Weiter geht es. Heute mit Westside Cowboy. Und wer sich Cowboy nennt, der braucht auch ein Pferd. Und spielt Americana. Etwas problematisch stellt sich dies dar, wenn man, wie Jimmy Bradbury (Gesang, Gitarre), Reuben Haycocks (Gesang, Gitarre), Aoife Anson O’Connell (Gesang, Bass) und Paddy Murphy (Gesang, Schlagzeug) aus Manchester stammt. Aber dann parkt man sein Pferd eben auf der Grünfläche in der nächsten Hochhaussiedlung und nennt seinen Sound mit einem Augenzwinkern als „Britainicana“.
Das Quartett verknüpft auf seinem Debütalbum „It Goes On“ Americana mit Indie-Rock, Alternative Rock, Rockabilly und Folk-Rock, wobei das Wörtchen „Rock“ schon dick unterstrichen sein sollte, so dass bei Vergleichen oft die Namen The Wedding Present und The Velvet Underground genannt werden. Im Studio haben Westside Cowboy zusammen mit dem Produzenten Loren Humphrey (Adam Green, Cults, Wunderhorse) versucht, ihren rauen, direkten und energiegeladenen Klang ihrer Konzerte einzufangen. Auffallend ist dabei, dass sich auf den 11 Songs alle vier Bandmitglieder den Gesang teilen.
„It Goes On“ wurde nach zwei voran gegenagenen EPs am 21. August als black Vinyl, red Vinyl, orange Vinyl und off-cut clear, brown, yellow, white and olive green splatter Vinyl erschienen, erreichte Platz 5 der UK Album Charts und steht aktuell bei einem Metascore von 87/100.
Der Auftakt "Kick stones (The boys)" zeigt als eine Art Mini-Exposition, wie das Album im Gesamtverlauf dramaturgisch funktioniert und gehört eigentlich in jede einzelne Pub-Playlist dies- und jenseits des United Kingdom. Insbesondere die weiblichen Gesangsparts von Aoife Anson O'Connell sind besonders lobend herauszuheben – nicht wegen ihrer Virtuosität oder besonderen Raffinesse, sondern gerade wegen der überraschenden Selbstverständlichkeit, dass eine raue Stimmlage eben nicht tief gesungen werden muss und gerade in diesem Spannungsverhältnis ganz viel Nahbarkeit steckt, die einen direkt vereinnahmt."It goes on" ist daher wahrlich nichts für Puristen. Das ganze Album zieht, exemplarisch erläutert an den Stücken "Worried age" oder auch "Coyote", seine Energie aus der blanken Spielfreude ihrer Interpret*innen. In elektrische Energie umgewandelt, ließe sich die Stromversorgung einer nordbritischen Großstadt jedoch gewiss sicherstellen.

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