steht seit dem 12. Juli 2024 als CD, Kassette und LP (black Vinyl, Picture Disc, crystal clear Vinyl, white Vinyl) in den Plattenläden. Zudem gibt es eine Deluxe Version der LP (black Vinyl) im Gatefold Cover mit exklusivem Text- und Fotobuch.

8. Der in Seoul geborene Min Byung Hun studierte Musik und Ingenieurwesen, bevor er sich Anfang der 1980er Jahre im Studio des Künstlers Soon-Tae Hong der Fotografie zuwandte. Min entwickelt seine Bilder von Hand in der Dunkelkammer und hält seine Tonwerte oft in einem engen, verschwommenen Bereich, der als samtig beschrieben wird. Für das Cover von „X’s“ wurde ein Foto aus dem Jahr 2010 ausgewählt.


 


9. „X’s“ wird wie seine beiden Vorgänger über das Indie-Label Partisan Records veröffentlicht. Der ganz große Chart-Erfolg steht aber für Cigarettes After Sex noch aus: in Großbritannien, Deutschland und Frankreich gelang noch nicht der Sprung in die Top 25, in den USA stehen bisher sogar nur die Plätze 144 und 152 zu Buche.

10. Um so erstaunlicher, dass für die anstehende Europa-Tour nur die größten Hallen gebucht wurden. Größtenteils sind sie bereits ausverkauft und wurden sogar Zusatzshows hinzugefügt. Das sind die beiden Termine in Deutschland:
07.11.24 Berlin, Uber Arena
10.11.24 Köln, Lanxess Arena (ausverkauft)



12. Juli 2024

Fink - Beauty In Your Wake


Ach, würden Coldplay doch noch einmal einen so schönen Song aufnehmen wie „What Would You Call Yourself“!  


 


In den letzten Jahren arbeitet Fin Greenall verstärkt im Bereich Filmmusik, wodurch zu erklären ist, dass sein letztes Album unter dem Namen Fink („Bloom Innocent“) bereits fünf Jahre zurück liegt. Für „Beauty In Your Wake“ kehrte der seit 8 Jahren in Berlin lebende Musiker in seine Heimat zurück und nahm mit seinen Mitstreitern (Bassist Guy Whittaker und Schlagzeuger Tim Thornton) in einer Kirche in Cornwall das neunte Album von Fink auf. Als Co-Produzent fungierte dabei Sam O’Kell, der sich einen Namen durch das Remastering des gesamten Beatles-Katalogs in den Abbey Road Studios gemacht hat. 

Die Vergleiche mit Coldplay lösen sich auf „Beauty In Your Wake“ schnell auf, denn Fink durchtränken ihren intimen, gefühlvollen Folk mit einer gehörigen Portion Blues. Bei so viel Behaglichkeit ist es sehr willkommen, wenn das Album, wie etwa bei „Be Forever Like A Curse“ oder „I Don’t See You As The Others Do“, etwas an Dramatik und Dringlichkeit gewinnt oder das Tempo anzieht und dezent elektronische Elementen einbaut („One Last Gift“).

Fink in Deutschland:
13.10.24 Dresden, Alter Schlachthof
18.10.24 München, Backstage (Werk)
04.11.24 Mannheim, Alte Feuerwache
05.11.24 Köln, Stadthalle
06.11.24 Hamburg, Fabrik
07.11.24 Berlin, Astra Kulturhaus


Denn “Beauty In Your Wake” ist in seiner ganzen wehmütigen Mono-Melancholie maximal unspektakulär. Alles klingt ziemlich schön instrumentiert und Greenalls Stimmfarbe ist so herbstlich-warm wie eh und je. An Melodien oder Songwriting-Ideen wurde dafür massig gespart.
Zum Meditieren/Einschlafen ist diese Platte, die das ‘Wake’ im Titel trägt, jedenfalls besser geeignet als zum Erwachen.


 


Für „Beauty In Your Wake“ hat der Wahlberliner (…) zehn Songs aufzunehmen, die auf Zehenspitzen gehen, ohne Stand einzubüßen.
Nicht immer finden Form und Inhalt einander so schön wie in „Fol­low You Down“ oder im vernebelten „When I Turn This Cor­ner“. Aber für ein paar Merksätze im Küchenkalender reicht’s immer: „The only thing that mat­ters is the beau­ty in your way.“


10. Juli 2024

Kasabian - Happenings


28 Minuten? Ist das ernst gemeint? Das beste Album von Kasabian, „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ (2009), läuft knapp 52 Minuten, und „Velociraptor!“ - immerhin 2011 Album des Jahres bei Platten vor Gericht - kommt auch auf über 50 Minuten Spielzeit. Und nun speist uns Serge Pizzorno, Songschreiber, Produzent, Gitarrist und neuerdings auch Sänger in Personalunion, mit weniger als einer halben Stunde Musik ab. 
Zumindest gibt es eine hübsche Version der Schallplatte bei Blood Records. Zudem ist „Happenings“ als Deluxe Picture Disc sowie auf black Vinyl, turquoise Vinyl, red transparent Vinyl, maroon Vinyl und clear transparent Vinyl erhältlich.

Die Arbeiten an „Happenings“ begannen bereits auf der Tournee zu „The Alchemist's Euphoria“, dem ersten Album der Band ohne ihren ehemaligen Sänger Tom Meighan und hinsichtlich der Laufzeit (38 Minuten) und Qualität (7,333 Punkte und Platz 74 bei Platten vor Gericht) ebenfalls bereits kein ganz großer Wurf. 
Das Album soll inspiriert sein von den Auftritten der psychedelischen Bands der 1960er Jahre - da stellen sich die Fragen, ob deren Lieder auch nur zwei bis drei Minuten dauerten und woher der hohe Dance- („Call“, „Darkest Lullaby“, „Italian Horror“) und Disco-Anteil („Coming Back To Me Good“) hier stammt. Aber zwischendurch gibt es auch Elektropunk-Krawall („How Far Will You Go“) und Mitgröhl-Indierock („Passengers“) und Britpop-Hymnen für die britischen Arena („Algorithms“).

Die Plattenkritik geht nicht gerade zimperlich mit „Happenings“ um und so kommt Metacritic auf einen Metascore von 66/100:

Darkest Lullaby and Call make for an especially strong start to the album. However, with Meighan gone, Happenings does at times sound like the work of a band struggling with an identity crisis and consequently cosplaying some of their peers. Most notably, Passengers starts like some sort of Red Hot Chili Peppers tribute act; elsewhere there are nods to Foals and early Arctic Monkeys too.

Most of the second half of the album is a forgettable mishmash of styles that fails to stamp its own identity on the listener. Hell Of It starts off sounding like first album Arctic Monkeys before spiralling into a shapeless mishmash of electronic noise and squalled vocal fragments; Bird In A Cage is a tuneless splodge of sub-Lady Gaga electro pop. Even closing track Algorithms, which boasts by far the warmest, catchiest melody on offer here, can’t resist the temptation to spoil a perfectly pleasant chorus by pumping it up into an over-egged football chant. 


 





8. Juli 2024

The Rifles - Love Your Neighbour


The Rifles veröffentlichten 2016 als letztes großes Aufbäumen mit „Big Life“ gleich ein Doppelalbum. Als danach eine Singles Collection, ein Unplugged Album, ein Live Album und viele Jahre Stille folgten, konnte man davon ausgehen, dass es sich mit der Londoner Band erledigt haben würde. 

Weit gefehlt! 8 Jahre nach ihrem vierten Studioalbum veröffentlichen The Rifles nun - aufgrund von Problemen mit dem Mastering etwas später als ursprünglich geplant -  „Love Your Neighbour“ auf CD und LP (white Vinyl, blue Vinyl). Zahlreiche Varianten der Schallplatte gibt es diesmal nicht, dafür ein alternatives Cover.  

Joel Stoker (Gesang, Gitarre), Lucas Crowther (Gitarre), Rob Pyne (Bass), Grant Marsh (Schlagzeug) und Deano Mumford (Tasteninstrumente) erfinden das britische Gitarren-Rock-Rad nicht neu und bleiben nahe bei ihren Vorbildern, egal, ob man diese nun als The Beatles, Small Faces oder The Jam benennen möchte.

Das sonnige „Days Of Our Lives“ klingt verdächting nach einer Symbiose aus Madness und Dodgy. Ähnlich beschwingt und fröhlich kommt das anschließende und den Albumtitel liefernde „Mr. Sunflower“ daher. Hier strömen gute Laune und Optimismus aus allen Poren und dies wäre in einer Playliste nur zu toppen, wenn sich „It’s Alright“ von Supergrass anschließen würde. Zwischen die zahlreichen ebenso flotten wie nostalgischen Dreiminüter schleichen sich auch eine Ballade („Fall Apart“) und ein reduzierter Folksong („Venus“) ein.


They say abstinence makes the heart fonder, well, for The Rifles as a writing new music band, it has. The album is steeped in the kind of love and hope George Harrison would look upon fondly. It marks a new era for the band. The need to produce chaos has faded into wry takes on that era, and their most mainstream rock classic sound to date. Let’s hope it’s not another eight years. 


 


 





5. Juli 2024

Kiasmos - II


Vor zehn Jahren veröffentlichten der Isländer Ólafur Arnalds und der Färinger Janus Rasmussen als Kiasmos ihr selbstbetiteltes Debütalbum über das Label Erased Tapes. Das Duo, das erstmals 2009 zusammen arbeitete, brachte davor und danach noch einige EPs heraus, zu einem zweiten Album sollte es aber nicht kommen. 

Bis jetzt, denn nach 7 Jahren Stille gibt es nun „II“ zu hören, mit dem Kiasmos auch die Welt bereisen werden. Arnalds und Rasmussen fanden aufgrund der Pandemie wieder zusammen und widmen sich gemeinsam weniger ihren eigentlichen Metiers (Elektropopmusik bzw. Klaviermusik mit Streicherklängen an der Grenze zu Zeitgenössischer Klassik) sondern wollen dafür sorgen, das sich die Menschen zu ihren zwischen Electronica und Elektro pulsierenden Instrumentalstücken auf den Tanzflächen tummeln und zwischendurch zu Ambient-Klängen ein wenig durchpusten können. So ganz ohne Klavier und Streicher geht es bei Ólafur Arnalds dann aber doch nicht.

II“ ist als CD und Doppel-LP (black bio Vinyl, clear Vinyl, translucent orange Vinyl) erhältlich.

Kiasmos in Deutschland:
20.09.24 Köln, Stadthalle
21.09.24 Hamburg, Reeperbahn Festival
26.09.24 Berlin, Columbiahalle


Es pluckert eher als dass es pumpt, die Bässe agieren viel lieber unter der Oberfläche. Man legt die Prioritäten gänzlich auf das Wohlbefinden aller Beteiligten, weshalb “II” schon eher in Richtung Trip geht und einer Seelenmassage gleichkommt. Das Album besitzt dann auch so ungefähr das Hypnotische eines Pantha de Prince.


 


Auch wenn es aufgrund der klanglichen Homogenität des Albums schwerfällt, einzelne Tracks hervorzuheben, verdienen einige dennoch eine ausführliche Beschreibung: Zunächst ist da "Burst" zu nennen, das mühelos den Spagat zwischen Tanzfläche und Traumreise hinbekommt. Ebenfalls grandios gerät "Bound", das klar in zwei Hälften geteilt ist: Zunächst dominiert ein schneidender Synth-Bass das Geschehen, während sich aus dem Hintergrund langsam die Streicher nach vorne tasten. Was dann passiert, ist schlicht spektakulär: Die Musik verstummt für einen Augenblick, ehe ein mächtiger Drop den zweiten Part einleitet. Der Bass grummelt zwei Etagen tiefer, die Geigen kratzen im Obergeschoss an den Wolken.





4. Juli 2024

Moddi - Vandreviser


„Vandreviser“ besteht aus zwölf auf norwegisch gesungene Folklore Songs, bei denen der Eindruck eines a capella Vortrags entsteht, da ihnen höchst minimalistisch im Hintergrund einige wenige Instrumente oder Field-Recordings (Regentropfen, Kirchenglocken, Vögelzwitschern) beigemischt sind: Kirchenorgel („Før morgon gryr (salme 364)“), Akustikgitarre („Savne deg“), knarzende Orgel und Maultrommel („Vandrevise“), Streichinstrumente und Mundharmonika („Sommarregn“). Neben großen Arrangements verzichtet Pål Moddi Lue auf seinem siebten Studioalbum auch auf besondere Wiedererkennungseffekte der Refrains.

Etwas heraus stechen das in diesem Umfeld opulent arrangierte (Chor, Trompete, Rhythmusinstrumente) und eingängige „Midt iblant oss“ sowie das abschließende „Veien eg må gå“, in dem sich eine Trompete am Gesang vorbei in den Vordergrund mogelt. 

Grundlage des Albums ist eine 37-tägige Wanderung Moddis durch die norwegische Natur. Diese Pilgerreise führte ihn im Sommer 2021über 643 Kilometer von Oslo nach Trondheim, allein mit seiner Gitarre. Unterwegs schrieb er Lieder, die von der Landschaft, den Menschen, der Stille und den Spuren der tausendjährigen Geschichte des Christentums in seiner Heimat inspiriert sind. „Vandreviser“ ist als CD und LP erhältlich.   


3. Juli 2024

Alcest – Les Chants De L’Aurore


Besonders in Deutschland scheint man die Band Alcest lieb gewonnen zu haben: Ihr siebtes Album „Les Chants de l’Aurore“ erscheint über das deutsche Label Nuclear Blast und nirgendwo sind die Platzierungen in den Hitlisten so hoch wie in Deutschland - auch nicht in ihrer französischen Heimat. Mit dem auch hier vorgestellten „Shelter“ ging der kommerzielle Erfolg 2014 los, den das vierte Album von Stéphane "Neige" Paut und Jean "Winterhalter" Deflandre erreichte hierzulande Platz 28. Noch besser lief es anschließend für „Kodama“ (2016, #15), „Spiritual Instinct“ (2019; #12) und nach fünfjähriger Wartezeit nun „Les Chants de l’Aurore“, das Platz 14 in Deutschland erreichte.

Wenn bei Neige, der die treibende Kraft hinter Alcest ist und sich um Aufnahme, Produktion, Arrangements, Texte, Musik (zusammen mit dem Schlagzeuger Winterhalter) kümmert und Gitarre, Bass, Glockenspiel, Synthesizer und Piano spielt, von „clean and harsh vocals“ die Rde ist, dann ist vermutlich sein normaler (und diesmal von vielen lieblichen, weibliche Stimmen ergänzter) Gesang gemeint, sowie die gelegentlichen aber leider unvermeidlichen Schrei-Attacken, die den Shoegaze-Sound noch mit den früheren Black Metal-Tagen der Band verbinden. Gerade in den epischen Songs, wie „L’Envol“ und „Améthyste“, die beide über 8 Minuten laufen, wird dies als Stilmittel sehr gern eingesetzt. Dies nennt sich wohl Blackgaze. Weitere Label, die man den 7 Songs anheften könnte, wären vielleicht Post-Rock und Dreampop. 

„Les Chants de l’Aurore“ bekommt vom Label CD, Kassette und LP in zahlreichen Varianten spendiert: Picture Disc, Yellow Transparent Vinyl, Transparent Black Yolk Vinyl und als Doppel-LP auf Yellow Black Marble Vinyl.

Und endlich können wir für eine Plattenkritik mal wieder den Metal Hammer aufschlagen:

In den längeren Liedern finden sich ausgedehnte Instrumentalphasen, während das kaum dreiminütige ‘Réminiscence’ mit Klavier und Kontrabass aufwartet, man zu Beginn des krachig-elegischen ‘L’Enfant De La Lune’ eine Frau sprechen hört und einen das von Chören geprägte Finale ‘L’Adieu’ mit sanfter Wehmut verabschiedet. LES CHANTS DE L’AURORE klingt erwartbar und benötigt trotzdem Zeit, um seine volle Wirkung zu entfalten – lässt man sich jedoch darauf ein, packt einen das schön­geistige Kleinod zuverlässig und entpuppt sich als (dieser Tage so nötiger) Balsam für die Seele.


 


Im Grunde sind Alcest längst im Enya-Modus angekommen: In immer größeren Abständen kredenzen sie uns auf bewährtem Rezept basierende Platten, die uns für eine gute Kanne Heilkräutertee lang den Irrsinn dieses planetaren Karussells vergessen lassen. Es sei ihnen gegönnt, haben sie die bisher größte Herausforderung – die Wucht und Intensität der Live-Auftritte auch im Studio mit voller Dynamik einzufangen – doch ebenfalls schon seit "Kodama" gemeistert.
Wäre es die erklärte Challenge, die grenzenlose Freiheit der eigenen Traumwelten für andere Erdlinge greifbar zu machen – Meister Neige dürfte es sich mit der überschäumenden Schampusflasche in der Hand auf der obersten Treppenstufe gemütlich machen. Denn anders als Enya (an die das Klavierstück "Réminiscence" dann doch kurz denken lässt), halten Alcest das Qualitätsbarometer auch im dritten Schaffensjahrzehnt stabil. "Les Chants De L'Aurore": More of the same, wie immer unwiderstehlich.





2. Juli 2024

Walt Disco - The Warping


Anfang des Jahres konnte ich nach dem Konzert in der Offenbacher Stadthalle Orchestral Manoeuvres In The Dark von meiner Band-Bucket-List streichen. Im Vorprogramm sahen wir das schottische Quartett Walt Disco, das neun Songs darbieten durfte.  

Gleich fünf davon finden sich nun auf „The Warping“, dem zweiten Album von Jocelyn Si (Gesang), Finlay McCarthy (Gitarre, Keyboards), Lewis Carmichael (Gitarre), Charlie Lock (Bass) und Jack Martin (Schlagzeug) nach „Unlearning“ (2002), wieder.

Auf dem Album manövrieren sich Walt Disco im Licht einer Discokugel in knapp 44 Minuten durch pompösen Glam Rock, theatralischen Artpop, funky New Wave sowie orchestralen Queer Pop. Das dürfte Fans zwischen Sparks, Pulp, Roxy Music, The Irrepressibles, Queen und David Bowie gefallen.

The Warping“ ist als CD und LP (Pearl Vinyl, Purple/White Marble Vinyl) erhältlich.

Walt Disco in Deutschland:
18.11.24 Hamburg, Nochtspeicher
19.11.24 Köln, Blue Shell
21.11.24 Frankfurt, Brotfabrik
22.11.24 Berlin, Prachtwerk


Mit einem Instrumentarium, das um analoge Streicher und Bläser adäquat erweitert wurde, setzen Walt Disco zum großen Wurf an, welcher in der rauschhaften Ouvertüre „Seed“ Griegs Peer Gynt mit der Mary Poppins der Sherman-Brüder vereint und im orchestral-vokalen Clinch des epischen Finales „Before The Walls“ gipfelt.

Dazwischen dürfen aber auch mal subtile Saxofon-Einlagen oder gar Casio-Keyboardklänge jenen Weg säumen, welcher lyrisch und inhaltlich stark von sexueller und geschlechtlicher Selbstfindung und -bestimmung geprägt ist. Tiefgründigkeit für die Tanzfläche. Toll.