3. Oktober 2026

Danger Dan - Keine Angst


Am Tag der Deutschen Einheit gibt es nichts Passenderes als die provokanten Anti-Nazi-Texte des Liedermachers Danger Dan und sein neues Album „Keine Angst“ vorzustellen.

Die an Zensur grenzende Ausladung aus der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ führte immerhin zu so viel Aufmerksamkeit, dass das Lied „Keine Angst“ (#7) in den deutschen Charts noch erfolgreicher war als „Das ist von der Kunstfreiheit gedeckt“ (#25) fünf Jahre zuvor. Zum Ausgleich dürfen die Kolleg*innen von anderen öffentlich-rechtlichen Kanälen nun das Loblied auf das Album singen:


Auf dem gleichnamigen Album ist „Keine Angst“ fast der Schlusspunkt, als vorletzter von insgesamt zwölf Songs. Als sei Danger Dans antifaschistische Haltung die logische Konsequenz aus allem, was er zuvor besingt.
Und das ist auf eine ganz andere, weniger krawallige Art politisch. Danger Dan behandelt die vielen Facetten des Menschseins, meistens ruhig und nachdenklich. „Dass es hier so schön ist“ erzählt von seiner drohenden Erblindung. Überhaupt zeigt sich Daniel Pongratz, wie er bürgerlich heißt, verletzlich. Im Sinne einer „neuen Männlichkeit“ singt er davon, in Therapie zu sein, bei Liebesfilmen zu weinen und sich vor dem Tod zu fürchten.
Er vertont auch sein jüngstes Outing. „Warum es nicht geklappt hat“ ist ein Liebeslied für einen Mann. So explizit hat man das im deutschen Pop viel zu selten gehört. In „Für immer“ reflektiert Danger Dan, dass sein Schmerz über den Verlust eines Freundes mit der Zeit abgenommen hat.
(SWR)


  


So geht es zum Beispiel ums Abschiednehmen und die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit. "Dass es hier so schön ist, hätte ich vielleicht sonst nie gesehen", singt der 43-Jährige, der an der Augenerkrankung Retinitis pigmentosa leidet, die ihn langsam erblinden lässt. Und der dazugehörige Song ("Dass es hier so schön ist") ist vielleicht eine der schönsten Balladen des Jahres. Auch wegen dieser wehmütigen Zeile: "Ich will nicht, dass ich Angst hab', aber mich dran erinnern: Irgendwann holt auch mich die Nacht."
Mangelnde Akrobatik mit der linken Piano-Hand gleicht Danger Dan wieder mit Kreativität aus. Die überspringt im Laufe des Albums sogar mehrere Oktaven vom Kampflied in Moll zum satirischen Chanson á la Georg Kreisler mit dem Titel "Wenn man Nazis so behandelte wie Frauen". "Kapiert – wir sollen Nazis also lieber nicht verhauen", singt Danger Dan darin. "Doch wie wär's, wenn wir stattdessen – ich weiß, es klingt vermessen, doch man könnt' es ja mal testen – sie behandelten wie Frauen?" Und dann zählt er auf, wie Frauen in der Gesellschaft benachteiligt werden oder welche Gewalt ihnen widerfährt.
(BR)


 


Für Daniel Pongratz, wie Danger Dan eigentlich heißt, ist das Private politisch - ganz nach der alten 68er-Losung. Das geht aus vielen seiner Texte hervor. In "Dass es hier so schön ist" singt er über seine Augenerkrankung, die ihn nach und nach erblinden lässt. Im Video sitzt er in einem hell erleuchteten Raum voller Kerzen und Leuchter. Auf dem Bildschirm tauchen immer mehr schwarze Flecken auf, am Ende herrscht totale Finsternis. Ein bewegender Aufruf, die Schönheit der Welt mit offenen Augen wahrzunehmen.

Überhaupt: Das Positive, das uns trotz allem umgibt, ist neben dem Appell, gegen Faschismus aufzustehen, ein immer wiederkehrendes Thema bei Danger Dan. "Hätte der Opa, der im Zweiten Weltkrieg im Schützengraben lag, je gedacht, dass sein Enkel irgendwann bei Montpellier im Sonnenuntergang die Enkel derer küssen kann, auf die er gerade schießt", heißt es im Song "Aber dann“.
(NDR)




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