Es muss an mir liegen. Aber vielleicht auch ein wenig an Johnny Marr. Und natürlich an Morrissey!
Die Plattenkritiken zu „The Age Of Everything“ sind nicht besonders berauschend. Beispielsweise 3/5 Sternen im Rolling Stone und 3,5/6 Sternen im Musikexpress. Aber mir gefällt das Album recht gut, denn Johnny Marr macht Johnny Marr Sachen. Und damit macht er musikalisch das, was man erwarten oder sogar erhoffen durfte, im Gegensatz zu seinem früheren Bandkollegen Morrissey, der mit „Makeup Is A Lie“ auf fast ganzer Linie enttäuscht.
Der Opener „Spin“ klingt ein wenig nach Electronic und man hätte sich gewünscht, das sich die frühen Kollaborateure dieses Projektes (Bernard Sumner, Karl Bartos und Neil Tennant) ins Studio eingeschlichen und den Song ein wenig in Richtung Elektronik geschoben hätten. Gleiches gilt für „Beyond The Rain“, das bestimmt einen guten New Order Song abgegeben hätte. Dann packt Marr zum ersten Mal eine typische The Smiths-Gitarre aus, doch leider ermüdet das oftmals gesungene Ooooh-oho-oooh doch ein wenig. Da wäre Morrissey textlich bestimmt etwas mehr eingefallen - und wie toll hätte es geklungen, wenn er mit weinerlich-dramatischer Stimme auf „Ophelia“ oder „In And Out Of Love“ gesungen hätte.
Es hat nach der Trennung von The Smiths einige Jahre gedauert, bis Johnny Marr nach Mitgliedschaften bei The The, Electronic, Modest Mouse oder The Cribs solo mit seiner Musik auch als Sänger in die Öffentlichkeit trat. „The Age Of Everything“ ist nunmehr sein fünftes Soloalbum und in diesem Jahr gewinnt er den Wettstreit mit Morrissey klar.
Auf THE AGE OF EVERYTHING spielt er exakt die Musik, die sich die meisten seiner Fans vermutlich wünschen: Indie-Rock, der in den 1980ern und 1990ern grundiert ist und sich selbst nie zu wichtig nimmt. Natürlich werden in Songs wie „It’s Time“ Erinnerungen an die eigenen Verdienste sichtbar, aber es sind auch andere, die einen in den Sinn kommen.Die Struktur der Songs erinnert bisweilen an die späten Echo & the Bunnymen, auch New Order zu REPUBLIC-Zeiten scheinen im Nachbarzimmer zu kampieren. „Ophelia“ schielt Richtung Manchester Rave, „In And Out Of Love“ holt das große Balladenbesteck raus, „Fire With Fire“ zeigt schließlich das vielleicht filigranste Gitarrenspiel des Albums. Unwahrscheinlich, dass jemand THE AGE OF EVERYTHING anhören und kolossal überrascht sein wird. Aber ganz behaglich einrichten lässt es sich in diesen Liedern durchaus.

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