10. Oktober 2026

Teenage Fanclub - Do Not Dare To Dream


“It’s difficult when it comes to, y’know, coming up with a name for an album. Especially after you’ve made 12 of them.” Und doof auch, wenn man „Thirteen“ schon als Albumtitel bei der vierten Platte benutzt hat, oder? 
Letztendlich ist es Norman Blake doch noch gelungen, einen Titel zu finden, auch wenn er sich dafür einfach bei einem der fünf von ihm komponierten Songs bediente. Blake erklärt, der Titel „I Do Not Dare To Dream“ solle sich über jene Memes lustig machen, die dazu auffordern, „es zu wagen, zu träumen“, denn für ihn sind diese „irgendwie lächerlich... Ich glaube nicht, dass die Welt so funktioniert.“ 
Die Welt von Teenage Fanclub funktioniert so, dass Blake (Gesang, Gitarre) und McGinley (Gesang, Gitarre) die Songs komponieren, die Arrangements aber im Studio zusammen mit ihren Bandkollegen Euros Childs (Keyboards und Gesang), Francis Macdonald (Schlagzeug) und David McGowan (Bass) entwickeln. Dazu wählt das Quintett gern unterschiedliche Studios (man war bereits in den Londoner Abbey Road Studio, in den den walisischen Rockfield Studios oder im Hamburger Clouds Hill Recordings), um die dortige Ausstattung gezielt zu nutzen. Für ihr dreizehntes Studioalbum zog es sie nun in die Einsamkeit des Black Bay Studios, gelegen in der Ortschaft Kirkibost auf Great Bernera, einer Insel der Äußeren Hebriden in Schottland. Dort gab es wohl neben zahlreichen Vintage-Synthesizern auch eine Domus-Kirchenorgel, die den Klang des Albums besonders prägt.

Die restlichen fünf Lieder von „Do Not Dare To Dream“ (Black Vinyl, Orange Vinyl) stammen aus der Feder von Raymond McGinley und sein „Tomorrow People“ wäre ein anderer guter Albumtitel geworden. McGinley erzählt dazu:
“There was a whiteboard in the studio, so we started writing song titles on it. Made up, stupid titles. I don’t know how it started, but the titles were based on TV series from the ’70s and ’80s, and one of those was ‘Tomorrow People.’ I couldn’t even remember what the TV series was like, but I started thinking about ‘Tomorrow People’ as a concept, and I think I started singing, as a guide vocal, some joke thing about ‘Tomorrow People’ in the outro section, something I was making up in the moment. And then I thought, ‘There’s something in that.’ So, the title started as a joke, but the song isn’t a joke.”
Kein Scherz ist die ungewöhnliche Songstruktur des Liedes, denn dieses wird nach 108 Sekunden von einem Orgelzwischenspiel unterbrochen und danach zu einem metronomartigen Rhythmus fortgeführt. Experimenteller wird es auf „Do Not Dare To Dream“ nicht mehr (und leider auch nicht rockig), aber auch die Menschen der Zukunft freuen sich sicherlich über weitere melancholische, warme, zeitlose und unaufgeregte Alben von Teenage Fanclub. 

Und natürlich auf Konzerte. Teenage Fanclub in Deutschland:
26.10.26 Köln, Gebäude 9
27.10.26 München, Strom
28.10.26 Berlin, Frannz Club
29.10.26 Hamburg, Knust


Yet this record is most affecting when it simply reflects on what hard-won contentment looks like, whether that’s the love-saves narrative of There Was You or the way Day In The Sun emerges from behind storm clouds to extol commitment and hope. Take Time’s fluting psychedelic pastoral, meanwhile, dances along a gentle redemptive arc: “no more running in circles / no more wasting my time.”

Despite the no-nonsense title, Do Not Dare To Dream isn’t a bleak record: these warm, intuitive songs just know that glossy perfection isn’t necessarily the shape a happy life takes. It might be good to talk, but as Teenage Fanclub prove at this stage in their career, listening can be just as therapeutic.


 


 




9. Oktober 2026

Johnny Marr - The Age Of Everything


Es muss an mir liegen. Aber vielleicht auch ein wenig an Johnny Marr. Und natürlich an Morrissey!

Die Plattenkritiken zu „The Age Of Everything“ sind nicht besonders berauschend. Beispielsweise 3/5 Sternen im Rolling Stone und 3,5/6 Sternen im Musikexpress. Aber mir gefällt das Album recht gut, denn Johnny Marr macht Johnny Marr Sachen. Und damit macht er musikalisch das, was man erwarten oder sogar erhoffen durfte, im Gegensatz zu seinem früheren Bandkollegen Morrissey, der mit „Makeup Is A Lie“ auf fast ganzer Linie enttäuscht. 

Der Opener „Spin“ klingt ein wenig nach Electronic und man hätte sich gewünscht, das sich die frühen Kollaborateure dieses Projektes (Bernard Sumner, Karl Bartos und Neil Tennant) ins Studio eingeschlichen und den Song ein wenig in Richtung Elektronik geschoben hätten. Gleiches gilt für „Beyond The Rain“, das bestimmt einen guten New Order Song abgegeben hätte. Dann packt Marr zum ersten Mal eine typische The Smiths-Gitarre aus, doch leider ermüdet das oftmals gesungene Ooooh-oho-oooh doch ein wenig. Da wäre Morrissey textlich bestimmt etwas mehr eingefallen - und wie toll hätte es geklungen, wenn er mit weinerlich-dramatischer Stimme auf „Ophelia“ oder „In And Out Of Love“ gesungen hätte. 

Es hat nach der Trennung von The Smiths einige Jahre gedauert, bis Johnny Marr nach Mitgliedschaften bei The The, Electronic, Modest Mouse oder The Cribs solo mit seiner Musik auch als Sänger in die Öffentlichkeit trat. „The Age Of Everything“ ist nunmehr sein fünftes Soloalbum und in diesem Jahr gewinnt er den Wettstreit mit Morrissey klar. 


 


Auf THE AGE OF EVERYTHING spielt er exakt die Musik, die sich die meisten seiner Fans vermutlich wünschen: Indie-Rock, der in den 1980ern und 1990ern grundiert ist und sich selbst nie zu wichtig nimmt. Natürlich werden in Songs wie „It’s Time“ Erinnerungen an die eigenen Verdienste sichtbar, aber es sind auch andere, die einen in den Sinn kommen.
Die Struktur der Songs erinnert bisweilen an die späten Echo & the Bunnymen, auch New Order zu REPUBLIC-Zeiten scheinen im Nachbarzimmer zu kampieren. „Ophelia“ schielt Richtung Manchester Rave, „In And Out Of Love“ holt das große Balladenbesteck raus, „Fire With Fire“ zeigt schließlich das vielleicht filigranste Gitarrenspiel des Albums. Unwahrscheinlich, dass jemand THE AGE OF EVERYTHING anhören und kolossal überrascht sein wird. Aber ganz behaglich einrichten lässt es sich in diesen Liedern durchaus.




8. Oktober 2026

Blossoms - Songs From The Wedding Cake


Da haben sich doch Blossoms ganz offensichtlich bei einem unserer Geheimtipps bedient und von deren Hochzeitstorte genascht:



Das Schicksal von The Wedding Bells blieb für uns ein weiteres Geheimnis, aber über das sechste Studioalbum der Blossoms konnten wir folgendes in Erfahrung bringen:
  • Der Albumtitel bezieht sich auf die Stockport Town Hall, in der Sänger Tom Ogden geheiratet hat und die „The Wedding Cake“ genannt wird.
  • Blossoms-Gitarrist Josh Dewhurst nahm bereits im Alter von 13 Jahren online erstmals Kontakt mit dem US-amerikanischen Musiker, Produzenten, Multiinstrumentalisten und Komponisten Shawn Lee auf, da er ein großer Fan seiner Arbeit für den Soundtrack des Videospiels „Bully“ war. Nun nahm der 62-Jährige als Produzent zusammen mit Blossoms in den Tilehouse Studios das Album vollständig auf analoges Tonband auf, was dem Sound eine feine Vintage- und Funk-Note verleiht.
  • Mit Rick Astley („Joke About Divorce“), Dclan McKenna („Additional Driver“) und Elijah Hewsom von Inhaler („Where Have You Been My Whole Life?“) fanden sich einige prominente (Mit-)Sänger im Studio ein.
  • Nach der Ankündigung des Albums tauchte die Band auf drei Hochzeiten im Nordwesten Englands auf, wo sie in einem Van vorfuhren und kurze Sets spielten. Nach der letzten Hochzeit gab die Band vor dem 42's Nightclub in Manchester ein weiteres Überraschungs-Konzert.
  • Der funky Indiepop von „Songs From The Wedding Cake“ bietet insgesamt 11 Lieder in 43 Minuten uns ist in zahlreichen Vinyl-Varianten erhältlich: Black Vinyl, Pink Vinyl, Blue Daylight Vinyl, Splatter Vinyl (with Alternative Artwork) und Split Red And Blue Liquid Vinyl.


Whilst no song on the album has the irresistible hook of its predecessor’s title track or Charlemagne, it is chock-full of tunes that nestle in your brain and grow there with each subsequent listen. Those songs are laden with their trademark melodies, harmonies and backing vocals that make them feel timeless. There’s no pretence here to be the biggest or most experimental band in the world, no big political statements or veering too far from familiar territory, but Blossoms are the best in the business at the style of music they produce and Songs… cements that position.


 


 


 





7. Oktober 2026

Girls In Hawaii - Eldorado


Eldorado:
Der Begriff Eldorado geht auf ein Ritual des indigenen Muisca-Volkes in Kolumbien zurück, bei dem ein mit Goldstaub bedeckter Herrscher kostbare Beigaben in einem heiligen See opferte. Aus der mündlichen Überlieferung machten goldgierige spanische Eroberer im 16. Jahrhundert die Legende von einer sagenumwobenen Stadt aus purem Gold, was zu zahlreichen gescheiterten Expeditionen führte. Heute nutzt man das Wort metaphorisch entweder für einen Ort, der ideale Bedingungen oder unbegrenzte Möglichkeiten bietet, oder für Wünsche oder Träume, die man vergeblich jagt.

„Eldorado“: 
Girls In Hawaii jagen dem Traum hinterher, ein melancholisches, vielschichtiges Indierock-Album aufzunehmen, das akustische und elektronische Elemente kombiniert und Grandaddy oder Radiohead nachspürt. 
Vermutlich hatten Antoine Wielemans (Gesang, Gitarre), Lionel Vancauwenberghe (Gesang, Gitarre), Brice Vancauwenberghe (Gitarre), François Gustin (Gitarre, Keyboard), Daniel Offermann (Bass) und Boris Gronemberger (Schlagzeug) keine weitere Expedition geplant, denn ihre letzte fand 2017 („Nocturne“) statt und nach ihrem Schlagzeuger Denis Wielemans hatten sie zuletzt auch ihren langjährigen Manager und Freund Pierre Van Braekel verloren. 
Erst auf Initiative der Betreiber des Ancienne Belgique fanden sich Girls In Hawaii wieder zusammen, um Konzerte zum Jubiläum ihres Debütalbums „From Here To There“ (2005) zu spielen. Dies gab wohl auch den Anstoss für die Aufnahmen zu ihrem insgesamt fünften Studioalbum. „Eldorado“ ist als CD und LP (Black Vinyl, Red Vinyl) erhältlich und bietet 11 Songs in 42 Minuten. 


„Eldorado“ strotzt vor eindrucksvollen Songs. Girls In Hawaii gelingt es, an ihr eigenes musikalisches Vermächtnis anzuknüpfen und dessen Quintessenz zu destillieren. Gleichzeitig bewahren sie sich eine Frische, die die LP zu einem echten Highlight in ihrer Diskografie macht. Textlich hangeln sich die elf Tracks an gewichtigen Fragen zu Themen wie der Klimakrise, der spürbaren kollektiven Erschöpfung, zerbrechenden Beziehungen, schmerzhaften Abschieden, Bildern aus Kindertagen und der Suche nach dem eigenen Platz in einer zunehmend instabilen Welt entlang, ohne den Mut zu verlieren. Dass all das nicht ohne Emotionen reflektiert werden kann, zeigt die klangliche Ausgestaltung der Platte. Sie reicht von leisen, melancholischen Momenten wie einem zarten Wimmern bis zu aufbrechender, massiver Wut, die sich in apokalyptischen Melodiebögen wie im Opener „Is It Happening Right Now?“ äußert. Girls In Hawaii beweisen, dass es schon immer ihre Stärke war du. Auch weiterhin ist, Gefühle erfahrbar zu machen und dabei vollkommen authentisch zu sein. Wir können miterleben, wie die Band am Anfang der LP an ihrer eigenen Unsicherheit zu zerbrechen droht, als wäre sie ein Schiff auf stürmischer See, bevor die Wellen schließlich abebben und es im letzten Drittel von „Eldorado” etwas weniger turbulent zugeht. 


 


 





6. Oktober 2026

Susanne Sundfør - Revelations Of Divine Love


Die Nachricht, dass „Tubthumper“ von Chumbawamba auf Vinyl wiederveröffentlicht wird, ließ bei Oliver und mir nur einen Gedanken zu: „OMG! Hoffentlich kommt die „Anarchy“ auch noch!“ Das Plattencover des sechsten Albums von Chumbawamba ziert ein Foto einer Geburt: der Kopf eines Babys tritt aus einer Vagina hervor, was dazu führte, dass das Album in einigen Geschäften verboten und in anderen nur in neutralen Hüllen angeboten wurde. Bei einigen Streaming-Diensten sowie der japanischen physischen Ausgabe des Albums wurde Cover durch ein Gemälde roter Rosen ersetzt. Ob dem neuen Album von Susanne Sundfør ähnliche Zensur droht?

Die Norwegerin brachte 2020 eine Tochter sowie 2025 einen Sohn zur Welt und ist mit dem norwegischen Jazzmusiker und Saxofonisten André Roligheten verheiratet. Vielleicht kam es so zur Idee mit der fotografischen Darstellung einer gebärenden Frau für das Cover bzw. die Verbindung zum britischen Jazzpianisten und Organisten Kit Downes. Denn zusammen mit diesem wurde „Revelations Of Divine Love“ im November 2024 in der stillen, hallreichen Atmosphäre der Bragernes-Kirche in Norwegen aufgenommen, überwiegend in „Single Takes“, also Aufnahmen in einem einzigen Durchgang, und Darbietungen, bei denen die Präsenz wichtiger war als die Perfektion.

Sundfør singt, Downes spielt Kirchenorgel, zusammen haben sie die meisten Titel komponiert, am Anfang („A Revelation Of Love“) und Ende („Love Was Our Lord’s Meaning“) des Albums steuert Jørgen Træen dezente elektronische Klänge bei. Mehr gibt es auf diesem intimen und reduzierten sowie hypnotischen und sakralen Album nicht zu hören. Susanne Sundfør klingt hier wie ihre schwedische Kollegin Anna von Hausswolff ohne Rock und Drone-Experimente und nach einer Zeitreise ins Mittelalter, damit erfindet sich also ein weiteres mal neu.

Der Titel des Albums bezieht sich auf das wegweisende mystische Werk von Juliana von Norwich aus dem 14. Jahrhundert und setzt deren Worte musikalisch um. Unter dem Titel „Revelations Of Divine Love“ bekannten Schriften sind nicht nur die ersten überlieferten englischsprachigen Texte einer Frau, sondern auch die einzigen überlieferten englischsprachigen Texte einer Anachoretin (Einsiedlerin).

„Revelations Of Divine Love“ ist als CD und LP (Red And Black Marbled Vinyl) erhältlich.




It’s a beautiful album, centuries in the making, then, and moreover, in a curious way, it’s subversive too. The pipe organ of late has become a vessel for a kind of secular spirituality in music propagated by hipsters, tacitly offering a connection with our medieval forefathers and foresisters that’s almost humanist in its pretensions. Sundfør reunites the king of instruments with an unabashed religiosity on songs like ‘I It Am’, with lyrics bordering on erotic supplication in places (“I it am that thou servest / Thou longest for / That thou desirest…”). Indeed, one doesn’t have to be of a religious persuasion to admire this project and adore these songs, many of them hymns of adoration. Whatever your proclivity, spiritual or otherwise, it’s certainly advisable to pull up a pew and enjoy the latest service in Sundfør’s slowly expanding and singular body of work.




5. Oktober 2026

Frankie Rose - Hila


Mit ihren früheren Bands war Frankie Rose deutlich rockiger unterwegs als solo und wirklich lang hat es weder bei Crystal Stilts noch bei Dum Dum Girls, Vivian Girls oder Beverly funktioniert. Bereits seit 2009 veröffentlicht sie Musik unter ihrem eigenen Namen und meistens über Slumberland Records. 

Das sechste Album der in New York lebenden Künstlerin erscheint nun aber über Born Losers Records als CD und LP (Clear with Yellow Center Vinyl) und taucht tief in die 80er Jahre ein. Ihr ätherischer Gesang lässt an Elizabeth Fraser von den Cocteau Twins denken, das säuselnde Saxofon beim instrumentalen „Rainman“ an „Blade Runner“. Zu diesem Film würde auch der generell düstere und cineastische Sound des Albums passen, egal, ob er nun in verhallten Dreampop- oder unterkühlten Synthpop-Welten dahin gleitet oder sich sanft in Richtung von New Wave, Gothic und Post-Punk bewegt, wie beispielsweise bei „Manifest“.    

Frankie Rose hat die 10 Songs allein komponiert und produziert, im Studio half u.a. Justin Welch von Elastica bzw. Lush als Schlagzeuger. Leider sind ihr die gitarrigen Erinnerungen an die vorherige gemeinsame Tournee mit The Jesus & Mary Chain und Swervedriver auf „Hila“, einem Album das den Verlust thematisiert, wohl tatsächlich verloren gegangen. 


 


 


4. Oktober 2026

Slow Pulp - Melodie


Zünden Slow Pulp auf ihrem dritten Album ein Feuerwerk an Melodien, oder wie ist das Plattencover von „Melodie“ zu verstehen?

Das in Chicago ansässige Quartett besteht aus Emily Massey (Gesang, Gitarre), Henry Stoehr (Gitarre), Alexander Leeds (Bass) sowie Theodore „Teddy“ Mathews (Schlagzeug) und erstmals in der Bandgeschichte arbeiteten Slow Pulp mit einem externen Co-Produzenten zusammen: Elliott Kozel (Rosalía, Lizzo, Soccer Mommy) unterstützte Henry Stoehr und Emily Massey bei der Produktion der 11 Songs. Für das Songwriting kehrte das Duo zu seinen Wurzeln in deren Heimatstadt Madison zurück und trotz dieser leichten Veränderungen in der Herangehensweise im Vergleich zum Vorgänger „Yard“ (2023), der während der Pandemie und in Isolation entstanden war, pendeln Slow Pulp weiterhin zwischen melancholischen Folksongs wie „Spill“ oder „These Days“, die an Boygenius denken lassen, und (seltener) temporeichem 90er Jahre Indierock mit Shoegaze-Verweisen („Better Man“, Melodie“) für Freunde von Alvvays, Soccer Mommy oder Beabadoobee.

„Melodie“ ist über Anti- als CD und LP (Black Vinyl, Clear Vinyl, Clear Pink Vinyl) erschienen.

Slow Pulp in Deutschland:
21.01.27 Berlin, Columbia Theater
22.01.27 Köln, Gebäude 9


 


Slow Pulp beherrschen die Kunst, Melancholie in leuchtende Gitarrenmusik zu verpacken. Auf „Melodie“ führt das Quartett seinen Indie-Rock mit Dream-Pop-Schimmer und feiner Neunziger-Alternative-Kante konsequent weiter. Zwischen Euphorie und Verletzlichkeit klingt die Band zugleich vertraut und erstaunlich frisch.
(…) Ein warmes, klug arrangiertes Indie-Album – vielleicht nicht ganz so überwältigend wie „Yard“ (2023), aber mit reichlich eigenem Charme.




3. Oktober 2026

Danger Dan - Keine Angst


Am Tag der Deutschen Einheit gibt es nichts Passenderes als die provokanten Anti-Nazi-Texte des Liedermachers Danger Dan und sein neues Album „Keine Angst“ vorzustellen.

Die an Zensur grenzende Ausladung aus der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ führte immerhin zu so viel Aufmerksamkeit, dass das Lied „Keine Angst“ (#7) in den deutschen Charts noch erfolgreicher war als „Das ist von der Kunstfreiheit gedeckt“ (#25) fünf Jahre zuvor. Zum Ausgleich dürfen die Kolleg*innen von anderen öffentlich-rechtlichen Kanälen nun das Loblied auf das Album singen:


Auf dem gleichnamigen Album ist „Keine Angst“ fast der Schlusspunkt, als vorletzter von insgesamt zwölf Songs. Als sei Danger Dans antifaschistische Haltung die logische Konsequenz aus allem, was er zuvor besingt.
Und das ist auf eine ganz andere, weniger krawallige Art politisch. Danger Dan behandelt die vielen Facetten des Menschseins, meistens ruhig und nachdenklich. „Dass es hier so schön ist“ erzählt von seiner drohenden Erblindung. Überhaupt zeigt sich Daniel Pongratz, wie er bürgerlich heißt, verletzlich. Im Sinne einer „neuen Männlichkeit“ singt er davon, in Therapie zu sein, bei Liebesfilmen zu weinen und sich vor dem Tod zu fürchten.
Er vertont auch sein jüngstes Outing. „Warum es nicht geklappt hat“ ist ein Liebeslied für einen Mann. So explizit hat man das im deutschen Pop viel zu selten gehört. In „Für immer“ reflektiert Danger Dan, dass sein Schmerz über den Verlust eines Freundes mit der Zeit abgenommen hat.
(SWR)


  


So geht es zum Beispiel ums Abschiednehmen und die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit. "Dass es hier so schön ist, hätte ich vielleicht sonst nie gesehen", singt der 43-Jährige, der an der Augenerkrankung Retinitis pigmentosa leidet, die ihn langsam erblinden lässt. Und der dazugehörige Song ("Dass es hier so schön ist") ist vielleicht eine der schönsten Balladen des Jahres. Auch wegen dieser wehmütigen Zeile: "Ich will nicht, dass ich Angst hab', aber mich dran erinnern: Irgendwann holt auch mich die Nacht."
Mangelnde Akrobatik mit der linken Piano-Hand gleicht Danger Dan wieder mit Kreativität aus. Die überspringt im Laufe des Albums sogar mehrere Oktaven vom Kampflied in Moll zum satirischen Chanson á la Georg Kreisler mit dem Titel "Wenn man Nazis so behandelte wie Frauen". "Kapiert – wir sollen Nazis also lieber nicht verhauen", singt Danger Dan darin. "Doch wie wär's, wenn wir stattdessen – ich weiß, es klingt vermessen, doch man könnt' es ja mal testen – sie behandelten wie Frauen?" Und dann zählt er auf, wie Frauen in der Gesellschaft benachteiligt werden oder welche Gewalt ihnen widerfährt.
(BR)


 


Für Daniel Pongratz, wie Danger Dan eigentlich heißt, ist das Private politisch - ganz nach der alten 68er-Losung. Das geht aus vielen seiner Texte hervor. In "Dass es hier so schön ist" singt er über seine Augenerkrankung, die ihn nach und nach erblinden lässt. Im Video sitzt er in einem hell erleuchteten Raum voller Kerzen und Leuchter. Auf dem Bildschirm tauchen immer mehr schwarze Flecken auf, am Ende herrscht totale Finsternis. Ein bewegender Aufruf, die Schönheit der Welt mit offenen Augen wahrzunehmen.

Überhaupt: Das Positive, das uns trotz allem umgibt, ist neben dem Appell, gegen Faschismus aufzustehen, ein immer wiederkehrendes Thema bei Danger Dan. "Hätte der Opa, der im Zweiten Weltkrieg im Schützengraben lag, je gedacht, dass sein Enkel irgendwann bei Montpellier im Sonnenuntergang die Enkel derer küssen kann, auf die er gerade schießt", heißt es im Song "Aber dann“.
(NDR)




2. Oktober 2026

DMA’s - DMA’s


Die australischen Britpop-Epigonen von DMA’s feierten dieses Jahr den 10. Geburtstag ihres Debütalbums „Hills End“. Und wo könnte man dies besser tun als im Vereinigten Königreich, der Heimat ihrer Vorbilder, die Oasis, The La’s, The Stone Roses, New Order und natürlich The Beatles heißen. 
Für die Proben haben sich der Sänger Tommy O'Dell und die beiden Gitarristen Matthew Mason und Johnny Took wieder intensiv mit ihrem Frühwerk auseinandergesetzt und dabei offensichtlich erkannt, dass sie auch gut auf die vielfach auf „The Glow“ (2020) und „How Many Dreams?“ (2023) genutzten Synthesizer, Drum-Computer und Dance/Pop-Elemente verzichten können. Gleiches galt wohl für Stuart Price und Rich Costey, die als Produzent sicherlich so einiges zu dieser (Fehl-)Entwicklung beigetragen hatten. 

So entstand das fünfte Studioalbum „DMA’s“ größtenteils im eigenen Studio, wo das Trio auch hinsichtlich der Produktion federführend war. So gibt es auf den 11 Songs, die knapp 39 Minuten laufen, entspannten, leichtfüßigen Gitarrenpop, wie ihn beispielsweise Blossoms derzeit bieten („My Baby’s Place“), sommerlichen, melodiösen Britpop, der an Travis denken lässt („Hurracane“), akustische Balladen wie „Windows“, temporeiche Rocksongs („Killing Time“, „Heatin Park“, „One & Only“) oder hymnisches Futter für die ganz großen Konzertbühnen („Distance“, „Emailz“). Anders als beim Vorgänger gibt es auf „DMA’s“ keine Totalausfälle zu verzeichnen.

Es scheint sich für DMA’s gelohnt zu haben, denn erstmals - nach den Plätzen 8, 7, 2 und 2 - konnten sie Platz 1 der Album Charts in ihrer australischen Heimat erreichen. Ob diese Entwicklung auch bei Platten vor Gericht gutiert wird? 

Es gibt mehrere hübsche, zum Plattencover passenden rote Schallplatten von „DMA’s“ - und eine blaue: Red Vinyl, White & Red Pinwheel Vinyl, Clear& Red Yolk Vinyl, Clear & Red Splatter Vinyl, Baby Blue Vinyl.


 


 


What makes the album satisfying is that it does not reinvent DMA’S, and it should not. Their real achievement has been expanding the sound piece by piece without losing what made people care in the first place.
Trace the line: Hills End landed in 2016 with clear echoes of Oasis, The Stone Roses and Britpop. For Now polished the formula. The Glow opened the door to electronics and dance music. How Many Dreams? went bigger. Now DMA’S pulls those threads into one cohesive record.
The guitars still matter, but they are no longer the whole story. The electronic touches feel natural rather than gimmicky; the melodies remain instant, now framed by smarter arrangements. Best of all, the band sounds like it has nothing left to prove.
O’Dell deserves a moment here, because he is the heart of this band. DMA’S could have settled into Britpop-revival comfort, but his voice gives them room to keep moving. That range works in a sweaty club at midnight, on a festival main stage at sunset, or from a car stereo on a long drive.
Credit to Johnny Took and Matt Mason too. Their guitar work is increasingly about texture and feel rather than riffs alone, and this record shows how much that shift has paid off.


 




1. Oktober 2026

Neue Gerichtstermine: Oktober / November


Oktober

02.10.
The Album Leaf - A Body Of Voices
Danger Dan - Keine Angst
Johnny Marr - The Age Of Everything
Susanne Sundfør - Revelations Of Divine Love
Vacations - Pursuit Of Anything
Walt Disco - Walt Disco

09.10.
Andy Bell & Masal - Common Primitives
Bodega - All Inside Aquarium
The Howlers - Heavy
Imperial Teen - All Over You
Pet Shop Boys - A Man From The Future
Sarah Julia - The Fear That This Is Real
The Tallest Man On Earth - Just Beyond Endless Mountain
Teenage Fanclub - Do Not Dare To Dream
Tramhaus - Blister

16.10.
Bärchen und die Milchbubis - Lach doch mal
Eels - Cookie Happened
Fontaines D.C. - Dopamine Chamber
Giant Rooks - If Heaven Exists, This Might Be It

23.10.
Fenne Lily - Win Win
The Olivia Tremor Control – The Same Place
Philipp Poisel - Gute Zeiten

30.10.
DIIV - ZIRP!
Editors - Surface, Echo & Sound
Ex:Re - Save As
Get Well Soon - Séance
Heather Nova - The Orchard
Caroline Rose - Gentling The Horse At The Walt Whitman Mall
Tränen - Leben einer Katze


November

06.11.
La Roux - Old Flames
Sufjan Stevens - Worst Christmas Ever!

13.11.
Jake Bugg - Alamo
U2 - Carnaval de Luz

20.11. 
Desperate Journalist - Gilding The Lily
Kat Frankie, B O D I E S - The Dream
Lael Neale - As Killer Do